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Düffel, John von

John von Düffel (geb. 20. Oktober 1966 in Göttingen) ist ein deutscher Schriftsteller und Dramaturg. Er lebt in Bremen.

Leben und Schreiben

Geboren am 20. Oktober 1966 in Göttingen, wuchs John von Düffel wegen verschiedener Lehraufträge seines Vaters in Londonderry/Irland und South Dakota/USA auf. 1985 machte er in Oldenburg das Abitur und studierte danach Germanistik?, Philosophie? und Volkswirtschaft in Stirling/Schottland und Freiburg/Breisgau. Im Alter von 23 Jahren promovierte er mit einer Arbeit über Erkenntnistheorie. Er sei, sagte Düffel später, mit dem Uni-Betrieb einfach nicht zurechtgekommen. Und um sich die Blamage eines abgebrochenen Studiums zu ersparen, habe er das Studium samt Promotion regelrecht durchgepeitscht.

John von Düffel als Theaterautor

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Seine berufliche Laufbahn begann John von Düffel als Journalist? und Theaterkritiker. 1991 ging er als Dramaturg für Schauspiel und Tanztheater ans Theater der Altmark Stendal in Sachsen-Anhalt. Zwei Jahre später wechselte er ans Oldenburgische Staatstheater, wo er seine Karriere als Theaterautor begann. Sein erstes Theaterstück „OI“ wurde 1995 uraufgeführt. Zu Bekanntheit gelangte er vor allem mit seinen Stücken „Das schlechteste Theaterstück der Welt“ (von der Zeitschrift? „Theater heute“ zum Schauspiel des Monats August 1995 gewählt) und „Solingen“, mit dem er zu den Mülheimer Theatertagen 1996 eingeladen wurde. Düffels „Die Unbekannte mit dem Fön“ und „Rinderwahnsinn“ gehörten 1999 zu den meistgespielten Stücken in Deutschland.

„Vom Wasser“ (1998)

1998 las John von Düffel beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb? in Klagenfurt aus seinem Prosatext „Vom Wasser“ und wurde für seinen Beitrag mit dem Ernst-Willner-Preis? ausgezeichnet. In seinem Debüt? erzählt Düffel die Geschichte einer deutschen Papierfabrikantendynastie. Deren Aufstieg und Niedergang ist maßgeblich mit den beiden Flüssen Orpe und Diemel verbunden, zwischen denen die familieneigene Papiermühle liegt. Ein Nachgeborener lässt die Galerie seiner Ahnen Revue passieren und beschwört dabei die Erinnerungen an seine eigene Kindheit herauf.

Die Fachkritik lobte vor allem die metaphorische Ambivalenz des Romans, denn vom Wasser geht nicht nur Bewegung, Leben und Freude aus, sondern auch Tod und Niedergang. Der „Rheinische Merkur“ sah in dem Roman eine indirekte Chronik? des 20. Jahrhunderts. Der „Spiegel“ bezeichnete „Vom Wasser“ als ein stilles Buch und lobte den unprätentiösen poetischen Ton. 1998 erhielt Düffel für sein Romandebüt? den „aspekte“-Literaturpreis?.

„Zeit des Verschwindens“ (2000)

Nach dem großen Erfolg seines Erstlings? wurde Düffels zweites Buch von Kritik und Publikum? mit Spannung erwartet. 2000 folgte der Roman „Zeit des Verschwindens“, der in Karlsruhe entstanden ist und den Düffel als ein sehr persönliches und intimes Buch bezeichnet hat. Darin geht es um die gestörte Beziehung eines Vaters zu seinem Sohn, gleichzeitig werden die Lebensläufe zweier stark aufeinander bezogener Schwestern ausgebreitet. Verbindendes Glied zwischen den beiden Erzählsträngen ist die monologische? Erzählweise (wie in seinem Erstling? verzichtete Düffel völlig auf Dialoge?) und die scheinbar unstillbare Sehnsucht der Hauptfiguren nach Liebe. Die Literaturkritik konnte dem Roman nur wenig abgewinnen und urteilte: viel zu viel introspektiver Leerlauf, zu wenig Aktion. Die Sprache sei als effekthaschend und selbstverliebt.

John von Düffels 2001 erschienener Roman „Ego“ gilt als eine besonders raffinierte und unterhaltsame Satire auf den Fitnesswahn, in deren Mittelpunkt ein Unternehmensberater steht, der dem Körperkult völlig verfallen ist. Der Band? „Wasser und andere Welten. Geschichten vom Schwimmen und Schreiben“ (2002) versammelt zwei Dutzend feuilletonistische? Texte, die zuvor verstreut publiziert? worden waren.

„Houwelandt“ (2004)

Das Erscheinen von Düffels viertem Roman „Houwelandt“ (2004) wurde überwiegend von positiven Kritiken begleitet. Großvater Jorge de Houwelandt, zusammen mit seiner Frau Esther in einem schönen Haus an der spanischen Küste lebend, sieht seinem achtzigsten Geburtstag entgegen. Esther fasst den Plan, Jorges Geburtstag in Deutschland zu feiern, damit sich die in alle Winde verstreute Familie noch einmal um den alten Patriarchen versammelt. Was als rauschendes Fest geplant war, gerät zum Tribunal über die Vergangenheit der Familie und alle erlittenen Kränkungen durch das Familienoberhaupt. Ein Rezensent lobte die kraftvolle, präzise Sprache und fand, dass sich Düffels Roman wohltuend von den Werken? gleichaltriger Kollegen unterscheide. Ein anderer nannte den Roman spannend, da sich in jedem Familienroman alle anderen Familienromane spiegelten.

„Beste Jahre“ (2007)

Nach der viel gelobten Erzählung „Hotel Angst“ (2006) legte Düffel den Roman „Beste Jahre“ (2007) vor, der von der Fachkritik fast einmütig als Enttäuschung bezeichnet? wurde. In dem Roman, in dessen Zentrum ein Paar um die Vierzig steht, geht es um späte Vaterschaft, Samenspende und Muttermundschwäche. Die Bearbeitung dieser Themen durch den Autor fand ein Rezensent infantil, lächerlich und taktlos. Ein anderer war vor allem von zahlreichen Stilblüten? und anderen sprachlichen Missgeschicken irritiert. Ein dritter meinte wohlwollend, dass nicht alles, was aus einem großen Gefühl heraus entsteht, auch unbedingt publiziert werden sollte.

zur Rezension von "Beste Jahre"

„Goethe ruft an“ (2011)

Im Jahr 2011 brachte John von Düffel den Roman "Goethe ruft an" heraus. Das Buch handelt vom Schnittpunkt zwischen Lesen und Leben. Es erzählt von einem eher erfolglosen Schriftsteller, der einen arrivierten Kollegen, genannt "Goethe", bei dessen Schreibworkshop in der Lausitz vertreten soll. "Goethes" Assistentin bringt ihm den Ordner mit den Unterlagen. Der, so der Kollege, enthalte alles, was zum erfolgreichen Schreiben nötig sei. So kommt der Schriftsteller in den Besitz der Goethe-Formel. Und macht gleichzeitig die Bekanntschaft von Frau Eckermann ...

John von Düffel lebt in Bremen. Er ist als Schauspieldramaturg? am Thalia Theater in Hamburg und am Deutschen Theater in Berlin tätig und hat bereits zahlreiche Gastprofessuren für Szenisches Schreiben? sowie Poetik-Dozenturen innegehabt.

Übrigens ...

erarbeitete John von Düffel die erste Bühnenfassung des RomansBuddenbrooks?“ von Thomas Mann. Die Premiere fand am 3. Dezember 2005 am Thalia Theater in Hamburg statt.

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

  • Bücher von John von Düffel bei Jokers
  • Vom Wasser. OA (Originalausgabe) 1998. dtv, München 2000, ISBN: 978-3423127998
  • Rinderwahnsinn. OA 1999. dtv, München 1999, ISBN: 978-3926112842
  • Born in the RAF. Monolog. Lebensbeichte eines Terroristenkindes. OA 1999. Merlin-Verlag, Gifkendorf 1999, ISBN: 978-3926112859
  • Zeit des Verschwindens. OA 2000. dtv, München 2002, ISBN: 978-3423129398
  • Schwimmen. OA 2000. dtv, München 2004, ISBN: 978-3423132053
  • EGO. OA 2001. dtv, München 2003, ISBN: 978-3423131117
  • Houwelandt. OA 2004. dtv, München 2006, ISBN: 978-3423134651
  • Hotel Angst. OA 2006. dtv, München 2007, ISBN: 978-3423135719
  • Beste Jahre. OA 2007. DuMont Buchverlag, Köln 2007, ISBN: 978-3832180355
  • Wovon ich schreibe. Eine kleine Poetik des Lebens. DUMONT Literatur und Kunst Verlag, Köln 2009, ISBN: 978-3832180881
  • Goethe ruft an. Roman. OA 2011. DuMont Buchverlag, Köln 2011, ISBN 978-3832185688

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