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Droste-Hülshoff, Annette von

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Annette von Droste-Hülshoff (geb. 10. Januar 1797 auf Schloss Hülshoff bei Münster; gest. 24. Mai 1848 in Meersburg am Bodensee) war eine Schriftstellerin aus Westfalen. Sie verfasste Natur?- und Landschaftsgedichte, Verserzählungen?, Bekenntnisse?, Romanfragmente? und dramatische Versuche.

Annette von Droste-Hülshoff gilt als eine der bedeutendsten deutschen Lyrikerinnen? des 19. Jahrhunderts.

Leben und Schreiben

Annette von Droste-Hülshoff (eigentlich Anna Elisabeth Freiin von Droste zu Hülshoff) wurde am 10. Januar 1797 auf Schloss Hülshoff bei Münster geboren. Sie entstammte einer katholischen und streng konservativen Familie, die zum westfälischen Uradel gehörte. Annette von Droste-Hülshoff, die auch musikalisch und zeichnerisch sehr begabt war, wurde von dem einstigen Göttinger Hainbündler? Anton Matthias Sprickmann? in die Dichtung eingeführt. Dennoch dauerte es bis in das Jahr 1838, ehe sie ihre ersten literarischen Arbeiten veröffentlichte.

Im Sommer 1813 lernte sie den Sprach- und Literaturwissenschaftler Wilhelm Grimm? kennen, der sie mit den bedeutendsten Sammlungen? von Märchen und Volksliedern vertraut machte. In dieser Zeit kam sie das erste Mal mit dem Stoff in Berührung, aus dem Jahrzehnte später ihr einziges vollendetes Prosawerk "Die Judenbuche" hervorgehen sollte.

Lebenskrise
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1820 geriet ihr Privat- und Liebesleben in Aufruhr. Ihre Beziehung zu Heinrich Straube endete in einem Skandal. Nachdem sie nicht nur ihm, sondern auch seinem engsten Freund August von Arnswaldt ihre Zuneigung gestanden hatte, galt Annette von Droste-Hülshoff als unmoralische Person. In ihrer Droste-Biographie weist Barbara Beuys? nach, dass die junge Frau hier Objekt einer abgekarteten Intrige geworden war: Arnswaldt, der wohl selbst von der Droste fasziniert war, sollte ihre moralische Integrität prüfen, indem er sie ebenfalls umwarb - eine Falle, der die in ihren Gefühlen verwirrte 23-Jährige nicht entging.

Traumatisiert und mit familiären Sanktionen belegt, zog sie sich zurück und folgte fortan umso konsequenter den gesellschaftlichen und religiösen Konventionen. Die Religion lieferte ihr auch den Deutungsrahmen, der ihr helfen sollte, ihr Trauma zu verarbeiten: Ihr schuldhafter Selbstbehauptungsanspruch sei es gewesen, der notwendig habe scheitern müssen. Ihre Freiheitssehnsucht verwirklichte die Droste fortan ausschließlich in ihrer Dichtung, wovon später das berühmte Gedicht "Am Turme" (1841/1842) zeugen sollte: "Wär' ich ein Jäger auf freier Flur, / Ein Stück nur von einem Soldaten, / Wär' ich ein Mann doch mindestens nur, / So würde der Himmel mir raten; / Nun muß ich sitzen so fein und klar, / Gleich einem artigen Kinde, / Und darf nur heimlich lösen mein Haar, / Und lassen es flattern im Winde!"

Ringen um Gott

Künstlerischer Ausdruck ihres Ringens um Gott ist ein Zyklus? geistlicher Gedichte?, den sie bereits vor ihrer Lebenskrise begonnen hatte und nun, auch auf Drängen der Mutter, unterbrach. Der Band wurde erst 1851, drei Jahre nach ihrem Tod, unter dem Titel "Das Geistliche Jahr" veröffentlicht. Sein Akzent liegt auf dem religiösen Gehalt der Gedichte, nicht auf deren ästhetischer Gestaltung. Mit dem Zyklus? verfolgte Droste-Hülshoff die Absicht, Verse auf alle Sonn- und Feiertage des katholischen Kirchenjahres zu verfassen. Es wird vermutet, dass neben der Intervention der Mutter auch der tragische Verlauf ihrer Beziehung zu Heinrich Straube zu einer Unterbrechung der Arbeit geführt haben. Erst 1839 setzte sie das Werk fort.

1825 unternahm sie ihre erste Rheinreise, die sie unter anderem nach Köln, Bonn und Koblenz führte. Dort lernte sie August Wilhelm Schlegel?, Karl Joseph Simrock? und Adele Schopenhauer kennen. Nach dem Tod ihres Vaters 1826 siedelten sie und ihre ältere Schwester Jenny mit ihrer Mutter auf deren Witwensitz Haus Rüschhaus bei Münster über. 1828 und 1830 verbrachte sie wieder einige Zeit am Rhein. 1835 ging sie gemeinsam mit ihrer Mutter nach Eppishausen zu ihrer Schwester Jenny, die 1834 den Germanisten? und Schriftsteller Joseph Maria Christoph von Laßberg? geheiratet hatte. 1837 kehrte sie ins Rüschhaus zurück, wo sie mit Christoph Bernhard Schlüter? und Levin Schücking? verkehrte.

Meersburger Zeit
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Die Jahre von 1841 bis 1844 verbrachte sie zumeist am Bodensee auf Schloss Meersburg, das sich seit 1838 im Besitz von Laßberg? befand. 1843 erwarb die Dichterin hier vom Erlös ihres zweiten bei Cotta erschienenen Gedichtbandes das "Fürstenhäuschen", am Stadtrand inmitten der Weinberge gelegen. In Meersburg machte sie nicht nur die Bekanntschaft des Schriftstellers Gustav Schwab?, sondern trat auch in eine engere Beziehung zu Levin Schücking?, der auf Schloss Meersburg als Bibliothekar tätig war.

Der 17 Jahre jüngere Schücking, ein Sohn ihrer Jugendfreundin Catharina Schücking, hatte auf ihre literarische Entwicklung großen Einfluss. Er motivierte die ohnehin Unermüdliche im Schreiben und sorgte dafür, dass ihr Werk zunehmend bekannt wurde. Vor dem Hintergrund dieser Beziehung, die die gefühlsmäßig weitaus engagiertere Droste sich als mütterliche Liebe deutete und in der sie Schückings Heirat 1843 gleichwohl tief verletzte, entstanden ihre bedeutendsten Gedichte?, wie zum Beispiel "O frage nicht, was mich so tief bewegt", "Im Grase" und "Durchwachte Nacht".

Naturlyrik

Ihre Texte aus dieser Zeit, die der Naturlyrik? zugerechnet werden, sind durch eine hohe Sensibilität und nahezu halluzinative Zustände des lyrischen Ichs gekennzeichnet: Aus der Tiefe der Erde dringen Laute, die denen der Menschen zum Verwechseln ähnlich sind. So heißt es etwa im 1841/1842 entstandenen Gedicht "Die Mergelgrube": "Tief ins Gebröckel, in die Mergelgrube / War ich gestiegen, denn der Wind zog scharf; / Dort saß ich seitwärts in der Höhlenstube, / Und horchte träumend auf der Luft Geharf. / Es waren Klänge, wie wenn Geisterhall / Melodisch schwinde im zerstörten All; / Und dann ein Zischen, wie von Moores Klaffen, / Wenn brodelnd es in sich zusamm'gesunken; / Mir überm Haupt ein Rispeln und ein Schaffen, / Als scharre in der Asche man den Funken."

Häufig gestaltet die Dichterin das Erlebnis ihrer westfälischen Heimatlandschaft. Mit düsteren Farben und kraftvollem Rhythmus schildert sie das Moor und die Heide - Orte voll dunkler Ahnungen und mythisch-dämonischer Kräfte.

Späte Jahre

Neben der Natur?- und Landschaftsdichtung zählen Verserzählungen?, Bekenntnisse?, Romanfragmente? und dramatische Versuche zum Werk Annette von Droste-Hülshoffs. Sie selbst war sich ihrer Kunst wohl bewusst. Und sie ahnte, dass ihre Zeit erst kommen würde. "Nach hundert Jahren möchte ich gelesen werden", schrieb sie in einem Brief?. Dieses Selbstbewusstsein war es wohl auch, was ihr in ihren späten Jahren inneren Frieden gab, wie er zum Beispiel im Gedicht "Mondesaufgang (1844) durchklingt. Der Mond, so sagt die Dichterin darin, sei, "was dem kranken Sänger sein Gedicht / Ein fremdes, aber o! ein mildes Licht".

Annette von Droste-Hülshoff, die von Geburt an sehr kränklich war, starb am 24. Mai 1848 an einem Herzschlag oder einer Lungenembolie. Sie wurde auf dem Meersburger Friedhof beigesetzt.

Literarische Arbeiten

Die Judenbuche, Novelle (1842)

"Die Judenbuche. Ein Sittengemälde aus dem gebirgichten Westfalen" ist eine Novelle von Annette von Droste-Hülshoff, entstanden 1837-41, erstmals erschienen 1842 in Cottas "Morgenblatt". Angeregt wurde Droste-Hülshoff durch eine wahre Begebenheit, die sich 1782 in Paderborn zugetragen hat.

Die Geschichte spielt Mitte des 18. Jahrhunderts in einem Dorf in Westfalen. Im Mittelpunkt steht Friedrich Mergel – Sohn eines trunksüchtigen Wilderers -, der den Juden Aaron ermordet. Nach 28 Jahren kehrt Friedrich Mergel an den Tatort zurück und erhängt sich an der so genannten Judenbuche. In dem Stamm der Buche steht ein bannender Spruch, den Aarons Glaubensgenossen dort eingeritzt haben: "Wenn du dich diesem Orte nahest, so wird es dir ergehen, wie du mir getan hast!"

"Die Judenbuche" ist nicht nur, wie es im Untertitel heißt, ein "Sittengemälde"?, sondern auch eine Milieustudie? und Schilderung eines Kriminalgeschichte | Kriminalfalls. In der Novelle, die der Epoche des Realismus zugeordnet wird, räumt die Autorin dem Geheimnisvollen und Unerklärbaren weiten Raum ein.

Das Geistliche Jahr, Gedichtzyklus (1851)

"Das Geistliche Jahr" ist ein Gedichtzyklus? von Annette von Droste-Hülshoff, entstanden 1819/1820 und 1839, erstmals erschienen 1851 in Stuttgart. Der Zyklus? besteht aus 72 Gedichten, die dem Verlauf des katholischen Kirchenjahres folgen und an die Evangelientexte anknüpfen. Droste-Hülshoff bestimmte, dass die Gedichte erst nach ihrem Tod öffentlich erscheinen durften.

Die frühesten Gedichte, die 1819 entstanden, hat Droste-Hülshoff für ihre fromme Großmutter Maria Anna von Haxthausen geschrieben. Die Gedichte hatten ursprünglich den Charakter geistlicher Volkslieder, die der religiösen Erbauung dienen sollten. Das änderte sich grundlegend unter dem Eindruck ihrer katastrophal verlaufenden Liebesbeziehung zu Heinrich Straube, die 1820 in einem Skandal endete. Die Gedichte behandelten fortan die Themen Gottsuche, Glaubenszweifel, Sündenangst, Beichte, Reue und lyrische Selbstreflexion.

Die meisten Gedichte stehen in der Tradition des Kirchenliedes?, gleichzeitig weisen sie aber auch eine große formale Vielfalt auf. Häufig dominiert ein expressiv-pathetischer Sprachgestus. 1839 hat Droste-Hülshoff das Werk vollendet. Der Zyklus? schließt mit einem Gedicht für Silvester. Christof Bernhard Schlüter? besorgte 1851 die Veröffentlichung des Bandes.

Übrigens ...

Das erste Buch, das Annette von Droste-Hülshoff veröffentlichte, war 1838 die Sammlung "Gedichte". Der Band?, von dem nur vierundsiebzig Exemplare verkauft wurden, rief überwiegend Spott hervor. Nur wenige Dichterkollegen wie Ferdinand Freiligrath? oder Jakob Grimm? erkannten die literarische Qualität der Texte.

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Annette von Droste-Hülshoff bei Jokers
  • Die Judenbuche. Dtv, München 1997, ISBN: 978-3423026079
  • Sämtliche Briefe. Dtv, München 1996, ISBN: 978-3423024167
  • Sämtliche Erzählungen. Insel Verlag, Frankfurt am Main 1993, ISBN: 978-3458332213
  • Sämtliche Gedichte. Insel Verlag, Frankfurt am Main 1988, ISBN: 978-3458327929

Hörspiele

  • Die Judenbuche. 2 CDs. Hörgut! Verlag, Hamburg 2004, ISBN: 978-3938230046

Sekundärliteratur

  • Beuys, Barbara: Blamieren mag ich mich nicht. Das Leben der Annette von Droste-Hülshoff. Piper Verlag, München 2002, ISBN: 978-3492235136
  • Ditz, Monika / Maurer, Doris: Annette von Droste-Hülshoff und ihre Freundinnen. Turm Verlag, Bietigheim-Bissingen 2006, ISBN: 978-3929874051
  • Kraft, Herbert: Annette von Droste-Hülshoff. Rowohlt Verlag, Reinbek 2003, ISBN: 978-3499505171
  • Maurer, Doris: Annette von Droste-Hülshoff. Turm Verlag, Bietigheim-Bissingen 1996, ISBN: 978-3929874013

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