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Joyce, James

James Joyce (geb. 2. Februar 1882 in Dublin; gest. 13. Januar 1941 in Zürich) war ein irischer Schriftsteller. Seine bedeutendsten Bücher sind „Dubliner“ (1914), „Porträt des Künstlers als junger Mann“ (1916) und „Ulysses“ (1922). Er gilt als einer der wichtigsten Autoren des 20. Jahrhunderts.

Leben und Schreiben

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James Augustin Aloisius Joyce wurde am 2. Februar 1882 in Rathgar, einem Vorort von Dublin, geboren. Er war der älteste Sohn eines Zinseintreibers und wuchs mit neun Geschwistern in einer streng katholischen Familie auf. Da die Eltern die Ausbildung ihrer Kinder nur teilweise finanzieren konnten, schickten sie James in verschiedene Jesuiten-Schulen. Er war für den Priesterberuf vorgesehen und wurde unter anderem im Jesuiten-College Clongowes Wood erzogen. Joyce glänzte in der Schule zwar durch gute Leistungen, geriet aber mit den Jesuiten in Konflikte, da er den strengen religiösen Zwang ablehnte und sich vom katholischen Glauben abwendete.

Von 1898 bis 1902 studierte Joyce Literatur und Sprachen am katholischen University College in Dublin, das zur damaligen Zeit ebenfalls von Jesuiten geführt wurde. Besonders stark beeindruckten ihn die Werke von Thomas von Aquin? und Aristoteles?. 1900 erschien seine erste Rezension „Ibsen’s New Drama“ in einer Londoner Zeitschrift?. Aufgrund dieses Erfolgs soll er beschlossen haben, Schriftsteller zu werden. Außerdem veröffentlichte er 1901 unter dem Titel „The Day of Rabblement“ einen Angriff auf William Butler Yeats? und das irische Theater. Er beklagte, dass man es in Irland versäume, die dramatischen Meisterwerke des europäischen Kontinents aufzuführen. Dabei dachte er unter anderem an den deutschen Dramatiker? Gerhart Hauptmann.

Als James Joyce 20 Jahre alt war, sagte er sich von der Kirche los und ging nach Paris, wo er zwei Jahre lang Medizin und Naturwissenschaften studierte. Daneben befasste er sich eingehend mit der Literatur des Realismus und Symbolismus. 1903 kehrte er für kurze Zeit nach Irland zurück und arbeitete als Lehrer an einer Dubliner Privatschule. Nebenbei schrieb er an seinem ersten Roman, der später unter dem Titel „A Portrait of the Artist as a Young Man“ (1916; dt. „Porträt des Künstlers als junger Mann“, 1926) veröffentlicht wurde. Am 16. Juni 1904 beginnt Joyce eine Beziehung mit Nora Barnacle. Dieses Datum verewigte er später in seinem Roman „Ulysses“ als „Bloomsday“. Im Oktober 1904 verließen Joyce und Barnacle Irland und siedelten nach Italien über.

„Dubliner“ (1914)

Im Jahr 1914 veröffentlichte Joyce unter dem Titel „Dubliners“ (1914; dt. „Dubliner“, 1928) einen Band mit Kurzgeschichten, der seinen Ruhm als einer der innovativsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts begründete. In 15 düsteren Kurzgeschichten versucht Joyce, mit Hilfe von symbolischen und naturalistischen Techniken den geistig-moralischen Zustand Dublins um die Jahrhundertwende darzustellen. Die Geschichten des Bandes spielen in dem Milieu?, dem Joyce selbst entstammte und das er durch die Darstellung typischer Charaktere? und beispielhafter Situationen heraufbeschwört. Wie bei Tschechow? haben die meisten Geschichten einen schwebenden Ausgang, so dass der Leser selbst zur Vollendung beitragen muss. „Dubliners“ gilt als das erste literarische Zeugnis der Hassliebe, mit der Joyce seiner Vaterstadt zeitlebens verbunden war. In Irland verursachte die Veröffentlichung des Buches einen großen Skandal. Joyce’ Landsleute verbrannten die erste Auflage? auf dem Scheiterhaufen!

„Ein Porträt des Künstlers als junger Mann“ (1916)

Während des Ersten Weltkriegs siedelte Joyce mit seiner Familie in die neutrale Schweiz über. In Zürich gab er Privatstunden in Englisch und begann mit der Arbeit an verschiedenen literarischen Werken. 1916 erschien sein erster Roman „A Portrait of the Artist as a Young Man“ (1916; dt. „Ein Porträt des Künstlers als junger Mann“, 1926) in Buchform, der zuvor in Fortsetzungen? in der britischen Zeitschrift? „The Egoist“ veröffentlicht worden war. Der Roman ist stark autobiographisch geprägt. Er stellt in einem objektiven, realistischen und sehr nüchternen Erzählton die intellektuelle und emotionale Entwicklung des jungen Stephen Dedalus dar. Die besondere Qualität des Romans liegt darin, dass die Geschichte vollständig aus Stephens Perspektive erzählt wird und der Erzähler dabei Stephens Sprachstil in allen Entwicklungs- und Bewusstseinsstufen übernimmt – vom gelallten „Dada“ des Kindes bis zu abstrakten Gedankenkombinationen des Studenten.

„Ulysses“ (1922)

Im Februar 1922 wurde Joyce’ Meisterwerk „Ulysses“ (1922; dt. 1927) von der Besitzerin einer englischen Buchhandlung in Paris in zensierter? Form als Buch veröffentlicht. Schon 1907 war Joyce die Idee zu dem Buch gekommen, an dem er von 1914 bis 1921 schrieb und für das er zunächst keinen Verleger finden konnte. In England und in den USA war es aufgrund „obszöner“ Textstellen jahrelang von der Zensur? verboten. Im „Ulysses“ werden die Erlebnisse, Gedanken und Empfindungen des Anzeigenmaklers Leopold Bloom, seiner Frau Marion und des jungen Stephen Dedalus am 16. Juni 1904 („Bloomsday“) in Dublin geschildert. Die 18 epischen und dramatischen Kapitel des Buches stehen in symbolhaften Beziehungen zu Ausschnitten aus Homers „Odysseus“. Aufgrund seiner erzählerischen Vielschichtigkeit ist „Ulysses“ eines der bahnbrechenden literarischen Werke des 20. Jahrhunderts: Epos, Reportage?, Essay, Chronik?, Satire und Entwicklungsroman zugleich. Die Schriftsteller Ezra Pound? und Valéry Larbaud? gehörten zu den ersten Bewunderern des Buches, das erst Jahre nach seinem Erscheinen größere Verbreitung fand.

„Finnegans Totenwache“ (1939)

In den Jahren von 1922 bis 1940 lebte Joyce weiter in Paris und arbeitete an dem Roman „Finnegan’s Wake“ (1939; dt. „Finnegans Totenwache“, 1989). Nach der Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg zog Joyce mit seiner Familie zurück nach Zürich, wo er am 13. Januar 1941 starb.

Würdigung

James Joyce gilt als einer der bedeutendsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Mit seinem umfangreichen Werk?, vor aber allem mit „Ulysses“, nahm er auf die Entwicklung des modernen Romans erheblichen Einfluss. Bahnbrechend war das neue Stilmittel des „streams of consciousness“ (Bewusstseinsstrom), das die Gedanken und Gefühle der Figuren unmittelbar und ungefiltert wiedergibt. Joyce’ Rebellion gegen traditionelle epische Formen geht zum Teil auf die jahrelange Auseinandersetzung mit der Psychoanalyse Sigmund Freuds zurück. Joyce’ Simultanstil?, das Nebeneinander isolierter Gedanken, Gesprächsfetzen und vielfältigen Geschehens wurde richtungweisend für die Literatur des 20. Jahrhunderts.

Übrigens ...

... wird der 16. Juni als „Bloomsday“ alljährlich von einer internationalen James-Joyce-Fangemeinde gefeiert.

Werke (Auswahl)

Hörbücher

  • Suchers Leidenschaften. James Joyce. Eine Einführung in Leben und Werk. CD. Argon Verlag, Berlin 2007, ISBN: 978-3866103986

Sekundärliteratur

  • Burgess, Anthony: Joyce für Jedermann. Eine Einführung in das Werk von James Joyce für den einfachen Leser. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004, ISBN: 978-3518456088
  • Ellmann, Richard: James Joyce. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1999, ISBN: 978-3518395851
  • Power, Arthur: Gespräche mit James Joyce. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1999, ISBN: 978-3518391877

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