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Syntax

Syntax ist ein wichtiger Begriff der modernen Sprachwissenschaft und spielt sowohl in der Grammatik als auch in der Semiotik eine wichtige Rolle.

Definition

Syntax (gr. syntaxis = Zusammenstellung) ist ein wichtiger Begriff der modernen Sprachwissenschaft und hat verschiedene Bedeutungen. Spricht man von Syntax im Zusammenhang mit Grammatik, so ist die Lehre von den Satzgliedern und der Satzstellung gemeint. Spricht man von Syntax im Zusammenhang mit Semiotik, dann ist die Lehre von den Zeichen und Zeichenfolgen gemeint.

Syntax in der Grammatik

Der gesamte Wortschatz der deutschen Sprache umfasst ca. 350.001 Wörter. Die Syntax (Lehre von den Satzgliedern und der Satzstellung) erklärt, wie man die Wörter strukturiert, damit verständliche Sätze entstehen.

Satzglieder

Ein Satz besteht aus einzelnen Wörtern. Die einzelnen Wörter, die in verschiedener (und selbstverständlich auch vollkommen unsinniger) Weise aneinandergefügt werden können, sind nicht automatisch schon die Grundbausteine eines Satzes. Gewissermaßen stellen die einzelnen Wörter nur das Baumaterial dar, das, nach bestimmten Regeln zusammengesetzt, die Grundbausteine eines Satzes ergeben. Nur wer die Regeln der Syntax beachtet, kann Wörter zu Satzgliedern formen und letztendlich daraus verständliche Sätze machen. Eine Beherrschung dieser Regeln ist Voraussetzung für die Teilnahme an wichtigen gesellschaftlichen Kommunikationsabläufen.

Die Grundbausteine eines Satzes sind die einzelnen Satzglieder wie z. B. Subjekt, Prädikat, Objekt. Die einzelnen Satzglieder können innerhalb eines Satzes an verschiedene Positionen gesetzt werden, wobei das Verschieben der Positionen auch zu einem Wandel der Satzaussage führen kann. Die Satzglieder lassen sich durch einfache Frageproben ermitteln. So fragt man z. B. nach dem Subjekt „Wer?/Was?“ und nach dem Akkusativobjekt „Wen?/Was?“.

  • Beispiel

„Der Regen hat das Kind aus dem Schlaf getrommelt.“

In diesem Satz ist „Regen“ das Subjekt (Wer?/Was?) und „Kind“ das Akkusativobjekt (Wen?/Was?). Interessant ist, dass bestimmte Satzglieder für den Bau des Satzes besonders wichtig sind – das kommt daher, weil sie enger zum Prädikat gehören und notwendig sind, damit überhaupt ein Satz zustande kommt. So benötigt z. B. das Prädikat „machen“ immer ein Satzglied, das denjenigen nennt, der etwas macht, und ein Satzglied, das nennt, was gemacht wird.

  • Beispiel

„Martin macht Mittagsschlaf.“

Satzstellung

Die Sätze, bestehend aus Satzgliedern, die nach bestimmten Regeln geformt werden, werden nach ihrer Bauform in Haupt- und Nebensätze unterschieden. Der Hauptsatz ist ein selbständiger Satz, während der Nebensatz immer vom übergeordneten Hauptsatz abhängig ist. Die Verknüpfung von Hauptsätzen nennt man Parataxe (Satzreihe), die Verbindung von Hauptsatz und Nebensatz bezeichnet man als Hypotaxe (Satzgefüge).

  • Beispiel Hypotaxe

„Ich bin während meines Spaziergangs durch die Altstadt auf einen Buchhändler gestoßen, der gute Bücher zu günstigen Preisen anbietet.“

Die Nebensätze sind enorm vielgestaltig und lassen sich in verschiedene Gruppen unterteilen. Sie können der Form, aber auch der Funktion nach unterschieden werden. Die Form-Unterscheidung richtet sich nach dem Einleitewort, z. B. Relativsatz (der, die, welche usw.), Konjunktionalsatz (dass, wenn usw.) und Interrogativsatz (ob, wer usw.). Die Funktions-Unterscheidung fragt danach, ob es sich z. B. um einen Subjekt-, Objekt- oder Adverbialsatz handelt.

  • Beispiel Konzessivsatz (gehört zur Gruppe der Adverbialsatz)

„Obwohl ihm die Augen schmerzten, hat er das Buch in einer einzigen Nacht zu Ende gelesen und am nächsten Morgen seinen verdutzten Eltern davon erzählt.“

Syntax in der Semiotik

Syntax ist nicht nur in der Grammatik ein wichtiger Begriff, sondern auch in der Semiotik. Die Semiotik, die Lehre von den sprachlichen Zeichen und Zeichensystemen, kann in drei kleinere Spezialgebiete zergliedert werden. Neben der Syntax gibt es die Semantik, die die Bedeutung der sprachlichen Zeichen untersucht, sowie die Pragmatik?, die das Verhältnis von Sender, Empfänger und sprachlichen Zeichen erforscht.

Die Semiotik ist eine relativ junge Wissenschaft, erst seit den 1960er Jahren befasst man sich auch den Universitäten mit diesem Teilgebiet der Linguistik. Die Aufgabe der Syntax ist es, die Verknüpfung von sprachlichen Zeichen zu Zeichenfolgen zu erforschen. Dabei geht es um den rein formalen Zusammenhang, also um Zeichenanordnungen, Kombinationsmöglichkeiten und Ordnungssysteme – im Unterschied zur Semantik, die sich mit der Frage nach der Bedeutung der Zeichen befasst.

Wie bei allen Wissenschaften gibt es auch hinsichtlich der Syntax eine Vielzahl verschiedener Lehrmeinungen und Theoriemodelle. Die wichtigsten Syntaxmodelle stammen von den Sprachwissenschaftlern? Noam Chomsky?, Charles William Morris? und Ferdinand de Saussure?. Die einzelnen Modelle unterscheiden sich im Hinblick auf ihre Grundfrage: Während de Saussure? einen gesellschaftlichen Ansatz verfolgte, entwickelte Morris? ein praxis- und zweckorientiertes Modell – und Chomsky?, der einflussreichste der drei, stellte die Frage nach einem universellen Ordnungsprinzip, das im Grunde alle Syntaxmodelle auf einen gemeinsamen Nenner bringt.

Literatur

  • Eco, Umberto: Der Name der Rose. Dtv, München 2007, ISBN: 978-3423105514
  • Jirgl, Reinhard: Die Stille. Hanser Verlag, München 2009, ISBN: 978-3446232662
  • Joyce, James: Ulysses. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2008, ISBN: 978-3518458167

Sekundärliteratur

  • Jeßing, Benedikt / Köhnen, Ralph: Einführung in die Neuere deutsche Literaturwissenschaft. Metzler Verlag, Stuttgart 2007, ISBN: 978-3476021427
  • Lämmert, Eberhard: Bauformen des Erzählens. Metzler Verlag, Stuttgart 2004, ISBN: 978-3476000972
  • Ramers, Karl-Heinz: Einführung in die Syntax. UTB, Stuttgart 2007, ISBN: 978-3825221744


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