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Kehlmann, Daniel

Daniel Kehlmann (geb. 13. Januar 1975 in München) ist ein deutschsprachiger Schriftsteller. Für seine Romane und Erzählungen, die in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt wurden, erhielt er zahlreiche Auszeichnungen.

Leben und Schreiben

Daniel Kehlmann wurde am 13. Januar 1975 in München geboren. Sein Vater war Regisseur, seine Mutter Schauspielerin. 1981 siedelte die Familie nach Wien über. Dort wohnten die Überlebenden aus der Verwandtschaft des Vaters, die durch den Holocaust nahezu ausgerottet worden war. Daniel Kehlmann besuchte eine Jesuitenschule. Von 1993 bis 1999 studierte er Philosophie und Germanistik? an der Universität Wien. Die Dissertation über „Kants Begriff des Erhabenen“ vollendete Kehlmann nicht. Er gab der literarischen Laufbahn den Vorzug.

Daniel Kehlmann war 22 Jahre alt, als sein Debütroman? „Beerholms Vorstellung“ (1997) erschien. Darin erzählt er die fiktive Lebensgeschichte des Magiers und besten Illusionskünstlers aller Zeiten, Arthur Beerholm. Aufstieg und Fall einer außergewöhnlichen Persönlichkeit, das Scheitern an dem Widerspruch zwischen Sein und Schein, zwischen Wirklichkeit und Phantasie – das ist das Thema? des Romans. Ein Thema, das Daniel Kehlmann in seinen folgenden Romanen variieren sollte. Für „Beerholms Vorstellung“ wurde er mit dem Förderpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft? ausgezeichnet.

Der Erzählband „Unter der Sonne“ (1998) rief bei der Fachkritik ein geteiltes Echo hervor. Man war sich zwar einig, dass Kehlmann erzählerisches Talent besitze; gleichzeitig wies man aber darauf hin, dass seine sprachliche Entwicklung jetzt nicht abbrechen dürfe. Im Mittelpunkt der sechs Erzählungen stehen Menschen, die an ihrer alltäglichen Existenz leiden und fast zu Grunde gehen. Sie leben in der Hoffnung auf ein Ereignis, das ihr unerfülltes Dasein radikal verändert. Nur ein Jahr später erschien Kehlmanns zweiter Roman „Mahlers Zeit“ (1999), der in das Leben des jungen Physikers David Mahler führt. Vier Jahre hat sich Mahler, ein belächelter Außenseiter im Wissenschaftsbetrieb, mit dem Problem der Zeit beschäftigt. Plötzlich – mitten in der Nacht, in einem Traum - wähnt er sich in der Lage, ihren Lauf umzukehren. Gelingt es Mahler, sich Gehör zu verschaffen? Und wie reagieren die Menschen, wenn sie auf einmal in der Lage sind, in die Zukunft zu blicken?

2003 veröffentlichte Kehlmann den satirischen Roman „Ich und Kaminski“. Sebastian Zöllner, der Held des Romans, hat sein Studium der Kunstgeschichte abgeschlossen und versucht, im Kunstbetrieb Fuß zu fassen. Vergeblich. Dann bietet sich ihm die Möglichkeit, eine Biographie über den alten, einstmals berühmten Maler Kaminski zu schreiben. Zöllner wittert die Chance seines Lebens. Aus dem Zusammentreffen von Zöllner und Kaminski ergibt sich eine wechselvolle Geschichte, die ihre Spannung –wie so oft bei Kehlmann - aus dem virtuosen Spiel mit dem Sein und Schein im Leben der Menschen zieht.

"Die Vermessung der Welt" (2005)

2005 wurde Daniel Kehlmann mit dem Candide-Preis? ausgezeichnet. Im selben Jahr erschien sein Roman „Die Vermessung der Welt“, der ihn zu einem international beachteten Erfolgsschriftsteller machte. Die Frankfurter Rundschau bezeichnete das Buch, das 2005 für den Deutschen Buchpreis nominiert wurde, als „Geniestreich“. Er wurde in mehreren 100.000 Exemplare verkauft. In dem Roman, der gegen Ende des 18. Jahrhunderts spielt, werden die Lebensläufe der beiden deutschen Wissenschaftler Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß miteinander verknüpft. Dennoch ist das Buch keine wissenschaftliche Biographie, sondern ein spannender und geistreicher Unterhaltungsroman?, der zwischen dem Urwald, der Steppe und dem idyllischen Städtchen Göttingen angesiedelt ist.

Der Roman - dessen Figuren übrigens ausschließlich in der indirekten Rede sprechen, was die Lektüre kein bisschen erschwert! - ist auch als Hörbuch erhältlich.

In der 2005 publizierten Essaysammlung „Wo ist Carlos Montúfar?“ gibt Daniel Kehlmann Auskunft über sein eigenes Schreiben. Außerdem äußert er sich in dem Band über bekannte Autoren aus Europa und Amerika.

2008 - Jahr der Preise und Debatten

Im Jahr 2008 erhielt Daniel Kehlmann den Thomas-Mann-Preis?. Die Jury würdigte Kehlmann als "scharfsinnigen Essayisten und klugen Geschichtenerzähler, dessen Romane und Novellen mit artistischer Verve und in leichtfüßiger Nachfolge Thomas Manns mit Humor, Ironie und tieferer Bedeutung ihre sehr ernsten Scherze treiben." Der Preis wird alle drei Jahre verliehen und geht an Persönlichkeiten, die "die sich durch ihr literarisches oder literaturwissenschaftliches Wirken ausgezeichnet haben im Geiste der Humanität, die das Werk von Thomas Mann prägte".

Im September 2008 erhielt Kehlmann den Per-Olov-Enquist-Preis?, der von den internationalen Verlagen des schwedischen Schriftstellers Enquist Per Olov? 2005 gestiftet worden ist. Nahezu zeitgleich schlug er in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" vor, den Deutschen Buchpreis abzuschaffen: "Ein solches Spektakel mag die Umsätze des Buchhandels erhöhen, für die Literatur ist es bedauerlich und für die Schriftsteller, die ja niemand gefragt hat, ob sie sich einer solchen Prozedur unterwerfen möchten, eine Quelle der Sorge und der Depression." Gottfried Honnefelder?, Börsenvereins-Vorsteher? und Vorsitzender der Akademie Deutscher Buchpreis, antwortete ihm in einem offenen Brief?, er könne verstehen, dass die Form der Auswahl für manche oder viele Autoren belastend sei. Aber für die Leser könne der Preis Bereicherung und Hilfe darstellen. Im Übrigen gebe es literarischen Erfolg und Öffentlichkeit für Schriftsteller auch neben dem Deutschen Buchpreis.

"Ruhm" (2009)

Nach der "Vermessung der Welt" wurde Daniel Kehlmanns nächstes Buch mit Spannung erwartet. Es erschien 2009 unter dem Titel "Ruhm. Ein Roman in neun Geschichten" und versammelt neun Erzählungen. Kehlmann hat sie nach eigener Aussage in der Reihenfolge geschrieben, in der sie im Buch stehen. Sein Anliegen war es, dass die Geschichten sich gegenseitig durchdringen. Ausgangspunkt ist ein Handykauf. Sofort bekommt der Käufer Anrufe, die nicht ihm gelten. Sie verlocken ihn dazu, die Identität des Unbekannten anzunehmen, den die Anrufer meinen.

Identität ist denn auch ein wichtiges Thema in "Ruhm" - Identität, die durch Rollen entsteht und dementsprechend beeinflussbar ist, wenn die Rollen gewechselt oder gar getauscht werden. Zu den Verwirrungen, die der Roman absichtlich erzeugt, gehört es auch, dass eine der Figuren beginnt, mit dem fiktiven Autor, also dem allmächtigen Erzähler, über ihr Schicksal zu rechten - er muss sie nämlich sterben lassen und kann ihr nur versprechen, dass es nicht wehtun wird ... Kehlmann selbst sah in dieser Geschichte ("Rosalie geht sterben") die beste seines Buches.

Die Literaturkritik reagierte jedoch verhalten auf das neue Werk, und auch auf diese Geschichte. Man monierte das Typisierte der Figuren, gestand dem Autor aber immerhin das Problem des Folgebuches zu. Die Kritik verhinderte nicht den Erfolg des Buches. Bereits Ende Januar 2009 stand es auf Platz eins der Spiegel-Bestsellerliste. Im Jahr 2010 erhielt Kehlmann dafür den Prix Cévennes.

zur Rezension von "Ruhm" im Bücher-Wiki

Im Jahr 2013 erschien der Roman "F", die Geschichte dreier Brüder. Es stand auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2013.

Daniel Kehlmann lebt in Wien. Neben seiner literarischen Arbeit ist er als Rezensent für verschiedene Zeitungen tätig.

Übrigens ...

Im März 2006 erschien in der Süddeutschen Zeitung eine „Resolution der Schriftsteller zur Orthographie“. Die 19 Autoren, die den Artikel unterzeichnet haben, kündigen darin an, dass sich ihre Literatur nicht nach den von staatlicher Seite vorgeschriebenen und immer wieder reformierten Regeln richten werde: „Wir jedenfalls werden unsere Bücher weiter in der Schreibweise drucken lassen, die wir für richtig halten.“ Einer der 19 Autoren war Daniel Kehlmann.

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Daniel Kehlmann bei Jokers
  • Beerholms Vorstellung. EA 1997. Rowohlt Verlag, Reinbek 2007, ISBN: 978-3499245497
  • Der fernste Ort. EA 2001. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004, ISBN: 978-3518456279
  • Die Vermessung der Welt. EA 2005. Rowohlt Verlag, Reinbek 2005, ISBN: 978-3498035280
  • Diese sehr ernsten Scherze. Poetikvorlesungen (Göttinger Sudelblätter). EA 2007. Wallstein Verlag, Göttingen 2007, ISBN: 978-3835301450
  • Ich und Kaminski. EA 2003. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004, ISBN: 978-3518456538
  • Mahlers Zeit. EA 1999. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2001, ISBN: 978-3518397381
  • Unter der Sonne. EA 1998. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2000, ISBN: 978-3518396308
  • Wo ist Carlos Montúfar? Über Bücher. EA 2005. Rowohlt Verlag, Reinbek 2005, ISBN: 978-3499241390
  • (zusammen mit Sebastian Kleinschmidt) Requiem für einen Hund. EA 2008, Matthes & Seitz, Berlin 2008, ISBN: 978-3882217353
  • Ruhm. Ein Roman in neun Geschichten. EA 2009, Rowohlt Verlag, Reinbek 2009, ISBN: 978-3498035433
  • Lob. Über Literatur. EA 2010. Rowohlt Verlag, Reinbek 2010, ISBN: 978-3498035488
  • F. Roman. EA 2013

Hörspiele

  • Beerholms Vorstellung. 4CDs. Universal Music, Berlin 2007, ISBN: 978-3829120117
  • Die Vermessung der Welt. 5CDs. Universal Music, Berlin 2005, ISBN: 978-3829115407
  • Ich und Kaminski. 3CDs. Universal Music, Berlin 2006, ISBN: 978-3829117623
  • Wo ist Carlos Montufar? Über Bücher. 2CDs. Universal Music, Berlin 2006, ISBN: 978-3829117630
  • Ruhm: Ein Roman in neun Geschichten. CD. Universal Mucic, Berlin 2009, ISBN: 978-3829122597

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