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Dorn, Thea

Thea Dorn (geb. 23. Juli 1970 in Offenbach) ist eine deutsche Schriftstellerin, Dramaturgin? und Fernsehmoderatorin. In ihren Kriminalromanen setzt sie häufig mordende Frauen und ihre Tatmotive in Szene.

Leben und Schreiben

Thea Dorn (eigentlich Christiane Scherer) wurde am 23. Juli 1970 in Offenbach geboren. Sie machte zunächst eine Gesangsausbildung, später studierte sie Philosophie und Theaterwissenschaft in Frankfurt am Main, Wien und Berlin. Nach Abschluss ihres Studiums an der Freien Universität Berlin war sie dort von 1995 bis 2000 als Dozentin tätig. Anschließend ging sie nach Hannover, wo sie in der Spielzeit 2000/2001 Dramaturgin? am Schauspielhaus war.

„Berliner Aufklärung“ (1994)

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Ihr erster Krimi „Berliner Aufklärung“ (1994) war ein voller Erfolg. Das Buch ist eine lustige Satire auf den Universitätsbetrieb, angesiedelt am philosophischen Institut der FU Berlin. Im Mittelpunkt der Handlung steht die sympathische Studien-Abbrecherin und Freizeit-Detektivin Anja Abakowitz, die sich mit einer „Philosophischen Praxis für Lebensfragen“ über Wasser hält.

Als ein unbeliebter Professor ermordet und in Gefrierbeuteln auf die Postfächer des Instituts verteilt wird, beginnt Abakowitz auf eigene Faust zu ermitteln. Nach einer packenden Odyssee durch das Berliner Uni-Milieu mit seinen amüsant-grotesk überzeichneten Spinnern und Wichtigtuern bringt sie den Mörder zur Strecke. Allerdings übergibt sie ihn nicht der Polizei, sondern greift zur Selbstjustiz: Sie entmannt den Unhold. Für „Berliner Aufklärung“ wurde Thea Dorn 1995 mit dem Philip-Marlowe-Preis? der Raymond-Chandler-Gesellschaft? ausgezeichnet.

„Die Hirnkönigin“ (1999)

Es folgte der Kriminalroman „Ringkampf“ (1996), der um die ruinierte Beziehung eines ehemaligen Liebespaares, den Brand in einem Opernhaus und eine Wagner-Aufführung kreist. Mit dem Kriminalroman „Die Hirnkönigin“ (1999) konnte Thea Dorn an den Erfolg ihres Erstlings? anknüpfen. Im Zentrum steht eine wahnsinnige Lustmörderin, die einen Mann nach dem andern tötet und sich an ihren Gehirnen labt. Das fesselnde Buch wurde im Jahr 2000 mit dem Deutschen Krimipreis? gewürdigt.

Ein Markenzeichen der Thea-Dorn-Krimis sind grausame und drastische Gewaltdarstellungen. Hinzu kommen überaus plastische Milieuschilderungen und ein höchst unterhaltsames Nebeneinander von unterschiedlichsten Menschentypen. Eine weitere Besonderheit liegt zudem in der ungewöhnlichen Rollenverteilung der Geschlechter: Die Männer sind oft ungeschickt, unbeholfen und typische Opfer-Charaktere; die Frauen hingegen sind schlagkräftig, scharfsinnig, lieben Geld, Autos und schnellen Sex.

In der 2001 veröffentlichten Erzählung „Othella kann nicht platzen“ schreibt Thea Dorn über die geschlechterspezifischen Beweggründe beim Töten: „Frauen morden, weil sie die Schnauze endgültig voll haben. Männer morden, weil ihnen das Herz gebrochen wurde.“ Hin und wieder mag das sicherlich zutreffen, jedenfalls in den Büchern von Thea Dorn …

„Marleni. Preußische Diven blond wie Stahl“ (2000)

Viel Applaus gab es auch für das Theaterstück und Hörspiel „Marleni. Preußische Diven blond wie Stahl“ (2000/2002), dem ein äußerst skurriler Einfall zu Grunde liegt: Die greise Leni Riefenstahl will Kleists „Penthesilea“ verfilmen – mit Marlene Dietrich in der Hauptrolle, doch die ist inzwischen ein menschliches Wrack und hat das Bett in ihrer Pariser Wohnung seit acht Jahren nicht mehr verlassen. Zwischen den beiden Ikonen des deutschen Films entspinnt sich ein ebenso amüsantes wie tiefsinniges Gespräch über das 20. Jahrhundert, seine unglaublichen Höhenflüge und seine katastrophalen Bruchlandungen. Weitere Theaterstücke erschienen 2002 unter dem Titel „Bombsong“.

Ist die Zukunft weiblich?

Im Herbst 2006 veröffentlichte Thea Dorn unter dem Titel „Die neue F-Klasse“ ihr erstes Sachbuch. In zwei Essays und elf Interviews kreist der Band um die feministisch intonierte Frage, warum die Zukunft von Frauen gemacht wird. Zu den Gesprächspartnern gehören so unterschiedliche Charaktere wie die britische Skandal-Autorin Charlotte Roche? und die deutsche Politikerin Silvana Koch-Mehrin. Die Rezensentin der Wochenzeitung „Die Zeit“ lobte das Buch, weil darin aus weiblicher Sicht endlich einmal Klartext gesprochen werde.

Im Fernsehen machte Thea Dorn als Moderatorin der SWR-Büchersendung „Schümer und Dorn“ auf sich aufmerksam, die sie von 2003 bis 2004 zusammen mit Dirk Schümer präsentierte. Seit 2004 führt sie durch die Sendung „Literatur im Foyer“. Von Januar 2008 bis Dezember 2009 moderierte sie die Talkshow „Paris-Berlin“ auf dem deutsch-französischen Fernsehsender Arte. „Tatort“-Fans ist sie zudem als Drehbuchautorin ein Begriff („Der schwarze Troll“, 2003; „Familienaufstellung“, 2009).

„Die deutsche Seele“ (2011)

Mit dem Roman „Mädchenmörder“ (2008) kehrte Thea Dorn zur Kriminalliteratur zurück. Darin erzählt sie die Entführungsgeschichte um eine Abiturientin, die sich womöglich in ihren Peiniger verliebt und selbst zur Täterin wird. Von den Rezensenten wurde der Roman aufgrund seiner provokanten Figurenzeichnung teilweise mit Befremden aufgenommen. Bemängelte wurde z. B. auch die Sprache der entführten Hauptfigur.

Unter dem Titel „Die deutsche Seele“ veröffentlichte Thea Dorn zusammen mit Richard Wagner? ein Deutschland-Buch der unkonventionellen Art. In 60 Kapiteln geht das Autoren-Duo der häufig gestellten, doch bislang noch nicht beantworteten Frage nach: Gibt es eine deutsche Seele? Und wenn ja, wie könnte sie beschaffen sein? Die Inventur beginnt bei Abendrot und endet bei Zerrissenheit. Die beiden Autoren schreiben tiefsinnig und kenntnisreich. In ihren leidenschaftlichen Plädoyers kommen sie der „deutschen Seele“ erstaunlich nahe - vermutlich näher als viele andere vor ihnen. Ein großer Pluspunkt der Enzyklopädie? ist aus Sicht der Rezensenten die reiche Bebilderung.

Thea Dorn lebt als freie Autorin in Berlin.

Übrigens ...

… hat sie ihr Pseudonym in Anspielung auf den Philosophen Theodor W. Adorno gewählt.

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Thea Dorn bei Jokers
  • Die deutsche Seele. Zusammen mit Richard Wagner. EA 2011. Albrecht Knaus Verlag, München 2011, ISBN: 978-3813504514
  • Ach, Harmonistan. Deutsche Zustände. EA 2010. Albrecht Knaus Verlag, München 2010, ISBN: 978-3813503845
  • Mädchenmörder. EA 2008. Goldmann Verlag, München 2010, ISBN: 978-3442471560
  • Die Brut. EA 2004. Goldmann Verlag, München 2005, ISBN: 978-3442460793
  • Marleni. Preußische Diven blond wie Stahl. EA 2000. Verlag der Autoren, Frankfurt am Main 2000, ISBN: 978-3886612284
  • Die Hirnkönigin. EA 1999. Goldmann Verlag, München 2001, ISBN: 978-3442448531


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