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Poe, Edgar Allan

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Edgar Allan Poe (geb. 19. Januar 1809 in Boston; gest. 7. Oktober 1849 in Baltimore) war ein amerikanischer Schriftsteller und Literaturtheoretiker. Mit seinen Erzählungen „Doppelmord in der Rue Morgue“ (1840) und „Der entwendete Brief“ (1844) begründete er die moderne Detektivgeschichte?.

Poe gilt als wichtiger Wegbereiter der von der Romantik ausgehenden modernen? Literatur und übte großen Einfluss auf die fortschrittlichen Schriftsteller in den USA und in Europa aus.

Leben

Edgar Allan Poe wurde am 19. Januar 1809 in Boston geboren. Er war der Sohn der Wanderschauspieler David Poe und Elizabeth Arnold Hopkins. Sein Vater war Alkoholiker und verließ seine Frau nach der Geburt des Kindes. Beide Eltern starben an Tuberkulose, noch bevor Poe drei Jahre alt war. Nach dem Tod seiner Eltern wuchs Poe im Haus des Kaufmanns John Allan in Richmond / Virginia auf. Von 1815 bis 1820 lebte er mit seinen Pflegeeltern in Großbritannien, wo er verschiedene Privatschulen besuchte. Poe war ein guter Schüler, der schnell und erfolgreich lernte, gleichzeitig geriet er jedoch mit seinen Schulkameraden und Lehrern aus nichtigen Anlässen in heftige Konflikte.

Zerwürfnis mit dem Pflegevater

Im Jahr 1820 kehrte Poe mit seinen Pflegeeltern nach Richmond zurück. Nach der Schule begann er 1826 ein Studium an der University of Virginia in Charlottesville. Wegen Spielschulden kam es noch im selben Jahr zum Zerwürfnis zwischen Poe und seinem Pflegevater, der ihn schließlich verstieß. Daraufhin brach Poe sein Studium ab und fand eine Anstellung als Buchhalter, die er jedoch nach kurzer Zeit wieder aufgab. Niedergeschlagen und völlig mittellos meldete er sich 1827 zum Militärdienst bei der US-Armee. Ab 1830 war er Kadett der Militärakademie in Westpoint. 1831 wurde er wegen Aufsässigkeit entlassen. Daraufhin zog Poe zu seiner Tante Clemm nach Baltimore, wo er sich in seine damals 9-jährige Cousine Virginia verliebte. Bei der Tante lebte Poe in ärmlichen Verhältnissen. Durch das Schreiben von Kurzgeschichten gelang es Poe, die finanzielle Lage im Haus der Tante etwas zu verbessern.

Tod unter ungeklärten Umständen

Als einer der Ersten in den USA wagte Poe eine Existenz als freier Schriftsteller. Außerdem arbeitete er als Journalist? und Redakteur? für verschiedene Zeitungen? und Zeitschriften?. Wegen seines Alkoholismus und der damit verbundenen Streitsucht waren die Arbeitsverhältnisse jedoch nie von langer Dauer. 1835/36 war Poe Herausgeber? des „Southern Literary Messenger“. 1837 ging er nach New York, wo er als Redakteur? und Herausgeber? an verschiedenen Zeitschriften? beteiligt war. Der Plan eines eigenen kritischen Journals war aus finanziellen Gründen nicht zu verwirklichen. 1836 heiratete er seine nunmehr 13-jährige Cousine Virginia Clemm, die 1847 verstarb und ihn mit seiner Alkoholsucht zurückließ. Nachdem er einige Versuche unternommen hatte, sein ausschweifendes (Liebes-)Leben wieder in die richtige Bahn zu lenken, starb Edgar Allan Poe am 7. Oktober 1849 unter ungeklärten Umständen in Baltimore. Seine letzten Worte sollen gewesen sein: „Gott sei meiner armen Seele gnädig.“

Schreiben

Edgar Allan Poes literarisches Lebenswerk umfasst mehr als 50 Gedichte und 70 Kurzgeschichten. Dazu kommen zahllose journalistische Beiträge in Zeitungen? und Zeitschriften?. Zu seinen größten Bewunderern gehörten Schriftsteller wie August Strindberg?, Fjodor Dostojewski und Vladimir Nabokov?. Poes stilistische Brillanz und innovative Kraft wurde zu seinen Lebzeiten jedoch kaum wahrgenommen. Heute gilt er als einer der bedeutendsten Wegbereiter der von der Romantik ausgehenden Literatur des 19. Jahrhunderts und der Moderne?.

Die Lyrik

Poe begann seine literarische Laufbahn als Lyriker? und sah sich selbst bis an sein Lebensende vor allem als Dichter, weniger als Prosaautor. Seine ersten drei Bücher waren die Gedichtbände „Tamerlane and Other Poems“ (1827), „Al Araaf, Tamerlane, an Minor Poems“ (1829) und „Poems“ (1831). Sein vierter Gedichtband war auch zugleich sein letztes Buch zu Lebzeiten: „The Raven and Other Poems“ (1845). Viele seiner Gedichte tragen autobiographische Züge und führen die Leser in eine phantastische Traumwelt.

Häufig wiederkehrende Themen in Poes Lyrik sind Trauer, Melancholie, Suche nach Glück und der Konflikt zwischen Phantasie und Wissenschaft. Die dunkel-raunende Musikalität seiner Gedichte, deren Gegenstände oft klanglich veranschaulicht werden, war Anreiz für zahlreiche Vertonungen?. Poes berühmtestes Gedicht ist wohl „The Raven“ (dt. „Der Rabe“), das auch in Deutschland in vielen Schulbüchern zu finden ist.

Altmeister der Schauergeschichte

Vor allem aus finanziellen Gründen wandte sich Poe ab den 1830er Jahren verstärkt der Prosa zu und wurde zum Wegbereiter und Altmeister der Schauergeschichte, die er später sogar selbst parodierte. In seinen Erzählungen verbindet Poe Elemente des Unheimlichen, Grauenvollen und Makabren mit scharfsinnigen psychologischen Analysen.

Man kann sagen, dass er in den meisten seiner Erzählungen der dunklen Seite des menschlichen Wesens nachspürt und in immer neuen Varianten die archaischen Ängste vor dem Unbekannten und Fremden auslotete. Zu nennen sind hier vor allem die Erzählungen „Ligeia“ (1838; dt. 1853), „The Mask of the Red Death“ (1842; dt. „Die Maske des roten Todes“, 1883) und „The Pit and the Pendulum“ (1843; dt. „Die Grube und das Pendel“, 1883).

Wegbereiter der Short Story

Als erste Short Story überhaupt wird Poes Kurzgeschichte „Metzengerstein“ angesehen, die erstmals 1832 im „Philadelphia Saturday Courier“ erschien. Sie handelt von den wohlhabenden, über den Tod hinaus verfeindeten Familien Berlifitzing und Metzengerstein und endet in einem flammenden Inferno. 1840 brachte Poe unter dem Titel "Tales of the Grotesque and Arabesque" eine Sammlung seiner Kurzgeschichten heraus. Damit etablierte er das Genre der Short Story, der angloamerikanischen Spielart der Kurzgeschichte, praktisch in der Literatur.

In einer Besprechung von Nathaniel Hawthornes "Twice told Tales" begründete er dieses Genre 1842 theoretisch. So forderte er zum Beispiel, dass bei dieser Art von Erzählungen der Schlusseffekt vorab geplant und eine einheitliche Stimmung durchgehalten werden müsse, der alle Details unterzuordnen seien. Auch müsse die Short Story innerhalb einer begrenzten Zeit lesbar sein.

Begründer der modernen Detektivgeschichte

Mit seinen Erzählungen wie „The Murders in the Rue Morgue“ (1841; dt. „Der Doppelmord in der Rue Morgue“, 1875) und „The Purloined Letter“ (1845; dt. „Der entwendete Brief“, 1882) begründete Poe schließlich die moderne Detektivgeschichte?. In deren Mittelpunkt steht die analytisch präzise Verbrechensaufklärung durch einen privat ermittelnden Detektiv. Diesem Protagonisten stellte Poe einen namenlosen Helfer an die Seite, der als Ich-Erzähler? fungiert. Damit schuf er die so genannte "Watson-Perspektive", die später Arthur Conan Doyle? perfektionieren sollte.

Schöpfung von Schönheit

Doch Poe ist nicht nur als Lyriker? und Erzähler von herausragender Bedeutung, auch als Literaturtheoretiker nahm er Einfluss auf die Nachwelt. Seine bedeutendste poetologische Schrift ist der Essay „The Poetic Principle“ (1850; dt. „Das poetische Prinzip“, 1922), der auf dem Manuskript eines Vortrags beruht, den Poe 1848 und 1849 mehrmals hielt. Darin entwickelt er anhand von zeitgenössischen Gedichtbeispielen seine Theorie der Lyrik.

Poe war der Auffassung, dass die einzige Aufgabe des Gedichtes in der rhythmischen? Schöpfung von Schönheit bestehe. Von Intellekt, Verstand und Rationalität wollte Poe im Zusammenhang mit Lyrik nichts wissen. Seine Schrift „Das poetische Prinzip“ war von großer Bedeutung für die moderne Lyrik, besonders für den Symbolismus in Frankreich.

Im Bereich der Prosa legte er, wie oben bereits dargestellt, 1842 die Charakteristika der Short Story allgemeinverbindlich dar.

Übrigens ...

gibt es seit 1922 in Richmond / Virginia das Edgar-Allan-Poe-Museum, das an den Autor und sein Werk erinnert.

Werke (Auswahl)

*Bücher von Edgar Allan Poe bei Jokers

  • Der Untergang des Hauses Usher und andere Geschichten von Schönheit, Liebe und Wiederkunft. Diogenes Verlag, Zürich, 7. Auflage 1984, ISBN: 978-3257211825
  • Detektivgeschichten. dtv, München 2009, ISBN: 978-3423137256
  • Die denkwürdigen Erlebnisse des Arthur Gordon Pym. EA 1838. Diogenes Verlag, Zürich 2009, ISBN: 978-3257212679
  • Die schwarze Katze und andere Verbrechergeschichten. Diogenes Verlag, Zürich 7. Auflage 2004, ISBN: 978-3257211832
  • Erzählungen. Reclam Verlag, Ditzingen 1989, ISBN: 978-3150086193
  • Grusel- und Schauergeschichten. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2008, ISBN: 978-3596901340
  • Phantastische Erzählungen. Anaconda Verlag, Köln 2005, ISBN: 978-3938484395
  • Sämtliche Erzählungen in vier Bänden. Insel Verlag, Frankfurt am Main 2008, ISBN: 978-3458069164
  • Unheimliche Geschichten. Anaconda Verlag, Köln 2007, ISBN: 978-3866471085

Hörbücher

  • Mythos & Wahrheit. Edgar Allan Poe. Eine Spurensuche mit Musik und Geräuschen. CD. Stimmbuch Verlag, Köln 2006, ISBN: 978-3980936842
  • Der Rabe und andere Spukgeschichten. CD. Argon Verlag, Berlin 2008, ISBN: 978-3866104990
  • Sturz in den Mahlstrom. CD. Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 2004, ISBN: 978-3785714478

Sekundärliteratur

  • Martynkewicz, Wolfgang: Edgar Allan Poe. Rowohlt Verlag, Reinbek 2003, ISBN: 978-3499505997
  • Schweiggert, Alfons: Edgar Allan Poe und König Ludwig II. Anatomie einer Geistesfreundschaft. Eos Verlag, St. Ottilien 2008, ISBN: 978-3830673477
  • Zumbach, Frank T.: Edgar Allan Poe. Artemis & Winkler, Düsseldorf 1999, ISBN: 978-3538070998

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