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Drehbuch

Das Drehbuch ist ein schriftlich? fixierter Gesamtplan zur Herstellung eines Films oder einer Fernsehproduktion. Es wird auch als „Partitur des Films“ bezeichnet.

Definition

Das Drehbuch ist ein schriftlich fixierter Gesamtplan zur Herstellung eines Films oder einer Fernsehproduktion. Es liefert neben dem Text detaillierte Angaben zu Bewegungen, Kulissen, Beleuchtung, Ton, Requisiten und Aufnahmetechnik. Das Drehbuch hat handwerklich-technischen Charakter und ist auf die Produktionsweise der Filmindustrie zugeschnitten, nur in Ausnahmefällen besitzt es eigenständige literarische Qualität (z. B. bei Erich Kästner, William Faulkner und Graham Greene).

Zwischen der Filmidee und dem fertigen Drehbuch liegen verschiedene Entwicklungsphasen: Am Anfang steht ein kurzes Exposé? (rund 10 Seiten) mit der Filmidee, gefolgt vom szenisch angelegten Treatment?, das die Handlung und die zentralen optischen und akustischen Elemente formuliert. Anschließend werden separate Produktions- und Regiedrehbücher erstellt, die dann im Rohdrehbuch zusammengefasst werden.

Am Ende des Entwicklungsprozesses steht das produktionsreife Drehbuch, das detaillierte Angaben darüber enthält, was später verfilmt werden soll. Was in einem Film oder einer Fernsehproduktion zu sehen und zu hören ist, wird in einem bestimmten Format (linke Spalte Optik, rechte Spalte Akustik) zu Papier gebracht. Dabei gilt als Faustregel: Eine DIN-A4-Seite Text ergibt etwa eine Minute Film, so dass z. B. ein 45-Seiten-Drehbuch einen 45-Minuten-Film, ein 90-Seiten-Drehbuch einen 90-Minuten-Film ergibt. Vom Drehbuch zu unterscheiden ist das Filmprotokoll, das als veröffentlichtes Drehbuch den fertigen Film repräsentiert.

Entstehung und Entwicklung

Der Film war in seinen Anfängen Ende des 19. Jahrhunderts ein geradezu anarchisches Medium?. Die frühen Produktionen besaßen zumeist experimentellen Charakter und entstanden ohne konzeptionelle Vorlagen. Nur in den seltensten Fällen gab es eine Art Drehbuch, das die verschiedenen künstlerischen und technischen Filmelemente koordinierte. Erst nach und nach entstanden überhaupt Handbücher, die die filmtypischen Arbeits- und Produktionstechniken zusammenfassten und übersichtlich darstellten.

Unter den frühen Handbüchern ist vor allem Ewald André Duponts? „Wie ein Film geschrieben wird und wie man ihn verwertet“ (1919) zu nennen. Es folgten weitere Handbücher, die in der historischen Rückschau als frühe und grundlegende Poetiken des Films bezeichnet werden können. Es fällt auf, dass in diesen Handbüchern das Drehbuch - wenn überhaupt - nur nebenbei Erwähnung fand und das Augenmerk vor allem auf Zwischentiteln, Montagetechniken und Einstellungsgrößen lag.

Der aus Österreich stammende Filmpionier Carl Mayer entwickelte kurz nach dem Ersten Weltkrieg eine besondere Form des Drehbuchschreibens: Seine expressionistischen Stummfilmklassiker wie „Das Cabinet des Dr. Caligari“ (1919, zusammen mit Hans Janowitz) und „Genuine“ (1920) zeichneten sich durch ihre Nähe zur literarischen Schreibweise aus. Gleichzeitig gab es eine vor allem in Frankreich sehr einflussreiche Bewegung, die den Film radikal von der Literatur abzugrenzen versuchte und nach neuartigen avantgardistischen Entwicklungsperspektiven für den noch jungen Film suchte.

Erst dem Tonfilm, der seit 1929 die Leinwand eroberte, verdankt das Drehbuch seine Bedeutung. Durch die Verbindung von Bild und Sprache rückte der Film zunächst in die Nähe des Dramas. Frühe Filmtheoretiker wie Béla Balázs? sahen im Drehbuch eine neue literarische Gattung, vergleichbar mit Roman, Novelle oder Drama. Balázs begründete seine These damit, dass der Tonfilm mit Worten in einer zeitlich ablaufenden Fabel Menschengestalten und Schicksale darstelle. Trotz dieser und ähnlicher Theorien blieben Schriftsteller als Drehbuchautoren eine Seltenheit.

Das Drehbuch - eine Gattung ohne Zukunft?

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es vor allem in Deutschland und Frankreich zu einer Entwicklung, die den Einfluss des literarisch inspirierten Drehbuchs weiter beschnitt. Im Mittelpunkt dieser Entwicklung stand der Filmregisseur, der seine Filme „mit der Kamera wie mit dem Federhalter schreibt“. Neue, leicht bedienbare Technologien wie Video- und Digitalkamera machten es zudem möglich, vollständig auf das Drehbuch als Vorstufe zum Film zu verzichten. Statt des Drehbuchs dienten nun häufig Video- und Digitalszenarien als Produktionsgrundlage.

Trotz dieser Entwicklung, in deren Verlauf nicht nur das literarische Drehbuch, sondern das Drehbuch allgemein an Bedeutung verlor, ist Letzteres weiterhin ein wichtiger Bestandteil zahlreicher Filmproduktionen. Gerade im Zeitalter der globalen Multimedialität ist damit zu rechnen, dass das Drehbuch als zentraler Koordinationspunkt der verschiedenen optischen und akustischen Filmelemente wieder an Einfluss gewinnt.

Literatur

  • Field, Syd: Das Drehbuch - Die Grundlagen des Drehbuchschreibens. Schritt für Schritt vom Konzept zum fertigen Drehbuch. Autorenhaus, Berlin 2007, ISBN: 978-3866710191
  • Keane, Christopher / Winter, Kerstin: Schritt für Schritt zum erfolgreichen Drehbuch. Mit einem vollständigen, kommentierten Drehbuch. Autorenhaus, Berlin 2002, ISBN: 978-3932909641
  • Lazarus, Tom: Professionelle Drehbücher schreiben. Erfolgsmethoden für Film & TV. Autorenhaus, Berlin 2003, ISBN: 978-3932909559

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