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Bilderbuch

Das Bilderbuch ist ein für Kinder(etwa 2 - 8 Jahre) bestimmtes Buch, das reine Bildgeschichten (ohne Text) oder Illustrationen zu meist kurzen Texten enthält. Im Rahmen des Deutschen Jugendliteraturpreises wird jährlich auch ein besonders gelungenes Bilderbuch prämiert.

Definition

Das Bilderbuch ist ein für Kinder (etwa 2 - 8 Jahre) bestimmtes Buch, das reine Bildgeschichten (ohne Text) oder Illustrationen zu meist kurzen Text enthält. Die überwiegende Mehrzahl der Bilderbücher ist zum Vorlesen? und Vorzeigen geeignet: Die Eltern lesen vor, die Kinder sitzen daneben und sehen die Bilder an. Daraus ergibt sich die wichtigste gestalterische Anforderung an das Bilderbuch: Bild und Text müssen in einer für das Auffassungsvermögen der Kinder leicht durchschaubaren Wechselbeziehung stehen, im Idealfall ergänzen sich Bild und Text und verschmelzen in der Vorstellungskraft der Kinder zu einer Einheit. Um das kindliche Auffassungsvermögen nicht zu überfordern, sind die meisten Bilderbücher mit gut sichtbaren Altersangaben versehen, z. B.: „Geeignet für Kinder von 2 bis 4 Jahren“.

Die Bilderbücher haben meist einen geringen Umfang, üblich sind 20-30 Buchseiten?, selten findet man Exemplare mit mehr als 50 Buchseiten?. Bei der Größe sind alle Buchformate? vertreten, es überwiegt jedoch das großformatige Buch, da dieses die räumlichen Anforderungen, die Bild oder Bild und Text an das Buch stellen, am besten befriedigt. Das Alter der Leser berücksichtigend, wird das Bilderbuch oft aus stabilen, reißfesten Stoffen angefertigt, besonders beliebt sind Pappe? und dickes Papier. Die Einbände sind oft abwaschbar. Die Abbildungen sind in der Regel farbig oder Schattenrisse.

Entstehung

Der Ursprung des Bilderbuchs liegt im Altertum. Bei den Ägyptern, Römern und Griechen gab es unterschiedliche Formen der Präsentation: Bekannt sind vor allem Bilderteppiche, Freskenmalereien, Bildvasen und natürlich gedruckte Illustrationen. Die oft mit besonderer Kunstfertigkeit hergestellten Darstellungen hatten zumeist religiös-erbaulichen oder erzählend-unterhaltenden Charakter. Die Adressaten waren hier natürlich nicht Kinder, sondern Erwachsene. Diese Frühformen des Bilderbuchs haben übrigens unser Bild vom Altertum? entscheidend mitgeprägt.

Das Bilderbuch im Windschatten der Drucktechnik

Die Entstehung des Bilderbuchs in seiner heutigen Form ist an die neueren Druckmedien gebunden und schöpfte die technischen Möglichkeiten der Zeit stets aus. So kann in der historischen Rückschau die Entstehung und Entwicklung des Bilderbuchs auch als eine Geschichte der Drucktechnik gelesen werden: Holzschnitte, Kupferstiche, Klischee-? und Offsetdrucke? wechselten einander ab.

Die ersten Bilderbücher im heutigen Verständnis waren Schulbücher wie die illustrierten ABC-Bücher (auch Fibeln? genannt) des ausgehenden Mittelalters? oder die mit Bilderfolgen illustrierten Fabelbücher? des 17. Jahrhunderts. Zu erwähnen ist an dieser Stelle vor allem das zur damaligen Zeit außergewöhnlich populäre „Orbis sensualium pictus“ (1658) von Johannes Amos Comenius?, das der Erziehung und Bildung diente. Das „Orbis sensualium pictus“ erklärte die Welt von Gott, über die Menschen bis zu den Insekten und richtete sich sowohl an Erwachsene (Text & Bild) als auch an Kinder (Bild).

Entwicklung

In der Zeit der Aufklärung? galt das Bilderbuch als wichtiges Instrument der Erziehung. Es entstanden zahlreiche, ausdrücklich für Kinder im Schulalter bestimmte Bilderbücher, wie z. B. „Bilder-Academie für die Jugend“ (1780-1784) von Johann Siegmund Stoy? oder „Moralische Kinderklapper“ (1787) von Johann Karl August Musäus?, die dem kindlichen Geist eine vernünftige Beziehung zur Welt vermitteln sollten. Das mit Abstand bekannteste Bilderbuch ist „Der Struwwelpeter“ (1845) des Frankfurter Arztes Heinrich Hoffmann. Hoffmanns Werk? ist im Lauf der Zeit sogar zu einer eignen Bilderbuchgattung avanciert: Die unzähligen Um-, Nach-? und Weiterdichtungen werden als Struwwelpet(e)riaden bezeichnet.

Theorie und kindliche Alltagswelt

Eine erste, bis heute grundlegende Theorie des Bilderbuchs stammt vom Schweizer Dichter und Zeichner Rodolphe Toeppfer?, der in seinem „Essai de Physiognomonie“ (1845) schrieb: „Literatur in Bildern zu machen, bedeutet nicht, (…) dass man ein Sprichwort in Szene setzt oder ein Wortspiel? erfindet. Im Gegenteil: Es bedeutet, dass man wirklich eine Handlung erfindet, deren Teile sich sinnvoll zu einem Ganzen zusammenfügen.“ Literatur in Bildern zu machen, wie von Toeppfer? gefordert, davon waren auch die Spätromantiker fasziniert, die Gedichte?, Märchen, Sagen und andere Stoffe in Form von Bilderbüchern nacherzählten oder neu schufen.

Großer Beliebtheit bei den Lesern erfreuten sich auch die Bilderbücher von Wilhelm Busch („Max und Moritz“, 1865; „Die Fromme Helene“, 1872). Ob Wilhelm Busch seine Bilderbücher für Kinder oder ausschließlich für Erwachsene verfasst hat, kann nicht mit Gewissheit gesagt werden. Es sind Äußerungen von Busch bekannt, in denen er grundsätzlich davon abrät, Kinder mit Bildern - zumal mit Karikaturen! - großzuziehen.

Heinrich Hoffmanns „Der Struwwelpeter“ war das erste Bilderbuch, das sich gezielt an Kleinkinder richtete - von diesem Novum ausgehend, näherte sich das Bilderbuch seit Mitte des 19. Jahrhunderts der kindlichen Alltagswelt an. Erziehung und Belehrung traten zunehmend in den Hintergrund. Paula? und Richard Dehmel? verfassten Bilderbücher, die von einer leicht poetisierten Kindersprache geprägt waren, z. B. „Fitzbutze“ von 1901. Das Buch, dessen Bildfolgen von Ernst Kreidolf? stammen, gilt als Meilenstein in der Geschichte des Bilderbuchs und markiert gleichzeitig den Beginn einer nur noch schwer zu überblickenden Bilderbuchproduktion im 20. Jahrhundert.

Vielfalt ist Trumpf

Bestimmendes Kennzeichen des Bilderbuchs im 20. und 21. Jahrhundert ist seine gestalterische und inhaltliche Vielfalt. Neben schlichten und bewusst einfach gehaltenen Bilderbüchern entstanden üppig und kunstvoll illustrierte. Neben aufklärenden und psychologisch fundierten Bilderbüchern (Stefan Gemmel? / Marina Krämer?: „Hilfe für Mario“, 2009) gab es propagandistische und pädagogisch fragwürdige Bilderbücher (Hermann Siegmann-Ipf? / Herbert Rothgaengel?: „Wenn die Soldaten durch die Stadt marschieren…“, um 1940).

Poetische und informierende Elemente kehren auch im heutigen Bilderbuchbereich wieder: Es gibt informierende und (linear?) erzählende Bilderbücher, außerdem Märchenbilderbücher und Spielbilderbücher. Letztere erlauben mehr Aktionsformen als nur das Betrachten. So kann man mit ihnen etwa Puzzeln oder, dank eingearbeiteter Materialien, Fühlen.

In der optischen Gestaltung stehen viele Richtungen nebeneinander: die abstrakte Kunst (Leo Linni?) und comicartige Bildfolgen (Tomi Ungerer?) sind ebenso vertreten wie karikierende, collageartige und realistische Malstile. Auch Autoren wie Peter Härtling und Peter Bichsel, die üblicherweise der Erwachsenenliteratur zugerechnet werden, haben schon Texte zu Bilderbüchern verfasst. Als besonders beliebt gelten die Bilderbücher von Eric Carle? („Die kleine Raupe Nimmersatt“, 1969), Janosch? („Oh, wie schön ist Panama“, 1978) und Sven Nordqvist? („Pettersson und Findus“, 1984-2002).

Literatur

  • Busch, Wilhelm: Max und Moritz. Eine Bubengeschichte in sieben Streichen. Garant Verlag, Renningen 2005, ISBN: 978-3938264621
  • Hoffmann, Heinrich: Der Struwwelpeter. Esslinger Verlag Schreiber, Esslingen 1997, ISBN: 978-3480063345
  • Janosch: Ach, so schön ist Panama. Beltz Verlag, Weinheim 2010, ISBN: 978-3407799647

Sekundärliteratur

  • Haas, Bärbel: Bilderbuch-Illustration. Die Kunst, mit Zeichnungen Geschichten zu erzählen. Frech Verlag, Stuttgart 2010, ISBN: 978-3772462733

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