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Science Fiction

Science-Fiction-Literatur beschäftigt sich mit einer zukünftigen, technisch weit fortgeschrittenen Welt. Zu enormer Popularität gelangte das Genre im 19. und 20. Jahrhundert, die literarischen Wurzeln liegen jedoch in der Antike.

Definition

Science Fiction (engl.: science = Wissenschaft; fiction = Fiktion) ist ein literarisches Genre, das den Leser mit einer zukünftigen, technisch-wissenschaftlich weit fortgeschrittenen Welt konfrontiert. Typische Elemente sind Raumschiffe, Weltraumfahrten, Experimente, Androiden (menschenähnliche Lebewesen), Strahlenkanonen, Roboter, Zeitreisen und die zumeist kriegerische Begegnung mit fremden Lebensformen. Die physikalischen Grundgesetze sind in der Science-Fiction-Literatur weitgehend außer Kraft gesetzt.

Bevorzugte literarische Gattungen sind Roman und Kurzgeschichte, in jüngerer Zeit aber auch Comic und Hörspiel sowie außerhalb der Literatur der Film. Im Bereich von Lyrik und Drama spielt Science Fiction keine Rolle. Die Berührungspunkte mit anderen literarischen Genres sind eher gering – zu nennen sind allenfalls Utopie und phantastische Literatur, da auch dort die vertrauten und akzeptierten Gesetze der realen Welt häufig keine Gültigkeit besitzen. Mit dem Kriminal- und Schauerroman gibt es zudem kleinere Gemeinsamkeiten hinsichtlich der Figurenzeichnung und Handlungsführung.

Entstehung

Als entfernte Vorläufer der Science Fiction können die gewaltigen Reiseabenteuer der Antike gelten, hier vor allem Homers „Odyssee“ (8. Jahrhundert v. Chr.) sowie Lukian von Samosatas? „Die Luftreise“ und „Wahre Geschichten“ (beide 2. Jahrhundert). Andere bedeutende Spuren sieht die Literaturgeschichte zudem in den großen Utopien der Renaissance? und Aufklärung?, zu nennen sind hauptsächlich Tommaso Campanellas? „La città del sole“ (1602) und Francis Bacons? „Nova Atlantis“ (1626) sowie aus späterer Zeit Wilhelm Heinses? „Ardinghello und die glückseeligen Inseln“ (1787). Der für die Utopie charakteristische Entwurf einer fiktiven Gegenwelt wirkte offenbar auf die späteren Science-Fiction-Autoren besonders anregend. Allerdings mussten sich erst Naturwissenschaften und Technik herausbilden, bevor die Science Fiction im eigentlichen Sinne möglich wurde.

Entwicklung

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, des Zeitalters der technischen Revolution, entwickelte die Science Fiction sich allmählich zu einem eigenständigen literarischen Genre – wenn auch die Bezeichnung „Science Fiction“ selber erst später, im Jahr 1929, vom amerikanischen Ingenieur und Schriftsteller Hugo Gernsback? geprägt wurde. Das im Laufe des 19. Jahrhunderts wachsende Interesse der Menschen an technisch-wissenschaftlichen Aspekten ihres Lebens war ein bedeutender Impuls für die Entwicklung des neuen Genres. Die Verleger zielten zunächst auf ein jugendliches Publikum ab, tatsächlich fand Science Fiction jedoch bei Jung und Alt zahllose begeisterte Leser.

Die Väter der Science Fiction

Als Väter der Science Fiction gelten Jules Verne? („Reise zum Mittelpunkt der Erde“, 1864; „Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer“, 1869/1870) und H. G. Wells? („Die Zeitmaschine“, 1895; „Der Krieg der Welten“, 1898; „Die ersten Menschen auf dem Mond“, 1901), die in ihren äußerst erfolgreichen Romanen technische Entwicklungen und eine packende Fabel miteinander verknüpfen. Zu nennen ist außerdem Kurd Laßwitz?, der als Begründer der deutschsprachigen Science Fiction gilt. In seinem Roman „Auf zwei Planeten“ (1897) gestaltet er künftige politische Entwicklungen und fragt nach möglichen Gefahren für die moderne und zivilisierte Menschheit. Zu enormer Popularität in Deutschland gelangte nach dem Ersten Weltkrieg Hans Dominik? („Atlantis“, 1924/1925; „Atomgewicht 500“, 1934/1935), der u. a. den Missbrauch von Atomenergie zu kriegerischen Zwecken thematisiert.

Science Fiction ohne Klischees

Zur literarischen Massenware wurde die Science Fiction in den 1920er Jahren. Bevorzugtes Format waren auflagenstarke? Science-Fiction-Magazine (z. B. „Amazing Stories“, etliche Jahre später folgten „Perry Rhodan“, „Spiderman“, „Batman“), die insbesondere in den USA den Markt eroberten und ehedem unbekannte Autoren wie Ray Bradbury? beim Publikum populär machten. Die Magazin-Geschichten kreisen hauptsächlich um Themen und Motive, die seit Jules Verne? und H. G. Wells? das Genre dominierten. Dieser offensichtliche Mangel an Entwicklung und Inspirationskraft trug der Science Fiction seitens der Literaturkritik das Stigma einer nicht ganz ernstzunehmenden Literaturform ein. An diesem Vorurteil hat sich bis in die Gegenwart nur wenig geändert; erst in jüngster Zeit beschäftigt die Literaturwissenschaft sich in stärkerem Maße mit Science Fiction und ihrem nach wie vor ungebrochenem Erfolg beim breiten Publikum in aller Welt.

Eine zweite Blütezeit erlebte die Science Fiction in den 1960er Jahren. Getragen wurde der Erfolg, der bis in die Gegenwart nichts von seinem Schwung verloren hat, von neuen Autoren wie Michael Moorcock? („Zerschellt in der Zeit“, 1971) und James Graham Ballard? („Dystopie-Trilogie“ 1973-1975), die in ihre genretypischen Technik- und Zukunftsvisionen auch soziale, ökologische und emanzipatorische Gedanken einfließen lassen. Auch auf formaler Ebene machten die Autoren des „New Wave“, wie sie sich nun selber nannten, einen großen Schritt hin zur literarischen Moderne?. Sie experimentierten u. a. mit unkonventionellen Schreibweisen und entfernten sich von klischeehaften Figurenzeichnungen (z. B. Rolle der Frau).

Science Fiction und Film

Eine wohl einzigartige Ausnahmeerscheinung unter den Science-Fiction-Autoren ist Stanislaw Lem?, der mit seinen nicht nur künstlerisch, sondern auch philosophisch bedeutsamen Romanen maßgeblich dazu beigetragen hat, das Genre vom Makel des Trivialen zu befreien. In Romanen wie „Transfer“ (1961), „Also sprach Golem“ (1978) und „Fiasko“ (1986) gelangen ihm faszinierende Symbiosen aus spannender Zukunfts-Utopie und Grundfragen der menschlichen Existenz. Einige von Lems? Büchern wurden verfilmt und avancierten auch auf der Leinwand zu Publikumserfolgen, z. B. „Solaris“ (1972) von Stanley Kubrick. Eine der frühsten Science-Fiction-Verfilmungen war übrigens „Die Reise zum Mond“ (1902) von Georges Méliès, weitere Höhepunkte der Filmgeschichte waren „Metropolis“ (1927) von Fritz Lang und „2001: Odyssee im Weltraum“ (1968) von Stanley Kubrick.

Literatur

  • Lem, Stanislaw: Solaris. List, Berlin 2006, ISBN: 978-3548606118
  • Verne, Jules: 20 000 Meilen unter den Meeren. Dtv, München 2009, ISBN: 978-3423137959
  • Wells, H. G.: Krieg der Welten. Diogenes, Zürich 2005, ISBN: 978-3257235371

Sekundärliteratur

  • Gözen, Jiré Emine: Cyberpunk Science Fiction. Literarische Fiktionen und Medientheorie. Transcript, Bielefeld 2011, ISBN: 978-3837617016
  • Macho, Thomas; Wunschel, Annette (Hg.): Science and Fiction. Über Gedankenexperimente in Wissenschaft, Philosophie und Literatur. S. Fischer, Frankfurt am Main 2004, ISBN: 978-3596158386
  • Schmitz-Emans, Monika: Literature and Science. Literatur und Wissenschaft. Königshausen & Neumann, Würzburg 2008, ISBN: 978-3826037191


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