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DDR-Literatur

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Der Begriff DDR-Literatur war lange umstritten und konnte sich erst in den späten 1970er Jahren in der Literaturwissenschaft durchsetzen. Er bezeichnet alle Werke, die ab 1945 in der sowjetischen Besatzungszone und ab 1949 in der DDR entstanden sind. Zu den wichtigsten Autoren der DDR-Literatur gehören Bertolt Brecht, Wolf Biermann?, Brigitte Reimann und Christa Wolf.

Foto: Christoph S. / pixelio.de

Überblick

Das Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 markiert eine tiefe Zäsur in der deutschen Geschichte. Das in Besatzungszonen aufgeteilte Deutschland stand vor der schwierigen Aufgabe, einen politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Neuanfang zu finden. Auch die Literatur spielte dabei eine wichtige Rolle. Sowohl im Westen als auch im Osten wurde auf literarische Traditionen zurückgegriffen, die bereits vor und auch während des Nationalsozialismus? existiert hatten.

Frühzeitig wurde deutlich, dass sich zudem der Einfluss der jeweiligen Besatzungsmacht ganz unterschiedlich auf die literarische Entwicklung in Deutschland auswirkte. Anfängliche Bemühungen der Schriftsteller, durch Kongresse, Proklamationen und Denkschriften? die kulturelle Einheit Deutschlands zu bewahren, scheiterten an den massiven ideologischen Gegensätzen. Vor dem Hintergrund des heraufziehenden „Kalten Krieges“ entwickelten sich zwei deutsche Staaten und mit ihnen zwei deutsche Literaturen, die jedoch durch mancherlei Bezüge miteinander verbunden waren. In der Literaturwissenschaft ist es üblich, für die Zeit von 1945 bis 1990 zwischen einer Literatur der DDR und einer Literatur der BRD? zu unterscheiden.

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Die Literatur in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) wurde nach 1945 hauptsächlich von heimgekehrten Emigranten getragen. Zu den wichtigsten Autoren der ersten Generation gehörten Johannes R. Becher?, Bertolt Brecht, Ludwig Renn?, Arnold Zweig?, Erich Weinert? und Anna Seghers?, die sich bereits in der Weimarer Republik? zu Sozialismus und Antifaschismus bekannt hatten. Diese Autoren, die in der DDR als beispielhaft galten und mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet wurden, setzten die proletarisch-revolutionäre Tradition fort. Maßgeblichen Einfluss auf die Literatur in der DDR hatten das Zentralkomitee der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), Parteitage, Konferenzen sowie das 1955 gegründete Leipziger Literaturinstitut „Johannes R. Becher“?. Die wichtigsten Prinzipien der DDR-Literatur waren Antifaschismus und das Eintreten für Sozialismus und Klassenkampf.

Zeitleiste

Die folgende Zeitleiste markiert die wichtigsten Entwicklungsphasen der DDR-Literatur

  • 1945-1950 Aufbauliteratur / Auseinandersetzung mit dem Faschismus

In der sowjetischen Besatzungszone und der frühen DDR stand die Literatur ganz unter dem Einfluss der zurückgekehrten Emigranten. Wichtige Themen waren die Auseinandersetzung mit Krieg und Faschismus sowie die Festlegung der Aufgabe der Literatur. Die Literatur in der DDR sollte zum Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft beitragen und den Lesern an konkreten Beispielen zeigen, welche Wege zum wirtschaftlichen Erfolg führen und wie der Klassenkampf funktioniert. Die DDR-Kulturbehörden forderten, dass die Literatur positive Entwicklungen innerhalb der sozialistischen Gesellschaft beschreiben sollte. Der Schriftsteller in der DDR hatte von Anfang an einen gesellschaftlichen Auftrag und sollte sozusagen als Volkserzieher tätig werden.

Wichtige Autoren dieser so genannten Aufbauliteratur? waren: Bruno Apitz, Johannes R. Becher?, Bertolt Brecht, Anna Seghers?

  • 1950-1960 Produktionsliteratur und Sozialistischer Realismus

Die meisten Romane, Erzählungen und Theaterstücke, die in den 1950er und frühen 1960er Jahren in der DDR veröffentlicht wurden, gehören zur so genannten Produktionsliteratur?. Dabei unterscheidet man zwei Entwicklungsphasen, die jedoch eng miteinander verbunden sind: die Aufbauliteratur? (Anfang 1950er Jahre) und die Literatur des Bitterfelder Weges? (Ende 1950er Jahre).

Der 3. Parteikongress der SED 1953 forderte, dass ein lernbegeisterter und produktionsfreudiger Arbeiter („positiver sozialistischer Arbeiterheld“) im Mittelpunkt der Literatur stehen sollte. Die Aufgabe der Literatur sollte es sein, möglichst viele Menschen für den Sozialismus zu gewinnen sowie Arbeitsfreude und eine positive Zukunftsperspektive zu vermitteln. Die sozialistische Gesellschaft sollte auch mit Hilfe der Literatur aufgebaut und entwickelt werden.

Nach der 1. Bitterfelder Kulturkonferenz 1959 begann die zweite Phase der Produktionsliteratur, also die Literatur des Bitterfelder Weges?. Mit der Parole „Greif zur Feder, Kumpel – die sozialistische Nationalliteratur? braucht dich!“ sollten die Arbeiter selbst zum Schreiben von Erzählungen, Romanen und Theaterstücken ermuntert werden. Gleichzeitig forderten die Kulturfunktionäre die Schriftsteller dazu auf, in die Fabriken, Betriebe und Werkstätten zu gehen, um die Arbeitswelt besser kennen zu lernen und darüber zu schreiben. Ziel des Bitterfelder Weges war es, die Trennung zwischen Künstler und Volk sowie zwischen Kunst und realer Arbeitswelt aufzuheben.

Seit Beginn der 1950er Jahre gab es in der DDR einen verbindlichen Schreibstil, den sozialistischen Realismus?. Der sozialistische Realismus ist den 1930er Jahren in der Sowjetunion entstanden und war für alle Kunstformen verbindlich – also nicht nur für die Literatur, sondern z. B. auch für die Malerei und die Bildhauerei. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde diese Stilrichtung in der DDR aufgegriffen. Merkmale des sozialistischen Realismus sind: Ein positiver Held (meistens ein Arbeiter) steht im Mittelpunkt der Literatur, die Werke spiegeln die gesellschaftliche Realität und sind allgemeinverständlich geschrieben. Grundsätzlich galt: Der Inhalt ist wichtiger als die Form.

Wichtige Autoren der Produktionsliteratur und des Bitterfelder Weges waren: Erich Loest, Heiner Müller?, Erik Neutsch?, Erwin Strittmatter?, Friedrich Wolf?

  • 1960-1970 Ankunftsliteratur
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Im April 1964 fand die 2. Bitterfelder Konferenz statt. Sie führte zu dem Ergebnis, dass der Bitterfelder Weg? nicht fortgesetzt wurde. Die frühen 1960er Jahre markieren einen tiefen Einschnitt in der Geschichte der DDR. Im August 1961 wurde die Berliner Mauer gebaut. Gleichzeitig galt in der DDR der Aufbau des Sozialismus (z. B. Kollektivierung der Landwirtschaft, Verstaatlichung der Industrie) als abgeschlossen. Der nächste Schritt bestand nun darin, dass sich die Menschen in der entwickelten sozialistischen Gesellschaft einrichten sollten. Dieser Umbruch spiegelte sich auch in der Literatur. Viele Autoren wandten sich den eigenen alltäglichen Lebensbedingungen in der DDR zu. Unter den Schriftstellern meldete sich jetzt zunehmend die junge Generation zu Wort, die in der DDR aufgewachsen war.

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Charakteristisch für die so genannte Ankunftsliteratur? ist ein junger rebellischer Held, der mit der sozialistischen Lebenswirklichkeit in einen heftigen Konflikt gerät, sich aber schließlich doch wieder der kritisch beschriebenen Gesellschaft zuwendet und im Sozialismus ankommt. Bevorzugte Themen der Ankunftsliteratur waren: der Konflikt zwischen Individuum und Gesellschaft, die Probleme bei der Erziehung zu einer sozialistischen Persönlichkeit, das Verhältnis von Mensch und Natur, der Mauerbau und nicht zuletzt das Thema Liebe.

Man kann also sagen, dass es sich bei dieser Literatur um moderne Entwicklungs- und Bildungsromane? handelte, die hauptsächlich bei jüngeren Lesern auf große Resonanz stießen. Ein bekanntes Werk jener Zeit ist Christa Wolfs Roman "Der geteilte Himmel" (1963). Brigitte Reimanns Erzählung „Ankunft im Alltag“ (1961) gab dieser Literatur den Namen Ankunftsliteratur.

Wichtige Autoren der Ankunftsliteratur waren: Wolf Biermann?, Uwe Johnson, Sarah Kirsch, Günter Kunert, Brigitte Reimann, Christa Wolf

  • 1970-1980 Liberalisierung und Exodus
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Das Ende der Ära Walter Ulbricht, der 1971 von Erich Honecker als Erster Sekretär des Zentralkomitees der SED abgelöst wurde, läutete eine Wende in der Politik der DDR ein. In der Folgezeit kam es zu einer Liberalisierung in der Literaturpolitik. Autoren wie Ulrich Plenzdorf, Brigitte Reimann, Volker Braun und Maxie Wander? behandelten in ihren Werken offen brisante Themen. Zur Symbolfigur dieser Zeit der Gegensätze wurde der Liedermacher? Wolf Biermann?, der sich kritisch mit der DDR auseinandersetzte und dafür öfters Auftrittsverbote erhielt. Zum Eklat kam es, als Biermann? 1976 in Köln ein Konzert gab und ihm die Rückkehr in die DDR verweigert wurde. Dieses Konzert diente dem Politbüro der SED als Vorwand für die Ausbürgerung „wegen grober Verletzung der staatsbürgerlichen Pflichten“.

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Mehr als 70 Schriftsteller und Künstler appellierten in einem offenen Brief an die SED-Führung, Biermanns? Ausbürgerung zurückzunehmen. Die SED-Führung reagierte mit Repressalien gegen die Protestierenden, es kam zu Verhaftungen, Hausarresten, Publikationsverboten? und Ausschlüssen aus dem DDR-Schriftstellerverband?. Mit der Ausbürgerung Wolf Biermanns? endete die Periode der Liberalisierung. Mehr als 100 Autoren verließen in der Folgezeit die DDR und gingen in den Westen, z.B. Sarah Kirsch, Jurek Becker, Erich Loest und Günter Kunert. Ein Sonderfall war Christa Wolf, der man auf Grund ihrer großen Popularität das Wort nicht verbieten konnte. Sie blieb in der DDR und publizierte weiterhin.

Wichtige Autoren in der Phase der Liberalisierung und des Exodus waren: Wolf Biermann?, Volker Braun, Stefan Heym, Ulrich Plenzdorf, Maxie Wander?

  • Späte Blüte und Rückzug in die Innerlichkeit
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Die nach den Biermann-Protesten einsetzenden Repressalien gegen Schriftsteller und Künstler bestimmten auch in den 1980er Jahren das Kulturklima in der DDR. Viele Schriftsteller zogen sich in die Innerlichkeit? zurück und zeigten in ihren Büchern vorwiegend private Wege zum Glück. Politische und zeitgeschichtliche Themen spielten kaum noch eine Rolle. Trotz aller Repressalien entstanden auch in dieser Zeit bedeutende Werke, die heute zum Kanon? der DDR-Literatur gehören.

Zu den späten Blüten der DDR-Literatur zählen vor allem Christa Wolfs Roman „Kassandra“ (1983), Christoph Heins Drama „Die Ritter der Tafelrunde“ (1989) und Volker Brauns „Hinze-Kunze-Roman“ (1985). Es fällt auf, dass es in den 1980er Jahren in der DDR-Literatur ähnliche Entwicklungstendenzen gab wie in der BRD-Literatur?. Vor der Wiedervereinigung gab es bereits eine Annäherung beider deutscher Literaturen.

Wichtige Autoren dieser Phase waren: Volker Braun?, Christoph Hein, Irmtraud Morgner?, Christa Wolf

Foto: Thomas Sturm / pixelio.de

Bedeutende Schriftsteller der DDR-Literatur

Klassiker der DDR-Literatur

  • Apitz, Bruno: Nackt unter Wölfen. Berlin, Aufbau Verlag 1998, ISBN: 978-3746614205
  • Becher, Johannes R.: Abschied. Berlin, Aufbau Verlag 1995, ISBN: 978-3746610795
  • Braun, Volker: Hinze-Kunze-Roman. Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag 2007, ISBN: 978-3518380383
  • Heym, Stefan: 5 Tage im Juni. Berlin, btb 2005, ISBN: 978-3442733569
  • Kant, Hermann: Die Aula. Berlin, Aufbau Verlag 2001, ISBN: 978-3746611907
  • Plenzdorf, Ulrich: Die neuen Leiden des jungen W. Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag 2008, ISBN: 978-3518368008
  • Reimann, Brigitte: Ankunft im Alltag. Berlin, Aufbau Verlag 2001, ISBN: 978-3746615387
  • Wander, Maxie: Guten Morgen, du Schöne: Protokolle nach einem Tonband. Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag 2007, ISBN: 978-3518459621
  • Wolf, Christa: Der geteilte Himmel. München, dtv 1973, ISBN: 978-3423009157

Sekundärliteratur


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