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Lenz, Siegfried

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Siegfried Lenz (geb. 17. März 1926 in Lyck/Ostpreußen) ist ein deutscher Schriftsteller. Seine Romane, Erzählungen, Essays und Theaterstücke, von denen viele auch erfolgreich verfilmt wurden, erreichten eine Gesamtauflage? von mehr als 25 Millionen.

Am bekanntesten im In- und Ausland ist sein 1968 veröffentlichter Roman „Deutschstunde“.

Leben und Schreiben

Siegfried Lenz wurde am 17. März 1926 als Sohn eines Beamten in Lyck/Ostpreußen geboren. Nach dem frühen Tod des Vaters zog die Mutter mit Lenz’ Schwester von Lyck weg und ließ den gerade schulpflichtig gewordenen Siegfried bei der Großmutter zurück. Als er 17 Jahre alt war, machte er das Notabitur und wurde zur Kriegsmarine einberufen. Die „Admiral Scheer“, auf der Lenz seinen Dienst tat, wurde in der Ostsee versenkt. Lenz überlebte und geriet nach Desertion in britische Kriegsgefangenschaft, aus der er 1945 entlassen wurde. Während der Gefangenschaft war Lenz als Dolmetscher einer alliierten Entlassungskommission tätig.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ging Siegfried Lenz nach Hamburg, wo er Philosophie, Anglistik und Literaturgeschichte studierte. Ohne sein Studium abzuschließen, verließ er die Universität und ging als Volontär zur Tageszeitung? „Die Welt“, für die er bereits während des Studiums gearbeitet hatte. Bei der „Welt“ lernte er seine Frau Liselotte kennen, die er 1949 heiratete. Lieselotte Lenz wurde später als Zeichnerin? und Malerin bekannt.

„Es waren Habichte in der Luft“ (1951)

1951 veröffentlichte Lenz unter dem Titel „Es waren Habichte in der Luft“ seinen ersten Roman, in dem er die Geschichte eines Menschen erzählt, der von den Häschern eines totalitären Staates verfolgt wird. Anfang der 1950er Jahre stand Lenz ganz unter dem Einfluss des französischen Existentialismus?. Später änderte sich das, ehe er jedoch zu seinem eigenen Stil fand, schrieb er noch einige Zeit in der deftigen Art Hemingways. Von dem Honorar?, das Lenz für seinen Erstling? erhalten hatte, unternahm er eine ausgedehnte Reise durch Afrika. Nach seiner Rückkehr ließ er sich als freier Schriftsteller in Hamburg nieder.

In den folgenden Jahren stieg Siegfried Lenz zu einem der populärsten und meistgelesen Autoren seiner Generation auf. Seine Romane, Erzählungen, Essays, Hörspiele und Theaterstücke, von denen viele auch erfolgreich verfilmt wurden, erreichten eine Gesamtauflage? von mehr als 25 Millionen. Neben Günter Grass und Martin Walser repräsentierte er im In- und Ausland die deutsche? Nachkriegsliteratur, die nach den leidvollen und schrecklichen Erfahrungen mit der Diktatur die demokratische Erneuerung Deutschlands und Europas nach Kräften unterstützte.

„So zärtlich war Suleyken“ (1955)

Auf den düsteren Roman „Duell mit dem Schatten“ (1953) und die humoristische Kurzgeschichtensammlung „So zärtlich war Suleyken“ (1955) folgte das Doppelhörspiel „Zeit der Schuldlosen – Zeit der Schuldigen“ (1961), mit dem sich Siegfried Lenz als einer der renommiertesten Hörspielautoren der 1960er Jahre etablierte. Sein Drama „Das Gesicht“ (1964) fiel dagegen bei Kritik und Publikum? durch.

Die Kurzgeschichtensammlung „So zärtlich war Suleyken“ (1955) bezeichnete Lenz als schüchterne Liebeserklärung an seine Heimat Masuren im ehemaligen Ostpreußen. Lenz’ Suleyken ist ein fiktiver Ort, der auf keiner Landkarte zu finden ist - er liegt überall und nirgendwo in Masuren. Die Menschen, die die humorvollen Schelmengeschichten bevölkern, sind einfach, schlau, schwerfällig, zärtlich und führen ein rührendes, blühendes Leben. In der deutschen Nachkriegsliteratur steht „So zärtlich war Suleyken“ für ein seltenes Phänomen, nämlich für ein aus der Verantwortung der Geschichte losgelöstes Fabulieren, das scheinbar naiv und wirklichkeitsnah Land und Leute beschreibt.

In seinen folgenden Romanen schlug Lenz wieder nachdenkliche Töne an: „Der Mann im Strom“ (1957), „Brot und Spiele“ (1959) und „Stadtgespräch“ (1963) thematisieren die Vereinsamung des modernen Menschen inmitten einer scheinbar sorglosen Konsum- und Vergnügungswelt. „Der Mann im Strom“ wurde übrigens auch als Film (1958; mit Hans Albers) ein großer Erfolg.

„Deutschstunde“ (1968)

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Seinen größten Bucherfolg feierte Siegfried Lenz mit dem 1968 veröffentlichten Roman „Deutschstunde“, in dem er sich mit dem „Dritten Reich“ und dem Weiterleben des Geistes der Vergangenheit in der Gegenwart auseinandersetzt. Im Mittelpunkt des Romans steht der junge Siggi Jepsen, der in einer Anstalt für schwererziehbare Jugendliche eine Strafarbeit über „Die Freuden der Pflicht“ schreibt. In diese Strafarbeit fließt die Geschichte von Siggis Vater ein, der 1943 als nördlichster Polizeiposten Deutschlands einen lautlos-tückischen Kampf mit einem unerwünschten Maler austrägt.

Der Roman zeigt, dass es verschiedene Arten von Pflicht gibt: eine innere, die den Künstler zum Malen treibt – eine äußere, die den Polizisten zum Gehorsam zwingt. Welche Pflicht ist die drängendere? Gibt es vielleicht noch weitere Pflichten, die das Leben der Menschen bestimmen? Jeder Leser, der zu Siegfried Lenz in die „Deutschstunde“ geht, beantwortet diese Fragen am besten für sich alleine … Neben der fesselnden Handlung, die zugleich den Intellekt und die Moralvorstellungen herausfordert, gilt vor allem die breit angelegte Schilderung der norddeutschen Landschaft als sehr gelungen.

Mit „Das Vorbild“ (1973), „Heimatmuseum“ (1978) und „Exerzierplatz“ (1985) knüpfte Siegfried Lenz an Episoden? aus seinem Erfolgsroman „Deutschstunde“ an. Dieser Roman-Zyklus?, der durch Figuren, Motive und Stimmungen locker miteinander verbunden ist, zeigt Siegfried Lenz auf dem Gipfel seines literarischen Könnens. Schuld, Vergangenheit, Identität und Heimat – das sind die zentralen Begriffe im Werk? des Autors. Die verschiedenen Stilmittel handhabt er dabei virtuos, das zeigen vor allem seine Kurzgeschichten und Erzählungen (z. B. „Ein Kriegsende“, 1984), in denen er eifrig mit Sprache und Stil experimentiert.

„Das Vorbild“ (1973)

Der Zeitroman „Das Vorbild“ (1973) ist in Hamburg angesiedelt: Im November 1968 treffen sich drei Schulbuchautoren, um über das Kapitel „Lebensbilder - Vorbilder“ eines geplanten Lesebuchs? zu diskutieren. Der konservative Rektor Pundt, der fortschrittliche Studienrat Heller und die indifferente Lektorin Süßfeldt prüfen verschiedene Geschichten hinsichtlich ihrer Tauglichkeit. Der dialogreiche?, mit filmhaften Sequenzen komponierte Roman konfrontiert den Leser mit unterschiedlichen Vorbilddefinitionen, die jedoch in der Gegenwart offensichtlich keine Gültigkeit mehr haben. Diese rigorose Ablehnung eindeutiger Vorbilder wie auch die klischeehafte Darstellung von Frauen und Studenten trugen maßgeblich dazu bei, dass der Roman von der Literaturkritik überwiegend negativ besprochen wurde.

Im Mittelpunkt des Romans „Heimatmuseum“ (1978) steht der masurische Teppichknüpfer Zygmunt Rogalla, der vom Schicksal eines von ihm begründeten masurischen Heimatmuseums erzählt. Rogalla berichtet vom Krankenhausbett aus und der Leser erfährt, wie er das Museum ererbte, vergrößerte, vor der Vereinnahmung durch die Nationalsozialisten bewahrte, nach 1945 in Schleswig neu aufbaute - und schließlich in Flammen aufgehen ließ. In dem Roman, der von Egon Günther 1988 als dreiteiliges TV-Spiel verfilmt wurde, bringt Lenz dem Leser die deutsche Tragödie von 1945 nahe. Gleichzeitig wehrt er sich gegen politische Inanspruchnahme der Geschichte und des Begriffs Heimat. Heute gilt „Heimatmuseum“ als einer der besten Romane von Siegfried Lenz.

„Exerzierplatz“ (1985)

Der Roman „Exerzierplatz“ (1985) ist ein herausragendes Beispiel für traditionelles Erzählen: Unter Verzicht auf eine komplexe Handlung wie auch auf psychologische und metaphysische Motive schildert ein Ich-Erzähler des Leben Konrad Zellers, dem Gründer einer auf einem ehemaligen Exerzierplatz angelegten Baumschule. Zeller droht seitens seiner Familie die Entmündigung, weil er seinem tüchtigen, aber debilen Zögling Bruno Messmer, dem Ich-Erzähler des Romans, ein Teil des Grundstücks schenken möchte. In 27 Kapiteln berichtet Messmer von seinem Leben bei den Zellers, angefangen bei der Flucht aus Ostpreußen bis zum aktuellen Familienstreit. In „Exerzierplatz“ legt Lenz den Schwerpunkt auf die Schilderung individueller Figurenschicksale, was ihm laut Literaturkritik bei den männlichen Figuren hervorragend, bei den weiblichen Figuren nur bedingt gelingt.

Zeitlebens setzte sich Siegfried Lenz, dessen Werk? im explosiven Spannungsfeld zwischen Gestern und Heute zahlreiche Bewunderer (aber auch viele verächtliche Kritiker) fand, gegen anbiedernde Avancen aus Politik und Gesellschaft zur Wehr. Mitunter führte er bei diesen Debatten sogar einen heftigen Schuss Polemik? ins Feld – was nur auf den ersten Blick seinem norddeutschen Temperament nicht ganz zu entsprechen scheint.

„Mutmaßungen über die Zukunft der Literatur“ (2001)

1996, im Jahr seines 70. Geburtstags, veröffentlichte Siegfried Lenz den Erzählband „Ludmilla“, der von der Literaturkritik überwiegend positiv aufgenommen wurde. Eine Rezensentin dlobte Lenz als Meister einer „langsamen, fast gemütlichen Erzählweise“, der sich um die „skurrilen Details“ des Lebens bemühe. Nach dem Essayband „Über den Schmerz“ (1998) erschien der Roman „Arnes Nachlass“ (1999), der vor dem Hintergrund des Hamburger Hafenviertels spielt und vom Schicksal eines außerordentlich begabten Jungen erzählt. Ein Rezensent vermisste zwar Lenz’ früheren Humor, dafür lobt er den Autor als den „größten Melancholiker der deutschen Gegenwartsliteratur“.

Der Band „Mutmaßungen über die Zukunft der Literatur“ (2001) vereinigt drei Essays, in denen Lenz über die Bedeutung und die Wirkungsmöglichkeit von Literatur nachdenkt. Welche Rolle wird der Schriftsteller in der Zukunft spielen? Eine wichtige Rolle, meint Lenz, denn gerade in der Zeit der verkürzten Nachrichten, wie sie die neuen Medien mit sich brächten, werde die Bedeutung der Literatur nur umso stärker deutlich. Das Urteil der Literaturkritik war gemischt: Während ein Rezensent dem Band möglichst viele Leser wünschte, bedauerte eine Kollegin, dass die Essays keine wirklichen neuen Einsichten enthielten.

„Schweigeminute“ (2008)

Jüngere Publikationen von Siegfried Lenz sind die Reiseerzählungen „Zaungast“ (2004) und die Novelle „Schweigeminute“ (2008). In Letzterer erzählt Siegfried Lenz von der fatalen Liebe eines Gymnasiasten zu seiner Englischlehrerin. Im Feuilleton? herrschte diesmal Einigkeit: Siegfried Lenz’ Novelle „Schweigeminute“ sei ein Meisterwerk – oder mindestens nahe dran, so der Tenor der Rezensionen. Ein Rezensent lobte besonders den lakonischen Trauerton, der die Novelle grundiere. Die „Tageszeitung“ war vom formvollendeten Stil und den einfühlsamen Dialogen? begeistert.

„Landesbühne“ (2009)

Im Jahr 2009 erschien der Roman "Landesbühne". Er handelt von rätselhaften Geschehnissen im Gefängnis Isenbüttel: Während einer Theateraufführung verlassen Häftlinge im Theaterbus ungehindert das Gelände. Kurz darauf feiert ein idyllisches Städtchen namens Grünau talentierte Schauspieler – die gar keine sind. Die Kunst bricht über Grünau herein, und angetrieben von Gefühl, Leidenschaft und Phantasie entdecen alle ihre Möglichkeiten zu Größerem. Niemand scheint Verdacht zu schöpfen. Oder sind sie alle – der Intendant der Landesbühne, der Gefängnisdirektor, der Bürgermeister und die Bürger von Grünau – Teil einer grandiosen Inszenierung?

Ein Rezensent bescheinigte dem Roman etwas "Gottfried Keller-haftes" und verstand ihn als gelungene Studie zu der Frage, wie weit man dem "Unerhörten" mit den Mittel des Realismus auf den Spuren bleiben könne.

Siegfried Lenz lebte bis zu seinem Tod am 7. Oktober 2014 in Hamburg.

Übrigens ...

hat Siegfried Lenz sein Studium, das er nach dem Zweiten Weltkrieg in Hamburg begann, als Schwarzhändler und Blutspender finanziert.

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

Die Erstausgaben der Werke von Siegfried Lenz sind im Verlag Hoffmann und Campe, Hamburg, erschienen.

  • Duell mit dem Schatten. EA 1953. München, dtv 2000, ISBN: 978-3423127448
  • So zärtlich war Suleyken: Masurische Geschichten. EA 1955, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 54. Aufl. 1960, ISBN: 978-3596203123
  • Der Mann im Strom. EA 1957. München, dtv 2008, ISBN: 978-3423191241
  • Deutschstunde. EA 1968. München, dtv 2006, ISBN: 978-3423134118
  • Das Vorbild. EA 1973. München, dtv 2006, ISBN: 978-3423134125
  • Heimatmuseum. EA 1978. München, dtv 2006, ISBN: 978-3423134132
  • Der Verlust. EA 1983. München, dtv 1985, ISBN: 978-3423103640
  • Arnes Nachlaß. EA 1999. München, dtv 2001, ISBN: 978-3423129152
  • Zaungast. EA 2004. München, dtv 2006, ISBN: 978-3423134361
  • Selbstversetzung. Über Schreiben und Leben. EA 2006. Hamburg, Hoffmann und Campe 2006, ISBN: 978-3455042863
  • Die Erzählungen, Luxusausgabe Leinen im Schuber. Hamburg, Hoffmann und Campe 2006, ISBN: 978-3455042870
  • Schweigeminute. EA 2008. Hamburg, Hoffmann und Campe 2008, ISBN: 978-3455042849
  • Landesbühne. EA 2009. Hamburg, Hoffmann und Campe 2009, ISBN: 978-3455042825

Hörbücher

  • Arnes Nachlass. 3 MCs. Hamburg, Hoffmann und Campe 2000, ISBN: 978-3-455-30189-2
  • Das schönste Fest der Welt. CD. Hamburg, Hoffmann und Campe 2001, ISBN: 978-3-455-30278-3
  • So zärtlich war Suleyken. 2 CDs. Hamburg, Hoffmann und Campe 2003, ISBN: 978-3455300901
  • Erzählungen I. 8 CDs. Hamburg, Hoffmann und Campe 2006, ISBN: 978-3-455-32042-8
  • Erzählungen II. Gesprochen von Siegfried Lenz. 6 `CD. Hamburg, Hoffmann und Campe 2006, ISBN: 978-3-455-32044-2
  • Der Mann im Strom. Gesprochen von Jan Fedder. 4 CDs. Hamburg, Hoffmann und Campe 2007, ISBN: 978-3-455-32053-4
  • Schweigeminute. 2 CDs. Gesprochen von Konstantin Graudus. Hamburg, Hoffmann und Campe 2008, ISBN: 978-3455320558
  • Das Feuerschiff. Gesprochen von Volker Lechtenbrink. 3 CDs. Hamburg, Hoffmann und Campe 2008, ISBN: 978-3-455-30567-8

Sekundärliteratur

  • Maletzke, Erich: Siegfried Lenz. Eine biographische Annäherung. Springe, Zu Klampen Verlag 2006, ISBN: 978-3934920880

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