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Lengefeld, Carl Christoph von

Carl Christoph von Lengefeld (geb. 15. Mai 1715 in Rudolstadt; gest. 3. Oktober 1775 ebd.) war einer der Pioniere der modernen Forstwissenschaft, Sachbuchautor - und Schillers Schwiegervater.

Leben und Schreiben

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Carl Christoph von Lengefeld wurde sein grüner Beruf schon mit in die hölzerne Wiege gelegt. Denn zur Welt kam er am 15. Mai 1715 als Sohn des Landeshauptmanns und Oberforstmeisters Berndin Alexander von Lengefeld. Mit achtzehn Jahren begann er seine forstliche Lehrzeit in Paulinzella, unmittelbar neben der Ruine des berühmten Benediktinerklosters. 1737 wurde er zum Hof- und Jagdjunker ernannt und bereits drei Jahre später zum Oberforstmeister für die gesamte Oberherrschaft des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt.

Bis zu seiner Einbeziehung in den neugegründeten Freistaat Thüringen am 1. Mai 1920 bestand dieses Fürstentum aus zwei getrennten Landesteilen und war noch im wilhelminischen Kaiserreich der mit Abstand waldreichste deutsche Bundesstaat. Nach der Statistik von 1901 bedeckten seine Wälder 43,9 % der Landesfläche; in der Oberherrschaft, für die v. Lengefeld ab 1740 verantwortlich war, betrug ihr Anteil sogar 48,2 %. Mitte des 18. Jahrhunderts befanden sie sich jedoch – wie in ganz Mitteleuropa - als Folge eines jahrhundertelangen Raubbaus in einem ziemlich desolaten Zustand.

Von Lengefeld ging sofort daran, die ihm unterstellten Forste neu zu vermessen und einzurichten, d. h. ihre Bewirtschaftung langfristig zu planen. Dabei war er zunächst weitgehend auf sich allein gestellt. Auch fehlten ihm hierfür sämtliche Grundlagendaten; selbst die Größe, Lage und Abgrenzung der Waldungen war in vielen Fällen nur sehr vage bekannt. Er meisterte die selbstgewählte Aufgabe dennoch mit Bravour und entwickelte sogar ein neues Messrad mit einem Umfang von einer halben Schwarzburger Landrute, was ca. 2,26 m entsprach.

1744 wurden seine Bemühungen und bisherigen Erfolge durch eine schwere Erkrankung in Frage gestellt. Wahrscheinlich ein Schlaganfall, möglicherweise aber auch ein Unfall, verursachte eine Lähmung des rechten Armes und des linken Beines, die er zeitlebens beibehielt. Daneben führten auch seine wissenschaftlichen Arbeiten und die forstliche „Entwicklungshilfe“, die er mit Billigung seines Landesherrn im gesamten Deutschen Reich leistete, zu unvorhersehbaren Verzögerungen. So sollte es bis 1757 dauern, ehe er seine „Umständliche Jagdgrenzbeschreibung von 8 Frstl. Schwarzburgischen Forsten” fertiggestellt hatte.

1759 wurden ihm zusätzlich die unterherrschaftlichen Staatsforste übertragen. Hier machte er sich ebenfalls unverzüglich an eine Inventur und konnte diese Dank seiner großen Erfahrung und der geschulten Mitarbeiter, über die er inzwischen verfügte, schon 1762 abschließen.

Theoretiker der Forstwissenschaft

Indes begnügte sich Carl Christoph von Lengefeld nicht damit, die ihm anvertrauten Wälder zu sanieren und einer vorbildlichen Bewirtschaftung zuzuführen. Vielmehr schrieb er seine Erkenntnisse auch nieder und stellte sie damit der aufblühenden Forstwissenschaft zur Verfügung. Schon 1739 veröffentlichte? er sein erstes Werk?, ein Lehrbuch? für angehende Förster unter dem Titel „Nötigste Wissenschaft eines Jägers”.

Später folgten Abhandlungen? wie „Von der Eiche und Buche”, „Forstanmerkungen zum Gebrauch in Niedersachsen” und „Erste Grundlinie der Forstwirtschaft.“ Leider wurden fast alle nur handschriftlich? vervielfältigt und blieben dadurch bis heute einem größeren Publikum vorenthalten. So existierten von seinem Traktat? über den „verlohrnen Werth der Jagd- und Forstwissenschaften” aus dem Jahr 1745 lediglich elf Exemplare. Das einzige Buch Lengefelds, das je gedruckt? wurde, waren seine 1748 verfassten „Anmerkungen von denen auf dem Thüringer Walde bekanntesten drey Arten Nadelhölzern; als der Tanne, Fichte und des Kienbaums …”

Wunschkandidat des Alten Fritz

Die bescheidenen Auflagen? seiner Werke und seine praktischen Erfolge reichten dennoch aus, um ihn in forstlichen Kreisen weit über die Grenzen seiner Heimat hinaus bekannt zu machen. Schon 1749 führte er eine Forsteinrichtung für Markgraf Friedrich Wilhelm v. Brandenburg-Schwedt durch. 1761/62 untersuchte er im Auftrag von Herzogin Anna Amalia? die Sachsen-Weimarischen Wälder, 1764 die der Freien Reichsstadt Mühlhausen, 1765 die des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg und 1767/68 die des Fürstentums Schwarzburg-Sondershausen.

Zum Höhepunkt seiner Karriere hätte ein Angebot Friedrichs des Großen werden können, der ihm Anfang 1763 die Leitung der preußischen Forstverwaltung übertragen wollte. Die Bedingungen hierfür waren äußerst lukrativ: ein Jahresgehalt von 6000 Talern, eine Wohnung in Berlin, freier Vorspann auf Reisen und der König selbst als einziger Vorgesetzter. Dazu der wohlklingende Titel eines „Grand Maître des Forêts de Sa Majesté le Roi de Prusse“. Bei einer Audienz im Februar 1763 stellte ihm Friedrich sogar noch weitergehende Vergünstigungen in Aussicht.

Von Lengefeld lehnte trotzdem ab. Entscheidend hierfür dürften in erster Linie sein angeschlagener Gesundheitszustand und die aus heutiger Sicht unvorstellbaren Schwierigkeiten bei einem Umzug ins 300 km entfernte Berlin gewesen sein. Hinzu kam, dass gerade zu diesem Zeitpunkt seine älteste Tochter Karoline geboren wurde. Immerhin erstellte er im Auftrag des Königs ein Reformpapier? für die preußische Forstverwaltung unter der zeitgemäß-umständlichen Überschrift? „Alleruntertänigst ohnmaßgebliche Gedanken, was bei einer Walduntersuchung und neuen Einrichtung teils vorauszusetzen, teils aber dabei zu beachten sein möchte”. Ferner erklärte er sich bereit, eine kommissarische Untersuchung der preußischen Wälder zu leiten, die jedoch an organisatorischen Problemen scheitern sollte.

Berühmte Töchter

Carl Christoph von Lengefeld starb am 3. Oktober 1775, der zugleich sein 14. Hochzeitstag war. Fünfzehn Jahre später vermählte sich seine Tochter Charlotte? mit dem (damals noch nicht geadelten) Friedrich Schiller. Ihre ältere Schwester Karoline?, inzwischen eine Verheiratete von Wolzogen, machte selbst als Schriftstellerin Karriere und sich mit einem 1830 veröffentlichten Werk über ihren prominenten Schwager einen Namen als Schiller-Biographin.

Das Erbe ihres Vaters ist zwar weniger schillernd, aber gerade unter aktuellen Schlagworten wie Nachhaltigkeit und Ressourcenmanagement nicht minder bedeutungsvoll. Seine revolutionären Erkenntnisse, wie die Forderung, dass einer Neuanpflanzung immer eine genaue Erkundung des Bodens und der Wasserverhältnisse vorausgehen müsse, stellen ihn in eine Reihe mit anderen forstlichen Klassikern und machen ihn zu einem der ersten modernen Forstleute überhaupt.

Übrigens …

... war die Lengefeldsche Försterdynastie mit dem Tode Carl Christophs nicht zu Ende: Auch sein Enkel Karl von Schiller blieb der grünen Zunft treu - als königlich-württembergischer Oberförster in der Heimat seines großen Vaters.

Werke

  • "Nötigste Wissenschaft eines Jägers" (1739)
  • "Über den verlohrnen Werth der Jagd- und Forstwissenschaften" (1745)
  • "Anmerkungen von denen auf dem Thüringer Walde bekanntesten drey Arten Nadelhölzern; als der Tanne, Fichte und des Kienbaums, welche zur Vermehrung der Waldungen vieles beytragen mögten." (1745, gedruckt 1762)
  • "Forstanmerkungen zum Gebrauch in Niedersachsen" (1752)
  • "Von der Eiche und Buche" (1755)
  • "Zufällige Gedanken vom Ober- und Unterstamm oder Buschholz, wie solche anzubauen, einzuteilen, abzutreiben und zu nutzen, in sechs kurzen Abhandlungen" (1755)

Sekundärliteratur

  • v. Lengefeld, Selma: Carl Christoph v. Lengefeld, Schwarzburg-Rudolstädter Oberforstmeister. In: Zweiunddreißigster Rechenschaftsbericht des Schwäbischen Schillervereins Marbach-Stuttgart, S. 15 - 46. Buchdruckerei Ernst Klett. Stuttgart, 1928
  • v. Lengefeld, Selma: Carl Christoph v. Lengefeld und die Thüringer Forstwirtschaft. In: „Thüringen“, Jahrgang 3, Heft 10, S. 149 - 154. Stiftung für Heimatschutz in Weimar, 1928
  • Deubler, Heinz: Carl Christoph von Lengefeld und seine Rudolstädter Jagdgrenzbeschreibung vom Jahre 1757. Rudolstädter Heimathefte, 16. Jahrgang, Heft 1/2, S. 17 - 23, Rudolstadt, 1970
  • Thoms, Peter: Der Stadtwald der Freien Reichsstadt Mühlhausen im 18. Jahrhundert und dessen forstwissenschaftliche Betrachtung durch Carl Christoph v. Lengefeld. Diplomarbeit an der Fachhochschule für Forstwirtschaft Schwarzburg/Thüringen. Schwarzburg, 1994
  • Witticke, Helmut: Carl Christoph von Lengefeld - ein bedeutender Forstmann im Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt. Jahrbuch des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt 1998, S. 218-223

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