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Christie, Agatha

Agatha Christie (geb. 15. September 1890 in Torquay/Devon; gest. 12. Januar 1976 in Wallingford/Berkshire) war eine weltbekannte englische Kriminalschriftstellerin. Die Gesamtauflage? ihrer Bücher beläuft sich auf über 200 Millionen Exemplare?. Zu ihren bekanntesten literarischen Schöpfungen gehört die liebenswert verschrobene Miss Marple und der pensionierte belgische Detektiv Hercule Poirot.

Leben und Schreiben

Agatha Mary Clarissa Miller wurde am 15. September 1890 in Torquay/Devon – einem kleinen beschaulichen Badeort an der englischen Südküste – geboren. Sie war das jüngste Kind von Frederick Miller und seiner Frau Clara. Ihre Schwester Margaret Frary kam 1879 in Torquay zur Welt, ihr Bruder Louis Montant wurde 1880 in New York geboren. Die Familie war sehr wohlhabend. Im Rückblick hat Agatha Christie ihren Vater liebevoll als englischen Nichtstuer mit ausgeprägtem Hang zur Leichtlebigkeit charakterisiert.

Agatha verbrachte eine sorgenfreie Jugend. Sie wurde im elterlichen Hause unterrichtet und lernte früh lesen – übrigens sehr zum Unmut ihrer sittenstrengen und erzkonservativen Mutter, die das Lesen und Schreiben zunächst nicht zu den besonders fördernswerten Fähigkeiten ihrer Tochter rechnete (später gehörte sie jedoch zu den eifrigsten Förderern ihrer literarischen Ambitionen). In ihrer Jugend wollte Agatha zuerst Konzertpianistin werden, dann Sängerin. Doch beide Wünsche zerschlugen sich rasch, denn obgleich sie mit Fleiß und Eifer bei der Sache war, legte sie nur wenig Talent an den Tag. Später besaß sie stets ein Klavier, gleichgültig wo sie lebte.

„The Mysterious Affair at Styles“ (1920)

Agatha war elf Jahre alt, als ihr Vater an den Folgen einer Lungenentzündung starb. Der unerwartete Verlust traf sie schwer, denn mit seiner lebensfrohen und unbekümmerten Art hatte ihr der Vaters immer viel Freude bereitet. Ebenfalls 1901 veröffentlichte Agatha ein erstes Gedicht in einer lokalen Zeitung?. In den folgenden Jahren unternahm sie zusammen mit ihrer Mutter viele Reisen, die sie bis nach Afrika in die britischen Kolonien führten. Im Winter 1910 hielten sie sich für einige Wochen in Kairo auf, wo die Mutter einen Bräutigam für ihre zwanzigjährige Tochter zu finden hoffte. Doch die Hoffnungen der Mutter waren vergebens.

Erst zwei Jahre später verliebte sich Agatha in Archibald Christie, einen Hauptmann der Königlichen Feldartillerie, dem soeben die Qualifizierung für das allseits bewunderte Königliche Fliegercorps gelungen war. Im Ersten Weltkrieg war Archibald Christie in Frankreich stationiert. Während des Weihnachtsurlaubs 1914 heirateten er und Agatha – die Hochzeit erfolgte so überstürzt, dass zufällige Passanten als Trauzeugen engagiert werden mussten. Während seiner Abwesenheit im Felde war sie beim britischen Roten Kreuz tätig. Aus der Ehe, die 1928 nach einer Reihe dramatischer Krisen (später lieferten diese Krisen sogar den Stoff für einen Film) geschieden wurde, ging die Tochter Rosalind Christie hervor.

Angeregt durch die Stücke des britischen Bühnenautors? Eden Phillpotts?, machte sich Agatha Christie an die Niederschrift ihres ersten Kriminalromans, der jedoch zum großen Verdruss der Autorin lange Zeit keinen Verleger fand. Erst 1920 kam der Roman, in dem erstmals der belgische Detektiv Hercule Poirot auftritt, unter dem Titel „The Mysterious Affair at Styles“ (dt. Das fehlende Glied in der Kette) heraus. Dabei handelt es sich um einen bizarren Giftmord-Roman, in den Agatha Christie ihre Erfahrungen als Assistentin in einer Krankenhausapotheke eingearbeitet hat – zuverlässige Mordrezepte in Pulverform waren ihr also auch im wirklichen Leben nicht fremd. Der Roman erschien erst in den USA, dann in England.

Im Keim enthält „The Mysterious Affair at Styles“ bereits das zentrale dramaturgische? Kompositionsmuster, nach dem auch viele der folgenden Romane gearbeitet sind: Zunächst deuten alle Indizien auf einen möglichen Täter hin, aber – und diese Einschränkung erzeugt stets einen großen Teil der Spannung – dennoch scheint diese Person doch nicht als Täter in Frage zu kommen. Und erst ganz am Ende ist der Detektiv dann in der Lage, den Täter zu überführen und den Tatablauf plausibel zu erklären. Die Fachkritik hat häufig moniert, dass dieses Kompositionsmuster sehr schematisch sei und die Verbrecher in Agatha Christies Romanen mit fast übermenschlichen psychologischen und organisatorischen Fähigkeiten ausgestattet seien. Dem Erfolg beim Publikum tat dieser Einwand jedoch keinen Abbruch. In den folgenden Jahren erschienen weitere Kriminalromane wie „Murder on the Links“ (1923; dt. Mord auf dem Golfplatz) und „The secret adversary“ (1925; dt. Ein gefährlicher Gegner), die vom Feuilleton? eher zurückhaltend besprochen wurden.

„The Murder of Roger Ackroyd“ (1926)

Der Durchbruch als international beachtete Schriftstellerin gelang Agatha Christie 1926 mit ihrem siebten Roman „The Murder of Roger Ackroyd“ (dt. Der Mord an Roger Ackroyd), der von der Literaturkritik als ihr Meisterwerk? bezeichnet wird. Bis heute ist der Roman allerdings sehr umstritten. Das liegt vor allem daran, dass Agatha Christie nach Ansicht einiger Kritiker etwas getan hat, was ein Kriminalschriftsteller unbedingt vermeiden sollte: Ein ungeschriebenes Gesetz besagt nämlich, dass der Leser eines Kriminalromans immer in der Lage sein sollte, das Verbrechen mittels eigener Kombinationen aufzuklären und den Täter selbst zu überführen. Die Todsünde eines Kriminalschriftstellers besteht nun darin, den Leser bewusst in die Irre zu führen und ihm den Weg zur Aufklärung des Verbrechens durch falsche Fährten zu verbauen. Und genau das, so meinten einige Kritiker, habe Agatha Christie in ihrem Roman „The Murder of Roger Ackroyd“ getan. Denn erst ganz am Ende des Romans stellt sich heraus, dass der biedere Landarzt Sheppard – nicht nur die rechte Hand Hercule Poirots, sondern auch der Ich-Erzähler des Romans – den Mord begangen hat. „The Murder of Roger Ackroyd“ war der erste Roman, den Agatha Christie beim Londoner Collins-Verlag? veröffentlichte, dem sie in den folgenden 50 Jahren die Treue hielt. 1928 wurde die Bühnenfassung des Romans? am Londoner Prince of Wales Theatre uraufgeführt.

„4.50 from Paddington“ (1957)

Agatha Christie machte auch am Theater Karriere. Unter dem Titel „Three Blind Mice“ sendete die BBC 1947 ein Hörspiel von Agatha Christie. Daraus entstand später das Bühnenstück „The Mousetrap“ (dt. Die Mausefalle), das am 25. November 1952 in Nottingham uraufgeführt wurde. Mit mehr als 22.000 Vorstellungen gilt „The Mousetrap“ als eines der erfolgreichsten Theaterstücke weltweit. Ort der Handlung ist Monkswell Manor, das durch heftigen Schneefall völlig von der Außenwelt abgeschnitten ist. Detective Sergeant Trotter ist es gerade noch gelungen, auf Skiern dorthin vorzudringen. Umgehend nimmt er die Ermittlungen in einem mysteriösen Mordfall auf. Zur deutschen Uraufführung? kam es am 6. März 1954 im British Centre in Berlin.

Im Jahr 1930 veröffentlichte Agatha Christie den Roman „The Murder at the Vicarage“ (dt. Mord im Pfarrhaus), in dem erstmals Miss Jane Marple auftritt – eine liebenswert verschrobene Amateurdetektivin. Miss Marple ist neben Hercule Poirot die zweite berühmte Detektivfigur aus Agatha Christie Feder. Als Vorbild diente ihr die eigene Oma, von der sie sagte, dass sie von den Menschen immer das Schlechteste erwartet habe – wie Miss Marple. Ihre Fälle löst Miss Marple mit feiner Intuition und psychologischem Einfühlungsvermögen. Dabei fällt auf, dass Miss Marple – übrigens genau so wie Hercule Poirot – kein Familienleben hat. Der bekannteste Miss-Marple-Roman, der auch mehrmals verfilmt wurde, erschien 1957 unter dem Titel „4.50 from Paddington“ (dt. 16 Uhr 50 ab Paddington). Darin ermittelt Miss Marple zusammen mit der energischen Lucy Eylesbarrow auf Rutherford Hall: Dort wohnt die zwar alte und ehrwürdige, aber dennoch nicht ganz koschere Familie Crackenthrope. Im Grunde hätte hier jedes Familienmitglied ein Motiv, alle anderen umzubringen.

1956 wurde Agatha Christie mit dem Orden des Britischen Weltreichs ausgezeichnet. Fünf Jahre später verlieh ihr die Universität Exeter die Ehrendoktorwürde. 1971 wurde sie zur „Dame of the British Empire“ ernannt.

Insgesamt hat Agatha Christie mehr als 80 Kriminalromane und 14 Theaterstücke veröffentlicht. Hinzu kommt eine Vielzahl von [Romanen, die unter dem Pseudonym Mary Westmacott erschienen sind. Viele ihrer Romane wurden erfolgreich verfilmt. Legendär sind die Auftritte von Sir Peter Ustinov als Hercule Poirot.

Agatha Christie starb am 12. Januar 1976 im Alter von 85 Jahren.

Im Nachruf der „Welt“ hieß es: Niemand habe Agatha Christie jemals übertroffen in der soliden, ehrlichen Konstruktion einer Geschichte – und zugleich in der anhaltenden, meisterlichen Irreführung des Lesers.

Übrigens ...

gingen beträchtliche Einkünfte aus Agatha Christies Romanen, Kurzgeschichten und Theaterstücken schon bei Lebzeiten zum großen Teil an Verwandte.

Auszeichnungen

  • 1956 Orden des Britischen Weltreichs
  • 1961 Ehrendoktorwürde der Universität Exeter
  • 1971 Dame of the British Empire

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Agatha Christie bei Jokers
  • Das fehlende Glied in der Kette. EA 1921. Frankfurt am Main, S. Fischer Verlag 2003, ISBN: 978-3596506859
  • Mord auf dem Golfplatz. EA 1923. Frankfurt am Main, S. Fischer Verlag 2005, ISBN: 978-3596166572
  • Poirot rechnet ab. EA 1924. Frankfurt am Main, S. Fischer Verlag 2004, ISBN: 978-3596167647
  • Alibi. EA 1926. Frankfurt am Main, S. Fischer Verlag 2005, ISBN: 978-3596172573
  • Mord im Orientexpress. EA 1934. Frankfurt am Main, S. Fischer Verlag 2006, ISBN-13: 978-3596174225
  • Nikotin. EA 1934. Frankfurt am Main, S. Fischer Verlag 2007, ISBN: 978-3596166558
  • Hercule Poirot schläft nie. EA 1937. Frankfurt am Main, S. Fischer Verlag 2005, ISBN: 978-3596168255
  • Und dann gabs keines mehr. EA 1939. Frankfurt am Main, S. Fischer Verlag 2006, ISBN: 978-3596174041
  • Morphium. EA 1940. Frankfurt am Main, S. Fischer Verlag 1999, ISBN: 978-3502516835
  • Die Mausefalle. EA 1952. Frankfurt am Main, S. Fischer Verlag 2007, ISBN: 978-3596177264

Hörspiele

  • Der Mann im braunen Anzug. CD. München, Dhv der Hörverlag 2007, ISBN: 978-3867170116
  • Fünf Hercule-Poirot-Krimis. 15 CDs. München, Dhv der Hörverlag 2007, ISBN: 978-3867171441
  • Und dann gabs keines mehr. 3 CDs. München, Dhv der Hörverlag 2006, ISBN: 978-3899407792

Sekundärliteratur

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