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Parabel

Unter Parabel versteht man eine lehrhafte Erzählung, die eine allgemeine sittliche Wahrheit oder Erkenntnis an einem Beispiel veranschaulicht. Die Wurzeln der Parabel liegen in der antiken Rhetorik? sowie in den Schriften des Alten und Neuen Testaments.

Definition

Eine Parabel (griech. parabolé = Vergleichung) ist eine lehrhafte Erzählung, die eine allgemeine sittliche Wahrheit oder Erkenntnis an einem Beispiel veranschaulicht. Sie ist ein zur selbstständigen Erzählung ausgebauter Vergleich und führt den Leser per Analogieschluss zum gemeinten Sachverhalt. Parabeln wirken zumeist rätselhaft und außerordentlich. Sie lösen im Leser das Gefühl aus, einem geheimen Sinn auf der Spur zu sein.

Oft enthalten Parabeln einen Imperativ?, der im Menschen eine Tat auslösen oder etwas bewirken will („Gehe hin und tue desgleichen!“). Das Tempus? der Parabel ist üblicherweise das Präteritum?. Terminologisch? ist der Begriff Parabel von den Ausdrücken Fabel, Vergleich? und Allegorie zu trennen. In der Praxis sind die Übergänge jedoch fließend.

Entstehung und Entwicklung

Die Wurzeln der Parabel liegen in der antiken Rhetorik? sowie in den Schriften des Alten und Neuen Testaments.

In der antiken Rhetorik? (Aristoteles? „Techne rhetorike“) zählt die Parabel neben der Fabel zu den erdichteten Paradigmen, die die Argumentation einer Rede verstärken sollen. In diesem Sinne dient die Parabel dazu, den Zuhörer durch Prägnanz und Pointierung vor der Schwierigkeit des komplexen und abstrakten Begriffes zu bewahren (M. Agrippa? „Vom Magen und den Gliedern“).

Parabel und Gleichnis in der Bibel

Besonders in der buddhistischen und hebräischen Literatur trifft man die Parabel häufig an. Parabel und Gleichnis unterscheiden sich formal dadurch, dass beim Gleichnis die Bild- und die Sachebene beide genannt und auf diese Weise nebeneinander gestellt werden. Bei der Parabel hingegen wird die Sachseite nicht ausdrücklich genannt, sondern muss erschlossen werden. Nach diesem Kriterium sind die biblischen Gleichnisse Parabeln. Berühmt ist insbesondere die neutestamentliche Parabel vom Verlorenen Sohn, die auf vielfältige Weise Eingang in die Weltliteratur gefunden hat. Aber auch die Mahnrede des alttestamentlichen Propheten Nathan an König David und Jesu Predigten gehört zu den Parabeln.

In der neutestamentlichen Wissenschaft existiert allerdings eine andere Sprachregelung. Hier wird dann von einer Parabel gesprochen, wenn die Bildseite einen erdichteten Einzelfall schildert. Um ein Gleichnis handelt es sich dann, wenn die Bildseite einen allgemein vertrauten, der unmittelbar zugänglichen Wirklichkeit entstammmenden Fall nennt. Nach dieser Definition enthält die Bibel ganz überwiegend Gleichnisse.

Lessings Ringparabel

Für die Zeit der Aufklärung? ist die Parabel eine charakteristische Literaturgattung. Dort diente sie als „Hebel der Erkenntnis“ (G. E. Lessing). Zu großer Bekanntheit gelangte vor allem Lessings Ringparabel in „Nathan der Weise“ (1779) und die in seine Fabelbücher eingestreuten Parabeln („Der Besitzer des Bogens“).

Seit dem 18. Jahrhundert und dem Fortschritt der Drucktechnik? erscheint die Parabel häufig in Anthologien?. Herausragende Beispiele für diese Erscheinungsform sind J. G. Herders? „Jüdische Parabeln“ (1802), F. A. Krummachers? „Figuren zu meinem ABC-Buch“ (1805/07) und J. P. Hebels? „Rheinländischer Hausfreund“ (1808-11).

Die Parabel im 20. Jahrhundert

Auch in der Literatur des 20.Jahrhunderts spielen Parabeln weiter eine wichtige Rolle. Bezeichnend dafür sind die Erzählungen („Landarzt“ 1919) und Romane („Der Prozess“ 1925) F. Kafkas, aber auch H. H. Jahnns? „Das Holzschiff“ (1949) und B. Brechts „Der gute Mensch von Sezuan“ (1943) sowie „Geschichten vom Herrn Keuner“ (1926-1956) wären zu nennen.

Sekundärliteratur

  • Billen, Josef: Die deutsche Parabel. Darmstadt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1986, ISBN: 978-3534096510
  • Brettschneider, Werner: Die moderne deutsche Parabel. Entwicklung und Bedeutung. Hamburg, S + W Steuer- und Wirtschaftsverlag 1980, ISBN: 978-3503012992
  • Elm, Theo: Die moderne Parabel. Stuttgart, UTB 1991, ISBN: 978-3825216306


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