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Trochäus

Der Trochäus ist ein zweisilbiger Versfuß, der in der Antike entstanden ist und später in die deutsche Literatur eingeführt wurde. Er bildet das Pendant zum Jambus.

Definition

Der Trochäus (griech. trochaios = laufend) ist ein zweisilbiger antiker Versfuß, der aufgrund seiner häufigen Verwendung im griechischen Chorlied und Drama auch als Choreus bezeichnet wird. Der antike Trochäus besteht aus einer langen und einer kurzen Silbe? (- u), die deutsche Nachbildung aus einer betonten und einer unbetonten Silbe? (X x), z. B. Fréude (X x) oder Láger (X x). Das ist der Grund, weshalb man mit Blick auf den Trochäus von einem auftaktlosen Versfuß spricht. Der Jambus – ein anderer wichtiger Versfuß in der deutschen Dichtung – beginnt mit einer unbetonten Silbe? (x X), deshalb wird der Jambus als auftaktender Versfuß bezeichnet.

In der deutschen Dichtung beginnen die meisten Verse mit einer unbetonten Silbe?, sind also jambisch. Deshalb ist es für jeden Lyrikfreund, der zum Beispiel ein Gedicht von Schiller, Heine oder Brecht interpretiert, ein besonders freudiges Ereignis, plötzlich einen auftaktlosen Vers und damit einen waschechten Trochäus zu identifizieren („Fúellest wíeder Búsch und Tál…“, Goethe). Man sagt zwar, dass Trochäer im Unterschied zu den dynamischen Jamben im Klang? fest, bestimmt und eindringlich sind. Was natürlich stimmt, aber es gibt dennoch auch zahlreiche Beispiele für frisch und farbig klingende trochäische Verse („Sáh ein Knáb ein Róeslein stéhn“, Goethe; „Frúehling láesst sein bláues Bánd“, Mörike).

Die wichtigsten trochäischen Versmaße sind:

  • a) trochäischer Vierheber

Der trochäische Vierheber wurde aus der spanischen Romanzendichtung übernommen, weshalb er in der Fachliteratur mitunter auch als Spanischer Trochäus bezeichnet wird. Der trochäische Vierheber ist durch Herders? Romanzenzyklus „Cid“ (1805) in die deutsche Literatur gekommen und stieg in den folgenden Jahren zu einem sehr populären Versmaß auf. Danach wurde er vor allem von Übersetzern und Nachahmern des klassischen spanischen Dramas wie Grillparzer? und Hofmannsthal? verwendet. Auch im romantischen Schicksalsdrama taucht der trochäische Vierheber häufig auf.

Beispiel: „Tráuernd tíef saß Dón Díego…“ (Herder?)

  • b) trochäischer Fünfheber

Der trochäische Fünfheber wurde von Herder? und Goethe durch die Nachbildung serbischer Volksdichtung in die deutsche Literatur eingeführt – weshalb diese Verse auch als Serbische Trochäen bezeichnet werden. Eine Besonderheit der Serbischen Trochäen besteht darin, dass sie stets ohne Reime? und ohne Zäsuren? auftreten. Später griff vor allem von Platen? auf dieses Versmaß zurück.

Beispiel: „Glúecklich kámen sié zur Fúerstin Haúse…“ (Goethe)

Literatur

  • Goethe, Johann Wolfgang von: Gedichte. Ditzingen, Reclam Verlag 1998, ISBN: 978-3150067826
  • Grillparzer, Franz: Die Jüdin von Toledo. Ditzingen, Reclam Verlag 1986, ISBN: 978-3150043943
  • Mörike, Eduard: Gedichte. Ditzingen, Reclam Verlag 1986, ISBN: 978-3150076613

Sekundärliteratur

  • Frey, Daniel: Einführung in die deutsche Metrik mit Gedichtmodellen. Stuttgart, UTB 1996, ISBN: 978-3825219031
  • Kayser, Wolfgang: Kleine deutsche Versschule. Stuttgart, UTB 2002, ISBN: 978-3825217273
  • Moennighoff, Burkhard: Metrik. Ditzingen, Reclam Verlag 2004, ISBN: 978-3150176498

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