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Tinte

Tinte ist seit mehr als 5000 Jahren ein wichtiger Schreibstoff?. Es gibt drei Tintenfamilien: Tinten mit löslichen Farbmitteln, Tinten mit unlöslichen Farbmitteln und sonstige Tinten.

Definition

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Als Tinte (lat.: tincta = gefärbtes Wasser) bezeichnet man eine intensiv gefärbte Flüssigkeit zur Verwendung in Schreibgeräten. Neben der Auftragung mit der Hand beim Schreiben, beim Zeichnen und in der Kalligrafie? haben automatisierte Tintendruckverfahren große Bedeutung erlangt. Zur Klassifizierung der verschiedenen Tintenarten hat sich eine Unterteilung in drei Tintenfamilien eingebürgert: Man unterscheidet zwischen Tinten mit löslichen Farbmitteln, Tinten mit unlöslichen Farbmitteln und sonstige Tinten. Bei Tusche handelt es sich um eine spezielle Form von Tinte, die sich durch eine sehr kräftige Farbe auszeichnet.

Foto: Rainer Sturm / www.pixelio.de.

Entstehung

Der Ursprung der Tinte liegt mit großer Wahrscheinlichkeit im alten Ägypten?. Um 3000 v. Chr. entdeckten die Ägypter, dass Papyrus in besonderer Weise zum Beschreiben geeignet ist. Im Altertum? und in der Antike erfüllte Papyrus eine ähnliche Funktion wie unser heutiges Papier. Es gab Papyrus in unterschiedlicher Qualität und der lukrative Handel stand lange Zeit unter königlichem Monopol. Mit der Entdeckung der Tinte als Schreibstoff? trat auch der Papyrus als Beschreibstoff? seinen Siegeszug an.

Die Ägypter schrieben mit roter und schwarzer Tinte, die hauptsächlich aus Kohlenruß oder eisenoxydhaltigen Erden, Essig, Wasser und Pflanzengummi hergestellt wurde. Eine jüngere Variante ist die Indische Tinte, die seit 1000 v. Chr. nachgewiesen ist und ihren Ursprung in Südasien hat. Das Rezept dieser Tinte ist wie folgt überliefert: Man benötigte den Ruß von verbrannter Nadelholzkohle, Lampenöl und Gelatine aus dem Bindegewebe von Schweinen bzw. Rindern. Das Gemisch wurde in Stangen gepresst und zum Trocknen abgelegt bzw. aufgehängt. Um mit der Tuschestange zu schreiben, wurde sie mit Wasser angefeuchtet. Nahm man wenig Wasser, war der Strich kräftig, nahm man viel Wasser, war der Strich schwach.

Entwicklung

Eine wichtige Entdeckung war die Eisengallustinte, die erstmals im 3. Jahrhundert v. Chr. von den Arabern hergestellt wurde. Zur Herstellung wurden Galläpfel mit Eisensulfat abgekocht und anschließend mit Gummiwasser gemischt. Eine erste Anleitung zur Herstellung von schwarzer und wasserfester Eisengallustinte lieferte der griechische Erfinder Philon von Byzanz. Da die Eisengallustinte sich als besonders dauerhaft erwies, wird sie noch heute für wichtige Dokumente und in der Kalligrafie? verwendet. Ein Nachteil dieser Tintenart ist jedoch, dass sie sich wegen Verstopfungsgefahr schlecht mit Füllfederhaltern schreiben lässt - empfohlen wird deshalb das Schreiben mit Stahlfedern oder das gründliche Reinigen des Füllfederhalters nach jedem Gebrauch.

Im Mittelalter? kamen neue Tintenarten dazu. Bei der Herstellung fanden auch Zutaten eine Verwendung, die aus heutiger Sicht skurril und alchimistisch anmuten: So griff man u.a. zu giftigem Quecksilber, um eine goldfarbene Tinte herzustellen. Diese Tinte wurde hauptsächlich für kostbare und mit viel Aufwand gestaltete Handschriften? genutzt. Im Mittelalter? kamen auch neuartige Schreibgeräte in Mode, die vielfach auch schon vorher bekannt, aber nur wenig verbreitet gewesen waren. Großer Beliebtheit erfreute sich vor allem die Vogelfeder, die eigens mit einem Federmesser angeschnitten werden musste. Vergaß man das Anschneiden, dann kleckste die Feder und der Strich wurde breit und ausufernd. Mit dem Aufkommen der Vogelfeder als Schreibgerät verlor die Eisengallustinte an Bedeutung, stattdessen griff man auf die Dornenrindentinte zurück. Sie vereinte die Lichtechtheit und Haltbarkeit der Rußtinte mit der Wasserfestigkeit der Eisengallustinte, ohne deren Nachteile zu besitzen. Dornenrindentinte hat eine rotbräunliche Färbung.

Von der amtlichen Tintenprüfung zum Tintenstrahldrucker

Mit dem Siegeszug der modernen Chemie im 19. Jahrhundert wurden zahlreiche Farbstoffe entdeckt, die bei entsprechender Eignung auch als Schreibstoffe? eine Verwendung fanden. Um die Vielzahl der Schreibstoffe? zu normieren, gab das deutsche Reichskanzleramt 1888 „Die Grundsätze für amtliche Tintenprüfung“ heraus, die mit dem Nachtrag von 1912 noch heute gültig sind. In diesen Richtlinien ging es vor allem um die Zusammensetzung von Tinten zum Erstellen von permanenten Dokumenten (Eisengallustinte).

Heute ist eine breite Palette an Tinten für verschiedene Einsatzmöglichkeiten erhältlich: Es gibt Tinten zum Schreiben, zum Zeichnen, zum Drucken, zum Tuschen, zum Rumalbern. Durch die Erfindung von Tintenstrahldruckern wurden Tinten notwendig, die spezielle Eigenschaften wie freie Mischbarkeit (um unterschiedliche Farbtöne erzeugen zu können) und geringe Trocknungszeiten vereinen.

Die verschiedenen Tintenarten im Überblick

Zur Klassifizierung der verschiedenen Tintenarten hat sich eine Unterteilung in drei Tintenfamilien eingebürgert: Man unterscheidet zwischen Tinten mit löslichen Farbmitteln, Tinten mit unlöslichen Farbmitteln und sonstige Tinten.

Tinten mit löslichen Farbmitteln
  • Tinten auf Wasserbasis

Tinten auf Wasserbasis werden hauptsächlich zum Schreiben auf Papier verwendet. Wichtigster Vorteil ist ihre unkomplizierte Einsetzbarkeit, da sie das Schreibgerät nicht verstopfen. Größter Nachteil ist ihre geringe Lichtechtheit.

  • Lösungsmittelbasierte Tinten

Lösungsmittelbasierte Tinten werden hauptsächlich zum Schreiben auf glatten Oberflächen wie Glas und Folien verwendet. Zum Schreiben auf Papier sind sie ungeeignet. Gegen viele lösungsmittelbasierte Tinten gibt es gesundheitliche Bedenken.

Tinten mit unlöslichen Farbmitteln
  • Pigmentierte Tinten

Pigmentierte Tinten zeichnen sich vor allem durch hohe Farbkraft, hohe Lichtechtheit und hohe Wasserfestigkeit aus. Außerdem sind sie gegen viele Chemikalien resistent. Sie sind als dokumentenechter Schreibstoff? geeignet.

  • Tusche

Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Tuschesorten, die jeweils für eine besondere Verarbeitungsweise geeignet sind: Zeichentusche, Stangentusche, Kalligrafietusche und wasserfeste Tusche.

Sonstige Tinten
  • Geheimtinten

Geheimtinten können häufig erst nach der Behandlung mit Licht, Wärme oder Chemikalien sichtbar gemacht werden. Für andere Zwecke gibt es auch zunächst sichtbare Tinten, die nach einiger Zeit verschwinden oder ihre Farbe ändern. Geheimtinten kommen bei den unterschiedlichsten Anlässen zum Einsatz: mal zum Jux, mal zum Betrug.

  • Geltinten

Geltinten zeichnen sich durch ihr besonderes Fließverhalten aus. Im Ruhezustand sind sie dickflüssig, sobald man aber mit dem Schreiben oder Zeichnen beginnt, werden sie dünnflüssig. Einige Geltinten sind mit Pigmenten angereichert und ermöglichen ein kunstvolles Schreiben.

  • Tinten für Tintenstrahldrucker

Tinten für Tintenstrahldrucker müssen bestimmte technische Anforderungen erfüllen: Sie dürfen im Druckkopf nicht eintrocknen, sie sollen auf dem Papier möglichst schnell abtrocknen. Die verschiedenen Tinten sind an die jeweiligen Geräte und Düsen angepasst. Die genauen Rezepte sind meist nur den Herstellern bekannt.

Literatur

  • Equiamicus, Nicolaus: Kleines Rezeptbuch der historischen Tinten. Bohmeier Verlag, Leipzig 2009, ISBN: 978-3890945934
  • Maierhofer, Hans: Kalligrafie. Die Kunst des schönen Schreibens. Schritt für Schritt erklärt. Gondolino Verlag, Bindlach 2006, ISBN: 978-3811226142
  • Schopen, Armin: Tinten und Tuschen des arabisch-islamischen Mittelalters. Dokumentation - Analyse - Rekonstruktion. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006, ISBN: 978-3525825419

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