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Doyle, Roddy

Roddy Doyle (geb. 8. Mai 1958 in Dublin/Irland) ist einer der bekanntesten Vertreter der neueren irischen Literatur und ein erfolgreicher Drehbuchautor?. Für seinen Roman „Paddy Clarke Ha Ha Ha“ (1993) wurde er mit dem renommierten Booker Prize? ausgezeichnet.

Leben und Schreiben

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Am 8. Mai 1958 in Dublin/Irland geboren, wuchs Roddy Doyle mit vier Geschwistern im Arbeitervorort Kilbarrack auf. Sein Vater Rory Doyle war Schriftsetzer?, seine Mutter Ita Sekretärin in einem Krankenhaus. In Dublin besuchte Doyle die Schule und begann anschließend an der Universität ein Studium, das er mit Examen in Englisch und Erdkunde abschloss. Danach absolvierte er eine Lehrerausbildung und war bis 1993 als Lehrer für Englisch und Erdkunde an der Greendale Community School in Kilbarrack tätig.

Roddy Doyle begann neben Studium und Beruf mit dem Schreiben. Anfangs ohne Erfolg: Sein erster Roman „Your Granny’s a Hunger Striker“ wurde nie veröffentlicht.

„Die Barrytown-Trilogie“ (1986-1991)

Auch für sein zweites Buch, das Doyle während seiner Zeit als Lehrer an der Greendale Community School verfasste, konnte er zunächst keinen Verleger finden. Aus diesem Grund gründete Doyle einen kleinen Verlag und ließ dort unter dem Titel „The Commitments“ (1986; dt. Die Commitments) seinen Debütroman? erscheinen. In Irland avancierte das Buch auf Anhieb zum Bestseller und wurde inzwischen in viele Sprachen übersetzt. Doyle erzählt darin die turbulente Geschichte vom Aufstieg und Fall einer Dubliner Amateurband, die nur ein Ziel vor Augen hat: mit ihrer Musik Dublin und die Welt erobern! Die zentrale Figur des Romans ist Jimmy Rabbitte. Der Roman, der fast ausschließlich aus Dialogen? besteht, ist Auftakt der „Barrytown-Trilogie?“, zu der auch die Romane „The Snapper“ (1990) und „Fish & Chips“ (1991) gehören. Barrytown ist eine imaginäre Arbeitersiedlung im Osten von Dublin. Die Fachkritik lobte die Romane vor allem für ihren überbordenden Wortwitz, den lakonischen Humor? und die detaillierten Milieubeschreibungen. 1991 wurde „The Commitments“ von Regisseur Alan Parker erfolgreich verfilmt und lief auch in Kinos auf dem europäischen Kontinent sowie in den USA.

1990 legte Doyle unter dem Titel „The Snapper“ den zweiten Roman der „Barrytown-Trilogie?“ vor, in dessen Mittelpunkt Sharon Rabbitte steht. Sharon ist ungewollt schwanger und seitdem etwas schweigsam – jedenfalls was Auskünfte über die Identität des Vaters betrifft. Die Rabbitte-Familie und ganz Barrytown machen sich begeistert auf die Suche nach dem unbekannten Vater. 1993 wurde „The Snapper“ von Regisseur Stephen Frears verfilmt und konnte in den Kinos an den großen Erfolg des Vorgängers anknüpfen.

Mit dem Roman „The Van“ erschien 1991 der dritte Teil? der Trilogie?, der um das Schicksal von zwei irischen Arbeitslosen kreist. Einer von ihnen ist Jimmy Rabbitte senior, der plötzlich einen Ausweg aus seinem Dilemma weiß: Eine Frittenbude muss eröffnet werden! 1991 stand „The Van“ auf der Shortlist? für den Booker Prize?. Ähnlich wie die beiden Vorgänger wurde der Roman von der Kritik vor allem für seinen Humor? und die atmosphärischen Milieuszenen gelobt.

„Paddy Clarke Ha Ha Ha“ (1993)

1993 legte Doyle unter dem Titel „Paddy Clarke Ha Ha Ha“ seinen vierten Roman vor, der als sein Meisterwerk? gilt. Im Zentrum der Geschichte steht Patrick Clarke – ein 10-jähriger Junge aus Dublin, der das Scheitern der Ehe seiner Eltern erzählt. Für „Paddy Clarke Ha Ha Ha“ wurde Roddy Doyle mit dem Booker Prize? ausgezeichnet. Das „Börsenblatt“ kommentierte diese Entscheidung mit den Worten: „Das bisher humorvollste Buch in der 25-jährigen Geschichte des Booker?.“ Im Feuilleton? kam es daraufhin zu einer Debatte, ob hohe Literatur auch leicht lesbar und gut verständlich sein dürfe. Nach dem großen Erfolg von „Paddy Clarke Ha Ha Ha“ schied Roddy Doyle aus dem Schuldienst aus und führte fortan eine Existenz als freier Schriftsteller und Drehbuchautor?.

Zu Doyles bekanntesten Film-Projekten gehört die mehrteilige Serie „Family“, die in der irischen Stadt Ballymun angesiedelt ist. Ballymun ist ein düsterer Ort, an dem Arbeitslosigkeit, Gewalt und Familienkrisen das Schicksal der Menschen bestimmen. Für besonderes Aufsehen sorgte eine Initiative der Stadt Ballymun: Bürger und Politiker warfen Roddy Doyle vor, dass ihre Stadt übertrieben negativ dargestellt werde. Doyle verfasste außerdem das Drehbuch für Kieron J. Walshs Debütfilm „When Brendan Met Trudy“ (2000; dt. Brendan trifft Trudy).

„A Star Called Henry“ (2000)

Mit seinem 2000 erschienenen Roman „A Star Called Henry“ (dt. Henry der Held) rief Roddy Doyle im deutschen Feuilleton? ein geteiltes Echo hervor, wobei die negativen Stimmen deutlich überwogen. Held der Geschichte ist Henry: 1901 als Sohn eines Bordell-Türstehers in den Slums von Dublin geboren, steigt er in seiner Jugend zu einem kleinen König der Straße auf. Großmäulig, verschlagen und rebellisch erringt er die Bewunderung seiner Umwelt und nimmt 1916 am Osteraufstand teil. Später begeht er Morde im Auftrag der IRA, kommt ins Gefängnis, wird gefoltert und muss schließlich erkennen, dass auch die Aufständischen, deren Taten er lange Zeit idealisierte, nicht nur vom Freiheitsgedanken, sondern auch von privaten Sonderinteressen angetrieben werden.

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ fand, dass der Roman einzig aus der großmäuligen Rede und der sentimentalen Erinnerung der Titelfigur bestehe. Die „tageszeitung“ bemängelte, dass Doyle keine adäquate Sprache für seinen jugendlichen Protagonisten gefunden habe. Die „Frankfurter Rundschau“ dagegen lobte vor allem, dass Doyle mit einigen unerfreulichen Mythen hinsichtlich der irischen Befreiungskämpfe aufräume.

Mit dem Roman „Oh, Play That Thing” (2004; dt. Jazztime) knüpfte Doyle an „A Star Called Henry“ an. Darin erzählt er, wie Henry nach Amerika flüchtet und nach einigen Abenteuern im Dunstkreis der Mafia in den Chicagoern Jazz-Kellern mit Louis Armstrong zusammentrifft. Die „Frankfurter Rundschau“ fand den Roman löchrig, schlaff und mühevoll. Die „Welt“ urteilte, dass die Verbindung zwischen dokumentarischem Erzählen und Abenteuerroman, Klamotte und Hollywood, großer Geschichte und abgedrehter Fiktion unter Bluthochdruck leide. „Oh, Play That Thing” ist Doyles erster Roman, der nicht in Irland spielt.

„Paula Spencer“ (2007)

Bereits in „Die Frau, die gegen Türen rannte“ (1997) war die Putzfrau Paula Spencer Protagonistin eines Roman von Roddy Doyle. In „Paula Spencer“ (2007, dt. 2008) begegnet die vom Ehemann verprügelte, dem Alkohol verfallene Frau aus dem irischen Arbeitermilieu dem Leser erneut. Doch ist dieses Buch mehr als eine bloße Fortsetzung? des ersten. Paula Spencers Ehemann wurde als flüchtiger Mörder erschossen. Sie selbst bemüht sich nach einer Entziehungskur, trocken zu bleiben. Mit wacherem Blick schaut sie auf ihr Leben. Doyle begleitet sie durch ihren Alltag und verleiht ihr dabei laut Rezension in der "Süddeutschen Zeitung" eine eigene Würde. "Die Zeit" sprach von "verwegenem Minimalismus", der in die farblose Unscheinbarkeit eines solchen Lebens eine intensive Fieberkurve hineinzeichne.

Roddy Doyle ist auch mit Kinderbüchern an die Öffentlichkeit getreten. Er veröffentlichte unter anderem „The Giggler Treatment“ (2000; dt. Das große Giggler-Geheimnis) und „Rover Saves Christmas“ (2001; dt. Rover rettet Weihnachten).

Roddy Doyle lebt mit seiner Frau Belinda und seinen beiden Söhnen Rory und Jack in Dublin.

Übrigens ...

hat Roddy Doyle in dem Roman „Rory und Ita“ (2002) seinen Eltern ein literarisches Denkmal gesetzt.

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

Romane und Erzählungen
  • Die Commitments. OA (Originalausgabe) 1986. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2002, ISBN: 978-3596153015
  • Fish & Chips. OA 1991. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2002, ISBN: 978-3596153022
  • Paddy Clarke Ha Ha Ha. OA 1993. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1996, ISBN: 978-3596131761
  • Die Frau, die gegen Türen rannte. OA 1997. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2003, ISBN: 978-3596159208
  • Henry der Held. OA 2000. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2001, ISBN: 978-3596151462
  • Rover rettet Weihnachten. OA 2001. Omnibus Taschenbuch, München 2004, ISBN: 978-3570213490
  • Rory und Ita. Die Geschichte meiner Eltern. OA 2002. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2007, ISBN: 978-3596167753
  • Jazztime. OA 2004. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2008, ISBN: 978-3596167760
  • Paula Spencer. OA 2007, Carl Hanser Verlag, München 2008, ISBN: 978-3446230552
  • Typisch irisch. Erzählungen. Hanser Verlag, München 2011, ISBN 978-3-446-23631-8
Kinderbücher
  • Das große Giggler-Geheimnis (OA: The Giggler Treatment, 2000)
  • Rover rettet Weihnachten (OA: Rover Saves Christmas, 2001)
  • Mister Macks Missgeschicke (OA: The Meanwhile Adventures, 2004)

Hörbücher

  • Henry der Held. 5 CDs. München, Heyne Hörbuch 2002, ISBN: 978-3453181403
  • Jazztime. 6 CDs. Bochum, Roof Music 2006, ISBN: 978-3938781265

Sekundärliteratur

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