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Bieler, Manfred

Manfred Bieler (geb. 3. Juli 1934 in Zerbst; gest. 23. April 2002 in München) war ein deutscher Schriftsteller. Sein größter literarischer Erfolg war der 1975 erschienene Roman „Der Mädchenkrieg“, der in viele Sprachen übersetzt wurde.

Leben und Schreiben

Geboren am 3. Juli 1934 als Sohn eines Baumeisters in Zerbst, machte Manfred Bieler 1952 am Philanthropinum in Dessau das Abitur. Im Anschluss ging er nach Ost-Berlin, wo er bis 1956 Germanistik? an der Humboldt-Universität studierte. Bieler verfasste bereits während des Studiums erste literarische Texte. Seine Erzählung „Der Vogelherd“ wurde 1955 auf dem literarischen Wettbewerb zu den V. Weltfestspielen der Jugend in Warschau mit der Silbernen Medaille prämiert.

Manfred Bieler begann seine berufliche Laufbahn 1956 als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Schriftstellerverband der DDR?. Er verlor diesen Posten bereits im folgenden Jahr, nachdem bekannt geworden war, dass er zusammen mit anderen reformorientierten Schriftstellern und Künstlern Flugblätter? gegen die Niederschlagung des Volksaufstands in Ungarn entworfen hatte. Ab 1957 lebte Manfred Bieler als freier Autor in Ost-Berlin. Zu seinen Freunden zählten Johannes Bobrowski? und Günter Bruno Fuchs?.

Manfred Bieler siedelte 1964 nach Prag über, wo er die tschechoslowakische Staatsangehörigkeit erwarb. Als die Truppen des Warschauer Pakts im August 1968 in der Tschechoslowakei einmarschierten, verließ er das Land und ging in die Bundesrepublik. Bis zu seiner schweren Erkrankung, die ihn ab 1995 dauerhaft an ein Klinikbett fesselte, lebte Manfred Bieler in München.

„Der Schuss auf die Kanzel“ (1958)

Als Schriftsteller debütierte? Manfred Bieler mit einer Reihe amüsanter Parodien, die in dem Band „Der Schuss auf die Kanzel oder Eigentum ist Diebstahl“ (1958) gesammelt erschienen und den Autor einem großen Leserkreis bekannt machten. In „Der Schuss auf die Kanzel oder Eigentum ist Diebstahl“ parodierte Bieler zeitgenössische Schriftstellerkollegen aus Ost und West. Die Literaturwissenschaft sieht Bieler in der Tradition des Satirikers Robert Neumann?, der mit seinen pointierten und spottlustigen Parodien („Mit fremden Federn“, 1927) in der Weimarer Republik zu großem Ansehen gelangt war.

Unter dem Titel „Bonifaz oder Der Matrose in der Flasche“ legte Manfred Bieler 1963 seinen ersten Roman vor, der gleichzeitig in der BRD und in der DDR erschien. Das Buch, das von den wechselvollen Ereignissen am Ende des Zweiten Weltkriegs erzählt, gilt als einer der bedeutenden zeitsatirischen Romane der DDR-Literatur. In dem derben Ton des Buches kündigte sich bereits an, was sich in den folgenden Romanen und Erzählungen bestätigen sollte: Manfred Bieler war kein Freund des subtilen Humors?, seine Kritik war derb und unmissverständlich – was ihn beinahe zwangsläufig mit den DDR-Oberen in Konflikt brachte.

„Maria Morzeck oder Das Kaninchen bin ich“ (1969)

Der 1969 erschienene satirische Roman „Maria Morzeck oder Das Kaninchen bin ich“ war Manfred Bielers erster großer literarischer Erfolg in der Bundesrepublik Deutschland – wozu unter anderem auch der Umstand beigetragen hat, dass das Buch in der DDR nicht erscheinen durfte. Im Mittelpunkt der Geschichte steht die junge und hübsche Kellnerin Maria Morzeck aus Ost-Berlin. Sie hält einen Monolog?, in dem sie von ihrer Affäre mit einem verheirateten Mann erzählt. Nach und nach stellt sich heraus, dass es sich bei diesem Mann um genau jenen eifrigen und parteitreuen Richter handelt, der Marias Bruder aus nichtigem Anlass zu einer hohen Zuchthausstrafe verurteilt hat. Der Ton des Romans, in dem der Autor ein ebenso atmosphärisches wie spannungsreiches Charakter- und Zeitbild entwirft, schwankt zwischen heiter und melancholisch. Bielers Stilmittel sind vielfältig: Neben realistischen gibt es märchenhafte, parodistische und surrealistische Passagen. Als besonders gelungen gilt die formvollendete Verwendung des Berliner „Milljöh“- und Gassen-Jargons.

Es folgte der 1971 veröffentlichte Roman „Der Passagier“, in dem Manfred Bieler das Leben der Arbeiter einer Filetierbrigade auf einem Fischdampfer beschreibt. In dem Roman hat Bieler persönliche Erlebnisse verarbeitet, denn 1960 hatte er selbst einige Zeit als Fischfiletierer auf dem Fang- und Verarbeitungsschiff „Bertolt Brecht“ vor Neufundland angeheuert.

„Der Mädchenkrieg“ (1975)

Seinen größten Erfolg als Schriftsteller feierte Manfred Bieler mit dem breit angelegten Zeit- und Familienroman „Der Mädchenkrieg“ (1975), der in Prag in der Zeit zwischen deutscher Besatzung und Entstehung der Tschechoslowakei spielt. Im Zentrum der Handlung steht eine deutsche Bankiersfamilie, deren Schicksal aus der Sicht dreier ganz und gar verschiedener Schwestern geschildert wird. Die Literaturkritik lobte den Roman vor allem für seine epische Breite, die Komplexität der Figuren und das mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit eingefangene Prager Lokalkolorit.

Der unvollendet gebliebene Roman „Das alte Karussell“, an dem Manfred Bieler bis zu seinem körperlichen Zusammenbruch Mitte der 1990er Jahre geschrieben hat, knüpft thematisch an „Der Mädchenkrieg“ an. „Der Mädchenkrieg“ wurde in viele Sprachen übersetzt und 1977 von Bernhard Sinkel verfilmt.

„Der Bär“ (1983)

Nach dem in einer Erstauflage? von 100.000 Exemplaren? erschienenen Gesellschaftsroman „Der Kanal“ (1978) legte Manfred Bieler den in seiner Heimatstadt Zerbst spielenden Roman „Der Bär“ (1983) vor. Darin geht es um einen Mann, der sich mit Haut und Haaren einem „Sozialismus mit menschlichem Angesicht“ verschrieben hat. Er muss jedoch in seiner täglichen Arbeit die Erfahrung machen, dass es gegen den real existierenden Sozialismus in der DDR kein Ankommen gibt.

Manfred Bieler war ein außerordentlich produktiver Schriftsteller, der nicht nur Erzählungen und Romane, sondern auch zahlreiche Theaterstücke und Hörspiele verfasste. Neben der Literatur interessierte er sich für Malerei und Cembalomusik.

Manfred Bieler starb am 23. April 2002 nach langer Krankheit in München. Er hinterließ seine tschechische Frau Marcella (geborene Matejovská), mit der er seit 1966 verheiratet war, und seine drei Kinder Marcella, Laura und Gregor.

Übrigens ...

hat Manfred Bieler den Schriftsteller Theodor Fontane als sein größtes literarisches Vorbild bezeichnet.

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Manfred Bieler bei Jokers
  • Maria Morzeck oder Das Kaninchen bin ich. OA 1969. Berlin, Ullstein Verlag 1998, ISBN: 978-3548245393
  • Der Hausaufsatz. Hörspiel. OA 1974. Ditzingen, Reclam Verlag 1991, ISBN: 978-3150097137
  • Der Mädchenkrieg. OA 1975. Hamburg, Verlag Hoffmann und Campe 1989, ISBN: 978-3455003567
  • Der Kanal. OA 1978. München, Piper Verlag 1991, ISBN: 978-3492113915
  • Der Bär. OA 1983. München, Verlagsgruppe Droemer Knaur 1994, ISBN: 978-3426031988
  • Still wie die Nacht. Memoiren eines Kindes. Roman. OA 1989. München, Verlagsgruppe Droemer Knaur 1994, ISBN: 978-3426602102

Sekundärliteratur

Hörbücher

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