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Die Bücherburg in Katlenburg

"Bücher weitergeben statt wegwerfen" ist das Motto der Bücherburg der St. Johannes-Kirchengemeinde in Katlenburg. Seit 1991 rettet hier der niedersächsische Pfarrer Martin Weskott Bücher aller Art.

Die Geschichte der Bücherburg

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Angefangen hat alles mit einem Foto vom Juni 1991 in der Süddeutschen Zeitung. Es zeigte einen großen Haufen Bücher auf einer Müllkippe bei Plottendorf in der Nähe von Leipzig. In den Wendejahren ließen viele ostdeutsche Verlage und Buchhandlungen ihr gesamtes Sortiment? auf den Müll kippen. Alte und vor allem neue Besitzer wollten sich damit des Ballasts entledigen. Denn auch in der Kultur galt in den neuen Ländern für einige Zeit nur das als angesagt, was aus dem Westen stammte. Pfarrer Weskott machte sich mit einigen Mitstreitern aus der Katlenburger Kirchengemeinde auf den Weg nach Plottendorf. Was sie fanden, waren Unmengen von Büchern aller literarischen Gattungen.

Seit diesem einschneidenden Erlebnis war Pfarrer Weskott über zweihundert Mal in der ehemaligen DDR unterwegs. Er fand Bücher auf dem Abfall, in Hinterhöfen, bei ehemaligen Verlagen und in vergessenen Antiquariaten. Weit mehr als eine Million Bände hat Pfarrer Weskott bis heute in das Büchermagazin auf dem Gelände der 900 Jahre alten Katlenburg gebracht und somit vor der Vernichtung gerettet.

Natürlich werden die Büchermassen nicht nur eingelagert. Schon bald würde das Büchermagazin an seine räumlichen Grenzen stoßen. Getreu dem Mottospruch "Bücher weitergeben statt wegwerfen" kann jeder im Büchermagazin stöbern und so viele Bücher mitnehmen, wie er tragen kann. Wer ein ganz bestimmtes Buch sucht, kann seinen Bücherwunsch sogar per E-Mail oder Telefax an die Bücherburg senden, dies aber unverbindlich. Denn einen Katalog gibt es nicht. Besser ist also in jedem Fall ein persönlicher Besuch im Büchermagazin auf der Katlenburg. Geöffnet wird es jeden Sonntag nach dem Gottesdienst.

Die Bücher selbst kosten nichts. Lediglich um eine Spende für "Brot für die Welt" wird gebeten. Auf diese Weise konnte die Katlenburger Kirchengemeinde bereits mehrere 100.000 Euro dan die evangelische Hilfsaktion überweisen. Doch damit nicht genug. Bereits eine sehr große Anzahl bisher nicht mehr benötigter Bücher gab die Bücherburg für den Deutschunterricht an Schulen im Ausland weiter. Und die helfenden Ideen von Pfarrer Weskott finden kein Ende.

Mittlerweile spenden auch West-Bibliotheken sowie Verlage Buchbestände, die sie aussortieren. Und auch Privatpersonen, die überflüssige Bücher haben, unterstützen diese Aktion. Denn Bücher gehören nicht auf den Müll! Für die Bücheraktion wurden Pfarrer Martin Weskott der Göttinger Lorbeer und das Bundesverdienstkreuz verliehen. Im Jahr 2008 erhielt er die Karl-Preusker-Medaille der Deutschen Literaturkonferenz?. Karl Benjamin Preusker? hatte 1828 in Großenhain (Sachsen) die erste Öffentliche Bibliothek eröffnet.

Die Bücherburg im Dienste der Wissenschaft

Schon lange Zeit suchen zum Beispiel auch Universitäten und Spezialbibliotheken? aus dem In- und Ausland in Katlenburg nach Literatur. So forderte der Bundesgerichtshof juristische Standardwerke? der DDR aus dem Büchermagazin an und der Pomologen-Verein Nordrhein-Westfalen erbat Fachliteratur? zum Thema Obstanbau.

Den bisher wohl spektakulärsten Fachliteraturfund machte der Physiker Hans Lauche vom Max-Planck-Institut für Aeronomie. Er fand in einem DDR-Buch aus dem Büchermagazin Hinweise für eine Materialkombination, die für den Bau eines Spektral-Fotometers für die Saturn-Sonde Cassini hervorragend geeignet war.

Müll-Literaten in der Bücherburg

Ein weiterer Höhepunkt ist die Veranstaltungsreihe? "Müll-Literaten lesen - Begegnungen mit ostdeutschen Autoren". Seit Mai 1992 sind in Katlenburg, Suterode und Wachenhausen weit über 180 Schriftsteller zu Gast gewesen. Weiterhin wurde die Reihe "Menschen und Bücher - vorgestellt und diskutiert" in Zusammenarbeit mit der Kreisvolkshochschule Northeim ins Leben gerufen. Träger ist die Gesellschaft zur Förderung von Kultur und Literatur e.V. Katlenburg. Veranstaltungsort ist das Gemeindehaus Katlenburg.

Chronik

1991: Millionen Bücher aus DDR-Produktion landen auf Müllkippen und in Tagebauen. Katlenburg wird dank des Pfarrers Martin Weskott zum Ort für gerettete Bücher, darunter auch ein Buch mit Reden des damals amtierenden Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker.

1992: Die Reihe "Müll-Literaten lesen" beginnt.

1995: Die Gesellschaft zur Förderung von Kultur und Literatur e.V. übernimmt die Trägerschaft der Aktion "Bücher aus der DDR für Brot für die Welt".

1997: Durch die immense Erweiterung des Spektrums der Bücher wird die Aktion "Bücher weitergeben statt wegwerfen" gestartet.

2003: Die 150. Lesung im Rahmen der Reihe "Müll-Literaten lesen" findet statt.

2008: Martin Weskott erhält die Karl-Preusker-Medaille der Deutschen Literaturkonferenz

Kontakt

Gesellschaft zur Förderung von Kultur und Literatur e.V.
vertreten durch Pastor Martin Weskott
Postfach 1170
37187 Katlenburg-Lindau
Telefon: +49 (0) 55 52 - 9 11 30
Telefax: +49 (0) 55 52 - 9 11 32
E-Mail: buecherburg@arcor.de

Öffnungszeiten

Das Büchermagazin gegenüber der St. Johannes-Kirche hat jeden Sonntag von 10:30 Uhr bis 12:30 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet.

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