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Arjouni, Jakob

ein deutscher Schriftsteller, der durch seine Krimis bekannt wurde, aber auch Romane, Theaterstücke, Erzählungen und Hörspiele veröffentlichte

Arjouni
Jakob Arjouni 2006. By Hans Weingartz Leonce 49 at de.wikipedia [CC-BY-SA-2.0-de], from Wikimedia Commons

Leben und Wirken

Jakob Arjouni wurde unter dem Familiennamen Michelsen am 8. Oktober 1964 in Frankfurt / Main geboren. Sein bürgerlicher Name war Jakob Bothe. Sein Vater Hans Günter Michelsen arbeitete als Dramatiker?. Den Namen Arjouni nahm er von der aus Marokko stammenden Musikmanagerin Kadisha Arjouni an, mit der er einige Jahre verheiratet war.

Als Kind wuchs Jakob Arjouni in Frankfurt am Main und Oberroden auf. Mit zehn Jahren kam er auf ein Internat im Odenwald. Ein prägendes Ereignis war der Krimi „Rote Ernte“ von Dashiell Hammett?, den er mit zwölf zum ersten Mal las. Er habe zwar nicht alles verstanden, sei aber begeistert gewesen, wie er später äußerte. Und das Erlebnis war der Beginn seines Traumes einer Schriftstellerkarriere. Seine Kindheit muss ohne die Wärme eines Zuhauses gewesen sein, was Spuren in seiner Persönlichkeit hinterließ, die Freunde als nach außen selbstbewusst beschrieben, doch soll er hinter seiner Fassade ein hochsensibler und ängstlicher Mensch gewesen sein.

Zwischen vierzehn und achtzehn unternahm Jakob Arjouni regelmäßige Fahrten in das Frankfurter Bahnhofsviertel zum Pool-Billard. In dieser Zeit sah er gerne Sergio-Leone-Filme. Nachdem er das Abitur gemacht hatte, reiste er nach Montpellier in Südfrankreich.

Zwar begann Jakob Arjouni in Berlin zu studieren und hielt sich auch in Ginestas im Département Aude (Frankreich) auf, doch brach er sein Studium ab und veröffentliche mit 23 Jahren seinen Debüt? „Happy Birthday, Türke!“, einen Krimi, in dem er den Frankfurter Privatdetektiv Kemal Kayankaya erfand, den er später noch oft einsetzte. Danach veröffentlichte Jakob Arjouni sein erstes Theaterstück „Die Garagen“. Über die Zeit nach Abbruch des Studiums schrieb Jakob Arjouni selbst: „Zweieinhalb Jahre Arbeit als Kellner, Badeanzug- und Erdnussverkäufer. Ersten Roman geschrieben, ‚Happy Birthday, Türke!‘, und erstes Theaterstück, ‚Die Garagen‘. Mit zweiundzwanzig nach Berlin auf eine Schauspielschule. Schnell abgebrochen. Studium an der Freien Universität. Noch schneller. Hugo, Faulkner und Irmgard Keun gelesen. Roman ‚Mehr Bier‘ geschrieben, Theaterstück ‚Nazim schiebt ab‘, Roman ‚Ein Mann, ein Mord‘. Beruf gefunden. Umzug nach Paris. Theaterstück, ‚Edelmanns Tochter‘. Zurück nach Berlin. Roman, ‚Magic Hoffmann‘.“

Jakob Arjouni starb am 17. Januar 2013 in Berlin an Krebs. Begraben wurde er auf dem Friedhof Heerstraße, Trakehner Allee 1, 14053 Berlin-Charlottenburg. In der Nacht zum Donnerstag ist Jakob Arjouni nach langer Krankheit seinem Krebsleiden erlegen. Er hinterließ seine Frau und drei Kinder.

Werk

Arjounis Werk ist heute in viele Sprachen übersetzt und bringt zeitgenössische Themen wie Rassismus, Familie, Nationalismus Geschichtsverdrängung, Antisemitismus und Gewalt in allen Formen zur Sprache. Und das mit Sarkasmus? und Wortwitz?. In „Chez Max“ wird die staatliche Überwachung thematisiert wie bei George Orwell? in 1984. Aber auch zu einem Schelmenroman wie „Der heilige Eddy“ ist Arjouni fähig.

Seine Kayankaya-Krimis gehören zu den Klassikern der deutschen Kriminalliteratur. Sie wollen gute, spannende Unterhaltungsliteratur? auf hohem Niveau sein. Sein Ermittler taucht dabei in Milieus ein, die der Bildungsbürger nicht kennt. Arjouni nimmt Außenseiter in den Blick und verzichtet auf moralische Kommentare. Stattdessen konzentriert er sich auf szenisches Schreiben, Situationskomik, treffsichere Beschreibungen und Dialoge. Durch die Underdogperspektive gewinnt der aufgeschlossene Leser neue Einsichten. So zeigte Jakob Arjouni, dass sich Unterhaltung und Tiefgang, soziale Genauigkeit und Gesellschaftskritik nicht auszuschließen brauchen.

Das Feuilleton? erinnerte Jakob Arjouni stilistisch an amerikanische Vorbilder wie Raymond Chandler oder Jim Thompson?, aber auch an Jörg Fauser? aufgrund der nur das Nötigste erzählenden Sätze?.

Werke (in Auswahl)

Krimis mit Kayankaya

  • Happy Birthday, Türke! Kayankayas erster Fall. Hamburg 1985
  • Mehr Bier. Kayankayas zweiter Fall. Zürich 1987
  • Ein Mann, ein Mord. Kayankayas dritter Fall. Zürich 1991
  • Kismet. Kayankayas vierter Fall. Zürich 2001
  • Bruder Kemal. Ein Kayankaya-Roman, Zürich 2012

Theaterstücke

  • Die Garagen. Uraufführung 1988.
  • Nazim schiebt ab. Uraufführung 1990.
  • Edelmanns Tochter. Zürich 1996

Romane

  • Magic Hoffmann. Zürich 1996
  • Hausaufgaben. Zürich 2004
  • Chez Max. Zürich 2006
  • Der heilige Eddy. Zürich 2009
  • Cherryman jagt Mister White. Zürich 2011

Kurzgeschichten

  • Ein Freund. Zürich 1998
  • Idioten. Fünf Märchen. Zürich 2003

Auszeichnungen

  • 1987 Baden-Württembergischer Autorenpreis für das deutschsprachige Jugendtheater für das Theaterstück „Nazim schiebt ab“
  • 1992 Deutscher Krimi-Preis? für „Ein Mann ein Mord“
  • 2003 „Stern der Woche“ vom 22.2.2003 bis 28.2.2003 der Kultur-Redaktion der Abendzeitung für Idioten. Fünf Märchen.
  • 2005 „Writer in Residence“ von Februar bis April im Deutschen Haus der New York University
  • 2011 Goldene Eule des Diogenes Verlags?, ein von Tomi Ungerer gestaltetes Diogenes-Ehrenzeichen für eine Million verkaufte Bücher

Übrigens …

Arjouni interessierten beim Schreiben die Figuren, ihn faszinierten Menschen. Deshalb ging er bei seinen Hauptfiguren immer tiefer in deren Lebensgeschichte hinein.

Angeblich konnte sich Jakob Arjouni nicht mehr als drei Stunden am Tag auf das Schreiben konzentrieren. Das Schreiben eines Romans habe, so Arjouni, viel mit Durchhaltevermögen zu tun, was wiederum mit Pausen zu tun habe. Der Schriftsteller glaubte an einen engen Zusammenhang von Musik und Text: Auch ein Text habe Rhythmus?, müsse fließen, weshalb er sich seine Texte zur Kontrolle immer vorlas. Das Schreiben im "richtigen" Rhythmus? nannte er harte Arbeit, Kleinarbeit.

Als Vorbilder nannte Jakob Arjouni Dashiell Hammett?, Georges Simenon, Tobias Wolff?, Charles Willeford?, Anton Tschechow?, Jörg Fauser?, Guy de Maupassant?, Frank O´Connor?, Heinrich Heine und Richard Yates?. Wenn er selbst ein Buch schrieb, las er eigenem Bekunden nach nur Georges Simenon.

1991 wurde Happy birthday, Türke! unter der Regie von Doris Dörrie verfilmt.

Mancher Roman von Jakob Arjouni hat es in der Zwischenzeit zur Schullektüre? gebracht, wie etwa „Cherryman jagt Mister White“, ein Buch über einen ostdeutschen Nazi-Mitläufer.

"Thank God I`m an atheist", bezeichnete Jakob Arjouni als seine Haltung der Religion gegenüber, die er für Business und Entertainment hielt.

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