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Enfant Perdu

von
Wolf Doleys

Mit seinen Gedichten bewegt sich Wolf Doleys? im Widerspruch zum Literaturbetrieb, er will den Ursprung, er will ihn jedoch bewusst. Das hat die Konsequenz, dass wenn er sich schreibend über die Verse beugt, die Unschuld immer schon verloren ist.

Doleys Gedichtband "ins blaue springen" enthält bereits im Kern die späteren theoretischen Überlegungen. Sein Kampf gegen das Kleinbürgertum und die Konsumgesellschaft wird hier zur lyrischen Klammer, die sein Denken zusammenspannt. Manchmal scheint es, als wolle dieser Autor in der Entwicklungsgeschichte des lyrischen Ichs die Welt an den Enterhaken nehmen. Das Schreiben ist für Doley immer auch die Emanzipation von der papiernen Welt, ist das Verlassen des akademischen Kreislaufs, der zyklisch strukturierten Welt, ist das Hineingehen in die Linearität und damit der Eintritt in die Geschichte.

In "Enfant perdu" packt der vielseitige Intellektuelle Doleys sein avanciertes Wissen und seine klugen Reflexionen zum Thema "linke Utopie" in eine Form und stöbert in einem Metaphernhaushalt der viele Facetten des Zeitgeistes aufweist. Seine Beschreibung dieser Experimente ist in ihrer Klarheit hinreißend und scheint ein fernes Echo auf Ernst Blochs? "Das Prinzip Hoffnung" zu sein. Wenn man seine Essays liest, meint man, die Moderne? beginnt, wo der Ursprung, die Herkunft historisch und zugleich vergessen wird; sie leugnet die Verwurzelung in ewig gleicher Überlieferung? und behauptet eine Geburt aus eigener Kraft.

Mit Doleys ist ein Eigendenker zugange, der den stilistischen Posaunenton als spätexpressionistisch entlarvt. Seine Essays sind vagabundierende Gedankenzüge, anregend und schillernd, immer geistreich und nie langweilig. Doleys ist ein Fischer auf dem Gewässer der Kulturgeschichte. Unermüdlich zieht er sein Netz durch den Strom der Überlieferung, und geduldig fängt er ungewöhnliche Gedanken ein.

Autor: Matthias Hagedorn

Literaturangaben:

  • Doleys, Wolf: Enfant Perdu. Essays. Edition Lichtenberg, Odenthal 1994


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