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Die Frau, die vom Himmel fiel, und andere wahre Geschichten

von
Anne Zielke

Die besten Geschichten schreibt – Klischee oder nicht – noch immer das Leben selbst. Ohne Zweifel sind dann die Journalisten die besten, die diese Geschichten einfach erzählen: sich einem Literaten gleich Raum nehmen, nicht nur zu referieren, sondern zu erzählen. Deren Reportagen? nicht nur mit atmosphärischen Szenen versehen, sondern die ganz und gar literarisch dramaturgisierte Atmosphäre sind. Die besten Journalisten haben ein Gespür für diese literarische Seite des Journalismus. Oder sie sind – nicht selten – gleichzeitig Literaten. So wie Anne Zielke.

Melange aus journalistischer Auffassungsgabe und literarischer Dramaturgie

„Die Frau, die vom Himmel fiel und andere wahre Geschichten“ heißt der schmale Band, der jetzt im Münchner Blumenbar Verlag erschienen ist. Er versammelt Reportagen?, die zuvor bereits im „SZ“-Magazin, in der „FAZ“ und der „FAS“ abgedruckt waren. Die wahren Geschichten drehen sich um die russische Frau, die einen Flugzeugabsturz aus über 5000 Metern Höhe überlebt hat. Sie heißen „Das Mädchen von Ipanema“ und spielen an der Strandpromenade, an der Bossa-Musiker Tom Jobim und sein Freund Vinícius de Moraes einst wirklich das „Girl of Ipanema“ sahen und es in ihrem Lied verewigten. Und sie handeln von einer Berliner Familie, die sich für ihr Kind entscheidet, obwohl es wahrscheinlich an Trisomie-21 erkrankt – also behindert – sein wird. Zielke begegnen diese wahren Geschichten, wie sie im Vorwort? schreibt, nur durch Zufall, etwa als Meldung in einer im Zug liegen gelassenen Zeitung. Für sie sind diese paar Zeilen aber nur Teil eines zu erforschenden Ganzen. Sie fragt sich, was dahinter steckt, sie recherchiert. Und schließlich trifft sie die Menschen, die zur Meldung gehören und lässt sich die ganze Geschichte erzählen.

Diese Geschichten üben nicht nur aufgrund ihrer Authentizität Anziehung aus. Es ist vor allem die Melange aus journalistischer Auffassungsgabe und Präzision auf der einen und literarischer Dramaturgie? auf der anderen Seite. Sie nimmt sich Zeit und lässt sich und den Figuren ihrer Geschichten Raum, zu erzählen. Dazu kommt, dass Zielke sich eine im positiven Sinne unsachliche Sprache erlaubt. Und damit werden die „wahren Geschichten“ viel mehr als bloße zu Reportagen? erweiterte Meldungen. Sie werden zu dokumentiertem und dramaturgisiertem Leben. Anne Zielke fasst dieses Leben in einer bewundernswert pointierten Weise zusammen. In seiner traurigen, in seiner grenzenlosen, in seiner erschütternden, immer faszinierenden Form. Geschichten, die das Leben schreibt: Aufgeschrieben von einer großen Autorin.

Literaturangaben

  • Zielke, Anne: Die Frau, die vom Himmel fiel und andere wahre Geschichten. Mit Illustrationen von Chrish Klose. Blumenbar Verlag, München 2008. 110 S., 15,90 €, ISBN: 978-3936738377


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