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Der Brockhaus Literatur

von
Bibliographisches Institut und F. A. Brockhaus Verlag

4.000 Stichwörter, 1.200 Abbildungen und Tabellen, 150 Infokästen zu Hauptwerken der Weltliteratur, 120 Infokästen zu Hintergründen aus der Literaturgeschichte, 24 Sonderartikel und 24 Epochentafeln – mit diesen Angaben bewirbt der Verlag das in einer aktualisierten Neuauflage? erschienene Nachschlagewerk?. Im Vorwort? werden diese Angaben noch spezifiziert: Es finden sich

Der optische Aufbau des Buches ist klug durchdacht: Der Text gliedert sich jeweils in zwei Spalten pro Seiten?, wobei an den Außenseiten ein breiter Rand verbleibt, der entweder mit reichem Bildmaterial zu einzelnen Stichwörtern bestückt ist oder mit deutlich abgesetzten, sehr informativen Zusatzinformationen, die sich nicht so recht in den Artikel selbst fügen würden, aber dennoch aufschlussreich für das Gesamtbild sind.

Vor allem die in lexikalischer Kürze gehaltenen Schriftstellerbiographien sind mit weiterem Bildmaterial versehen, das sich nicht nur am Rand, sondern auch im Textcorpus selbst befindet, aber es gibt auch viele Fotos und Zeichnungen zu Büchern, Abbildungen vor allem aus alten wertvollen Handschriften? oder Inkunabeln, Bilder aus Inszenierungen und Aufführungen oder anderes Material, das die Umstände zu der Person und ihrem Werk bzw. ihrer Zeit beleuchtet und veranschaulicht.

Die Angaben sind knapp gehalten, aber konstant von einer eindrucksvollen Präzision, die sich gezielt auf das Wichtigste beschränkt – und das sind nicht immer die Jahreszahlen! Auch den aus kurzen Artikeln lässt sich immer Grundlegendes herauslesen.

Die überprüften Stichwörter, die dem Bereich der althochdeutschen? und altskandinavischen Literatur? entnommen wurden, zeigten eine sehr sorgfältige Recherche?; an keiner Stelle waren Fehler zu entdecken, egal ob es sich um biografisches Material oder Datierungen von Handschriften oder deren Ausdeutung und Einordnung in den ideengeschichtlichen Zusammenhang handelte.

Ausgesprochen interessant sind die oben genannten Infokästen, die in Farbe deutlich abgesetzt sind vom Text; sie beschäftigen sich jeweils mit einem Hauptwerk des unter dem Stichwort genannten Dichters oder Schriftstellers, beschreiben es, geben in Ansätzen eine Interpretation, ordnen es ein in die Strömungen der Zeit, vermerken das Besondere.

Überall, wo es nötig erscheint, weicht das Buch von der üblichen Spaltenoptik ab, so etwa in den ganzseitigen Tabellen über rhetorische Figuren oder auf den Seiten zu den Epochen. Letztere bieten dem Benutzer einen ganz besonderen "Komfort": Sie beschreiben nicht nur essentiell das Typische und Markante dieser Epoche oder Zeitströmung und erfreuen mit gleich mehreren einschlägigen Bildern dazu, sondern sie listen auch die damit verbundenen Sachbegriffe und Schriftsteller auf, die man in dem Lexikon? als eigene Artikel findet – ein gelungener Versuch einer Verlinkung auf Papier.

Die Sonderartikel sind nach ihrem Titel alphabetisch? in das Lexikon integriert, ein schnelles Suchen und Nachschlagen wird aber durch ihre Auflistung am Anfang ermöglicht. Auch die Infokästen sind übrigens allesamt einzeln aufgelistet, immer gebündelt und chronologisch geordnet, von der Antike ("1000 v. Chr. bis 1000 n. Chr.") bis in die Jetztzeit. Wer sich eine ab dem 19. Jahrhundert meist 25–30 Jahre umfassende Gruppe vornimmt und sich einfach einmal durch deren Sonderartikel liest, erhält punktuell einen richtig guten und interessanten Einblick in die Dekaden, der Lust macht, mehr zu erfahren.

Sonderartikel wie "Oral Poetry?", "Interkulturalität?", "Kitsch" oder "Literaturzeitschriften?" informieren einschlägig und umfassend über interessante Phänomene und Begriffe aus dem Literaturbetrieb, die den Rahmen eines normalen Artikels sprengen würden; sie erstrecken sich jeweils über eine Doppelseite.

Ein zeitlicher Rahmen ist nicht gesetzt, und auch der Begriff "Literatur" ist weit gefasst, zieht sich also von Homers Odyssee bis hin zu Salman Rushdies? "Satanischen Versen". Ebenso wie die großen Dichter der Antike und des Mittelalters? werden auch Autoren? der Jetztzeit behandelt wie Elfriede Jelinek?.

Zu begrüßen ist, dass am Ende des Buches Hinweise zu Betonung und Aussprache der Stichwörter stehen, was vor allem bei Zeichen notwendig ist, die nicht unserem Alphabet entstammen. Fazit: Ein nahezu unentbehrliches Nachschlagewerk für alle, die sich im weitesten für Literatur interessieren, ob als Hobby-Leser oder Profi-Benutzer.

Originalbeitrag unter www.alliteratus.com

Literaturangaben

  • Der Brockhaus Literatur. 3. aktualisierte Ausgabe, Bibliographisches Institut und F. A. Brockhaus Verlag, Mannheim 2006. 960 S., 49,95 €, ISBN: 978-3765331336


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