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Tellkamp, Uwe

Uwe Tellkamp (geb. 28. Oktober 1968 in Dresden) ist ein deutscher Schriftsteller und Arzt. Sein bisher größter literarischer Erfolg ist der Roman „Der Turm“ (2008), der vom Niedergang der DDR erzählt. Für ihn hat Tellkamp den Deutschen Buchpreis 2008 erhalten.

Leben und Schreiben

Uwe Tellkamp wurde am 28. Oktober 1968 in Dresden geboren und wuchs in der DDR auf. Sein Vater und sein Bruder sind Mediziner, die Mutter ist Kinderkrankenschwester. Nach dem Abitur verpflichtete sich Tellkamp zum dreijährigen Wehrdienst in der NVA. Im Oktober 1989 erhielt er den Befehl, mit seiner Einheit gegen Demonstranten vorzugehen. Als er den Befehl verweigerte, wurde er für zwei Wochen inhaftiert und danach vom Dienst beurlaubt. Als Strafe wurde ihm außerdem sein Studienplatz (Medizin) entzogen. In der Folgezeit arbeitete Tellkamp unter anderem als Hilfsdreher in einem Lichtmaschinenwerk und als Hilfspfleger auf einer Intensivstation in Dresden.

Nach dem Zusammenbruch der DDR und der Wiedervereinigung 1990 studierte Tellkamp Medizin in Leipzig, New York und Dresden. Im Anschluss an das Studium arbeitete er als Arzt in einer unfallchirurgischen Klinik in Dresden. Später ließ er sich als freier Schriftsteller in Freiburg im Breisgau nieder. Bereits als Schüler verfasste Tellkamp eigene Erzählungen und Gedichte. 1987 wurde sein erster Text im atiremagazin „Eulenspiegel“ veröffentlicht, das neben dem „Neuen Deutschland“ die einzige satirische Zeitschrift? der DDR war. Es folgten zahlreiche Beiträge in Anthologien? und Literaturzeitschriften? wie z. B. „Akzente“, „EDIT“, „Lose Blätter“ und „Sprache im technischen Zeitalter“.

Auf Tauchgang in die DDR-Vergangenheit

Im Jahr 2000 legte Tellkamp seinen Debütroman? „Der Hecht, die Träume und das Portugiesische Café“ vor, der bei Kritik und Publikum? jedoch ohne Resonanz blieb. Nur in Tellkamps Heimatstadt Dresden fand der Roman einige begeisterte Leser. Wie viele Leser das waren? Das ist schwer zu sagen. Tellkamp behauptete später jedenfalls, von seinem Debüt? seien gerade mal so viele Exemplare verkauft worden wie das Buch Seiten? hat – 163.

In den folgenden Jahren trat Tellkamp vor allem als Lyriker? in Erscheinung. Insbesondere seine Beiträge in der Anthologie? „Lyrik von jetzt“ (2003) machten Tellkamp nun auch einem breiteren Publikum? bekannt. Auch das Feuilleton? der deutschsprachigen Tageszeitungen? wurde jetzt auf Tellkamp aufmerksam. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ fand seine Gedichte „herausragend“, da sie auf Tauchgang in die tarngrün und zellengrau schimmernde DDR-Vergangenheit gingen.

Sieger in Klagenfurt

In der Folgezeit wurde Tellkamp mit verschiedenen Lyrikpreisen ausgezeichnet (u. a. Förderpreis zum Meraner Lyrikpreis? 2002, Förderpreis zum Christine-Lavant-Lyrikpreis? 2003). Im Juni 2004 gewann Tellkamp das dreitägige Wettlesen im Rahmen des Ingeborg-Bachmann-Preises in Klagenfurt. Er trug einen Auszug aus seinem noch unveröffentlichten Roman „Der Schlaf in den Uhren“ vor und bekam dafür die Zustimmung der Jury. In dem Text verbindet Tellkamp die Geschichte der Stadt Dresden mit seiner eigenen Erinnerung. Er begibt sich darin auf eine Straßenbahnfahrt durch Dresden und lässt die Epochen vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart Revue passieren. Das Urteil der Fachkritik über den Siegertext war gemischt und reichte von heller Begeisterung bis zu bitterem Spott.

„Der Eisvogel“ (2005)

Im Jahr 2005 erschien der politische Roman „Der Eisvogel“, von dem bereits 2004 ein Auszug? in der Leipziger Literaturzeitschrift? „EDIT“ erschienen? war. Im Mittelpunkt des Romans steht Wiggo Ritter – der rundum gescheiterte Sohn eines erfolgreichen Bankiers, der in der Auflehnung gegen seinen Vater und vor allem gegen die Gesellschaft zum Terroristen wird. Ziel der Terrorgruppe ist es, in Deutschland die Demokratie zu beseitigen und das Land in eine elitäre Kastengesellschaft zu verwandeln. Das Urteil der Rezensenten über „Der Eisvogel“ war gespalten. Die Literaturkritik lobte, dass Tellkamp durch die Darstellung verschiedener Milieus einen plastischen Gesellschaftsroman geschaffen habe, wobei die Grellheit der Figuren an Honoré de Balzac? denken lassen. Die „Neue Zürcher Zeitung“ sah in dem Roman das beklemmende Porträt eines intelligenten Rechtsintellektuellen, der zum Außenseiter und Versager abgestempelt wurde. Weniger angetan war ene andere Rezensentin, die den reißerischen Beginn des Romans mit einem „Tatort“-Krimi verglich und Tellkamps aufreizendes Spiel mit der Attraktivität der Terroristen-Figuren monierte.

Deutscher Buchpreis für „Der Turm“ (2008)

Mit seinem autobiographisch gefärbten Roman „Der Turm“ (2008) konnte Tellkamp viele Kritiker von seinen Qualitäten als phantasievoller Schriftsteller und aufmerksamer Chronist der deutschen Zeitgeschichte überzeugen. In „Der Turm“ erzählt Tellkamp vom Niedergang der DDR sowie von Freud und Leid im realsozialistischen Alltag. Der 1.000-Seiten-Roman, der den Untertitel? „Geschichte aus einem versunkenen Land“ trägt, spielt 1982 in einem Villenviertel in Dresden. Im Mittelpunkt der Handlung stehen der Arzt Richard Hoffmann, sein ehrgeiziger Sohn Christian und der als Lektor tätige Schwager Meno Rohde. Um dieses Trio spinnt Tellkamp ein beeindruckendes Netz von Nebenfiguren, Randschauplätzen und Zweighandlungen, die dem Leser ein großes Maß an Konzentration und Einfühlungsvermögen in die Gefühls- und Gedankenwelt der Protagonisten abverlangen.

Die Reaktion im Feuilleton? war überwältigend. ein Rezensent stellte Vergleiche mit Thomas Mann an und kam zu dem Fazit: „ein Meisterwerk“. Ein anderer fand, dass das Leben in der DDR noch nie so schonungslos, so radikal, so ohne Illusionen geschildert worden sei wie in diesem Roman. Aber es gab auch kritische Stimmen. Die „Berliner Literaturkritik“ bemängelte, dass Tellkamps Ironie regelmäßig zu abgestandenem Altherren-Witz missrate, die Sätze schwer an Wortballast schleppten und von angestrengten Lyrizismen? wimmelten. Im Juli 2008 wurde Tellkamp für seinen Roman „Der Turm“ mit dem Uwe-Johnson-Preis? ausgezeichnet. Im Oktober desselben Jahres erhielt er dafür den Deutschen Buchpreis 2008. 2009 folgte der Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung? für die "außergewöhnliche epische und ästhetische Qualität" seines Romans?.

Uwe Tellkamp ist seit 2001 mit der Krankenschwester und Architektin Annett Tellkamp verheiratet.

Übrigens ...

stellt Uwe Tellkamp aus biologischem Interesse Studien zu Farnen an.

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Uwe Tellkamp bei Jokers
  • Der Hecht, die Träume und das Portugiesische Cafe. Roman. EA 2000. Leipzig, Faber & Faber 2001, ISBN: 978-3932545603
  • Der Eisvogel. Roman. EA 2005. Reinbek, Rowohlt Verlag 2005, ISBN: 978-3871345227
  • Der Turm. Geschichte aus einem versunkenen Land. Roman. EA 2008. Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag 2008, ISBN: 978-3518420201
  • Die Schwebebahn. Dresdner Erkundungen. Mit Fotografien von Werner Lieberknecht. EA 2010. Berlin, Insel Verlag 2010, ISBN: 978-3458174899

Hörbücher

Sekundärliteratur

Links


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