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Alles Emma - oder was?

von
Gerlis Zillgens

Mit dem Mädchenroman "Alles Emma – oder was?" erschien im Mai 2008 der erste interaktive? Jugendroman, an dem sich neben der Autorin Gerlis Zillgens zahlreiche Mädchen beteiligt haben. Das Projekt wurde öffentlich ausgeschrieben, u.a. in der Zeitschrift "Mädchen" beworben und dauerte vom Juni bis Dezember 2007. Den jungen Autorinnen wurde die Webseite www.hierschreibenwir.de als Forum gegeben. Gerlis Zillgens, Autorin zahlreicher Mädchenromane in der Reihe? "Chaos – Küsse – Katastrophen" gab ihnen rund 14 Schreibaufgaben zu einzelnen Emma-Episoden?, die auf der Seite veröffentlicht wurden. Sie verfasste lediglich die erste Geschichte und stellte die Protagonisten und Protagonistinnen des Romans vor.

Den jungen Autorinnen wurde es überlassen, wie es mit Emma und ihren Freunden weitergehen wird. Die einzelnen Geschichten wurden von anderen jugendlichen Autorinnen diskutiert und beurteilt. Eine den Mitgliedern der Homepage unbekannte Jury entschied dann, welche Geschichten im Roman aufgenommen wurden. Manchmal waren die von den jugendlichen Autorinnen erfundenen Geschichten jedoch so gut und gleichzeitig so anders, dass Gerlis Zillgens von ihrem Konzept abweichen musste, berichtet Vanessa Schmidt, eine der jungen Autorinnen, stolz.

Die Geschichte von Emma ist schnell erzählt. Die vierzehnjährige Emma lebt mit ihrer Mutter in Hamburg. Ihren Vater trifft sie regelmäßig. Sie hat neben ihrer besten Freundin Greta auch ihren ersten Freund Philipp und ihr Leben könnte sehr schön sein. Wenn da nicht die Erwachsenen wären: Emmas Mutter beschließt, sich beruflich zu verbessern und nach Köln zu ziehen. In Köln fühlt sich Emma einsam, vermisst Freund und Freundin und macht einen Spontanausflug nach Hamburg. Dort erwischt sie Philipp mit einem anderen Mädchen und auch Greta hat ihr Philipps Untreue nicht geschrieben. Nach einem spektakulären Auftritt flieht sie nach Köln. Dort lebt sie sich nach und nach ein, akzeptiert auch den jüngeren Freund ihrer Mutter und verliebt sich erneut. Nur leider verliebt sich auch ihre neue Freundin Anna in denselben Jungen und beide versuchen ihre Freundschaft zu retten sowie die Liebe des Jungen zu gewinnen.

Die Geschichte lebt von vielen Einfällen und auch Wendungen, die nicht immer vorhersehbar sind. Die Sprache ist jung und frech. Es werden die neuen Kommunikationsmedien selbstverständlich eingesetzt. Handys und ICQ gehören zum festen Bestandteil der heutigen Alltagskultur? und die aus diesen Medien? hervorgegangene Sprache, die nicht immer von Erwachsenen verstanden wird, setzen die jugendlichen Autorinnen ganz selbstverständlich ein. Auch das Ende überrascht den Leser. Die jungen Autorinnen diskutierten das Ende des Romans und entwarfen Vorstellungen nicht nur, wie das Ende aussehen, sondern auch wie es mit Emma in Köln weitergehen sollte. Damit korrespondiert auch das etwas überraschende Ende in "Alles Emma – oder was?" Den Autorinnen war die Reihe Chaos – Küsse – Katastrophen bekannt, sie scheuten sich nicht, bestimmte Aspekte der Reihe zu kritisieren, Neues auszuprobieren und so ihre Leserinnenschaft zu überraschen.

Die Autorin ist mit einem solchen Projekt ein Wagnis eingegangen, aber das Ergebnis zeigt, dass sich ihr Mut gelohnt hat und ein Roman herausgekommen ist, über den sich sowohl Gerlis Zillgens als auch die jugendlichen Autorinnen freuen können. Zugleich zeigt ein solches Projekt, dass Jugendliche schreiben können und auch möchten. Sie suchen neue Mittel, um sich auszudrücken und auszutauschen. Das Internet bietet ihnen unterschiedliche Möglichkeiten. Es wurde, so die Autorin Vanessa Schmidt, kreativ zusammengearbeitet und entstanden ist ein Buch von Mädchen an Mädchen. Auch den Titel konnten die Mädchen auswählen.

Über www.hierschreibenwir.de

Die 16-jährige Vanessa Schmidt? aus Siegen, die zu den ersten Autorinnen der Homepage gehört, berichtete für diese Rezension von ihren Erfahrungen. Sie schreibt bereits seit ihrem 12. Lebensjahr, doch merkte sie, wie viel sie in den letzten Monaten dank der engen Zusammenarbeit der jungen Autorinnen gelernt hatte. Vanessa suchte länger nach einem Schreibwettbewerb? und einem Austausch mit jugendlichen Autorinnen. Zufällig fand sie die Anzeige in "Mädchen" und beschloss im Mai 2007 teilzunehmen. Wichtig war ihr der Austausch mit Jugendlichen. Sie stellte ihre Texte zur Diskussion und Bewertung. Die Kriterien sind unter anderem Originalität, Ideen und Stimmigkeit der Charaktere. Aber es werden auch solche Dinge wie Rechtschreibung oder Grammatik bewertet.

Die Kritik wird nicht immer positiv wahrgenommen, es kommt auch zu kleinen Streitigkeiten im Forum, aber dennoch hebt Vanessa die friedliche und kreative Zusammenarbeit hervor. Sie betont besonders, wie viel die einzelnen jungen Autorinnen und auch Autoren voneinander lernen. Eine Einweisung in die literarische Wertung oder Literaturkritik findet seitens der erwachsenen Admins und der Autorin nicht statt. Autorin und Lektorin haben die einzelnen Geschichten eingefügt und die Verbindungen zwischen Geschichten hergestellt. Wichtig ist in dem Kontext, dass weder die Autorin noch die Lektorin die Geschichten der jungen Autorinnen wesentlich verändert haben. Vanessa erzählt, dass sie ihre Geschichte wiederfindet: Die jungen Autorinnen wurden ernst genommen.

Mittlerweile nehmen immer mehr Jugendliche die Chance wahr, auf der Homepage ihre Sachen zu veröffentlichen oder an weiteren interaktiven Jugendromanen teilzunehmen. Vanessa Schmidt erzählte, dass es etwa 3 500 Mitglieder sind und sie selber über den Zuspruch überrascht sei. Eine Idee ist, selbstständig einen interaktiven Roman zu verfassen. Entschieden wird zunächst über das Genre, bevor die inhaltliche Diskussion einsetzt. Es gibt ein Forum mit unterschiedlichen Themen, auf denen die User und Userinnen diskutieren können. Sie sind alle zwischen 10 und 20 Jahre alt, kommen aus der Schweiz, Österreich und Deutschland und kennen sich schon recht gut. In Kaffeekränzchen besprechen sie jene Bücher, die sie gerade lesen. Was nicht öffentlich besprochen werden soll, wird im ICQ fortgeführt.

Während bei dem Roman "Alles Emma – oder was?" ausschließlich Mädchen als Autorinnen mitgemacht haben, beteiligen sich auf der Homepage www.hierschreibenwir.de auch Jungen. Es werden weitere Pläne geschmiedet und die Autorinnen arbeiten an der Fortsetzung des Emma-Romans. Es wurden ihnen bereits vier Schreibaufgaben gestellt und die Resonanz wird immer größer. Die Leserinnen dürfen gespannt sein, wie es mit Emma, Greta, Anna und Roman weitergehen wird.

Originalbeitrag unter www.alliteratus.com

Literaturangaben

  • Gerlis Zillgens u.a.: Alles Emma - oder was? Der Hierschreibenwir-Roman. Rowohlt Verlag, Reinbek 2008, 171 S., 6,95 €, ISBN: 978-3499214578
  • Gerlis Zillgens Bücher bei Jokers

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