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Amichai, Jehuda

Jehuda Amichai (geb. 3. Mai 1924 in Würzburg; gest. 22. September 2000 in Jerusalem) ist ein bedeutender jüdischer Lyriker?, der in einem umgangssprachlichen Hebräisch schrieb; er wird auch „Klassiker der hebräischen Moderne“ genannt.

Leben und Schreiben

Jehuda Amichai wurde als Ludwig Pfeuffer am 3. Mai 1924 in Würzburg geboren. Er lernte neben Hebräisch in seiner Kindheit auch Deutsch. Er war Kind orthodoxer Juden und wuchs in einer jüdischen Gemeinde auf, die von Glauben und religiösen Traditionen bestimmt war.

1935 wanderte die Familie nach Palästina aus, um den Nazis zu entkommen. Jehuda Amichai war zu jener Zeit gerade elf Jahre alt. Die Familie lebte im damals britischen Mandatsgebiet in einer landwirtschaftlichen Siedlung. 1937 zog sie nach Jerusalem um, wo Jehuda Amichai das Gymnasium beendete und sich zur britischen Armee meldete. Er kämpfte im Orient und in Italien gegen die Deutschen in der Jüdischen Brigade.

Nacht dem Zweiten Weltkrieg wurde er Untergrundkämpfer und schmuggelte Waffen für die Juden nach Palästina. In den Jahren 1948 und 1949 nahm er als israelischer Sergeant am Palästinakrieg teil.

Danach schied Jehuda Amichai aus der Armee aus und studierte an der Hebräischen Universität in Jerusalem Bibelwissenschaften und Hebräische Literatur?. Nach dem Studium arbeitete er als Lehrer, Jahre später wurde er Hochschullehrer für Hebräische Literatur.

Sein erster Gedichtband erschien 1955 unter dem Titel „Jetzt und in den anderen Tagen“.

Jehuda Amichai starb am 22. September 2000 in Jerusalem.

Bedeutung

Jehuda Amichai wurde mehr als 40 Sprachen übersetzt, er war aber auch in Israel sehr populär. In deutschsprachigen Ländern erlangte er erst spät Anerkennung.
Dichte Von sich selbst sagte er, er sei in fünf Kriege verwickelt gewesen. Das spiegelt sich auch in seiner Lyrik. Wie kein zweiter Dichter Israels war er ein Dichter des Krieges. Seine Kriegsgedichte sind Chroniken aus Klage, Zorn und Erbitterung. Wie Rainer Maria Rilke ist er der Auffassung: „Wer spricht von Siegen, überstehen ist alles.“

So sind seine Gedichte immer ganz konkret und handeln von realen Menschen, etwa von seinem Vater. Oder von Frauen, die er in seinen erotischen Liebesgedichten? als Weg zur Wirklichkeit sieht. Oder von Kindern und Familien des Holocaust oder der Kriege Israels.

Auch Jerusalem ist Thema? der Gedichte Jehuda Amichais. Sie beschreiben die Stadt in ihrer heillosen Geschichte, ihrer friedlosen Gegenwart, als notwendige, aber doch widersprüchliche Heimat. Und dann Gott: Der Dichter Jehuda Amichai findet das Göttliche im Gewöhnlichen, aber nur als Rest.

Jehuda Amichai hat als erster jüdischer Dichter in den 1950er- und 1960er Jahren die hebräische Dichtung profaniert, die Erhabenheit der biblischen Sprache überwunden, ihre Schwere, Formeln, das Pathos der Überlieferung?. Er ist sozusagen aus dem Tempel der hebräischen Lyrik ausgezogen und hat sich ins Militärcamp oder an die Snackbar begeben. Eine neue, nüchterne Sprache der hebräischen Lyrik ist sein Verdienst.

Politisch wurde Jehuda Amichai Anwalt des Friedens und der Aussöhnung im Nahen Osten, er hat eng mit palästinensischen Autoren zusammen gearbeitet.

Übrigens ...

Im Jahr 2005 benannte Jehuda Amichais Geburtstadt Würzburg eine Straße nach dem Dichter.

Auszeichnungen

  • 1981 Kulturpreis der Stadt Würzburg
  • 1982 Israel-Preis für seine Verdienste um die Modernisierung der hebräischen Lyrik


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