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Consolo, Vincenzo

Vincenzo Consolo (geb. 18. Februar 1933 in Sant’Agata di Militello/Sizilien) ist ein italienischer Autor.

Leben

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Vincenzo Consolo wurde am 18. Februar 1933 in Sant’Agata di Militello auf Sizilien geboren.

Mit seinem Romanerstling „Die Wunde im April“ wurde er italienweit bekannt. Sein Werk „Lächeln des unbekannten Matrosen“ festigte seinen Ruf als großer Stilist und Moralist. Neben Romanen schreibt er Erzählungen, Gedichte und Reiseberichte?.

Ins Deutsche übersetzt wurden seine Romane „Das Lächeln des unbekannten Matrosen“ (1984), „Die Wunde im April“ (1990) und „Die Steine von Pantalica“ (1996). Zwei weitere Romane, „Retablo“ (1987) und „Lo spasimo di Palermo“ (1998), werden ebenfalls in deutscher Sprache erscheinen.

Für den Roman „Bei Nacht, von Haus zu Haus“ wurde Consolo 1992 mit dem Premio Strega? geehrt, 1995 erhielt er den Premio Grinzane Cavour?. Die Universität Palermo verlieh ihm am 20. Juni 2007 die Ehrendoktorwürde.

Vincenzo Consolo lebt seit 1969 in Mailand und Sizilien.

Schreiben

Retablo

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Liebe als Leidenschaft, als Wahn und Verstrickung vor dem Hintergrund Siziliens im 18. Jh. – Retablo ist Tafelbild und pikareske Erzählung zugleich, lässt barocke Pracht und südländische Adelsherrlichkeit, beginnende Aufklärung und Hinwendung zur Antike wieder erstehen.

Fabrizio Clerici, Maler, Spross einer der mächtigsten Familien Mailands, tritt eine Reise nach Sizilien an, zu den Stätten der Antike – Segest, Selinunt, Mozia –, um auf den Spuren der siculo-griechischen Kulturen und Sprachen seine Angebetete, Teresa Blasco, zu vergessen. In Palermo an Land gegangen, heuert der Künstler einen entlaufenen Mönch als ortskundigen Führer an – Isidoro, der aus Liebe zur blutjungen Rosalia den Ertrag aus Ablassverkäufen unterschlägt und sich aus dem Kloster davonstiehlt.

Der Liebeswahn des Einen spiegelt sich im Liebeswahn des Anderen auf einer höheren gesellschaftlichen Ebene wider.

Consolos Sprache ist ein Pastiche, eine vielfach gewirkte Kunstsprache aus lombardischen und sizilianischen Dialekten, Gelehrtensprache des 18. Jahrhunderts mit meditativen wie umgangssprachlichen Tönen.

Bei Nacht, von Haus zu Haus

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Das Sizilien der 1920er Jahre – Großgrundbesitzer, verarmter Adel, faschistische Schlägertrupps, Sozialrevolutionäre und ein englischer Okkultist mit seinen sexualmagischen Riten – als Parabel der Gesellschaft unserer Tage.

Vom Vollmond getrieben, irrt Giuseppe Marano, der „Werwolf“, durch die Gassen und die silbrig-glänzenden Olivenhaine Cefalus und schreit sich seine Erbschuld von der Seele. Angeführt vom selbst ernannten Übermenschen Aleister Crowley, Magier und Schriftsteller, der sein Leben als Gesamtkunstwerk inszeniert, lässt sich eine Schar extravaganter Fremder nieder, um die Abtei von Theleme zu gründen: Hier frönt man gnostischen Messen, esoterischen Riten und feiert heidnische Hochzeitsnächte.

Der gelangweilte Baron Cìcio, ein Bewunderer des schwülstigen Poeten und Fiume-Eroberers D’Annunzio und Faschist, sieht eine Gelegenheit, seine erotischen Phantasien umzusetzen. Der Lehrer Petro, Sohn des „Werwolfs“, sühnt den sozialen Aufstieg seiner Familie durch die Teilnahme an sozialistischen Aufruhren und muss – wie seine jüdischen Vorfahren – ins Exil gehen, nach Algerien.

Vincenzo Consolo – nach Leonardo Sciascia die moralische Instanz Italiens gegen die Ausbeutung des Südens – zielt in seinem chorisch angelegten, poetischen Roman über den in unsicheren Zeiten aufkommenden Irrationalismus und Personenkult auf unsere Tage ab und legt mit dem Leitmotiv der Melancholie die menschlichen Abgründe frei.

Palermo. Der Schmerz

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Eine schonungslose literarische und moralische Abrechnung mit dem Italien der letzten 60 Jahre.

Das Bombenattentat von 1992 auf den Mafiaankläger Paolo Borsellino markiert den Endpunkt der langsamen Rückkehr des sizilianischen Schriftstellers Gioacchino Martinez in sein hassgeliebtes heimatliches Palermo. Über den Umweg Paris –, wo er seinen exilierten, des Linksterrorismus angeklagten Sohn Mauro besucht –, verabschiedet sich der Alte von der Industriemetropole Mailand und siedelt in die Hochburg der politischen Zweideutigkeit und der Mafia zurück. Die Konfrontation mit seinem Sohn und die Vorwürfe der politischen Feigheit geben für den Schriftsteller, der nicht mehr schreibt, den Anstoß zur Überprüfung der eigenen Geschichte: die Mitschuld am Tod des Vaters durch den Verrat an deutsche Soldaten; die Flucht aus Sizilien in den Norden, um die Schuld zu vergessen und die Ehe zu retten, die Unerreichbarkeit seiner geliebten Frau in ihrer Depression. Consolo erzählt vielstimmig, andeutungsreich und jegliche Hoffnung verweigernd von schuldhafter persönlicher Verstrickung, vom Verlust gemeingültiger Wertehaltungen und vom Niedergang der politischen Eliten im Italien der Nachkriegszeit.

Auszeichnungen (Auswahl)

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Vincenzo Consolo bei Jokers
  • Die Steine von Pantalica. Sizilianische Geschichten, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2001, ISBN: 978-3518408131
  • Das Lächeln des unbekannten Matrosen, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2002, ISBN: 978-3518391044
  • Bei Nacht, von Haus zu Haus, Folio Verlag, Wien 2003, ISBN: 978-3852562506
  • Retablo, Folio Verlag, Wien 2005, ISBN: 978-3852563145
  • Palermo: Der Schmerz, Folio Verlag, Wien 2008, ISBN: 978-3852564463

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