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Ästhetik

Die Ästhetik befasst sich mit den Grundlagen der Kunst und des Schönen. Etliche ästhetische Ideale wie z. B. Harmonie und Ausgeglichenheit faszinieren die Menschen seit der Antike.

Definition

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Ästhetik (von griechisch aisthetikos = durch die Sinne wahrnehmbar) ist die Wissenschaft, die prinzipielle Probleme der Kunst und im engeren Sinne des Schönen und Erhabenen, aber auch des Hässlichen behandelt. Die Ästhetik ist seit der Antike ein wichtiges Teilgebiet der Philosophie: Sie fragt u. a. nach den Bedingungen der Entstehung von Kunst, der Rezeption von Kunstwerken durch den einzelnen und die Gesellschaft sowie nach dem Verhältnis von Kunst und Wirklichkeit.

Die historische Rückschau belegt die Zeitgebundenheit von ästhetischen Vorstellungen und Methoden. Es gibt jedoch etliche ästhetische Ideale, welche die Menschen seit Jahrhunderten faszinieren und zu beeindruckenden künstlerischen – oder überhaupt schöpferischen – Höchstleistungen herausfordern, wie z. B. Harmonie, Reinheit, Ausgeglichenheit, innere Gesetzmäßigkeit oder Wahrhaftigkeit. In der Verwirklichung dieser Ideale liege der Schlüssel zum sinnlich erfahrbaren Kunstgenuss, so lautet ein Grundgedanke zahlreicher ästhetischer Schriften.

Foto: Wikipedia.org

Ästhetik und Poetik

Seit ihrer Entstehung ist die Ästhetik eng mit der Dichtkunst verbunden. Neben Philosophen waren es von alters her vor allem Dichter, die sich mit ästhetischen Problemen in Kunst und Literatur befassten. Ein Teilgebiet der Ästhetik, das speziell die Grundlagen des Schönen und Erhabenen auf dem Gebiet der Literatur untersucht, ist die Poetik. Eine Trennung beider Disziplinen ist jedoch kaum möglich – und auch nicht sinnvoll, denn der wechselseitige Gedankenaustausch hat sich gerade bei ästhetischen Problemen als enorm befruchtend erwiesen.

Seit dem späten 19. Jahrhundert hat sich auf dem Gebiet der Ästhetik eine kaum zu überblickende Anschauungs- und Ideenvielfalt entwickelt. Marxistische, soziologische und biologische Ausgangspunkte stehen neben sexualpsychologischen und existentialistischen Betrachtungsweisen. Auch Kunst- und Literaturwissenschaft behandeln ästhetische bzw. poetologische Fragen. Durch die Reform der Studiengänge ist die Betrachtung ästhetischer und poetologischer Probleme an den Universitäten jedoch in den Hintergrund gerückt.

Ästhetizismus: weltfremd und sinnlos?

Als Ästhetizismus bezeichnet man übrigens eine Lebensanschauung, die dem ästhetischen Erlebnis den Vorrang vor anderen Werten einräumt. Die Bezeichnung ist meist abwertend gemeint – im Sinne von: weltfremde und sinnlose Kunstliebhaberei.

Entstehung

Prinzipielle Probleme der Kunst und des Schönen wurden bereits in der antiken Philosophie ausgiebig behandelt. Wobei aber die Dichtkunst nur selten unmittelbar in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rückte. Bei Platon? war die Schönheit aufs engste mit dem Guten verknüpft, woraus sich für Kunst und Dichtung vor allem moralisch-pädagogische Anforderungen ergaben. Die reine Freude am Kunstgenuss spielte bei Platon? noch keine Rolle, klang aber bisweilen schon an.

Von weitreichender Bedeutung waren die ästhetischen und poetologischen Schriften des Aristoteles?. Seine nur in Fragmenten? überlieferte Poetik („Über die Dichtkunst“) enthält grundlegende Reflexionen über das Verhältnis von Kunst und Wirklichkeit, von Kunst und Natur. In der Nachahmung (Mimesis?) der Natur sah Aristoteles? die Grundlage jeder Form von Kunst. Zu nennen sind zudem die Schriften der römischen Gelehrten Horaz? und Cicero?, die in der Harmonie und Ausgeglichenheit das überzeitliche Ideal der Dichtkunst erblickten.

Entwicklung

Das aus der Antike stammende ästhetische Ideal von Harmonie und Ausgeglichenheit war auch in der christlich-religiösen Gedankenwelt des Mittelalters? lebendig – wenn auch mit veränderten Vorzeichen. So fasste man im Mittelalter? Schönheit als von Gott gegeben auf. Als schön und vollkommen galt alles, was von Gott geschaffen worden war. Diese Schönheit sollten die Menschen in Kunstwerken darstellen.

Die moderne Ästhetik entsteht

Die Zeit der Aufklärung? legte die Grundlagen für die Ästhetik als eigenständige philosophische Disziplin. Die Gelehrten machten sich nun auch erstmals systematisch Gedanken über den Geschmackssinn und fragten: Welchen Einfluss hat der persönliche und gesellschaftliche Geschmack auf die Entstehung von Kunstwerken sowie auf ästhetische Werturteile?

Damit einher ging die Entwicklung einer von ästhetischen Wertmaßstäben geleiteten Kunst- und Literaturkritik, die in den folgenden Jahren zu atemberaubenden gedanklichen Höhen aufstieg. Kategorien wie Individualität, Modernität und Einfallsreichtum spielten nun erstmals eine bestimmende Rolle.

Die ästhetische Erziehung des Menschen

Als Begründer einer wissenschaftlichen Ästhetik im heutigen Verständnis gilt der Philosoph Alexander Gottlieb Baumgarten?. In seiner unvollendet gebliebenen Schrift „Aesthetica“ (1750-1758) entwickelte er die einflussreiche Grundidee, wonach schön und ästhetisch sei, was beim Betrachter bzw. Leser ein über längere Zeit anhaltendes seelisches Wohlgefühl hervorrufe.

Immanuel Kant knüpfte in seiner „Kritik der Urteilskraft“ (1790) an Baumgartens? Gedanken an und fügte weitere Aspekte hinzu. Bei Kant nehmen zudem Überlegungen zum Geschmackssinn breiten Raum ein. Anregend wirkte Baumgarten? auch auf Gotthold Ephraim Lessing („Laokoon oder Über die Grenzen der Malerei und Poesie“, 1766) und Friedrich Schiller („Über die ästhetische Erziehung des Menschen“, 1795).

Ästhetik zwischen Trieb und Autonomie

Das 19. Jahrhundert und vor allem das 20. Jahrhundert waren geprägt von einem kaum zu überblickenden Methoden- und Forschungspluralismus. Die kräftigsten Impulse kamen von Friedrich Nietzsche (z. B. „Also sprach Zarathustra“, 1883-1885; „Jenseits von Gut und Böse“, 1886) und Sigmund Freud (z. B. „Die Traumdeutung“, 1900), deren bahnbrechenden Gedanken bis heute rezipiert, variiert und kommentiert werden. Nur wenige haben das ästhetische Erlebnis so tiefgreifend revolutioniert wie Nietzsche und Freud.

Viele Künstler erblickten in Nietzsche den visionären Verkünder einer selbstbewussten und autonomen Kunstidee, die in der freien und kultischen Selbstentfaltung des schöpferischen Menschen gipfelte. Freud deutete den künstlerischen Schaffensprozess als libidinöse Ersatzbefriedigung und das Kunstwerk als Resultat fiktiver Wunscherfüllung. Daneben gab es viele weitere Impulsgeber, die – heute zum Großteil vergessen – seit dem späten 19. Jahrhundert ästhetische Probleme auf oft überraschende und vielschichtige Weise behandelten.

Adorno, Bense, Goodman

Im 20. Jahrhundert blieb die Ästhetik von kaum einer wissenschaftlichen Methode unbeeinflusst: Elemente aus Mathematik, Psychologie, Biologie, Soziologie, Semiotik, Sprachwissenschaft oder Informatik flossen in sie ein. Am bedeutendsten waren wohl die philosophischen und ästhetischen Schriften von Theodor W. Adorno (z. B. „Minima Moralia“, 1950; „Ohne Leitbild. Parva Aesthetica“, 1967), Max Bense? (z. B. „Aesthetica I-IV“, 1954-1960; „Aesthetica. Einführung in die neue Aesthetik“, 1965) und Nelson Goodman? (z. B. „Languages of Art“, 1969).

Literatur

  • Die Ästhetik in der Literatur
  • Aristoteles: Poetik. Griechisch / Deutsch. Reclam Verlag, Ditzingen 1994, ISBN: 978-3150078280
  • Lessing, Gotthold Ephraim: Laokoon oder Über die Grenzen der Malerei und Poesie. Mit beiläufigen Erläuterungen verschiedener Punkte der alten Kunstgeschichte. Reclam Verlag, Ditzingen 1986, ISBN: 978-3150002711
  • Schiller, Friedrich: Über die ästhetische Erziehung des Menschen. In einer Reihe von Briefen. Mit den Augustenburger Briefen. Reclam Verlag, Ditzingen 2000, ISBN: 978-3150180624

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