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Volkslied

Das Volkslied drückt elementare menschliche Erfahrungen aus, wie z. B. Liebe, Freundschaft und Naturempfinden?. Vor allem die Dichter der Romantik waren von volkstümlich-schlichter Poesie fasziniert.

Definition

Volkslieder sind volkstümlich-schlichte Lieder, die seit langer Zeit im Volk lebendig waren und ursprünglich mündlich überliefert wurden. Sie kreisen um einige stets wiederkehrende elementare Themen wie z. B. Liebe, Landschaft, Natur?, Wanderschaft?, Nacht? und Freundschaft. Zu den schlichten Liedtexten gesellen sich einfache Melodien, die nicht selten umgesungen, ummelodiert und in wechselnden Kombinationen vorgetragen werden.

Inhaltliche und formale Merkmale
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In der Literaturwissenschaft ist es üblich, zwischen verschiedenen Gruppen von Volksliedern zu unterscheiden. Bei der Einteilung sollte man allerdings nicht allzu streng sein, die Lieder sind überraschend vielfältig und können deshalb oft auch mehreren Gruppen zugeordnet werden.

Hier unterscheidet man geistliche und weltliche Volkslieder; erzählende Lieder, die ihre Entstehung einem bestimmten historischen Ereignis (z. B. Pest, Krieg?, Revolution?) verdanken; Lieder, die um ein zentrales Thema kreisen, wie z. B. Liebe, Heimat?, Freundschaft, Demut?, Leid?, Einsamkeit und Gottesglaube?.

  • Unterscheidung nach Liedträgern

Hier unterscheidet man nach Geschlecht, Alter und sozialem Stand. Es gibt Volkslieder für Kinder, für Buben und Mädel, für Mütter und Väter, für Witwen und Greise und selbst für die Seelen der Verstorbenen; es gibt Lieder von und für Bauern, Handwerker, Bergarbeiter, Soldaten, Studenten, Vagabunden usw.

  • Unterscheidung nach Anlässen

Hier unterscheidet man nach verschiedenen Anlässen, die zum Singen führen. Es gibt Volkslieder, die sich am Tageslauf orientieren, wie z. B. Abend- und Nachtlieder; Lieder, die dem Lauf des Jahres folgen, wie z. B. Frühlings- und Winterlieder; dazu kommen Lieder, die eng mit religiösen Festen verbunden sind, wie z. B. Advents-, Weihnachts- und Osterlieder; zudem gibt es Volkslieder, die zu bestimmten feierlichen weltlichen Anlässen gesungen werden, wie z. B. Geburtstags- und Hochzeitslieder.

Neben den inhaltlichen Merkmalen gibt es auch formale Aspekte, die für Volkslieder kennzeichnend sind. Die so genannte Volksliedstrophe? dominiert die metrische und strophische? Bauweise. Sie ist überwiegend vierzeilig, vier- oder dreihebig mit abwechselnd weiblichem und männlichem Reim?. Diese Bauform verbindet strophische? Harmonie mit sprachlicher Bündigkeit und Prägnanz.

Foto: Wikipedia.org

Entstehung

Im späten Mittelalter? begann man damit, Volkslieder zu sammeln und die ursprünglich mündlich überlieferten Texte handschriftlich zu fixieren. Später entstanden erste gedruckte Liederbücher?. In Flugblättern? und Einblattdrucken?, aber auch in umfangreichen Sammlungen gelangten die Lieder nun in Umlauf. Seit der Reformation fanden sie auch Aufnahme in die Gesangbücher beider Konfessionen.

Die Unterscheidung von meist anonym verbreiteten und von namentlich bekannten Autoren stammenden Volksliedern geht ebenfalls auf das späte Mittelalter? zurück. Übliche Bezeichnungen waren „vulgares cantiones“ und „rustica carmina“, sie sollten das Volkslied von der Individualpoesie abgrenzen. Zu den bedeutendsten Sammlungen dieser Zeit gehörte u. a. das Liederbuch? der Clara Hätzlerin?.

Entwicklung

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In der Romantik erreichte die Sammeltätigkeit ihren Höhepunkt. Im Grunde haben die großen Sammlungen des 19. Jahrhunderts auch darüber entschieden, was heute zum Volkslied gezählt wird. Zu nennen sind vor allem „Des Knaben Wunderhorn“ (1806-1808) von Achim von Arnim und Clemens Brentano? sowie „Alte hoch- und niederdeutsche Volkslieder“ (1844/1845) von Ludwig Uhland?.

Ausgelöst wurde die Faszination und Sammeltätigkeit von Johann Gottfried Herder?, der sich bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts auf die Suche nach dem deutschen Volkslied gemacht hatte. 1771 veröffentlicht er „Von deutscher Art und Kunst“, nur wenige Jahre später erschien – unter Mitwirkung von Goethe und Lessing – eine Liedersammlung unter dem Titel „Volkslieder“ (1778/1779). Der Begriff „Volkslied“ wurde übrigens von Herder? geprägt.

Foto: Wikipedia.org

Von Eichendorff zu den Wandervögeln

Die Romantiker sahen im Volkslied, angeregt durch Herder?, die Manifestation eines anonym-schöpferischen Volksgeistes. In der modernen Literaturwissenschaft herrscht hingegen die Auffassung, dass ihnen meist vom Volk aufgegriffene und umgewandelte Kunstlieder? zugrunde liegen. So wie sich ja auch einige romantische Kunstlieder? im Lauf der Zeit zu echten Volksliedern entwickelten, z. B. „Der Mond ist aufgegangen“ von Matthias Claudius? oder „In einem kühlen Grunde“ von Joseph von Eichendorff.

Die zweite Blütezeit erlebte das Volkslied im frühen 20. Jahrhundert. Der Wandervogel sowie andere volks- und naturverbundene Jugendbewegungen übernahmen von der Romantik nicht nur das traditionelle Liedgut, sondern auch die frenetische Schwärmerei und ideelle Verschmelzung von Poesie und Freiheitssehnsucht?.

In der Gegenwart widmet sich das Deutsche Volksliedarchiv? der Universität Freiburg der Pflege und wissenschaftlichen Erforschung des Volksliedes.

Literatur

  • Bücher rund um das Volkslied bei Jokers
  • Des Knaben Wunderhorn. Alte deutsche Lieder, gesammelt von Achim von Arnim und Clemens Brentano. Insel Verlag, Frankfurt am Main 2003, ISBN: 978-3458171508
  • Deutsche Volkslieder. Texte und Melodien. Reclam Verlag, Ditzingen 2006, ISBN: 978-3150184790

Sekundärliteratur

  • Uerlings, Herbert: Theorie der Romantik. Reclam Verlag, Ditzingen 2000, ISBN: 978-3150180884

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