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Die Söhne Abrahams

von
Robert Littell

Mit dem Opus über die CIA, „Die Company“, erlebte die Karriere von Robert Littell 2002 einen wohlverdienten zweiten Frühling. Denn nach dem Ende des Kalten Krieges verschwand auch Littell zunehmend von der literarischen Landkarte. Der Spionagethriller? war ein auslaufendes Modell, dessen Ende im Feuilleton? beschworen wurde. Auch John le Carré, der Großmeister des Agentenromans?, schrieb zunächst Rückblicke auf den Kalten Krieg.

Mit „Die kalte Legende“ schrieb Robert Littell 2005 einen weiteren literarischen Thriller? über einen ehemaligen Spion, dem es zunehmend schwer fällt, seine verschiedenen Legenden auseinanderzuhalten. Doch Martin Odum hat kein Problem mit seinen verschiedenen Tarnidentitäten, sondern damit, dass er jetzt wegen einer dieser Legenden sterben könnte.

Überschaubare Kulisse und vorhersehbare Entwicklungen

Nach diesen beiden überragenden Werken enttäuscht „Die Söhne Abrahams“. Denn Littell entfaltet hier sein literarisches Spiel vor einer zu überschaubaren Kulisse mit, und das ist das Problem des Romans, zu vorhersehbaren Entwicklungen.

In naher Zukunft rückt der Abschluss eines Friedensvertrages zwischen Israel und Palästina in greifbare Nähe. Da entführt der radikale Führer der Abu-Bakr-Brigade, Dr. Ishmael al-Shaath, den ultraorthodoxen Rabbi Isaac Apfulbaum. Er fordert im Austausch für Apfulbaum und dessen Sekretär die Freilassung von 105 inhaftierten Palästinensern. Die Israelis denken selbstverständlich nicht daran, auf diese Forderung einzugehen. Stattdessen soll Mossad-Agent Elihu die Geisel befreien.

Geschichte einer Geiselbefreiung

Während Elihu das Versteck sucht, dabei nicht zimperlich ist und auch mit den Palästinensern zusammenarbeitet, entdecken al-Shaath und Apfulbaum in heftigen religiösen Wortgefechten, dass sie sich doch ziemlich ähnlich sind.

Auf den folgenden Seiten erzählt Littell die wenig überraschende Geschichte einer Geiselbefreiung. Dieser Thrillerplot bewegt sich immer in den vorhersehbaren Bahnen. Sogar die wenigen Überraschungen, wozu vor allem gehört, wie Elihu das Versteck findet, sind nach dem Genuss von einigen Thrillern nicht sonderlich überraschend.

Verbrüderung der beiden Fanatiker

Aber in „Die Söhne Abrahams“ interessiert Littell sich kaum für diesen Thrillerplot. Er will vom Teufelskreis der Gewalt und dem gegenseitigen Misstrauen der Israelis und der Palästinenser erzählen. Dieser bis heute andauernde Konflikt zwischen Israel und Palästina hat in den vergangenen Jahrzehnten viele Menschenleben gekostet. Angefeuert wurde der Konflikt auf beiden Seiten immer wieder von politischen und religiösen Hardlinern wie al-Shaath und Apfulbaum. Um diese Dynamik aufzuzeigen, sperrt Littell die beiden Fanatiker in einen Raum und lässt sie sich Zitate aus ihren heiligen Schriften um die Ohren hauen. Doch dieses theologisch-politische Streitgespräch verläuft ohne eine einzige überraschende Wendung zielsicher auf ihr Ende, die Verbrüderung der beiden Fanatiker, zu.

Ergänzt werden diese beiden Geschichten durch mehrere Subplots, die vor allem ein umfassendes Bild des Israel-Palästina-Konflikts zeichnen sollen, aber nur die Seitenzahl? erhöhen.

„Die Söhne Abrahams“ funktioniert weder als Politthriller? noch als Satire noch als philosophischer Dialog?. Diese verschiedenen Stilrichtungen und Genreanforderungen stehen zu unverbunden nebeneinander. Wenn sie sich nicht gerade im Weg stehen.

Literaturangaben

  • Littell, Robert: Die Söhne Abrahams. Thriller. Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. Scherz Verlag, Frankfurt am Main 2008. 352 S., 17,90 €, ISBN: 978-3502101796


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