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Draesner, Ulrike

Ulrike Draesner (geb. 20. Januar 1962 in München) ist eine deutsche Schriftstellerin und Essayistin. Sie lebt in Berlin.

Leben und Schreiben

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Ulrike Draesner wurde am 20. Januar 1962 als Tochter eines Architekten in München geboren und wuchs dort mit ihrer jüngeren Schwester auf. Nach dem Abitur gehörte sie zu den ersten Frauen, die in die Hochbegabtenstiftung Maximilianeum aufgenommen wurden. Sie studierte Jura, Anglistik?, Germanistik? und Philosophie? in München, Salamanca und Oxford. 1992 promovierte sie in Germanistischer Mediävistik? mit einer Dissertation zu Wolfram von Eschenbachs? Epos „Parzival“.

Ihre berufliche Laufbahn begann Ulrike Draesner als wissenschaftliche Assistentin an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Daneben veröffentlichte sie eigene literarische Arbeiten in Zeitungen?, Zeitschriften? und beim Rundfunk. 1993 legte sie ihre Dozentur nieder und entschied sich für eine Existenz als freie Schriftstellerin. Sie übersetzt zudem aus dem Englischen, gibt Workshops, Seminare und Poetikvorlesungen. Zunächst lebte Ulrike Draesner in München, 1996 zog sie nach Berlin.

Ulrike Draesner gilt als eine der profiliertesten deutschen Schriftstellerinnen ihrer Generation. Ihr Werk?, das Romane, Erzählungen, Gedichte und Essays umfasst, wurde mit zahlreichen Literaturpreisen gewürdigt. Sie erhielt unter anderem den Hölderlin-Förderpreis? (2001) und den Preis der Literaturhäuser? (2002). Im Feuilleton? stießen Draesners Publikationen? von Anfang an auf große Resonanz und riefen dort neben Bewunderung auch Ablehnung hervor. Zu diesem auffallend ambivalenten Urteil hat Ulrike Draesners Weigerung beigetragen, die Handlungen ihrer Figuren niemals ethisch zu bewerten.

„gedächtnisschleifen“ (1995)

1995 legte Ulrike Draesner unter dem Titel „gedächtnisschleifen“ ihren ersten Gedichtband vor. Die 80 Gedichte, darunter viele Natur- und Liebesgedichte, sind in neun Abteilungen gegliedert und schleifenartig um ein poetologisches Zentrum gewunden. Als hervorstechendes Merkmal gilt die außergewöhnliche sprachliche Präzision, mit der Ulrike Draesner eine Vielzahl von Erinnerungen und Wahrnehmungen schildert. Die Fachkritik war fasziniert von diesem Debüt?, gleichzeitig aber auch irritiert vom ausufernden Bilderreichtum und den scheinbar endlosen Assoziationsketten.

„Lichtpause“ (1998)

Drei Jahre später folgte Ulrike Draesners erster Roman „Lichtpause“ (1998), in dem sie die unglückliche Kindheit eines hochsensiblen Mädchens in den 1960er Jahren schildert. Das Mädchen wächst in einem kleinbürgerlichen Elternhaus auf und rebelliert auf verschiedene Weise gegen die Welt der verständnislosen Eltern. So fasst das Mädchen unter anderem den Entschluss, sich dem elterlichen Erziehungsanspruch durch rapides und radikales Dickwerden zu entziehen. Der klare und präzise Ton des Romans erinnert stark an Ulrike Draesners Lyrik. Wie in einer Collage schiebt die Autorin kleine und kleinste Beobachtungen vor das Auge des Lesers. Ein Rezensent kritisierte Ulrike Draesners Roman „Lichtpause“ als schwer lesbar, was vor allem an der hoch gespannten und hybriden Dichtersprache liege.

„Mitgift“ (2002)

Nach dem Sonettkranz? „anis-o-trop“ (1997), in dem Ulrike Draesner eine Reihe bedeutender Shakespeare-Sonette? frei ins Deutsche übertragen hat, und dem Lyrikband „für die nacht geheuerte zellen“ (2001) veröffentlichte sie 2002 ihren zweiten Roman „Mitgift“. Darin bearbeitet Ulrike Draesner so unterschiedliche Themen wie Magersucht, Transsexualität, Geschwisterkonflikt, Medizinkritik und Außenseitertum. Im Zentrum der Handlung steht die Hauptfigur Aloe, die sich in einem aufreibenden intellektuellen und emotionalen Erkenntnisprozess des Einflusses bewusst wird, den ihre Schwester Anita – eine Hermaphroditin – auf ihr eigenes Leben hatte.

Die Vielzahl an äußerst komplexen Themen, die Ulrike Draesner in „Mitgift“ behandelt, hat dazu geführt, dass der Roman im Feuilleton? vorwiegend negativ besprochen wurde. Ein Rezensent meinte, dass die Autorin zwar ein abenteuerliches Pensum abgearbeitet habe, doch habe das Buch dabei leider eine triviale? Schlagseite bekommen. Ein anderer fand, dass Ulrike Draesner von allem ein bisschen viel aufgefahren habe. Dazu komme, dass die Autorin mit Vergleichen?, Reflexionen und Metaphern etwas verschwenderisch umgegangen sei.

„Spiele“ (2005)

Es folgten die beiden Erzählbände „Reisen unter den Augenlidern“ (1999) und „Hot Dogs“ (2004). Letzterer enthält zwölf Erzählungen – größtenteils Momentaufnahmen aus dem Leben der Hauptfiguren – und wurde vom Feuilleton? überwiegend freundlich aufgenommen. Besonders gelobt wurde die betont lakonische und zugleich protokollartig exakte Sprache.

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2005 erschien Ulrike Draesners Gesellschaftsroman „Spiele“ und im selben Jahr erneut eine Gedichtesammlung. Sie trägt den Titel "kugelblitz". Ein Rezensent urteilte, aus den Gedichten sprächen eine ungeheure Energie, eine "rhythmisierte Sprachwut" und einen weiter lyrischer Wortschatz?.

Im Mittelpunkt des Romans "Spiele" steht die erfolgreiche Fotojournalistin Katja. Sie muss feststellen, dass ihr der Beruf keine wirkliche Befriedigung mehr geben kann. Fast 20 Jahre lang hat sie davon gelebt, private Dramen vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Umbrüche zu fotografieren. Doch sie, die immer das schöne und luxuriöse Gefühl hatte, vollkommen unabhängig gelebt zu haben, gelangt jetzt zu der verstörenden Einsicht, dass auch ihr eigenes Leben von gesellschaftlichen Entwicklungen und Ereignissen geprägt wurde. Eines dieser Ereignisse war die blutige Geiselnahme während der Olympischen Sommerspiele 1972 in München. Bei der Fachkritik rief „Spiele“ ein geteiltes Echo hervor. Ambitioniert, aber nicht besonders gelungen, lautete ein Urteil. Ein anderer Rezensent war beeindruckt – vor allem von der Verknüpfung von privater Geschichte und dem Lauf der Welt.

„Schöne Frauen lesen“ (2007)

In dem Band „Schöne Frauen lesen“ (2007) versammelt Ulrike Draesner Essays über Annette von Droste-Hülshoff?, Virginia Woolf, Ingeborg Bachmann, Friederike Mayröcker und andere Schriftstellerinnen, die ihre persönliche Lesebiographie maßgeblich geprägt haben.

Ulrike Draesner ist als Verfasserin von Lyrik und Prosa einem großen Publikum? bekannt geworden. Daneben hat sie in Zusammenarbeit mit Musikern und bildenden Künstlern neue Werke? der Poesie kreiert. Am bekanntesten ist das begehbare Gedicht „Space Poem“, das 2001 in Kalkutta uraufgeführt wurde.

Ulrike Draesner lebt als freie Schriftstellerin und Essayistin in Berlin.

Übrigens ...

ist Ulrike Draesner Gründungsmitglied des Forums für zeitgenössische Poesie und Poetik.

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Ulrike Draesner bei Jokers
  • gedächtnisschleifen. OA (Originalausgabe) 1995. Luchterhand Literaturverlag, München 2008, ISBN: 978-3630621326
  • für die nacht geheuerte zellen. Gedichte. OA 2001. Luchterhand Literaturverlag, München 2005, ISBN: 978-3630620046
  • Mitgift. OA 2002. btb, München 2005, ISBN: 978-3442732821
  • Hot Dogs. OA 2004. Luchterhand Literaturverlag, München 2004, ISBN: 978-3630871349
  • kugelblitz. Gedichtesammlung. OA 2005. Luchterhand Literaturverlag, München 2005, ISBN: 978-3630620848
  • Spiele. OA 2005. btb, München 2007, ISBN: 978-3442736362
  • Schöne Frauen lesen. OA 2007. Luchterhand Literaturverlag, München 2007, ISBN: 978-3630621210
  • Gedächtnisschleifen. Überarbeitete Neuausgabe, München 2008
  • Vorliebe. Roman. OA 2010. Luchterhand Verlag, München 2010, ISBN: 978-3-630-87294-0

Hörbücher

Sekundärliteratur

Links


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