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Adelbert-von-Chamisso-Preis

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Der Adelbert-von-Chamisso-Preis ist ein Literaturpreis, der seit 1985 von der Robert-Bosch-Stiftung verliehen wird (bis 2005 zunächst gemeinsam mit der Bayerischen Akademie der Schönen Künste?, seit 2006 von der Robert-Bosch-Stiftung allein). Ausgezeichnet werden mit diesem Preis deutschsprachige, bereits veröffentlichte Werke? von Autoren nichtdeutscher Muttersprache.

Der Hauptpreis ist mit 15.000 Euro dotiert; daneben werden bis zu zwei Förderpreise mit jeweils 7.000 Euro für Nachwuchsautoren vergeben, wobei auch unveröffentlichte Texte berücksichtigt werden. Über die Preisträger entscheidet eine unabhängige Jury. Die Bekanntgabe der Preisträger erfolgt jährlich auf der Frankfurter Buchmesse; die Preisverleihung findet in München statt.

Seit 1997 vergibt die Stiftung zudem in unregelmäßigen Abständen eine Ehrengabe zum Adelbert-von-Chamisso-Preis an literarische Persönlichkeiten, deren Lebenswerk in besonderer Weise dem Sinne des Chamisso-Preises dient.

Über die Preise und Ehrengabe hinaus veranstaltet die Robert-Bosch-Stiftung in unregelmäßigen Abständen sogenannte Chamisso-Tage, die an unterschiedlichen Orten im deutschsprachigen Raum durchgeführt werden. Außerdem vergibt sie Arbeitsstipendien? an die Preisträger, fördert eine Chamisso-Poetikdozentur an der Technischen Universität Dresden sowie zahlreiche Möglichkeiten für Lesungen an Schulen, Bibliotheken und Theatern?.

Die Förderung der Preisträger in unterschiedlicher Art ist ein über die Prämierung hinausgehendes besonderes Kennzeichen des Adelbert-von-Chamisso-Preises – ermöglicht wird dadurch eine hohe öffentliche Resonanz auf einen besonderen Teil der deutschsprachigen? Gegenwartsliteratur?.

Der Preis und seine Geschichte

Im Zusammenhang mit der Arbeitsmigration – insbesondere aus südeuropäischen Ländern – ab 1955 entstand im deutschsprachigen Raum eine neuartige deutschsprachige multikulturelle Literatur, die zunächst als „Gastarbeiterliteratur?“ bezeichnet wurde. Aufgrund der Tatsache, dass in den darauffolgenden Jahrzehnten die Migrationshintergründe vielfältiger wurden, versuchten ab den 1980er-Jahren Begriffe wie „Migrationsliteratur?“ oder „interkulturelle Literatur?“ dieser Vielfalt gerecht zu werden.

Die Rezeption des neu entstehenden Literaturbereiches wurde vom „Institut für Deutsch als Fremdsprache“ an der Ludwig-Maximilians-Universität in München initiiert. Insbesondere Irmgard Ackermann und Harald Weinrich setzten sich ab Ende der 1970er-Jahre für die von Migranten verfasste Literatur ein. So wurden sowohl literarische Preisausschreiben für Autoren ausgeschrieben als auch Förderungen durch das Goethe-Institut? bewilligt. Diese erste öffentliche Hinwendung zu den literarischen Zuwanderern im deutschen Sprachgebiet führte schließlich 1985 zur Einrichtung des jährlich verliehenen Adelbert-von-Chamisso-Preises.

Der Name des Preises geht auf den ursprünglich aus Frankreich stammenden Autor Adelbert von Chamisso (1781-1838) zurück. So wie der Preis-Namensgeber sich ständig zwischen den Sprachen und Kulturen bewegte, so kennzeichnen auch die Preisträger ganz unterschiedliche kulturelle Hintergründe. Doch unabhängig davon, wie diese Hintergründe geartet sind – ob Arbeitsmigration, Asyl, Exil oder Studium – gemeinsam ist den Preisträgern die Wahl der deutschen Sprache als individuelle und künstlerische Ausdrucksform. Die Texte der Preisträger bieten insgesamt ein breites thematisches Spektrum; nicht immer, aber häufig, steht die Auseinandersetzung mit der eigenen Identität – vor dem Hintergrund der Migration - im Mittelpunkt.

Zwischenzeitlich hat diese "Literaturszene" einen ganz selbstverständlichen und nicht unbedeutenden Platz innerhalb der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur eingenommen. Dies spiegelt sich nicht zuletzt auch in der Tatsache wider, dass immer häufiger deutschsprachige Autoren nichtdeutscher Sprachherkunft für andere Literaturpreise nominiert werden bzw. diese auch erhalten. So konnte beispielsweise die aus der Vojvodina stammende Autorin Melinda Nadj Abonji? für ihren Roman "Tauben fliegen auf" 2010 den Deutschen Buchpreis entgegennehmen.

Zu erwähnen ist darüber hinaus die mit der Preisvergabe einhergehende Hervorhebung der kulturvermittelnden Leistung dieser Literatur. Verständlicherweise verstehen einige Preisträger den Adalbert-von-Chamisso-Preis in gewisser Hinsicht als eine Art Ausgrenzung, indem diese Literatur als separater Bereich betrachtet wird; gleichzeitig wird gerade dadurch der Blick auf mögliche Verständigungsformen zwischen den Kulturen gerichtet. Unabhängig davon, ob die Preisträger im deutschen Sprachraum leben oder in ihren Heimatländern die deutsche Sprache als Bildungssprache fördern, sie alle demonstrieren, inwiefern Kulturen zusammenwirken und Sprache als zentrales integrierendes Moment fungiert.

Die bisherigen Preisträger

2011 Jean Krier; Förderpreis: Olga Martynova und Nicol Ljubic
2010 Terézia Mora; Förderpreise: Abbas Khider und Nino Haratischwili
2009 Artur Becker; Förderpreise: María Cecilia Barbetta und Tzveta Sofronieva
2008 Saša Stanišić; Förderpreise: Michael Stavarič und Léda Forgó
2007 Magdalena Sadlon; Förderpreise: Que Du Luu und Luo Lingyuan
2006 Zsuzsanna Gahse; Förderpreise: Sudabeh Mohafez und Eleonora Hummel
2005 Feridun Zaimoglu; Förderpreis: Dimitré Dinev
2004 Asfa-Wossen Asserate? und Zsuzsa Bánk; Förderpreis: Yadé Kara
2003 Ilma Rakusa?; Förderpreise: Hussain al-Mozany und Marica Bodrožić
2002 SAID; Förderpreise: Francesco Micieli und Catalin Dorian Florescu; Ehrengabe: Harald Weinrich
2001 Zehra Çırak; Förderpreise: Radek Knapp und Vladimir Vertlib; Ehrengabe: Imre Kertész?
2000 Ilija Marinow Trojanow; Förderpreise: Terézia Mora und Aglaja Veteranyi
1999 Emine Sevgi Özdamar?; Förderpreis: Selim Özdoğan
1998 Natascha Wodin; Förderpreis: Abdellatif Belfellah
1997 Güney Dal und José F. A. Oliver; Ehrengabe: Jiří Gruša?
1996 Yōko Tawada; Förderpreis: Marijan Nakić
1995 György Dalos; Förderpreis: László Csiba
1994 Dante Andrea Franzetti; Förderpreis: Dragica Rajcić
1993 Rafik Schami; Förderpreis: İsmet Elçi
1992 Adel Karasholi und Galsan Tschinag?
1991 Libuše Moníková?; Förderpreis: SAID
1990 Cyrus Atabay; Förderpreis: Alev Tekinay
1989 Yüksel Pazarkaya; Förderpreis: Zehra Çırak
1988 Elazar Benyoëtz; Förderpreis: Zafer Şenocak
1987 Franco Biondi und Carmine Gino Chiellino
1986 Ota Filip?
1985 Aras Ören; Förderpreis: Rafik Schami

Literatur

  • Friedrich, Heinz (Hrsg.): Chamissos Enkel : Zur Literatur von Ausländern in Deutschland. dtv, München 1986, ISBN 3-423-10533-X
  • Robert Bosch Stiftung (Hrsg.): Viele Kulturen eine Sprache. Adelbert-von-Chamisso-Preisträgerinnen und Preisträger 1985–2007. Stuttgart 2007

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