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Das Haus

von
Ilse Helbich

Die ansprechende Gestaltung des Umschlages – Hauptfarbe Grün, ein Teilbereich eines alten Hauses skizziert – unterstreicht Hinweis gebend diese Erzählung? und lässt einem beinahe zwingend zu dem Buch greifen.

Die Protagonistin, eine Dame, welche trotz oder gerade wegen ihres Alters von weit über 60 Jahren beschließt, sich einen Kindheitstraum zu erfüllen: einen Lebensmittelpunkt zu schaffen, der den Nachfolgegenerationen ebenso wie ihr selbst auch ein Stück Heimat schenkt.

Auf der Suche nach dem passenden Objekt verliebt sie sich in ein altes Haus in einem Dorf im Waldviertel, das ehemals als Postgebäude diente.Der Funke springt bereits bei der ersten Besichtigung über. Obwohl der Gesamtzustand sehr baufällig scheint, erweist sich die Grundsubstanz als durchaus lebenswert. Somit ist im wahrsten Sinne der Grundstein zum Kauf und zur Renovierung gelegt. Jungarchitektonische Kreativität, pragmatische Kostengestaltung, handwerkliche Hilfe aus dem Umfeld, die Zusammenarbeit von Jung und Alt und innovative Ideen der Eignerin sind bezeichnend für die Neugestaltung des Hauses.

Die Erfahrung des Wandels ihres zukünftigen Heimes lehrt die Inhaberin, Strukturen des alten Postgebäudes wieder ans Tageslicht zu bringen. Immer wieder neue Schätze zu fördern, die unter dem Dickicht von ausgebessertem Mauerwerk oder im verwilderten Garten, der sich um das Haus mantelt, liegen. Ursprüngliches preiszugeben und zu bewahren.

Mit jedem Teil, das fertig gestellt ist und sie dem Einzug näher bringt – während der Umbauphase lebt die alte Dame im gegenüberliegenden Wirtshaus – wächst nicht nur die Zugehörigkeit zum Haus. Zwischen den Nachbarn und der nunmehrigen Hausbesitzerin entsteht nach und nach ein Vertrauen, ein Aufeinanderzugehen, wurde die „Neue“ anfangs doch mit etwas Misstrauen bedacht. Diese gewonnene Gemeinschaft hilft ihr auch, eine schwere Krankheitsphase während der Arbeiten gut zu bewältigen. Durch eine Gärtnerin und weitere Helferin erfährt das alte Gemäuer mit dem es umgebenden Grün neues „Wieder-Leben“, das schlussendlich nach einer noch eintretenden Katastrophe doch in den Kindern und Enkeln der Hausbesitzerin Fortsetzung findet.

Diese mit autobiografischen Zügen beschriebene Geschichte der 1923 geborenen Ilse Helbich? birgt eine Vielfalt an Themen, die zuerst gar nicht vordergründig aufscheinen. Nicht nur die Frage des Alter(n)s der Hauptperson wird hier ins Feld geführt. Was ist eigentlich alt? Die Wertigkeit liegt im Auge des Betrachters bzw. Lesers, so dass auch verschüttete (im wahrsten Sinne des Wortes) alte Dinge wieder an die Oberfläche von Spüren und Wahrnehmen treten. Die Autorin versteht es, gesellschaftliche Strukturen, die Zusammenhalt prägen, Integration von Generationen, Kulturen und Rituale aufzuzeigen und mit dieser scheinbar leicht geschriebenen Erzählung? zum Weiterdenken zu verführen.

Autorin: Ilse Lorenz

Literaturangaben

  • Helbich, Ilse: Das Haus. Erzählung. Literaturverlag Droschl, Graz 2009. 140 S., 18 €, ISBN: 978-3854207627


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