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Liebe

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Die Liebe ist Aspekt, Basis, Entstehungsgrund, Thema, Zentrum und Ziel fast aller literarischen Werke?, quer durch alle Genres, Stile und Epochen. Sie tritt dabei in unterschiedlichen Formen auf. Beschrieben wird sie dann zumeist als Emotion, Gefühl, unerreichbares Ideal, das sich in Worten und Taten zeigt, wie z.B. Liebesbeweisen (siehe Geschenke) und Liebesschwüren (siehe Lyrik).

Eine Auswahl an Formen, in denen die Liebe in der Literatur auftritt:

In der Literatur führt Liebe zumeist zu Verlangen, zum Austausch von Intimitäten, zu Glückseligkeit, Heirat, Ehe, Affären, Geheimnissen, Abhängigkeit, Leid, Trennungen, Selbstmord, Mord.

Foto: www.pixelio.de

Liebe und Literatur

Der Ursprung, das Wesen der Liebe ist Thema sowohl der Geistes- als auch der Naturwissenschaften. Insbesondere Ansätze aus Biochemie und Psychologie beschäftigten sich seit einiger Zeit ausgiebig mit der Erforschung der Liebe. Im Zentrum der wissenschaftlichen Diskussion stehen dabei Fragen nach einer ‚natürlichen’ biologischen Veranlagung des Menschen zur Empfindung von Liebe und nach Einflüssen durch die Sozialisation.

Als fundamentale menschliche Erfahrung ist die Liebe seit jeher auch Thema in der Literatur. Sie findet sich nicht nur in so genannten Liebes-Romanen, -Gedichten?, -Geschichten etc., sondern stellt in ihren verschiedenen Erscheinungsformen ein, wenn nicht sogar das universelle Thema in literarischen Werken? dar.

Liebe treibt die Charaktere innerhalb der literarischen Werke? an, sie treibt sie aber auch ins Glück oder ins Verderben. Liebe ist dabei kompatibel mit allen weiteren literarischen Themen und Aspekten, auch solchen, die vielleicht antagonistisch erscheinen mögen, wie z.B. Gewalt? (siehe „Sturmhöhe“ v. Emily Brontë?).

Oft äußert sich die Liebe in der Literatur in Gestalt von so genannten "romantischen Handlungen" oder auch Gesten wie der Produktion und Präsentation von Geschichten, Gedichten, Liedern, etc., die wiederum die Liebe in einer der oben genannten Erscheinungsformen zum Thema haben.

Die heimliche Liebesbeziehung

Diese Spielart der Liebe ist in der Literatur vieler Völker und Epochen außerordentlich populär, weil sie ihrem Wesen nach grundsätzlich einer Bedrohung ausgesetzt ist. Die Liebenden, die heimlich zusammenkommen und ihre Zweisamkeit ausschließlich im Verborgenen auskosten können, müssen sich vor Entdeckung und Bestrafung, aber auch vor heimlicher Verfolgung, Ehrabschneidung und Erpressung hüten.

Ein weites Feld also für Konflikte und dramatische Zuspitzungen: Oft werden argusäugige Bewacher – in Gestalt der Eltern oder des betrogenen Ehemanns – von den Liebenden erfolgreich hinters Licht geführt, oft tappen die Liebenden aber auch in perfide Fallen und müssen einem unerwünschten Dritten Rede und Antwort stehen.

Flucht oder Entsagung?

Die potentiellen Gegner der heimlichen Liebesbeziehung lauern überall, der Phantasie des Schriftstellers sind keine Grenzen gesetzt. Noch harmlos geht es zu, wenn die Eltern, meist die Väter, die Jungfräulichkeit ihrer Tochter bewahren wollen. Komplizierter wird es schon, wenn durch die Liebesbeziehung der soziale Status eines der Liebenden oder gar seiner gesamten Familie auf der Kippe steht. Die Liebenden stehen dann häufig vor der bitteren Alternative: Entsagung oder Flucht in eine ungewisse Ferne.

Im drastischsten Fall geht es um Leben oder Tod, weil nämlich die heimliche Liebesbeziehung zwangsläufig zum Ehebruch (Todsünde) führt – hier kann dann auch ein ganzes Geflecht von anderen Motiven ins Spiel kommen, wie z. B. verletzte Gattenehre?, Duell?, Nebenbuhlerschaft?, Hahnrei?, Mann zwischen zwei Frauen?, Keuschheitsgelübde?.

Der verschmähte Freier steht vor der Tür

In der heimlichen Ehe setzt sich die heimliche Liebesbeziehung oftmals fort. Zur heimlichen Ehe kommt es, weil die Liebenden einem inneren Gebot der Sittlichkeit und Moral folgen. Nach außen dürfen sie ihr Bündnis dennoch nicht sichtbar machen, denn auch hier gibt es Gegner, die die Flucht in die Heimlichkeit erst nötig gemacht haben.

Oft tritt in dieser verzwickten Situation noch ein verschmähter Freier auf den Plan, der von den Eltern des Mädchens aus finanziellen oder sozialen Gründen als Ehemann vorgesehen ist. Ein wichtiger Grund für die enorme Beliebtheit heimlicher Liebesbeziehungen und Ehen in der Literatur ist natürlich auch der gewaltige Knalleffekt, der beim Bekanntwerden der Heimlichkeit ausgelöst wird.

Beispiele aus der Welt der Literatur

Als klassisches Beispiel einer heimlichen Liebesbeziehung gilt die Sage von Hero und Leandros aus dem 5./6. Jahrhundert. Hier bezahlt der Jüngling Leandros sein Verlangen nach der schönen Priesterin Hero mit einem qualvollen Tod. Die Fackel, mit der Hero Leandros von ihrem Turm aus den Weg weist, erlischt im Sturmwind – und der verzweifelte Jüngling ertrinkt orientierungslos im Meer. Als Hero die Schreckensnachricht erreicht, nimmt sie sich durch Sturz von ihrem Turm das Leben. Das Bündnis zwischen den beiden Liebenden konnte nur im Verborgenen geschlossen werden, weil Hero von ihren Eltern zur Ehelosigkeit bestimmt worden war. An dieser Stelle kommt das Keuschheitsgelübde? als Parallelmotiv ins Spiel.

Frust und heimliche Liebschaften

Ebenso trostlos, doch noch weitaus grauseliger geht es bei Boccaccio zu, der in seinem „Decamerone“ (1348-1353) von einer geheimen Liebesbeziehung zwischen einem schönen Mädchen und einem strahlenden Jüngling erzählt. Der Vater des Mädchens, der die Jungfräulichkeit seiner Tochter argwöhnisch beschirmt, schlüpft in die Rolle des hemmungslosen, mit allen Mitteln kämpfenden Tugendwächters. Als der Vater schließlich erfährt, dass ein Jüngling durch einen Tunnel in das Heiligste seiner Tochter vordringt, erschlägt er den Liebhaber kurzerhand und bringt das herausgerissene Herz seiner Tochter, die sich daraufhin durch Gift das Leben nimmt. Mordende Väter sind jedoch die Ausnahme, meist geht es bei dieser Konstellation schwankhaft? zu.

Theodor Storm entwickelte das Motiv der heimlichen Liebesbeziehung in seiner Novelle „Aquis submerus“ (1877) fort: Hier markiert das sich im Verborgenen vollziehende Liebesbündnis den emotionalen Gipfelpunkt in einem sonst ereignisarmen Leben. Noch einen Schritt weiter ging Carl Sternheim?, der in seinem satirischen Drama „Bürger Schippel“ (1913) den heimlichen Liebesbund zwischen einer frustrierten Kleinbürgerin und einem launischen Prinzen als Flucht aus dem nüchternen Alltag karikiert. Bei Sternheim? erscheint die heimliche Liebe längst nicht mehr als schicksalhafter, überirdischer Lebensbund (wie z. B. bei Hero und Leandros), sondern als zynische Überlebensstrategie in einer versachlichten und in ihren Trieben gehemmten Bürgerwelt.

Der herkunftsbedingte Liebeskonflikt

Glückliche Liebesbeziehungen sind in der Welt der Literatur eher die Ausnahme. Meistens geht es um bedrohte Liebe und gefährdetes Liebesglück. Die Gegner einer Liebesziehung haben viele Gesichter und die Gründe für ihre Gegnerschaft sind unübersehbar. Ein Motiv taucht jedoch besonders häufig auf: der herkunftsbedingte Liebeskonflikt, bei dem die Liebenden oft nicht nur mit äußeren Widerständen zu kämpfen haben, sondern auch von inneren Zweifeln zerrissen sind.

Dabei sind jene literarischen Konstellationen besonders beliebt, in denen die Liebenden aus verschiedenen Völkern, sozialen Schichten oder ideologischen Lagern stammen. Denn bis zum Liebesereignis erkennen die Liebenden die herrschenden Prinzipien ihrer Herkunft grundsätzlich an. Die Liebe jedoch verändert alles und stürzt die Liebenden in einen doppelten Konflikt: Um ihr Glück zu verwirklichen, müssen sie die verinnerlichten Prinzipien überwinden und zudem die Interventionen von außen abwenden.

Selbst wenn die Liebenden erfolgreich sind und die Erfüllung ihres Liebesglücks zum Greifen nah scheint oder auch bereits Wirklichkeit geworden ist – eine Garantie, dass das auch in Zukunft so bleibt, gibt es nicht. Häufig brechen die alten Konflikte wieder auf und das Bündnis zwischen den Liebenden wird auf eine erneute, ungleich härtere Probe gestellt. Diese latente Bedrohung sorgt für Spannung in vielen Familienromanen, in denen die Liebenden zwischen die Fronten zweier verfeindeter Familien geraten.

Beispiele aus der Welt der Literatur

Ein frühes Beispiel des herkunftsbedingten Liebeskonflikts stammt aus der antiken Argonautensage (Apollonius von Rhodos?, 3. Jh. v. Chr.). Die zauberkundige Medea hilft dem Argonauten Jason, das Goldene Vlies zu rauben, das von Medeas Vater gehütet wird. Auf der Flucht mit Jason tötet Medea ihren Bruder Absyrtos und wirft die zerstückelte Leiche ins Meer, um die Verfolger aufzuhalten. Was zunächst ein langes, durch Blut besiegeltes Liebesbündnis zwischen Medea und Jason zu werden verspricht, entpuppt sich Jahre später als grausamer Irrweg: Jason verstößt Medea, weil die herkunftsbedingten Unterschiede (Nation und Kultur) zu groß sind.

Adel verpflichtet – zur Entsagung!

Der herkunftsbedingte Liebeskonflikt ist eng mit dem Romeo-und-Julia?-Stoff verknüpft. Die besondere Tragik liegt darin, dass die erbitterte Feindschaft der Familien letztendlich auch zum Bruch zwischen den Liebenden führt. Seit dem späten 15. Jahrhundert ist diese enge Verbindung von Motiv und Stoff in der europäischen Literatur lebendig: Gottfried Keller greift in seiner Erzählung „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ (1856) darauf zurück und erzählt von dem Bauernsohn Sali, der dem Vater seiner Liebsten schwerste Verletzungen zufügt und damit das Liebesglück unmöglich macht.

Vor allem die deutsche Literatur des 19. Jahrhunderts ist reich an herkunftsbedingten Liebenskonflikten. Häufig gruppiert sich die Geschichte um einen Adligen bzw. Offizier und ein Mädchen aus einfachem Hause, die zueinander wollen, aber durch Standes- und Familienehre an ihrem Glück gehindert werden (z. B. Theodor Fontane „Irrungen, Wirrungen“, 1887; Otto Erich Hartleben? „Rosenmontag“, 1900).

Im 20. Jahrhundert hat die Bedeutung des herkunftsbedingten Liebeskonflikts abgenommen. Was sicherlich mit der zunehmenden Auflösung von Klassen und Ständen zu erklären ist. Wird der Konflikt dennoch literarisch gestaltet, dann zumeist in historischen Romanen (z. B. Hermann Broch „Die Schlafwandler“, 1930-1932; Heinrich Mann „Henri Quatre“, 1935-1937).

Literatur

  • Bücher über die Liebe bei Jokers

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