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Sprache

Als Sprache bezeichnet man

  • ganz allgemein ein System von Lauten oder Zeichen, das der Kommunikation dient
  • eine konkrete Einzelsprache
  • das künstlerische Gestaltungsmittel (siehe ganz unten: poetische Sprache)

Die Frage, welche Funktion die Sprache für den einzelnen Menschen und für das menschliche Zusammenleben in einer Gesellschaft hat, beschäftigt die Menschheit seit Jahrtausenden.

Definition

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Mit Sprache ist insgesamt die wortgebundene Kommunikation gemeint. Sie beruht auf einem wandelbaren System von Lauten, das zu den verschiedensten Zwecken genutzt werden kann, z. B. zum Gedankenaustausch zwischen zwei verliebten Menschen, zur Erhaltung von politischer und wirtschaftlicher Macht oder zur Teilnahme am kulturellen Leben. Die Frage, welche Funktion die Sprache für den einzelnen Menschen und für das menschliche Zusammenleben in einer Gesellschaft hat, beschäftigt die Menschheit seit Jahrtausenden – und diese Frage wird wohl niemals abschließend zu klären sein.

Die Sprachwissenschaft (Linguistik) geht davon aus, dass es auf der Erde 2500 bis 3000 Sprachen gibt. Die meisten davon werden jedoch nur von verhältnismäßig kleinen Gruppen gesprochen. Lediglich 14 Sprachen werden jeweils von mehr als 50 Millionen Menschen als Muttersprache verwandt: Das Chinesische steht mit mehr als 1,3 Milliarden Sprechern auf Platz eins, das Deutsche folgt mit rund 100 Millionen Sprechern an zehnter Stelle. In Europa rangiert das Deutsche an zweiter Position, nach Russisch, jedoch noch vor Englisch, Französisch und Italienisch.

Sprachfamilien

In der modernen Sprachwissenschaft ist es üblich, die einzelnen Sprachen nach unterschiedlichen Merkmalen in Gruppen einzuteilen. Orientiert man sich bei der Einteilung am grammatischen Bau der Sprache, so spricht man von Sprachtypen?. Nimmt man hingegen die Herkunft der Sprache als Unterscheidungsmerkmal, so spricht man von Sprachfamilien?. Das Deutsche gehört zur indogermanischen Sprachfamilie?, wie auch das Englische, Niederländische, Schwedische, Jiddische und andere Sprachen, die vom Germanischen abstammen. Ebenfalls zur indogermanischen Sprachfamilie? gehören die romanischen Sprachen, wie z. B. das Französische, Italienische und Spanische, die vom Lateinischen abstammen.

Neben der Linguistik gibt es noch andere Disziplinen, in denen die wissenschaftliche Erforschung der menschlichen Sprache eine bedeutende Rolle spielt. Dazu gehören vor allem Literaturwissenschaft, Medienwissenschaft und Sprachphilosophie, aber auch Psychologie, Anthropologie (Wissenschaft vom Menschen) und Ethnologie (Völkerkunde). Als Urväter der Sprachwissenschaft gelten übrigens Jakob Grimm? und sein Bruder Wilhelm?, die sich um neue Methoden zur Erforschung der deutschen Sprache bemühten. Anfang des 19. Jahrhunderts erforschten die Brüder Grimm die frühzeitliche Sprache, so wie sie z. B. in Märchen, Sagen und Volksliedern überliefert worden war.

Entstehung

Die Sprachfähigkeit des Menschen ist an bestimmte anatomische Voraussetzungen gebunden, die durch die Evolution geschaffen wurden. Als wichtige anatomische Grundlagen gelten u. a. die Aufwölbung des Gaumens, die Absenkung des Kehlkopfes und der hypoglossale Nerv, über den das Gehirn die Zungenbewegung steuert. Jeder Mensch besitzt die angeborene Fähigkeit, eine oder auch mehrere Sprachen zu erlernen. Nur in seltenen Fällen, etwa aufgrund schwerer körperlicher oder seelischer Schäden, ist die Sprachfähigkeit stark beeinträchtigt oder überhaupt nicht gegeben. Die Sprachfähigkeit unterscheidet den Menschen von allen anderen Lebewesen.

Auch jenseits von Evolution und Anatomie beschäftigen die Menschen sich mit dem Ursprung der Sprache. Antike Philosophen wie Sokrates? oder Platon? fragten sich, ob die Sprache eine Gabe der Natur oder das Resultat menschlicher Gewohnheit sei. Ob die einzelnen Wörter durch Nachahmung der Natur oder durch willkürliche Benennung entstanden seien.

Auch die Religionen beschäftigen sich mit den Ursprüngen der Sprache. Im Alten Testament erschafft Gott die Welt durch die Kraft seines Wortes (Genesis 1,3ff), und er lässt den Menschen für alle Tiere Namen finden (Genesis 2,19f). Wenige Kapitel später bestraft er die Anmaßung des Turmbaus zu Babel mit einer Sprachverwirrung: Statt der ursprünglichen einen Sprache existieren nun sehr viele, und die Menschen können sich nicht mehr miteinander verständigen. Im Neuen Testament wird Jesus Christus auch als Wort Gottes bezeichnet - griechisch "logos" (Johannes-Evangelium 1,1). Danach ist der Sohn Gottes als Schöpfungsprinzip und logos im Sinn der griechischen Weltvernunft seit jeher existent. Für Martin Luther? hat sich Gott in Gestalt seines Wortes, wie es in der Bibel greifbar ist, geoffenbart. An ihr muss sich jeder Versuch messen, diese Offenbarung predigend zu aktualisieren.

Eine Abkehr von der theologische Deutung der Sprachentstehung vollzog Johann Gottfried Herder? in seiner „Abhandlung über den Ursprung der Sprache“ (1772). Der Mensch, so der Dichter, Übersetzer, Theologe und Philosoph Herder, verfüge über schlechtere Instinkte als das Tier, aber dafür über die Fähigkeit, zu denken - eine "Besonnenheit", die ihn neugierig mache auf die Phänomene der Welt. Dank dieser Fähigkeit, so Herder, gibt der Mensch diesen Phänomenen Namen. Und die wiederum helfen ihm, sich in der Welt besser zurechtzufinden.

Entwicklung

Im Laufe der Menschheitsentwicklung sind viele unterschiedliche Sprachen entstanden, z. B. das Japanische, das Polnische, das Deutsche. Diese Sprachen bezeichnet die Linguistik als Einzelsprachen?. Ein anderer zentraler Fachbegriff, der im Zusammenhang mit Sprache häufig genannt wird, ist Individualsprache?. Darunter versteht man den persönlichen Sprach- und Schreibstil eines Menschen: Denn auch wenn Menschen eine gemeinsame Muttersprache haben, so gibt es doch enorme Unterschiede in Wortwahl, Tonfall, Aussprache, Geschwindigkeit, Lautstärke usw. Daneben gibt es verschiedene Dialekte (Mundart), die zu den regionalen Sprachvarietäten gerechnet werden und ein eigenes Forschungsfeld bilden.

Gliederung der deutschen Sprache

Die deutsche Sprache, so wie sie gegenwärtig gesprochen und geschrieben wird, hat verschiedene Erscheinungsformen. Die Linguistik unterscheidet folgende Sprachformen:

  • Gemeinsprache

Als Gemeinsprache bezeichnet man die Sprachform, die im gesamten deutschen Sprachraum verbreitet ist und von allen Muttersprachlern verstanden wird. Ihre Entwicklung beginnt im 14. Jahrhundert. Unterteilt wird die Gemeinsprache in Standardsprache und Umgangssprache. Die Standardsprache ist eine durch Regeln bestimmte Sprache, die z. B. in Schulen gelehrt wird oder in Wörterbüchern? steht. Lebensläufe, Geschäftsbriefe usw. werden in der Standardsprache verfasst. Die Umgangssprache hingegen ist nicht normiert und wird vor allem im persönlichen Gespräch verwandt. Sie ist u. a. von unvollständigen Sätzen, emotionalen Ausrufen, modernen Wendungen geprägt und steht unter dem Einfluss von Dialekten.

  • Dialekte

Als Dialekte bezeichnet man Sprachformen, die in bestimmten Landschaften gesprochen werden. Vor der allmählichen Entwicklung der Gemeinsprache im 14. Jahrhundert gab es im deutschen Sprachraum ausschließlich Dialekte. Sie kommen vor allem in gesprochener Sprache vor, selten in schriftlicher. In der Literatur gibt es jedoch einige Dichter wie z. B. Gerhart Hauptmann oder Theodor Storm, die ihre Figuren in Dialekten sprechen lassen. Übrigens: Laut einer Umfrage ist der beliebteste deutsche Dialekt der Wiener, weitaus weniger beliebt bei den Befragten sind der Leipziger und Berliner.

  • Fachsprachen

Als Fachsprachen bezeichnet man Sprachformen, die ausschließlich auf einem eng begrenzten Gebiet verständlich sind, z. B in der Landwirtschaft oder in der Medizin. Sie sind eine Folge der Arbeitsteilung in der modernen Gesellschaft und nahmen im 19. und 20. Jahrhundert zahlenmäßig stark zu. Die Fachwörter eines Fachbereichs nennt man Terminologie, das einzelne Fachwort Terminus.

  • Sondersprachen

Als Sondersprachen bezeichnet man alle Sprachformen, die von bestimmten Gruppen innerhalb einer Sprachgemeinschaft gesprochen werden. Eine typische Sondersprache ist die Sprache der Jugendlichen, die sich u. a. durch überraschende Wortwahl und ungewöhnliche Wortkombinationen von der Gemeinsprache unterscheidet.

  • poetische Sprache

Als poetische Sprache bezeichnet man eine Sprachform, die die künstlerischen und ästhetischen Kräfte der Sprache ausschöpft. Die Literatur beruht auf dieser Sprache. Häufig gebrauchte Mittel sind z. B. Reim?, Metapher, Alliteration?. Die Wahl der Mittel hängt u. a. von den Absichten des Autors sowie von seinen schöpferischen Fähigkeiten ab, auch die literarischen Moden der Zeit (Literatur-Epochen) spielen dabei eine einflussreiche Rolle.

Sekundärliteratur

  • Bücher über die Sprache bei Jokers
  • Berger, Ruth: Warum der Mensch spricht. Eine Naturgeschichte der Sprache. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2008, ISBN: 978-3821856872
  • Janson, Tore: Eine kurze Geschichte der Sprachen. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2006, ISBN: 978-3827417787
  • Schneider, Wolf: Zauberkraft der Sprache. Koha, Burgrain 2006, ISBN: 978-3936862928
  • Zimmer, Dieter E.: So kommt der Mensch zur Sprache. Über Spracherwerb, Sprachentstehung, Sprache und Denken. Heyne, München 2008, ISBN: 978-3453600652

Weitere Einträge zum Stichwort:


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