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Abenteuerroman

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Abenteuerromane werden in der Absicht geschrieben, das Publikum? durch die spannenden Erlebnisse und Taten eines Helden zu unterhalten. Viele Abenteuerromane spielen? in der Fremde, auf dem Meer, in der Wildnis oder in phantastischen Landschaften. Als Abenteuerromane von Weltrang gelten unter anderem H. J. C. von Grimmelshausens „Der abentheuerliche Simplicissimus Teutsch“ (1669) und „Don Quichote“ (1605-1615) von M. de Cervantes?.

Definition

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Abenteuerroman ist keine klar definierte Gattung. Ähnlich wie z. B. der Familienroman oder der Gesellschaftsroman weist der Abenteuerroman zahlreiche Gemeinsamkeiten mit verwandten Romanformen auf. So beinhaltet der Abenteuerroman unter anderem Elemente der Gespenstergeschichte?, des Schauerromans und des Schelmenromans. Die Hauptgemeinsamkeit zwischen den genannten Romanformen besteht darin, dass ein Held (oder Anti-Held) im Mittelpunkt der Handlung steht, der die Welt als bunte Abfolge von gefährlichen, schauerlichen oder komischen Episoden erlebt. Die einzelnen Geschichten sind in lockerer Folge um die Figur des Helden gruppiert.

Die meisten Abenteuerromane werden in der Absicht geschrieben, das Publikum? durch die spannenden Erlebnisse und ungewöhnlichen Taten eines Helden zu unterhalten. Dabei gerät der Held, gewollt oder ungewollt, in eine rasante Abfolge von möglichst erschreckend ausgemalten Abenteuern und Irrfahrten, in denen er sich unter Aufbietung aller ihm zur Verfügung stehenden körperlichen und geistigen Kräfte bewähren muss. Viele Abenteuerromane spielen? in der Fremde, auf dem Meer, in der Wildnis, im Weltraum oder in phantastischen Landschaften – also an Orten, die den Helden mit unbekannten sinnlichen Erfahrungen konfrontieren und ihn vor ein großes Wagnis stellen.

Die Wirkung des Abenteuerromans und seine große Popularität zu allen Zeiten beruht im Wesentlichen auf der volkstümlichen Erzählweise und der Identifikation des Lesers mit dem Helden. Daher dürfen die zu bestehenden Abenteuer nicht zu weit von den Phantasien und Vorstellungen der Leser entfernt sein. Viele Abenteuerromane sind mit dem Populärwissen ihrer Zeit angereichert und dienen damit – wenn auch nicht immer vom Autor beabsichtigt – neben der Unterhaltung auch der Belehrung? des Lesers.

Entstehung

Über die Anfänge des Abenteuerromans besteht in der Literaturwissenschaft keine Einigkeit. Es gibt zahlreiche Forscher, die die Entstehung des Abenteuerromans auf die antike Liebes?- und Heldenliteratur? zurückführen. Anders als im reinen Abenteuerroman sind hier jedoch die abenteuerlichen und gefährlichen Episoden? in eine tiefer gehende Handlung integriert und erfüllen keinen Selbstzweck (Heliodoros?, „Aithiopika“, 4. Jahrhundert n Chr.). Auf diese antiken Werke trifft die Bezeichnung Abenteuerroman also nur teilweise zu.

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Zu den direkten Vorläufern des Abenteuerromans zählt man das höfische? Epos, dessen Helden zahlreiche "Aventiuren?" (Abenteuer) zu bestehen hatten. Hervorzuheben ist hier vor allem der Artusstoff, dessen Episoden bis heute in der Abenteuerliteratur variiert werden, aber auch die Spielmannsdichtung? („Herzog Ernst“, um 1180?) und die Volksbücher des 16. Jahrhunderts („Fortunatus“, 1509). Vor allem von den Artusepen existiert eine Fülle verflachter Nachahmungen?.

Entwicklung

Seit dem Mittelalter? weit verbreitet, erreichte die Publikation? von Abenteuerromanen im 16. und 17. Jahrhundert einen ersten Höhepunkt. Von herausragender Bedeutung sind vor allem H. J. C. von Grimmelshausens „Der abentheuerliche Simplicissimus Teutsch“ (1669) und „Don Quichote“ (1605-1615) von M. de Cervantes?, die viele abenteuerliche Episoden enthalten. Berühmte Abenteuerromane im 18. Jahrhundert sind A. R. Lesages? „Geschichte des Gil Blas von Santillana“ (1715-1735) und D. Defoes? „Das Leben und die seltsamen Abenteuer des Robinson Crusoe“ (1719/1720). Letzterer wurde zum Vorbild für eine Fülle so genannter Robinsonaden?, in denen die abenteuerliche Handlung häufig mit pädagogischen Zwecken verbunden wurde.

Eine triviale Spielart des Abenteuerromans, angereichert mit Zügen des Schelmenromans, ist zur Zeit des Sturm und Drang der Räuberroman?. In seinem Mittelpunkt steht der edle Räuber, der - wenngleich mit fragwürdigen Methoden - zum Beschützer der Entrechteten wird. Friedrich Schillers "Verbrecher aus verlorener Ehre" gab hier das literarische Vorbild.

Im Entwicklungs-, Bildungs?- und Künstlerroman? der Klassik und Romantik – angefangen bei J. W. von Goethes „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ (1795/96) bis hin zu J. von Eichendorffs „Aus dem Leben eines Taugenichts“ (1826) – tauchen zahlreiche Elemente des Abenteuerromans auf. Diese Elemente werden im Zusammenhang mit dem geistigen und moralischen Entwicklungsprozess des Helden dargestellt.

Von Cooper zu May

Im 19. Jahrhundert stieg J. F. Cooper? zum bewunderten Vorbild für eine ganze Generation von Abenteuer-Schriftstellern auf. In seinen fünf „Lederstrumpf“-Romanen, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts beim deutschen Lesepublikum? zu Bestsellern avancierten, erzählt er vom gefährlichen Leben der Trapper, Landvermesser und Indianer in der unberührten Wildnis Amerikas. Die sozialkritischen? Tendenzen dieser Western? wurden von den Zeitgenossen häufig übersehen. Erst die Arbeiterliteratur? am Ende des 19. Jahrhunderts knüpfte an die in Coopers? Romanen enthaltenen Gedanken von Freiheit und Gerechtigkeit an.

Bekannte deutschsprachige Verfasser von Abenteuerromanen waren im 19. Jahrhundert K. May („Winnetou“, 1893) und F. Gerstäcker? („Die Flusspiraten des Mississippi“, 1848) sowie der in die USA ausgewanderte C. Sealsfield? („Das Cajüttenbuch oder Nationale Charakteristiken“, 1841), deren Romane von der Literaturwissenschaft jedoch häufig als Schundliteratur? abgetan wurden. Was den Wert von Abenteuerromanen anlangte, war der Philosoph? E. Bloch? anderer Meinung als die Philologen: Er stellte die These auf, dass z. B in den Romanen von K. May die Helden als Träger einer starken idealistischen und weltverbessernden Kraft in Erscheinung träten.

Nachhaltigen Einfluss übten im 19. Jahrhundert und in der Zeit der Jahrhundertwende auch Schriftsteller wie W. Scott?, A. Dumas?, R. L. Stevenson? und J. Conrad? auf den Abenteuerroman aus.

B. Traven und Knut Hamsun

Als bedeutendster Verfasser von Abenteuerromanen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gilt B. Traven? („Das Totenschiff“, 1926), der in seinen Romanen spannende Abenteuer mit scharfer Gesellschaftskritik verknüpft. Eine moderne Variante des Abenteuerromans ist der lyrisch-naturverbundene Landstreicherroman, wie man ihn von K. Hamsun? („Landstreicher“-Trilogie“, 1927-1933) kennt.

Im 20. Jahrhundert nahm die Verbreitung von Abenteuerromanen weiter zu und erreichte durch die schnell und preiswert hergestellten Taschenbücher eine Millionen-Auflage?. Jedes Jahr wird eine unübersehbare Fülle von neuen Abenteuerromanen auf den Buchmarkt geworfen.

Mit dem Verschwinden von unbekannten Fernen und undurchdringlicher Wildnis im 20. Jahrhundert wandelte sich auch der Abenteuerroman. Viele Motive und Handlungselemente, die für den Abenteuerroman charakteristisch sind, tauchen im Kriminalroman wieder auf.

Literatur

  • Cervantes, Miguel de: Don Quijote. München, dtv 1997, ISBN: 978-3423123518
  • Grimmelshausen, Hans Jakob Christoffel von: Der Abenteuerliche Simplicissimus Teutsch. München, dtv 2003, ISBN: 978-3423123792
  • Traven, B.: Das Totenschiff. Die Geschichte eines amerikanischen Seemanns. Reinbek, Rowohlt Verlag 1996, ISBN: 978-3499101267

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