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Aischylos

Aischylos (geb. 525 v. Chr. in Eleusis, Attika; gest. 456 v. Chr. in Gela, Sizilien), ist der erste durch sein Werk bekannte Dramatiker? der Weltliteratur?. Er gilt als Schöpfer der Tragödie, denn er war es, der dieser literarischen Form ihre klassische Gestalt gab, indem er die Handlung in den Mittelpunkt stellte und die Lieder des Chores? – die alle Theaterstücke der Antike begleiten – als Reflexion der Geschehnisse einsetzte.

Aischylos kämpfte in den Schlachten von Marathon (490 v. Chr.) und Salamis (480 v. Chr.) gegen die Perser. Danach lebte er längere Zeit in Sizilien am Hofe des Tyrannen Hieron I. von Syrakus, der ihn förderte und seine Werke aufführen ließ. Hier ereilte ihn im Jahre 456 v. Chr. der Tod. Historisch gesicherte Zeugnisse zu diesem Ereignis sind uns nicht erhalten, jedoch berichten mehrere antike Schriftquellen? vom Ende des großen griechischen Dichters.

Die Anekdote vom Tod des Aischylos

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Er soll auf eine besonders kuriose Art zu Tode gekommen sein. Ein Adler ließ – so die Überlieferung? - eine Schildkröte auf seinen Kopf fallen. Bei Hesychios?, dem Verfasser des umfassendsten alphabetisch? geordneten Lexikons? der Antike, trägt tatsächlich eine Adlerart den Namen «Chelonophagos» {= Schildkrötenfresser}.
In der modernen Ornithologie ist diese Eigenart mehr von den Lämmergeiern bekannt (W. Thompson, A glossary of greek birds, 1936/9166, 204).

Literarische Überlieferungen

Plinius? (Nat.hist. X 7) erzählt, dass Aischylos sich aufgrund einer Weissagung, die ihn vor von oben herabfallenden Gegenständen warnte, unter freiem Himmel aufhielt, als ein Adler seine harte Beute auf ihn niederfallen ließ. Unter "außergewöhnlichen Todesursachen" behandelt auch Valerius Maximus (Ex. IX, XII 2) den Unfall des Aischylos. Von ihm erfahren wir, dass der Dichter sich gerade in einer Stadt in Sizilien aufhielt und diese kurz verlassen hatte, um in der Sonne zu sitzen. Dort verwechselte ein Adler seine Glatze mit einem Felsen und benutzte sie zum Aufbrechen einer Schildkrötenschale.

Den Unglücksfall, welcher den Dichter traf, als er nachdenkend im Freien saß, schildert auch Aelian (Nat. VII 16). Er spricht zunächst von der Eigenart der Adler, Schildkröten aus der Höhe fallen zu lassen, um an die Weichteile zu gelangen. Dann kommt er auf den Irrtum eines Adlers, der den kahlen Kopf des Aischylos für einen Felsen hielt, zu sprechen. Als letzte Quelle sei noch das byzantinische Lexikon Suda genannt, das unter dem Stichwort Aischylos ebenfalls diese Todesursache anführt.

Höchstwahrscheinlich handelt es sich bei dieser Überlieferung aber um eine Anekdote. Zu vermuten ist dies schon deshalb, weil sonst Aristophanes? in seinen „Fröschen“ (V. 830 ff.) den Unfall mit Sicherheit nicht verschwiegen hätte; er lässt dort Aischylos und Euripides? im Hades? zu einem Dialog? auftreten.

Bildliche Darstellungen

Die eigenartige Version vom Tod des Dichters ist nicht nur literarisch, sondern auch bildlich überliefert. Gemmenbilder tragen z.B. gerne diese Thematik. Von einer besonders schönen Glaspaste, deren Original leider verloren ist, befindet sich ein Abdruck in Würzburg im Martin-von-Wagner Museum (Inv.Nr. KR 7?-10-9). Das Bild zeigt einen fast unbekleideten Mann auf einem Hocker. Er ist bärtig und mit einer Glatze dargestellt. In den Händen hält er eine Trinkschale. Über seinem Kopf lässt ein Adler eine, mit dem harten Panzer nach unten weisende, Schildkröte fallen.

Die Geschichte vom Tod des Aischylos muss auch auf nachantike Künstler einen gewissen Reiz ausgeübt haben. In drei Bilderzyklen wird der Tod des Aischylos gezeigt. Der erste, im British Museum in London, gibt Aischylos am Flussufer sitzend wieder. (S. Colvin, Florentine Picture Chronicle, London BM, 1986). Er hält ein Buch auf den Knien. Auf seinem Kopf ist eine Schildkröte zu sehen, ein zweites Exemplar lässt der zentral gezeichnete Adler gerade aus seinen Krallen fallen. Die Darstellung von zwei Schildkröten ist als kontinuierende Erzählweise? zu verstehen. Als Hintergrund der Szene dient ein Wald. Insgesamt gibt diese Bildform die stimmungsvolle, philosophische Ruhe wieder, die in der schriftlichen Fassung bei Aelian zum Ausdruck kommt.

Die beiden anderen Blätter stimmen in ihrer Darstellung überein (Slg. S. Cockerell, 15. Jh. und Slg. G. da Padova: P. Toesca, La pittura e la miniatura nella Lombardia, 1912, 482): Aischylos sitzt mit vor Schreck erhobenen Händen, während die Schildkröte gerade auf seinem Kopf landet. Das Tier ist hier in Aufsicht gezeichnet, um den gemusterten Panzer gut zur Geltung zu bringen. Ein riesiger Adler schwebt über der Szene; ein Hintergrund fehlt.

Noch ein Beispiel für das Weiterleben dieser Anekdote ist auf einem Majolika-Teller in Brescia erhalten (P. Rizzini, Illustrazione die Civici Musei di Brescia, Cat. di maioliche e nielli, 1916, 21, Nr.57, Fig.6). Hier sitzt der Dichter wieder in malerischer Landschaft, während über ihm ein Adler mit der "gefährlichen" Schildkröte fliegt.

Die Geschichte von der seltsamen Todesursache des großen Meisters der Tragödie hat also die Gemüter über viele Jahrhunderte hinweg bewegt.

Literatur

  • Crusius, O.:Die Tradition vom Tode des Aischylos, Rhein. Mus. 37, 1882, 308 ff.
  • Hafner, G.:Das Bildnis des Aischylos, Jdl 70, 1955, 105 ff.
  • Hoff, U.:Meditation in Solitude, JWI 1, 1937/38, 292 ff.
  • Richter, G.M.A.:The portraits of the Greeks I, 1965, 121 ff.
  • Settis, S.:Chelone, 1966, 33 ff.


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