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Hörbuch

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Hörbücher können als eine neue Form des Lesens angesehen werden. Etwa seit dem Jahr 2000 steigt der Bekanntheitsgrad der Gattung Hörbuch rasant an und zeigt ein Wachstum wie sonst nirgends in der Buchbranche. Der Begriff ist inzwischen weithin geläufig. Was ein Hörbuch jedoch genau ist, darüber gibt es die verschiedensten Meinungen.

Foto: Doatsch / pixelio.de

Definitionen

Die meisten Hörbuch-Hörer nehmen den Begriff wörtlich: Die CD? als gesprochenes Buch, also als einfache Lesung. Aber ist ein Hörspiel, das sich wie eine Verfilmung mit eigener Interpretation durchaus von der Buchvorlage entfernen kann, dann überhaupt ein Hörbuch? Der größte Verlag für Hörbücher, der Hörverlag in München, versucht schon seit geraumer Zeit, den Begriff Hörbuch sinnvoll als Oberbegriff einzuführen für jede Audiofassung von Büchern. Unter diesen Begriff fallen laut Hörverlag folgende vier Untergattungen:

  1. Die klassische Lesung, in der das Buch in gekürzter oder ungekürzter Fassung von einem oder mehreren Sprechern vorgelesen wird. Sind mehrere Sprecher? beteiligt, wird von einer inszenierten Lesung gesprochen. Auch kann die Lesung mit Geräuschen und/oder Musik unterlegt werden.
  2. Das Hörspiel, für das die Buchvorlage in ein eigenes Skript? umgeschrieben wird, sofern es sich nicht um ein Original-Hörspiel oder ein Film-Drehbuch handelt. Das Hörspiel wird aufwändig mit verschiedenen Sprechern besetzt, mithilfe eines Regisseurs inszeniert und in der Postproduktion mit Geräuschen und Musik unterlegt.
  3. Das Feature, meist von den Rundfunkanstalten produziert, das Sachthemen unterhaltsam mit Erzähler, Interviews und sogenannten O-Tönen aufbereitet und statt einem Buch ein eigens hierfür geschriebenes Skript zur Grundlage hat.
  4. Die O-Ton-Collage, die nur mit Originaltönen arbeitet und sie kunstvoll zusammenschneidet.

Vor allem die ersten beiden Hörbuch-Gattungen erfreuen sich großer Beliebtheit – je berühmter die Sprecher?, desto besser - wobei das Hörspiel in Produktion und Verkauf sehr viel teurer ist als eine Lesung und deutlich weniger gekauft wird.

Geschichte

Seinen eigentlichen Ursprung hat das Hörbuch in der alten, interkulturellen Tradition des mündlichen Erzählens von Geschichten, insofern ist die Idee älter als das Buch. Das Vorlesen von Büchern jedoch fällt sicher mit deren Entstehungszeit unmittelbar zusammen. Nur konservieren konnte die Stimmen niemand, bis Ende des 19. Jahrhunderts die dafür notwendige Aufnahmetechnik entwickelt wurde, nicht zuletzt für Blinde bis heute ein Segen. Viele alte Perlen von Lesungen oder Hörspielen sind inzwischen aus den Tiefen der Rundfunkarchive hervorgeholt und von diversen Hörbuchverlagen verlegt worden. Diese alten Hörspiele wurden seinerzeit noch wie ein  Theaterstück geprobt und dann live vom Studio ins Radio übertragen.

Doch schon in den 1970er Jahren entwickelte sich neben dem Rundfunk eine eigenständige Vermarktung von Lesungen und Hörspielen – die große Zeit der sogenannten „Kassettenkinder“ brach an. Durch das berühmte Europa-Label wurden zunächst vor allem Märchenschallplatten produziert, später kamen so bekannte Jugendhörspielserien hinzu wie „Die drei Fragezeichen“, „TKKG“ und „Fünf Freunde“, die heute nach 40 Jahren immer noch aufgelegt und produziert werden.

Nach einer Flaute in den 1990ern explodierten dann auf einmal Angebot und Nachfrage nach Hörbüchern derart, dass seitdem unzählbar viele kleine und große Hörbuchverlage entstanden sind. Die kleineren Verlage konzentrieren sich auf verlagseigene Produktionen, die größeren mischen ihr Angebot mit Perlen des Rundfunks. Seit 2010 scheint die Hörbuchnachfrage nicht weiter anzuwachsen, während jedoch die Angebote im Internet mit Download-Möglichkeiten weiterhin stark anwachsen.

Seit drei Jahren analysiert die zweimonatliche, unabhängige Zeitschrift? „Hörbücher“ den Markt, rezensiert Hörbücher aller Art und möchte so den vielen Fans dieses Genres das Auswählen erleichtern.

Markt

Die Präsenz von Hörbüchern in Buchhandlungen ist seit 2000 rasant angestiegen. In den großen Filialen wird das gesamte Spektrum von Krimi, Horror?, Fantasy, Märchen, Comedy?, Reisen, Kochen? etc. bis zur hohen Literatur als Lesung und Hörspiel angeboten; sogar eigene Hörbuchhandlungen wurden eröffnet, ganz zu schweigen von Angeboten in Supermärkten und Tankstellen oder den ganz speziellen Hörbuch-Hotels.

Etliche Großveranstaltungen sind extra für das Hörbuch-Genre entstanden oder haben sich um das Hörbuch-Angebot erweitert. Auf den großen Buchmessen in Leipzig und Frankfurt wächst der Verlags- und auch Besucherandrang jedes Jahr in den Hörbuch-Hallen an, und der große Leipziger Hörspielsommer? bietet mit seinem Wettbewerb Möglichkeiten für Newcomer. Auch zahlreiche Hörbuch-Preise? entstanden. So zum Beispiel der Deutsche Hörbuchpreis?, in seiner Bedeutung vergleichbar mit dem Deutschen Filmpreis.

Trotz der hohen Nachfrage müssen die meisten Hörbuchverlage um ihr Überleben kämpfen und stecken viel Energie und Kreativität in außergewöhnliche Designs – sei es die CD im Osterei oder der Adventskalender zum Hören, sei es eine aufklappbare Landkarte als Booklet oder das Blechherz mit Rosenduft.

Der stärkste Faktor für einen Kauf ist allerdings meistens die Prominenz der Sprecher. Daher werden gerne bekannte Fernseh-Schauspieler ausgewählt, die aber nicht immer auch gute Sprecher sind. Auch Synchronstimmen erfreuen sich großer Beliebtheit, weil sie mit ihren synchronisierten Filmrollen identifiziert werden. Allerdings sprechen sie oft etwas gekünstelt bzw. übertrieben und werden daher gerne für die Genres Krimi oder Horror gewählt.

Ausblick

Das Hörbuch hat sich auf dem Markt endgültig etabliert. Es bietet für Blinde wie für Sehende, für Kinder wie für Erwachsene, für Buch- wie für Filmfans ein unschätzbar vielfältiges Angebot an Themen und Genres. Es bietet einer Gesellschaft, die sich so stark an dem oberflächlicheren Sehsinn orientiert, eine tiefergehende echte Alternative durch konzentriertes Hinhören und Sich-Wegträumen. Es lässt Freiraum für die eigene Fantasie und Vorstellungskraft und steht damit genau zwischen Buch und Film. Dieses Medium wird sicherlich noch lange seine jetzige Bedeutung behalten.

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