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Antike

Die Antike gilt als Wiege der abendländischen Literatur. Hier formten sich die literarischen Gattungen, hier entstanden die ersten Meisterwerke der Weltliteratur?. Zu den wichtigsten Dichtern dieser Epoche gehören Homer, Sophokles? und Ovid.

Definition

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Das Wort Antike bezeichnet im heutigen Verständnis das griechisch-römische Altertum, das im 2. Jahrtausend v. Chr. begann und im 4. bis 6. Jahrhundert n. Chr. endete. Geographisch umfasste die antike Kultur das ganze Mittelmeergebiet, später auch die nördlichen Provinzen des Römischen Reiches. Ihr kulturgeschichtlicher Einfluss war einzigartig: In Europa galt die Antike lange Zeit als höchstes Bildungsideal, vor allem in Renaissance? und Klassik.

Die Antike gilt als Beginn der abendländischen Literatur. Hier entstanden die literarischen Hauptgattungen, die das Erscheinungsbild der Literatur bis heute prägen (siehe Artikel zu: Epik, Drama, Lyrik). Auch die wissenschaftliche Prosaliteratur fand hier ihren Anfang. In der Ästhetik setzte sie ebenfalls universelle und bis in unsere Tage gültige Maßstäbe: Kennzeichnend ist vor allem das hohe sprachliche Niveau, das die antike Literatur von ihren Anfängen bis zu ihrem Ende zeigte.

Nur Bruchteile der antiken Literatur sind bekannt

Von der Literatur der Antike kennen wir heute nur einen kleinen Bruchteil. Die meisten Werke? sind nicht vollständig erhalten oder sogar ganz verloren. Unsere Kenntnis der antiken Literatur beruht hauptsächlich auf Fragmenten?, Zitaten oder auf Sekundärquellen?, die jedoch häufig auch erst nach dem Ende der antiken Epoche verfasst wurden. In der Literaturgeschichte ist es üblich, zwischen griechischer (8. Jh. v. Chr. bis etwa 1. Jh. v. Chr.) und römischer (etwa 1. Jh. v. Chr. bis 3. Jh. n. Chr.) Antike zu unterscheiden.

Als Meisterwerke der antiken Literatur gelten die HeldenepenIlias“ und „Odyssee“ (etwa 8. Jh. v. Chr.), die beide Homer zugeschrieben werden. Sie schildern die Abenteuer des Königs Odysseus von Ithaka und seiner Gefährten auf der Heimkehr aus dem Trojanischen Krieg. Berühmte antike Dichter neben Homer sind u. a. Aischylos, Sophokles?, Euripides?, Horaz?, Ovid und Vergil?. Ihre Werke? werden bis heute gedruckt? und gelesen.

Griechische Antike

Am Anfang der griechischen Literatur standen die Heldenepen von Homer, die um mythische Götter und leidgeprüfte Heldenfiguren kreisen. Die „Ilias“ und die „Odyssee“ haben gewaltigen Einfluss auf die nachfolgende Literatur gehabt, sowohl was den Stoff angeht, der in unzähligen Variationen verarbeitet wurde (z. B. James JoycesUlysses“), als auch was die sprachliche Gestalt betrifft, die schon in der Antike als musterhaft galt.

Die kunstvolle Sprache vieler antiker Dichtungen hat übrigens zu der Annahme geführt, dass im Altertum hauptsächlich für gebildete Menschen gedichtet wurde, also für den Adel und wohlhabende Patrizier. Diese Annahme wird inhaltlich auch dadurch bestätigt, dass in der antiken Dichtung mit Ausnahme der Komödie nur Personen gehobenen Standes vorkommen. In diesem Zusammenhang spricht man auch von Ständeklausel?.

Blütezeit: die griechische Klassik

Um 600 v. Chr. erlebte die Lyrik eine erste Blütezeit. Erstmals verlieh nun das selbstbewusste Individuum seinen oft widerstreitenden und leidenschaftlichen Gefühlen in Oden?, Elegien? und Hymnen? poetischen Ausdruck. Zu den bekanntesten griechischen Lyrikern gehörten Alkaios?, Sappho? und Anakreon?, die beim Vortrag ihrer Verse meist von Instrumenten begleitet wurden. Sie schufen übrigens auch eigene Versmaße und Strophenformen?, die heute noch mit ihren Namen verbunden sind.

Zur Zeit der griechischen Klassik (5. und 4. Jh. v. Chr.) erlebte die Tragödie ihren Höhepunkt, die in Aischylos, Sophokles? und Euripides? ihre Vollender fand. Spätere Literatur-Epochen betrachteten ihre Werke? als Vorbilder und eiferten ihnen nach. Thematisch ging es in den griechischen Tragödien hauptsächlich um das Verhältnis des Menschen zu den Göttern. Etwa zur gleichen Zeit erlangten die Komödien des Aristophanes? gewaltige Beliebtheit. Sie nahmen die politischen Verhältnisse mit satirischer Schärfe aufs Korn.

Ebenfalls in die Zeit der griechischen Klassik fällt die Herausbildung neuer literarischer und wissenschaftlicher Ausdrucksformen, wie z. B. die Philosophie, die Rhetorik?, die Historiographie (Herodot?), die Biographie, der Dialog? (Platon?) und die Poetik (Aristoteles?).

Auf dem Weg nach Rom

In der Zeit des so genannten Hellenismus (bis 1. Jh. v. Chr.) wurde man sich in Griechenland zunehmend der kulturellen Größe und Fruchtbarkeit der eigenen Vergangenheit bewusst. Als Reaktion darauf entstand u. a. die Philologie, die nun den literarischen Ertrag der vergangenen Jahrhunderte sichtete, ordnete und archivierte?. Zur berühmtesten Bibliothek des Altertums entwickelte sich die Alexandrinische Bibliothek. Ihre Kostbarkeiten wurden jedoch 47 n. Chr. bei einem Brand zerstört.

In den Jahrzehnten des zu Ende gehenden Hellenismus verschob sich der Mittelpunkt der antiken Welt allmählich in Richtung Rom. Die römische Kaiserzeit (27 v. Chr. bis 476 n. Chr.) entfaltete eine gewaltige kulturelle Anziehungskraft, die den ganzen Mittelmeerraum erfasste. Griechische Gelehrte traten nun in römische Dienste. Im Gepäck hatten sie das reiche literarische und wissenschaftliche Erbe der griechischen Vergangenheit. Dieses fiel in der neuen Heimat auf einen äußerst fruchtbaren Boden.

Römische Antike

Die Anfänge der römischen Literatur liegen im 3. Jh. v. Chr. Von den Griechen übernahmen die Römer literarische Gattungen (z. B. Tragödie), Formen (z. B. Strophenformen?), Stoffe (z. B. Daphnis?) und Motive (z. B. Inzest). Die Aneignung geschah zunächst durch Übersetzung, später auch durch kunstvolle Neuschöpfung. In der Literaturwissenschaft ist es üblich, die Epoche der antiken römischen Literatur in drei Perioden einzuteilen: Vorklassik, Klassik und Nachklassik.

Vorklassik: Zeit der Aneignung

Die Vorklassik (3. Jh. v. Chr. bis 1. Jh. v. Chr.) ist gekennzeichnet durch die Übernahme griechischer Vorbilder. Die römischen Gelehrten entfalteten eine rege Übersetzungstätigkeit. Besonders beliebt waren griechische Tragödien und Komödien, denen man nun in lateinischer Sprache nacheiferte. An die Vorbilder reichten sie jedoch nicht heran. Von den Werken? aus der römischen Vorklassik sind u. a. einige Komödien von Plautus? überliefert. Der Rest ist verloren gegangen.

Klassik: Blüte der Literatur

In der römischen Klassik (1. Jh. v. Chr. bis 1. Jh. n. Chr.) entstanden zahlreiche Werke?, die heute als mustergültig für die antike Literatur gelten. Zu besonderem Einfluss gelangte Vergil?, der mit seinem EposAeneis?“ an Homer anknüpfte und die stark mythologisch getönte Geschichte von der Gründung Roms erzählt. Das Epos, an dem Vergil? zwischen 29 v. Chr. und seinem Tod 19 v. Chr. arbeitete, besteht aus etwa 10.000 hexametrischen Versen?. Es gilt als Nationalepos der Römer.

Neben Vergil? sind vor allem Cicero?, Horaz? („Ars poetica?“) und Ovid („Metamorphosen?“) zu nennen, deren Einfluss auf die europäische Literatur-, Geistes- und Kunstgeschichte bis in unsere Tage anhält und kaum überschätzt werden kann. Erwähnenswert ist zudem der Lyriker Catull, der in seinen kunstvoll-schlichten Gedichten häufig privates menschliches Glück und Unglück, Freude und Kummer schildert. In Rom war dieser Bezug auf das subjektive Erleben keinesfalls alltäglich. Das dominierende Thema war der römische Staat.

Nachklassik: Zeit der Satire und des Niedergangs

In der Nachklassik (1. Jh. bis etwa 3. Jh.) rückten literarische Genres wie Epigramm?, Satire und Roman ins Blickfeld der Dichter. Griechische Vorbilder traten zunehmend in den Hintergrund, stattdessen galten nun die eigenen Klassiker als beispielhaft. Dichter wie Apuleius? nahmen sich dem literarischen Erbe hauptsächlich mit satirischer Absicht an. Sein Roman „Metamorphosen“ gilt als besonders gelungene Persiflage?. Bereits im 2. Jh. kam es in der antiken Literatur – wie überhaupt im gesamten kulturellen Bereich – zu einem Versiegen der schöpferischen Kräfte.

Das literarische und kulturelle Erbe der antiken Welt war im Mittelalter? bei vielen Gelehrten stets gegenwärtig. Doch erst Humanismus? und Renaissance? führten zu einer neuen und breiten Rezeption der Antike. Heute gerät das reiche antike Erbe augenscheinlich wieder in Vergessenheit. So verzichten z. B. viele Schulen in Deutschland auf die Vermittlung antiker Literatur.

Literatur

  • Die Antike in der Literatur
  • Homer: Ilias. Reclam Verlag, Ditzingen 1986, ISBN: 978-3150002490
  • Homer: Odyssee. Reclam Verlag, Ditzingen 1986, ISBN: 978-3150002803
  • Ovid: Metamorphosen. Reclam Verlag, Ditzingen 1986, ISBN: 978-3150003565

Sekundärliteratur

  • Fischer-Lichte, Erika: Geschichte des Dramas. Epochen der Identität auf dem Theater von der Antike bis zur Gegenwart. 2 Bände. UTB, Stuttgart 2010, ISBN: 978-3825215651
  • Schütze, Oliver: Griechische und römische Literatur. 120 Porträts. Metzler Verlag, Stuttgart 2006, ISBN: 978-3476021373
  • Zimmermann, Bernhard: Metzler Lexikon antiker Literatur. Autoren - Gattungen – Begriffe. Metzler Verlag, Stuttgart 2004, ISBN: 978-3476020444

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