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Die zehn Gebote und was sie heute bedeuten

von
Roland Rosenstock

Was haben die Zehn Gebote noch mit dem Alltag von Jugendlichen zu tun? Passen diese Gebote noch in Zeiten, in denen die Schlagzeilen vom Amoklauf in Emsdetten, dem Entführungsfall von Natascha Kampusch oder der zwingenden Notwendigkeit von Markenartikeln beherrscht werden? Anhand vieler aktueller Beispiele wird die Wichtigkeit dieser Grundregeln verdeutlicht.

Die Theologen können es beweisen: Die Zehn Gebote, die Moses dem Volk der Israeliten nach eigener Aussage im Auftrag Gottes gab, sind weit älter als die 2000 Jahre unserer Zeitrechnung. Und viele Menschen behaupten, dass man mit solchen “Antiquitäten” heutzutage nichts mehr anfangen könne, dass sie sich überlebt hätten und vielleicht noch von historischem Interesse seien, mit dem heutigen Leben aber schlichtweg nichts zu tun hätten.

Dass auch nach Jahrtausenden diese Grundregeln nicht befolgt und im Alltag umgesetzt werden, erleben wir beim täglichen Blick in Zeitung oder TV-Nachrichten ebenso wie in vielen Kleinigkeiten unseres Lebens. Aber macht sie das sinnlos? Müsste dann nicht jede Vorschrift abgeschafft werden, weil es immer Leute gibt, die sie übertreten?

Man kann auch noch einen anderen Zugang zu dieser Frage finden: Brauchen wir Vorschriften, die sich im Wortlaut überwiegend mit Kapitalverbrechen beschäftigen, die den meisten unter uns hoffentlich so fern liegen, dass man sich mit der Zulässigkeit von Mord, Vergewaltigung oder Raub gar nicht befassen müsste? Dass diese Einstellung den tatsächlichen Problemen nur ausweicht und keineswegs die tägliche Realität trifft, stellt Rosenstock? in diesem Taschenbuch eindrücklich unter Beweis.

Er tut das zunächst auf eine gut verträgliche und gerade kirchlich/christlich wenig gebundenen Menschen zumutbare Art und Weise, indem er nicht mit den religiösen Vorschriften beginnt, sondern mit denen des normalen Zusammenlebens. In ständiger These und Antithese zu der berühmten Geschichte vom Ring des Gyges belegt er seine Auffassung, dass es eben nicht nur um die kapitalen Fehler des Verhaltens in strafrechtlicher Hinsicht geht, sondern um Regeln, die das tägliche Miteinander freundschaftlich und mitmenschlich gestalten helfen. Nicht Sünde, Strafe und die Notwendigkeit von Reue und Buße sind ihm wichtig, sondern das Erkennen der Wirkungen, die Lieblosigkeit, Missachtung und Selbstüberschätzung für jeden Menschen bedeuten.

Gerade die Tatsache, dass Rosenstock seine Beispiele aus den kleinen, alltäglichen Reibereien und Unzulänglichkeiten bezieht, bewirkt allerdings, dass er nicht ganz von predigthaftem Tonfall verschont bleibt. Zwar gelingt es ihm, durchweg einen Stil zu finden, der wie ein persönliches Gespräch? und weniger wie eine theoretische Unterweisung klingt, aber viele seiner Leser/Zuhörer werden Anstoß daran nehmen, dass sie bereits bei den kleinsten und alltäglichsten Dingen auf deren Achtung der Menschenwürde und soziale Verträglichkeit achten sollen. Das entspricht einfach nicht dem Empfinden einer großen Zahl von Menschen, obwohl er die Gültigkeit seiner Auffassung glasklar herüberbringt. Deswegen soll diese durchgängige Gültigmachung auch nicht kritisiert werden, sie steht nur dem herrschenden Zeitgeist diametral entgegen.

Aber wer sich wirklich auf die Zehn Gebote einlässt, tritt damit automatisch, so wie Moses, die Aufgabe eines Rufers in der Wüste an. Davor hat Rosenstock keine Angst, er steht zu seiner Aufgabe und Verantwortung und er tut recht damit. Wer sich also zutraut, solche Meinungen ohne Ärgernis zu ertragen, dem kann man dieses Buch nur aufrichtig empfehlen.

Originalbeitrag unter www.alliteratus.com

Literaturangaben

  • Rosensrtock, Roland: Die zehn Gebote und was sie heute bedeuten. Eine Gebrauchsanweisung. Rowohlt Verlag, Reinbeck 2007, 240 S., 8,95 €, ISBN: 978-3499622328


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