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Motiv

In der Literatur ist ein Motiv ein inhaltlicher Baustein eines Werkes, in welchem es häufig mehrfach auftaucht. Indem es ein Thema in das Werk einbringt, wird das Motiv wichtig für die Handlung.

Der Begriff stammt ab vom lateinischen movere (= bewegen). Im allgemeinen Sprachgebrauch meint ein Motiv denn auch einen Beweggrund für eine menschliche Handlung.

Eine alphabetische Aufzählung aller wichtigen Motive findet sich unten auf dieser Seite.

Definition

In der deutschen Literatur ist das Motiv ein bewusst gestaltetes inhaltliches und situationsgebundenes Element. Es umfasst zwar nicht den gesamten Plot, stellt aber einen Handlungsansatz dar. Motive sind unterschiedliche Erzählthemen, die wichtig für die Handlung sind (z. B. Situationen, Figuren-Konstellationen, Raum- und Zeitkonzepte). Häufig treten sie innerhalb eines Werkes wiederholt auf.

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Sie lassen sich thematisch beschreiben und können in unterschiedlichen Werken auf vergleichbare Weise verwendet werden: zum Beispiel die böse Stiefmutter?, die in verschiedenen Märchen auftaucht. Weitere bekannte Beispiele sind das Dreiecks-Verhältnis?, das Motiv der feindlichen Brüder? (seit Kain und Abel), das Doppelgänger-Motiv?, das Motiv des Mondes oder das des unerwarteten Heimkehrers?. Eine international allgemeine gültige Definition für das Motiv in der Literatur gibt es nicht.

Foto: Marion Löffler / pixelio.de

Aufbau

Abzugrenzen ist das Motiv vom Stoff, Thema, Typus?, Symbol und Bild. Es bildet einen Baustein des Stoffes. Es ist nicht so allgemein gefasst wie das Thema oder – auf Figuren bezogen – ein bestimmter Typus?. Und das Motiv ist weniger anschaulich als Symbole oder Bilder.

Die Übergänge zwischen den Kategorien können jedoch fließend sein: Das Thema Eifersucht?, der Typus? des eifersüchtigen Ehemannes? und das Motiv des betrogenen Gatten? sind in einem konkreten Fall kaum voneinander zu trennen.

Dabei gibt es unterschiedliche Arten von Motiven, die in der Literatur verbreitet sind: Zum einen gibt es das Zentralmotiv? (Kernmotiv), das den gesamten Text durchzieht. Zum anderen kennt man das Randmotiv? (Nebenmotiv, Füllmotiv), das aus der Dramatik entlehnt worden ist. Dieses hat eine ausschmückende Funktion. Zum Beispiel gibt es in Theodor Fontanes Roman „Der Stechlin“ das Motiv der ungleichen Geschwister? Melusine und Armgard, das aber keine relevante Funktion für die Handlung des Buches hat.

Darüber hinaus gibt es die Bezeichnung Leitmotiv?. Dies wird verwendet für Motive, die einen vorherrschenden Einfluss auf einen Text haben. Wie das Zentralmotiv? (Kernmotiv), von dem es sich nicht eindeutig abgrenzen lässt, ist es in der Regel ein Leitfaden, der sich durch das gesamte Werk zieht. Ein Leitmotiv? kann eine einprägsame, im gleichen Wortlaut wiederholte, für den Inhalt entscheidende Aussage sein oder eine thematische Einheit, die das Erzählte ordnet. Als solche kann ein Leitmotiv? dazu dienen, die Entwicklung einer Figur zu verdeutlichen. In Thomas Manns Roman „Buddenbrooks“ etwa sind die fortwährenden Zahnprobleme der Protagonisten als wiederkehrendes Symbol für den Niedergang der Familie Buddenbrook zu deuten.

Um Motive erkennen und richtig deuten zu können, müssen sie allgemein verständlich sein. So ist das Motiv der „bösen Stiefmutter“ (nicht nur) hierzulande tief im kulturellen Gedächtnis verankert. Die mündliche und schriftliche Überlieferung in diversen Märchen zieht sich durch die Jahrhunderte. Die Erforschung der Entstehung und Entwicklung von Motiven ist die Aufgabe der Motivgeschichte?.

Motive von A bis Z

Zahlen

A

Abend? | Abenteuer | Abgrund? | Aggression? | Amazone? | Arkadien?

B

Bettler? | Blutrache? | Bohème? | Brunnen? | Buch | Bürgerlicher Habitus

C

D

Diener? | Dirne? | Doppelgänger? | Duell?

E

Einsiedler?

F

Familiengeheimnis? | Femme fatale? | Fernweh? | Findling? | Frauenraub?

Freierprobe? | Freundschaftsbeweis?

G

Geheimnis? | Geizhals? | Geldgier? | Generationenkonflikt? | Geschwisterkonflikt? |

Gespenst? | Gottesurteil? | Grenze? |

H

Hahnrei? | Heimkehr?/Heimkehrer? | heimliche Heirat? | heimliche Liebesbeziehung?

herkunftsbedingte Liebeskonflikt? | Hexe? | Hochstapler? | Homunkulus?

I

Inseldasein? | Inzest | Irrfahrt?

J

K

Keuschheitsgelübde? | Kindesmord? | künstliche Mensch? | Kurtisane?

L

Landschaft | Liebesnacht? | Lorelei? | Luzifer?

M

Märtyrer? | Mann zwischen zwei Frauen? | Marionette? | Meer? | Melancholiker?

Menschenfeind? | Mond? | Mord?

N

Narr? | Nebenbuhlerschaft?

O

Outlaw?

P

Pedant? | Pferd | Prophezeiung?

Q

R

Räuber? | Rebell? | Reise | Rivale? | Ruinen?

S

Schatten? | Schelm? | Sonderling? | Spieler? | Stadt? | Sünderin?

T

Teufel? | Traum | Tyrannenmord?

U

unbekannte Gegner? | unbekannte Herkunft? | unbewusste Empfängnis?

Unterweltsbesuch? | Essay über die Unvollkommenheit | Utopia?

V

verfeindete Brüder? | Verführer? | verlassene Frau? | verletzte Gattenehre?

verleumdete Gattin | Verräter? | verschmähte Frau? | Vision?

W

Wüstling? | Wucherer?

X

Xenophobie?

Y

Z

Zeitreise? | Zufall?

Sekundärliteratur

  • Daemmrich, Horst S. u. Ingrid G.: Themen und Motive in der Literatur. Stuttgart, UTB 1995, ISBN: 978-3825280345
  • Frenzel, Elisabeth: Motive der Weltliteratur. Ein Lexikon dichtungsgeschichtlicher Längsschnitte. Stuttgart, Alfred Kröner Verlag 1997, ISBN: 978-3520301024
  • Seibert, Ernst: Themen, Stoffe und Motive in der Literatur für Kinder und Jugendliche. Stuttgart, UTB 2008, ISBN: 978-3825230739

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