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Günther, Herbert

Herbert Günther (geb. 14. Juni 1947 in Göttingen) ist ein deutscher Schriftsteller und Übersetzer. Er schreibt Bücher für Kinder, Jugendliche und Erwachsene und verfasste Drehbücher für das Fernsehen.

Leben und Schreiben

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Herbert Günther wurde am 14. Juni 1947 in Göttingen geboren. Der Vater war 17 Jahre Soldat, danach Versicherungsvertreter der Landwirtschaftlichen Brandkasse Hannover. Die Mutter war Hausfrau. Herbert Günther hat eine Schwester und drei Brüder. Seine Schwester arbeitete als Kauffrau, seine Brüder als Versicherungskaufmann, Bausparkassenvertreter und Psychotherapeut.

Seine Kindheit und Jugend verbrachte Herbert Günther auf dem Land, in Wöllmarshausen, einem 400 Einwohner zählenden Dorf zwischen Göttingen und Duderstadt. Er lebte dort in einer Großfamilie mit drei Generationen unter einem Dach. Diese Zeit spiegelt sich in seinen Büchern "Onkel Philipp schweigt" und "Luftveränderung" wider.

Bücher besaß er in dieser Zeit kaum und wenn, dann las er nur wenig darin. Zugang zu den Büchern und zum Lesen fand er über seinen Lehrer für Biologie. Dieser las der Klasse am Ende der Stunde häufig aus „Die Heiden von Kummerow“ von Ehm Welk? vor. Trotz dieser nahezu bücherlosen Zeit wurde er dann doch zum Buchmenschen. Von 1965 bis 1968 erlernte er in der Buchhandlung Deuerlich in Göttingen den Beruf des Buchhändlers, den er dort noch weitere drei Jahre ausübte. Danach arbeitete er sieben Jahre als Lektor von Kinder- und Jugendbüchern im Otto Maier Verlag? in Ravensburg. Weitere sieben Jahre lang war er Leiter einer Kinderbuchhandlung? in Göttingen.

Herbert Günthers erstes Buch „Onkel Philipp schweigt“ erschien 1974 im Georg Bitter Verlag Recklinghausen. In den 1980er Jahren verfasste er Drehbücher für Kinderfilme im ZDF. Von 1986 bis 1988 war er als Lektor im Boje Verlag in Erlangen tätig. Seit 1988 arbeitet er ausschließlich als freier Schriftsteller und übersetzt zusammen mit seiner Frau Ulli Kinder- und Jugendbücher aus dem Englischen ins Deutsche.

Nach seinen Vorbildern als Autor gefragt, antwortete Herbert Günther: "Vorbilder? Im Sinn von Orientierungshilfen: damals Wolfgang Borchert? und Heinrich Böll? (die waren auch zuerst Buchhändler), später Astrid Lindgren, Michel de Montaigne?. Ein Autor, dem ich viel verdanke: Hans-Christian Kirsch (Frederik Hetmann). Unsere enge Zusammenarbeit bei der Herausgabe der Ravensburger Jungen Reihe (1972 - 1979) war für mich eine wichtige Lehrzeit."

Bereits seit seiner ersten Veröffentlichung liest er gern vor Schülern, redet und diskutiert mit ihnen. Bei diesen Lesungen lernte und lernt er selbst sehr viel darüber, wie man sich für Kinder und Jugendliche ausdrücken kann, um diese mit seinen Texten zu erreichen.

Herbert Günther hat einen Sohn und lebt mit seiner Frau und "mit vielen Büchern" in Friedland ... Sofern er nicht gerade in ein Buch vertieft ist oder schreibt, hört er gern Musik, geht wandern oder spielt Tischtennis.

Herbert Günther über sich und das Schreiben

Als Kind habe ich wenig gelesen, Bücher schenkte nur die Oma aus der Stadt. Bevor ich die Bücher und das Lesen entdeckte, entdeckte ich die Geschichten. In den letzten drei Schuljahren an der Realschule in der Stadt habe ich Artikel und Geschichten für die Schülerzeitung geschrieben. Dabei habe ich eine wichtige Entdeckung gemacht: dass man in Geschichten vieles sagen kann, was einem ganz wichtig ist, wozu man aber im alltäglichen Leben selten kommt. Wenn mich heute jemand fragt: „Warum schreiben Sie?“, kann ich nur antworten: „Weil es mir soviel Spaß macht. Es ist wie ein Spiel. Ich verstecke etwas in einer Geschichte und warte gespannt darauf, ob es jemand entdeckt.“
Aus Herbert Günther: „Mit jeder Geschichte neu ... Ich über mich“

Die Frage, für wen ich eigentlich schreibe, für Kinder, für Jugendliche, für Erwachsene, stellte ich mir nicht. Ich schrieb. Abends. nachts, in den Mittagspausen. Gedichte. Erzählungen, Romane. Ich schickte meine Manuskripte an Verlage, an Zeitschriften. Die Standard-Antwort: „Ganz gut, junger Mann. Aber noch nicht gut genug, um ein Buch daraus zu machen."
Was ich schreibe, bin ich. Jede Ablehnung traf mich wie die Ablehnung meiner Person. Nie hätte ich es mir damals eingestanden, was mir heute leicht von den Lippen geht: Die Zeit der Enttäuschungen, die Zeit des Wartens war am Ende produktiv. Vieles musste sich klären, finden.

Aus Herbert Günther: „Mein erstes Manuskript“

Eigentlich ist in jedem neuen Manuskript das vorherige enthalten. Trotzdem ist jedes neue Manuskript ein erstes Manuskript, weil es nur dann lebendig werden kann, wenn der Autor sich nicht mit dem zufrieden gibt, was er schon einmal erzählt hat.
Aus Herbert Günther: „Mein erstes Manuskript“

Übrigens…

Herbert Günther schrieb in den 1980er Jahren für das ZDF fünf Drehbücher für „Neues aus Uhlenbusch“. Er fand es interessant im Unterschied zur Arbeit an den Büchern Drehbücher im Teamwork zu verfassen. Dennoch liebt er seitdem umso mehr die Genauigkeit der Bücher.

Der Versteckspieler

Die Lebensgeschichte des Wilhelm Busch (1991)

Im Versteckspieler erzählt Herbert Günther mit kritischer Sympathie über den verletzlichen, mürrischen und oft einsamen Menschen Wilhelm Busch. Der Leser erfährt viel Persönliches über den bekannten deutschen Autor, der selbst seinen Geschichten wenig Bedeutung beimaß. Für Busch weitaus bedeutender waren seine Gemälde, die er aber ängstlich vor den Augen der Welt verbarg.

Herbert Günther zeichnet ein einfühlsames Bild von dem wahren Wilhelm Busch. Diesen Menschen, im Titel des Buches treffend als Versteckspieler bezeichnet, vermutet wohl kaum ein Leser hinter den bekannten skurrilen Zeichnungen und Versen.

Bereits die erste Seite des Buches, noch vor dem Beginn des ersten Kapitels, lässt den Leser nachdenklich und neugierig auf mehr werden. Abgedruckt sind eine Zeichnung von Wilhelm Busch, Feldweg bei Wiedensahl, und ein Busch-Zitat:
„Was weiß ich denn noch aus meinem dritten Jahr? Knecht Heinrich macht schöne Flöten für mich und spielt selber auf der Maultrommel, und im Garten das Gras fast so hoch wie ich, und die Erbsen sind noch höher; und hinter dem strohgedeckten Hause, neben dem Brunnen, stand ein Kübel voll Wasser, und ich sah mein Schwesterchen drin liegen wie ein Bild unter Glas und Rahmen, und als die Mutter kam, war sie kaum noch ins Leben zu bringen.“
(Wilhelm Busch in „Von mir über mich“)

Ehrungen

  • Daniel-Wunderlich-Preis der Literaturzeitschrift "Flattersatz" 1982 für den historischen Roman "Vermutungen über ein argloses Leben"
  • Friedrich-Bödecker-Preis 1996
  • Katholischer Kinder- und Jugendbuchpreis 2006, Sonderpreis für die Übersetzer Ulli und Herbert Günther für „Feuerschlucker“ von David Almond (Hanser Verlag 2005)
  • Nominierung für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2006 für die Übersetzung von „Feuerschlucker“ von David Almond

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Herbert Günther bei Jokers
  • Onkel Philipp schweigt, Jugendbuch, Georg Bitter Verlag, Recklinghausen 1974, ISBN-10: 379030185X, ISBN: 978-3790301854
  • Das Regentier kommt, Text zum Bilderbuch von Edith Schindler, Ravensburger Buchverlag, Ravensburg 1976, ISBN-10: 3473335452, ISBN: 978-3473335459
  • Unter Freunden, Jugendbuch, Georg Bitter Verlag, Recklinghausen 1976, ISBN-10: 3499202247, ISBN: 978-3499202247
  • Vermutungen über ein argloses Leben, Mit einem Protokoll von Gottfried August Bürger 1781, Arena Verlag, Würzburg 1982, ISBN-10: 3401039245, ISBN: 978-3401039244
  • Lieber Onkel Paul, Kinderbuch, Jugendbuch, Thienemann Verlag, Stuttgart 1984, ISBN-10: 3522138007, ISBN: 978-3522138000
  • Die beste aller möglichen Welten, 22 Erzählungen zu einer Behauptung, Jugendbuch, Herausgegeben von Hans-Christian Kirsch und Herbert Günther, Ravensburger Buchverlag, Ravensburg 1984, ISBN-10: 3473350249, ISBN: 978-3473350247
  • Elisa und der Schuhauszieher, Kinderbuch, Thienemann Verlag, Stuttgart 1985, ISBN-10: 3522150503, ISBN: 978-3522150507
  • Der Geburtstag des Indianers, Kinderbuch, Ravensburger Buchverlag, Ravensburg 1989, ISBN-10: 3473343862, ISBN: 978-3473343867
  • Ole und Okan, Kinderbuch, Friedrich Oetinger Verlag, Hamburg 1990, ISBN-10: 3789110043, ISBN: 978-3789110047
  • Die Köchin des Königs, Kinderbuch, Ravensburger Buchverlag, Ravensburg 1991, ISBN-10: 3473343331, ISBN: 978-3473343331
  • Hulle Hansen, kurz HuHa, Lachhafte Geschichten für Kinder, Rowohlt-rotfuchs, Reinbek 1991, ISBN-10: 3499206048, ISBN: 978-3499206047
  • Der Versteckspieler, Die Lebensgeschichte des Wilhelm Busch, Union Verlag, Fellbach 1991, ISBN-10: 3407808941, ISBN: 978-3407808943
  • Herbert Günther erzählt wie ein Fernsehfilm entsteht, Kinderbuch, Friedrich Oetinger Verlag, Hamburg 1992, ISBN-10: 3789175056, ISBN: 978-3789175053
  • Herbert Günther erzählt von Großvaters Kindheit, Kinderbuch, Friedrich Oetinger Verlag, Hamburg 1994, ISBN-10: 3789175161, ISBN: 978-3789175169
  • Die Reise zum Meer, Jugendbuch, Friedrich Oetinger Verlag, Hamburg 1994, ISBN-10: 3473581704, ISBN: 978-3473581702
  • Der erste Ferientag, Kinderbuch, Friedrich Oetinger Verlag, Hamburg 1995, ISBN-10: 3789110361, ISBN: 978-3789110368
  • Der Geheimbär, Kinderbuch, Georg Bitter Verlag, Recklinghausen 1995, ISBN-10: 3790305332, ISBN: 978-3790305333
  • Luftveränderung, Aus einer Kindheit 1957, Kinderbuch, Friedrich Oetinger Verlag, Hamburg 1998, ISBN-10: 3833418036, ISBN: 978-3833418037
  • Ein Sommer, ein Anfang, Jugendbuch, Friedrich Oetinger Verlag, Hamburg 1999, ISBN-10: 3789136026, ISBN: 978-3789136023
  • Leo, der Familienhund, Kinderbuch, Friedrich Oetinger Verlag, Hamburg 2001, ISBN-10: 3570214613, ISBN: 978-3570214619
  • Leo, ein Hund für alle Fälle, Kinderbuch, Friedrich Oetinger Verlag, Hamburg 2003, ISBN-10: 3789136093, ISBN: 978-3789136092
  • Leo, der Ferienhund, Kinderbuch, Friedrich Oetinger Verlag, Hamburg 2005, ISBN-10: 789136123, ISBN: 978-3789136122
  • Mach's gut Lucia!, Ein Geschichtenbuch über die Kinder der Welt, Reihe Hanser, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2006, ISBN-10: 3423622555, ISBN: 978-3423622554
  • Ein unmöglicher Freund, Boje Verlag, Köln 2008, ISBN: 978-3414820662

Kontakt

Herbert Günther
Vor dem Ellershagen 5
D-37133 Friedland

Tel. (0 55 04) 19 64
E-Mail: Herbert_Guenther@gmx.de

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