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Romantik

Die Romantik war eine literarische Bewegung in Europa zwischen 1790 und 1850. Man unterscheidet drei Phasen: Frühromantik? (1795-1802), Hochromantik? (ab 1808) und Spätromantik? (ab 1815).

Definition

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Die Romantik war eine künstlerische, vor allem literarische Bewegung in Europa zwischen 1790 und 1850. Der Begriff „romantisch“ stammt aus dem Altfranzösischen (romanz = in der Volkssprache) und ist in Deutschland seit 1700 nachgewiesen. Die ursprüngliche Bedeutung lautet: „phantastisch, übertrieben, zügellos“, im Sprachgebrauch der Romantiker selbst: „modern, neu, nicht klassisch“. Das wichtigste Zentrum der Romantik war Deutschland, außerdem gelangte sie vor allem in Frankreich und England zu großem Einfluss auf Kunst und Literatur.

Trotz vieler Nuancen und Unterschiede im Detail gibt es eine Reihe von Merkmalen, die für das romantische Denken charakteristisch sind. Dazu zählt in der Hauptsache: die Betonung des Subjektiven? im Welt- und Menschenbild, der Appell an die Kräfte der Phantasie?, des Gefühls und des Irrationalen, das Interesse am Ungewöhnlichen und die Verherrlichung des genialen Augenblicks, das Schwärmen für die Natur, der Bruch mit dem strengen poetischen Regelwerk der Klassik, der Ausbruch aus der bürgerlichen Welt mit ihren konventionellen Moral- und Gesellschaftsvorstellungen, die Verklärung der Vergangenheit und der Rückbezug auf das Mittelalter.

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Als einer der wichtigsten Impulse für die Entstehung und Verbreitung des romantischen Kunst- und Menschenbilds gilt die Französische Revolution. Das in ihr verkündete Freiheitsideal stand in einem schroffen Gegensatz zur gesellschaftlichen Wirklichkeit zu Beginn des 19. Jahrhunderts. In Kunst, Literatur und der Phantasie fanden die meisten Romantiker den Freiraum, der im vom Absolutismus geprägten gesellschaftlichen und politischen Leben der damaligen Zeit unerreichbar war. Der Anspruch der Romantiker war universal und ging über den traditionellen Kunstbegriff weit hinaus: Sie wollten ein neues Leben führen, das Denken und Fühlen erneuern und den Blick auf die Welt verändern. Deshalb wird die Romantik heute auch als eine der wichtigen kulturrevolutionären Bewegungen des 19. Jahrhunderts bezeichnet.

Foto: Angelika Lutz/ www.pixelio.de

Vorläufer

Der nicht aufzulösende Gegensatz zwischen Freiheitsideal und Lebenswirklichkeit führte dazu, dass die Romantiker versuchten, alle geistigen und künstlerischen Kräfte zu bündeln, die in Opposition zum Absolutismus sowie zum Rationalismus der Aufklärung? und der Klassik standen. Bedeutende Vorläufer der Romantik waren daher die Empfindsamkeit (Jean-Jacques Rousseau?), die volkstümliche Literatur? (Gottfried August Bürger?), die Naturdichtung? (Friedrich Gottlieb Klopstock?), die Dramen und die Lyrik Shakespeares, der Sturm und Drang, der Göttinger Hain? und die Neuentdeckung der germanisch-mittelalterlichen? Literatur (Thomas Percy?).

Das gemeinsame Band zwischen diesen Strömungen und Personen bildete das naturnahe Lebensideal und die angestrebte Verbindung von Vernunft und Gefühl, von Natur und Mensch, von Geschichte und Gesellschaft. Weitere wichtige Anregungen kamen außerdem vom deutschen Idealismus?, hier ist vor allem die Ästhetik Immanuel Kants und Friedrich Schillers zu nennen.

Frauen im Zentrum

In der Forschung ist es üblich, aber nicht unumstritten, den Beginn der literarischen Romantik in Deutschland mit 1793 anzusetzen. In diesem Jahr haben Ludwig Tieck? und Wilhelm Heinrich Wackenroder? in Nürnberg die mittelalterliche? Kunst und Religion als Vorbild für die Gegenwart entdeckt. Diese „Entdeckung“ gilt als die Geburtsstunde der Romantik, die in den folgenden Jahrzehnten nicht nur die Literatur prägen sollte, sondern auch Kunst, Musik und Philosophie. Fortan sollte das Leben als individuell inspiriertes Kunstwerk verstanden werden, und die Diskussion darüber wurde mit großer Leidenschaft und viel Ausdauer geführt. Literarische Zirkel? und Salons?, Zeitungen? und Zeitschriften?, Bücher, Briefwechsel? und Vorlesungen, Essays und der persönliche Dialog boten den Nährboden, auf dem der Austausch stattfand. Wichtigen Einfluss übten dabei Frauen aus, wie z. B. Caroline Schlegel-Schelling?, Bettina von Arnim und Rahel Varnhagen?, die durch ihre Salons das künstlerische und literarische Geschehen mitprägten.

Die drei Phasen der Romantik

Man unterscheidet zwischen Frühromantik (1795-1802), Hochromantik (ab 1808) und Spätromantik (ab 1815).

Nachwirkung der Romantik

Die Nachwirkung der Romantik auf die Kunst und Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts kann kaum überbewertet werden. Die romantische Betonung des Subjektiven?, der Appell an die Kräfte der Phantasie und des Irrationalen, die Vieldeutigkeit der Literatur und der Ausbruch aus der bürgerlichen Welt prägten z. B. den französischen Symbolismus, den deutschen Expressionismus und nach dem Zweiten Weltkrieg den Surrealismus. Die „romantische Ironie“? spielt in der Romantheorie? bis heute eine wichtige Rolle.

Literatur

  • Eichendorff, Joseph von: Aus dem Leben eines Taugenichts. Reclam Verlag, Ditzingen 1986, ISBN: 978-3150023549
  • Hoffmann, Ernst Theodor Amadeus: Die Elixiere des Teufels. Reclam Verlag, Ditzingen 1986, ISBN: 978-3150001929
  • Novalis: Heinrich von Ofterdingen. Reclam Verlag, Ditzingen 1990, ISBN: 978-3150089392

Sekundärliteratur

  • Alles aus der Kategorie Romantik bei Jokers
  • Safranski, Rüdiger: Romantik. Eine deutsche Affäre. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2009, ISBN: 978-3596182305
  • Schulz, Gerhard: Romantik. Geschichte und Begriff. C.H. Beck, München 2007, ISBN: 978-3406410536
  • Uerlings, Herbert: Theorie der Romantik. Reclam Verlag, Ditzingen 2000, ISBN: 978-3150180884

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