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Die Simpsons und die Philosophie

von
Mark T. Conrad (Hg.)

Seit über 20 Jahren flimmert die gelbe Familie Simpson nun schon weltweit über die Bildschirme. Sage und schreibe 400 Episoden der amerikanischen Trickserie wurden inzwischen produziert. Für eine allein benötigt ein Mitarbeiterstab von 300 Leute einen Arbeitszeitraum von acht Monaten.

Das Erfolgsgeheimnis der „Simpsons“ liegt eindeutig im einzigartigartigen Humor. Zuschauer jeder Altersklasse sitzen allabendlich Schenkel klopfend vor dem Fernseher, wenn in der Comicstadt Springfield wieder allerhand Absurdes geschieht.

Raufbold oder Lebenskünstler?

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Doch sind die Erlebnisse in diesem Trickkosmos wirklich so fern von realen Bezügen? Kann man vielleicht sogar von der Serie für das reale Leben lernen? Schlüsse über das zwischenmenschliche Verhalten ziehen und moralische Werte entdecken? Diesen und anderen Fragen sind zehn Philosophen in elf Essays intensiv auf den Grund gegangen. „Die Simpsons und die Philosophie“ nennt sich die im Tropen Verlag? erschienene Sammlung.

Homer, Marge, Maggie, Bart und Lisa – die Mitglieder der Simpson-Familie – werden unter die Lupe genommen. Welche Charaktereigenschaften sind typisch? In welchen Handlungen äußern sich diese? Ist Homer ein dümmlicher, saufender Raufbold oder ein sorgenfreier, beneidenswertes Lebenskünstler? Oder vielleicht beides? Haben wir Angst vor Lisas Besserwisserei, weil sie uns die Augen öffnen könnte? Die Philosophen picken prägnant Beispiele aus verschiedensten Episoden heraus, um ihre Thesen untermauern. Das setzt einen hohen Kenntnisstand über die Serie voraus, den diese Autoren definitiv besitzen!

Das Interessante daran ist nicht die Analyse der Figuren selbst. Vielmehr entdeckt sich der Leser in den Ausführungen der Philosophen wieder. Wir schauen nicht auf eine weit, weit entfernte, konstruierte Blödelwelt, wenn wir uns „Die Simpsons“ ansehen. Warum mögen wir Homer trotz seiner widerlichen Eigenschaften? Weil er sein Leben so lebt, wie er es möchte! Er unterwirft sich keinen gesellschaftlichen Zwängen. Ein Wunsch, den viele Menschen hegen, aber nicht pflegen!

Von Schopenhauer zu Bart Simpson

Im zweiten Teil des Buches geht es um die Ethik in der Serie. Hier gelingt besonders dem Philosophen Jason Holt in seinem Essay „Heuchelei in Springfield“ eine bemerkenswerter Vergleich zwischen der realen Welt und dem Simpsons-Kosmos. Die vermeintlich große Kluft zwischen diesen beiden Welten wächst beim Lesen zu erstaunlich eng ineinander greifenden Strukturen heran.

Denn wer kennt nicht das Gefühl, von Politikern falsche Versprechungen kurz vor einer anstehenden Wahl ins Bewusstsein gesäuselt zu bekommen? Bürgermeister Quimby verspricht den gelben Einwohnern das Blaue vom Himmel und predigt Verzicht, setzt ihn aber selbst nicht um. Frei nach Holt sieht das am Exempel so aus: „Wenn ich sage, man sollte auf Bohnen verzichten, und dann hingehe und Bohnen esse, bin ich ein Heuchler.“

Ein wenig behäbig kommt der dritte und letzte Teil des Buches daher. Gerade noch heißhungrig einen Absatz nach dem anderen verschlingend, ist man von der Rückführung auf die Ursprungsfrage der Einleitung, was denn „Denken“ eigentlich heiße, übersättigt. Die Ausschweifungen von Heidegger zu Frege, von Frege zu Schopenhauer und von Schopenhauer zu Bart Simpsons Grundmaxime sind ein gewagter philosophischer Spagat. Wenngleich er auch nötig ist, um seine Gedankenwelt zu erklären. Diese entsteht nämlich erst in seinem Kopf durch gemachte Erfahrungen, Erkenntnisse und Umwelteindrücke.

Ay Caramba!

Was sich der zehnjährige Teufelsbraten nicht erklären kann, will er sich auch nicht erklären. Viele mögen dies als beschränkten Horizont bezeichnen. Doch ist das absolute Gegenteil der Fall. Essayist Kelly Dean Jolley zeigt uns anhand der Figur des Bart Simpson, dass eine Trennung der eigenen Welt mit der äußeren den Weg für innere Zufriedenheit und Stabilität pflastert.

Dank der beschwingten Lesbarkeit der humorvollen Texte mit tiefsinnigen Inhalten hat dieses Werk einen Platz im heimischen Bücherregal verdient. Denn wer hätte gedacht, dass man von einer sarkasmusüberschäumten Chaotenfamilie soviel lernen kann? Ay Caramba!

Literaturangaben

  • Mark T. Konrad, William Irwin, Aeon J. Skoble (Hg.): Die Simpsons und die Philosophie. Schlauer werden mit der berühmtesten Fernsehfamilie der Welt. Essays. Deutsch von Nikolaus de Palézieux. Tropen Verlag, Berlin 2007. 255 S. ,19,80 €, ISBN: 978-3932170973


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