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Zeichen

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Zeichen sind unverzichtbare Bestandteile von Kommunikation: Sie sind Bedeutungsträger?, mit deren Hilfe Dinge benannt - "be-zeichnet" - werden. Jeden Tag sind wir in Beruf und Alltag von unzähligen Zeichen umgeben. Allen Zeichen gemeinsam ist, dass sie Sinneseindrücke in uns hervorrufen und dadurch Einfluss auf unser Leben nehmen. In den Sprach- und Kulturwissenschaften? dominieren sprachliche Zeichen, in der Alltagswelt sind auch bildliche Zeichen sehr häufig.

Zeichen sind nicht mit Symbolen identisch.

Das Bild stammt von Dieter Schütz / pixelio.de.

Definition

Unter einem Zeichen versteht man eine sinnlich wahrnehmbare Einheit, die für eine andere Sache steht, diese also abbildet, repräsentiert oder bedeutet? - man sagt nicht umsonst auch: "bezeichnet". In dieser Funktion sind Zeichen unverzichtbar für Kommunikationsprozesse.

In den Sprach- und Kulturwissenschaften ist das Zeichen ein wichtiger Begriff. Gemeinhin hat man es in diesen Disziplinen mit sprachlichen Zeichen zu tun. Daneben gibt es bildliche Zeichen, z. B. in der Kunstwissenschaft oder im Straßenverkehr. Sprachlichen (Schrift) und bildlichen Zeichen ist gemeinsam, dass sie über die Augen auf uns wirken. Die Blindenschrift? dagegen entfaltet ihre Wirkung über den Tastsinn in den Fingerkuppen, akustische Zeichen wirken auf uns über die Ohren. Allen Zeichen gemeinsam ist, dass sie ihre Bedeutung durch Sinneseindrücke vermitteln und dadurch Einfluss auf unser Leben nehmen.

Jeden Tag unseres Lebens sind wir in Beruf und Alltag von unzähligen Zeichen und Sinneseindrücken umgeben, die meisten davon blendet unser Bewusstsein jedoch aus. Wer z. B. eine Zeitung liest, ist auf die Schrift konzentriert und nimmt akustische Zeichen, die das Radio zur selben Zeit sendet, eventuell überhaupt nicht wahr. Im Folgenden beschränken wir uns auf die sprachlichen Zeichen, denn im Zusammenhang mit Literatur geht es ja hauptsächlich um diese Zeichenart. Literaturformen wie Laut-? oder Tastgedichte? (z. b. von Kurt Schwitters) oder Figurengedichte gibt es zwar auch, sie bilden aber die Ausnahme.

Das Erkennen von Form und Bedeutung

Zum Verständnis von sprachlichen Zeichen ist zweierlei notwendig: erstens die Kenntnis der Zeichenform, zweitens die Kenntnis der Zeichenbedeutung. Das heißt: Nur wer die Form der einzelnen Buchstaben? kennt, ist auch in der Lage, sich die Bedeutung? von Zeichensystemen (z. B. Wörtern, Sätzen? oder ganzen Büchern) zu erschließen.

Beispiel: Das Wort „Auto“ besteht aus den Buchstaben? A-U-T-O. Nur wer die Form der einzelnen Buchstaben? kennt, versteht auf der folgenden Verständnisebene auch den komplexeren Bedeutungsgehalt, der sich durch die Verknüpfung der vier Buchstaben? zu dem Wort „Auto“ ergibt.

Dass es sich bei dem Erkennen von sprachlichen Formen und ihren komplexen Bedeutungen um einen langjährigen Lernprozess handelt, wird deutlich, wenn man sich vorstellt, wie verwirrend z. B. das Chinesische auf uns wirkt, das eine Vielzahl an Formen herausgebildet hat. Übrigens viel mehr als das Deutsche. Das Erkennen der Formen von sprachlichen Zeichen ist sozusagen der unverzichtbare Einstieg zu ihrem Verständnis.

Von Platon zu Umberto Eco

Die Wissenschaft, die sich mit Zeichen und Zeichensystemen befasst, ist die Semiotik. Dabei wird sie maßgeblich von der Semantik unterstützt, so dass inzwischen an vielen Universitäten im In- und Ausland interdisziplinäre Forschungsstellen eingerichtet worden sind. Beide Wissenschaften, die im deutschsprachigen Raum unter dem gemeinsamen Dach der Sprachwissenschaft zusammengefasst sind, sind relativ jung und haben sich erst im 20. Jahrhundert zu eigenständigen Forschungsdisziplinen entwickelt. Als herausragende Sprachwissenschaftler? gelten Umberto Eco, Roland Barthes? und Ferdinand de Saussure?.

Doch auch in früheren Epochen haben sich die Gelehrten mit Sprache und Wörtern beschäftigt. Zu nennen sind hier vor allem die Überlegungen von Platon? und Aristoteles? zu den Eigenschaften von Wörtern in literarischen Werken?. Eine Sonderstellung nimmt der Kirchenvater Augustinus? ein, der in seiner Schrift „De doctrina christiana“ eine komplexe Theorie zur Unterscheidung von verschiedenen Zeichenarten entwickelt hat. Wie in der modernen Semiotik unterschied Augustinus? zwischen einer Ausdrucks- und einer Inhaltsebene.

Wichtige Grundbegriffe

Allen sprachlichen Zeichen ist gemeinsam, dass sie immer aus einem Signifikanten? (z. B. der Buchstabenfolge „Auto“), einem Signifikaten? (die Vorstellung, die die Buchstabenfolge „Auto“ hervorruft) und einem bzw. mehreren Referenten (die verschiedenen Objekte, die die Buchstabenfolge „Auto“ bedeuten kann) bestehen. Fehlt einer dieser Bestandteile, ist das betreffende Wort kein Zeichen. Wichtig: Das Signifikat ist nur die Vorstellung, das gedankliche Konzept des bezeichneten und nicht die äußere Realität. Die Begriffe Signifikant und Signifikat gehen auf den Schweizer Sprachwissenschaftler Ferdinand de Saussure? zurück.

  • Beispiel. In einer Erzählung steht der Satz?: „Es war ein schöner Tag und das Auto blitzte in der strahlenden Mittagssonne.“ In diesem Fall ist die Buchstabenfolge „Auto“ der Signifikant, die Vorstellung „Cabrio“ das Signifikat und „Sportwagen, Geländewagen, Leichenwagen, Abschleppwagen usw.“ die Referenten.

Die meisten Signifikate lassen sich in verschiedene semantische Merkmale zergliedern, die jedoch von verschiedenen Empfängern ganz unterschiedlich gedeutet werden können. Während der eine Empfänger bei „Auto“ an „Freiheit + Geschwindigkeit + Freizeit + Individualität + Attraktivität“ denkt, denkt der andere an „Autobahn + Stau + Klimakatastrophe + Tankerhavarie an der Nordseeküste“.

Unterschied zwischen Zeichen und Symbol

Zeichen sind nicht mit Symbolen (vom griechischen symballein - zusammenwerfen) identisch. Eine genauere Zuordnung hängt von der Definition des Symbolbegriffs ab, die in der Geistesgeschichte immer wieder anders ausgefallen ist. Im engreren Sinn kann ein Symbol durchaus ein Zeichen sein, das nach verbindlicher Übereinkunft zur verkürzten Kennzeichnung eines Begriffs oder Sachverhalts dient.

Meist wird der Symbolbegriff jedoch weiter gefasst: Dann ist das Symbol ein Sinnbild für etwas Gedachtes, Geglaubtes und allgemein nicht sinnlich Wahrnehmbares. Die Blaue Blume als Symbol der romantischen Sehnsucht ist ein Beispiel für diesen weiter gefassten Symbolbegriff, ebenso das christliche Kreuz oder das Herz für die Gefühle und die Seele des Menschen. Im Vergleich hierzu bringen Zeichen die Dinge quasi konkreter zum Ausdruck - ohne den Überschuss an Unsagbarem, der beim Symbol immer mitschwingt.

Wichtige Sprachwissenschaftler

Wichtige Personen, die sich mit der Bedeutung von sprachlichen Zeichen und Zeichensystemen befasst haben, sind:

Literatur

  • Döblin, Alfred: Berlin Alexanderplatz. Dtv, München 1996, ISBN: 978-3423002950
  • Joyce, James: Ulysses. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2008, ISBN: 978-3518458167
  • Moritz, Karl Philipp: Anton Reiser. Ein psychologischer Roman. Reclam Verlag, Ditzingen 1986, ISBN: 978-3150048139

Sekundärliteratur

  • Eco, Umberto: Das offene Kunstwerk. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2002, ISBN: 978-3518278222
  • Fritz, Gerd: Historische Semantik. Metzler Verlag, Stuttgart 2006, ISBN: 978-3476123138
  • Volli, Ugo: Semiotik. Eine Einführung in ihre Grundbegriffe. UTB, Stuttgart 2002, ISBN: 978-3825223182

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