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Dichter

Als Dichter bezeichnet man einen Verfasser von Sprachkunstwerken. Der Begriff beinhaltet im Vergleich zu dem des Schriftstellers eine Steigerung des Genialen? und Künstlerischen, auch des Originären in der Art, die Welt zu erleben und diese Erlebnisse sprachlich zu gestalten.

Entstehung und Entwicklung

Im 12. Jahrhundert begegnet in der anonymen? Dichtung "König Rother" erstmals der Begriff "tihtaere - Dichter". Er ist eine Substantivierung? des älteren althochdeutschen Verbs "tihtôn - ordnen, herrichten". Diese Bedeutung änderte sich unter dem Einfluss des ähnlich lautenden lateinischen Verbs "dictare - diktieren" zu "schreiben, schriftlich niederlegen" und schließlich "in poetischer Form darstellen".

Das Wort "tihtaere" war im Mittelalter? gleichbedeutend mit "Skalde?" und "Poet". Durch Letzteres wurde es im 16.-18. Jahrhundert abgelöst. Als dann "Poet" abgewertet wurde, stieg der Stellenwert von "Dichter" wieder. In der Epoche der Geniezeit? wurde die Bezeichnung für Schriftsteller verwendet, deren Arbeitsweise man als genial, auf Phantasie? und Inspiration? fußend begriff. Entsprechend werden solche Werke als Dichtung bezeichnet, die stark sprachkünstlerisch gestaltet sind. Heutzutage gilt der Begriff leicht als prätentios, bis dahin, dass er ins Ironische gewendet wird. Trotzdem verbindet sich mit ihm immer noch die Vorstellung der obersten Stufe des Schreibens.

Die genauere inhaltliche Füllung des Begriffs hängt eng mit dem Kunstverständnis der jeweiligen Epoche zusammen. Sie reicht vom Halbgott Orpheus und dem Dichterseher über den festlichen Sänger bis zum gelehrten Dichter ("Poeta doctus"), der eben ein erlernbares Handwerk beherrscht. Diese Sicht herrscht auch im Mittelalter? und Barock? vor, bis im Sturm und Drang das Originalgenie gefeiert wurde, das aus der Tiefe des Gefühls und aus der Intuition heraus die Worte findet.

In der Romantik wurde das Ideal der künstlerischen Gestaltung auf das gesamte Leben ausgeweitet. Ein Dichter hatte nicht nur genial zu schreiben - seine Besonderheit musste auch an seiner Lebensführung erkennbar sein. Im Naturalismus wiederum galten Zeitkritik und ein scharfer, analytischer Blick auf die gesellschaft als Kennzeichen des Dichters. Nun wurde auch die psychologische Seite des kreativen Prozesses betrachtet.

Charakteristika

Dem Dichter wird eine große Offenheit für Eindrücke von außen und für die Wahrnehmung des eigenen seelischen Erlebens zugeschrieben, außerdem der Wille und die Fähigkeit, all dem gestaltend Ausdruck zu geben. Dazu gehören eine schöpferische Phantasie, Einfühlungsvermögen und Souveränität in der Auswahl und Gestaltung des Stoffes.

Je nach Gattung sind im Einzelnen weitere Dinge gefragt: In der Lyrik sind dies eine Sensibilität für seelische Regungen und für Untertöne von Ereignissen sowie die Fähigkeit, diese adäquat in Sprache umzusetzen. In der Epik sind Menschen- und Weltkenntnis erfoerderlich, außerdem die Fähigkeit, ganze Welten zu erschaffen und in ihnen Handlungen anzusiedeln. Im Drama kommt es vor allem auf eine glaubhafte, auch Ambivalenzen einschließende Gestaltung von Charakteren an, aus deren Zusammenprall sich die Handlung dann entwickelt.

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