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Die Stadt der Blinden

von
José Saramago

Ohne ersichtlichen Grund erblinden plötzlich zahlreiche Menschen. In Panik befördert die Regierung diese Menschen in eine leer stehende Anstalt und riegelt sie von der Außenwelt ab. Was niemand ahnt, unter den Erblindeten ist eine Sehende, die ihren Ehemann nicht allein lassen will. In der Anstalt herrscht schnell Gewalt und Anarchie vor. Bald schon weiß eine kleine Gruppe, dass es eine Sehende unter ihnen gibt und diese Gruppe beschließt auszubrechen. Die Flucht gelingt. Aber draußen müssen sie feststellen, dass mittlerweile alle erblindet sind. Plünderungen und Gewalt sind an der Tagesordnung.

Saramago analysiert in seinem Buch die Strukturen unserer Gesellschaft. Er durchleuchtet die Psyche der Menschen im Falle einer Katastrophe. Der Verfall der Menschlichkeit ist in einem solchen Fall kaum aufzuhalten. Die Blindheit gegenüber den Mitmenschen nimmt zu. Nur Wenige sind nicht mit Blindheit geschlagen und denken nicht ausschließlich an sich selbst. Und nicht nur im Fall der Katastrophe schwindet die Empathie zusehends.

In klarer, verständlicher Sprache beschreibt Saramago was sich im zwischenmenschlichen Bereich so alles abspielt. Er durchleuchtet die Ängste, Sorgen und Alpträume auf der einen Seite und die Machtgier, Herzlosigkeit und Missachtung der Würde des Gegenübers auf der anderen. Gekonnt führt er den Leser durch den Dschungel der Gefühle. Er hält jedem vor Augen zu welchen Taten er theoretisch fähig ist. Der Leser wird inspiriert, über die bestehende Gesellschaft und seine Rolle darin nachzudenken. Und jeder muss sich überlegen, ob er daran etwas ändern will oder nicht. Saramago hat mit diesem Buch verdient den Literaturnobelpreis bekommen.

Autorin: Andrea Schmidt

Literaturangaben

  • Saramago, José: Die Stadt der Blinden. rororo, Berlin 1999, ISBN: 978-3499224676


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