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Begley, Louis

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Louis Begley (geb. 6. Oktober 1933 in Stryi/Polen) ist ein amerikanischer Schriftsteller und Rechtsanwalt. Sein Roman „Lügen in Zeiten des Krieges“ (1991) gilt als einer der wichtigsten Holocaust-Romane.

Foto: Das blaue Sofa / Club Bertelsmann

Leben und Schreiben

Louis Begley wurde unter dem Namen Ludwik Begleiter am 6. Oktober 1933 in Stryj/Polen (heute Ukraine) geboren. Seine Eltern waren polnische Juden. Getarnt als Katholiken und mit falschen Papieren versehen, entgingen er und seine Mutter dem Holocaust. Ihnen gelang es, sich während des Zweiten Weltkriegs in Warschau und Lemberg und in abgelegenen Bauerndörfern zu verstecken. 1943 erlebten sie in Warschau die Liquidierung des Judenghettos. Viele ihrer Angehörigen und Verwandten wurden von den Nationalsozialisten ermordet. Der Vater war bereits im Juni 1941 von der Roten Armee zwangsweise rekrutiert worden.

Nach dem Krieg fand die Familie wieder zusammen. Die Begleiters lebten zunächst für vier Monate in Paris, wo sie sich auf die Auswanderung nach Amerika vorbereiteten. Im März 1947 trafen sie in New York ein und ließen sich in Flatbush/Brooklyn nieder. Kurze Zeit später erfolgte die Anglisierung ihrer Vornamen und des Familiennamens. 1953 erhielt Louis Begley die amerikanische Staatsbürgerschaft.

Begley besuchte bis 1950 die Erasmus Hall High School. Ein Stipendium ermöglichte ihm ein Studium in Harvard, das er 1954 im Fach Englisch mit summa cum laude abschloss. Im Anschluss leistete er in Göppingen (östlich von Stuttgart) beim Hauptquartier der 9. Division seinen Militärdienst. Zurück in den USA studierte er in Harvard Jura und machte 1959 seinen zweiten Universitätsabschluss.

„Lügen in Zeiten des Krieges“

Neben der juristischen Laufbahn, die Begley 1959 bei der New Yorker Anwaltskanzlei Debevoise & Plimpton begann und zu deren Teilhaber er 1968 aufstieg, hegte er auch literarische Ambitionen. Bereits während seines Studiums hatte er kleine Erzählungen geschrieben, die jedoch nie über den Freundes- und Kommilitonenkreis hinausgelangten. Unter dem Titel „Wartime Lies“ (dt. Lügen in Zeiten des Krieges) legte er 1991 seinen viel beachteten Debütroman? vor. Das Buch, das starke autobiographische Züge trägt, gilt neben Imre Kertész’? „Roman eines Schicksallosen“ und Jurek Beckers „Jakob der Lügner“ als einer der wichtigsten Holocaust-Romane.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der polnische Junge Maciek, der aus einer wohlhabenden jüdischen Arztfamilie stammt. Ohne Mutter aufgewachsen, ist die Bindung an seine Tante Tanja von Anfang an besonders eng. Als die deutschen Truppen in Polen einmarschieren, werden Maciek und Tante Tanja zur Flucht gezwungen. Wie gejagte Tiere hetzen sie von Versteck zu Versteck. Wichtigstes Werkzeug im Kampf ums Überleben wird die kaltschnäuzig vorgetragene Lüge und die Fähigkeit, auch im Angesicht der drohenden Vernichtung des eigenen Lebens auf die Macht der Imagination und Phantasie zu vertrauen. Louis Begleys Roman „Lügen in Zeiten des Krieges“ war ein internationaler Bestseller und wurde mit verschiedenen Literaturpreisen ausgezeichnet. Um den Roman schreiben zu können, hatte sich Begley für fast fünf Monate von seinen Pflichten als Anwalt frei gemacht.

„Schmidt“

Es folgten die Romane „The Man Who Was Late“ (1993; dt. Der Mann, der zu spät kam) und „As Max Saw It“ (1994; dt. Wie Max es sah), in denen Begley gleichfalls persönliche Erlebnisse verarbeitet hat. Letzterer wurde im Feuilleton? hoch gelobt. Die „New York Times“ nannte Begley nach der Publikation von „Wie Max es sah“ in einem Atemzug mit Henry James?, Marcel Proust und Thomas Mann.

Auch mit seinem vierten Roman „About Schmidt“ (1996; dt. Schmidt) konnte Begley die hohen Erwartungen von Kritik und Publikum erfüllen. Mit viel Humor, Ironie und galligem Sarkasmus erzählt Begley die Geschichte von Albert Schmidt. Schmidt, ein ehemals gefragter New Yorker Anwalt, wurde in den Ruhestand versetzt. Seitdem läuft er auf Schritt und Tritt Gefahr, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Als Schmidts Frau an Krebs stirbt und ihm seine Tochter mitteilt, dass sie den raffgierigen und skrupellosen Anwalt Jon Riker heiraten wird (jenen Jon Riker, dem Schmidt die Kürzung seiner Pension zu verdanken hat), steht er vor der größten Krise seines Lebens. Verbittert, vereinsamt und von grotesken Neurosen geplagt, wird Schmidt zum verächtlichen Misanthropen. Bis eines Tages die junge, aus Puerto Rico stammende Kellnerin Carrie in sein Leben tritt. Hoffnung keimt auf. Und am Ende von Schmidts Absturz wartet so etwas wie ein milder Hauch von Liebe.

Mit „Schmidt Delivered“ (dt. Schmidts Bewährung) veröffentlichte Begley 2000 eine Fortsetzung seines Erfolgsromans, der jedoch im Urteil des Feuilletons? gegenüber dem ersten Teil stark abfiel. Darin erzählt Begley vom pittoresken Liebesglück zwischen Schmidt und der puertoricanischen Kellnerin Carrie. Doch das Glück ist nur von kurzer Dauer. Carrie lernt einen anderen kennen. Und auch Schmidts Tochter meldet sich wieder zu Wort. Sie hat sich von Jon getrennt – und in ihrer Not, die vorwiegend aus Geldsorgen besteht, erinnert sie sich wieder an die Existenz ihres Vaters. 2003 kam „About Schmidt“ in die Kinos. Jack Nicholson spielte die Hauptrolle.

„Schiffbruch“

Auf Begleys 2003 in Deutschland veröffentlichten Roman „Schiffbruch“ reagierte die Fachkritik teilweise mit schroffer Ablehnung. Die Familie der unnötigen Bücher habe wieder Zuwachs bekommen, urteilte ein Rezensent. 2007 ließ Begley den autobiographisch gefärbten Roman „Ehrensachen“ folgen, in dem der Ich-Erzähler Sam von seinem Studium in Harvard und dem Amerika der fünfziger Jahre berichtet. Sam ist jüdisch-polnischer Herkunft, was ihn in den Augen der anderen Studenten zu einem Fremdling macht. Aber auch Henry und Archie, Sams aus der amerikanischen Oberschicht stammenden Mitbewohner, sind auf der Suche nach der eigenen Identität jenseits erstarrter Familientraditionen.

„Ehrensachen“ gilt neben „Lügen in Zeiten des Krieges“ als Begleys persönlichstes Buch. Das Online-Literaturmagazin? „Literaturanzeiger.de“ sah darin einen Roman, wie ihn sich Begley-Fans seit Jahren gewünscht hätten: tiefgründig, doppelbödig, gesellschaftskritisch, melancholisch – und einfach grandios geschrieben.

Im November 2006 übernahm Begley die Poetik-Dozentur an der Heidelberger Universität. Der Titel seiner Vorlesungen war „Louis Begley: Between Facts and Fiction“.

„Erinnerungen an eine Ehe“

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Wie viele andere Bücher Begleys spielt auch der 2013 erschienene Roman "Erinnerungen an eine Ehe" in der wohlhabenden US-amerikanischen Gesellschaft. In sie kehrt, aus Paris, der Schriftsteller Philip zurück, der Frau und Tochter verloren hat und sich mittlerweile emotional in einem eigenartigen Schwebezustand befindet. Die Trauer schmerzt nicht mehr unerträglich, aber es gibt auch keine Zukunftserwartung mehr.

In dieser Situation trifft Philip auf seine Jugendfreundin Lucy. Sie war einst sehr schön, hatte reich geerbt und dann den Aufsteiger Thomas Snow geheiratet. Die Ehe wurde irgendwann geschieden. Nach Snows Unfalltod wird bekannt, dass er als Banker zur Entschuldung armer Länder beigetragen haben soll. Lucy, mittlerweile eine reicher, verbitterte alte Dame, versucht Philip dafür zu engagieren, ihr wesentlich negativeres Bild von Thomas Snow zu verbreiten - das eines Mannes, der skrupellos gewesen sei und sie schlecht behandelt haben soll.

Philip lässt sich da hineinziehen, er geht auf Recherche, interviewt Kollegen, Bekannte und Freunde von Thomas Snow - und je weiter dies fortschreitet, desto größer wird der Wunsch des Lesers, das "wahre" Gesicht Snows zu sehen. Was er aber zunehmend zu sehen bekommt, ist die wahre Lucy ...

Louis Begley lebt in New York und ist seit 1974 in zweiter Ehe mit der Historikerin Anka Muhlstein verheiratet.

Übrigens ...

hatte Louis Begley in Harvard einen bekannten Kommilitonen: Zusammen mit John Updike schloss er 1954 den Studiengang in Englisch als jahrgangsbester Absolvent mit summa cum laude ab.

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Louis Begley bei Jokers
  • Lügen in Zeiten des Krieges (OA: Wartime Lies, 1991). Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag 2004, ISBN: 978-3518390467
  • Der Mann, der zu spät kam. OA 1993. Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag 2002, ISBN: 978-3518408124
  • Wie Max es sah. Roman. OA 1994. Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag 2002, ISBN: 978-3518407271
  • Schmidt. OA 1996. Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag 2004, ISBN: 978-3518455876
  • Mistlers Abschied. OA 1998. Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag 1998, ISBN: 978-3518410004
  • Schmidts Bewährung. OA 2000. Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag 2001, ISBN: 978-3518412275
  • Das Gelobte Land. OA 2001. Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag 2001, ISBN: 978-3518122174
  • Schiffbruch. OA 2003. Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag 2005, ISBN: 978-3518457085
  • Ehrensachen. OA 2007. Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag 2007, ISBN: 978-3518418703
  • Zwischen Fakten und Fiktionen. OA 2008. Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag 2008, ISBN: 978-3518125267
  • Erinnerungen an eine Ehe. OA 2013, dt. EA 2013

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