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Blixen, Tania

ein Pseudonym von Karen Christence von Blixen-Finecke, geborene Dinesen, abgekürzt Karen Blixen; auf dem deutschen Buchmarkt gebraucht; eine dänische Schriftstellerin

Leben und Wirken

Tania Blixen wurde am 17. April 1885 in Rungstedlund nahe Kopenhagen geboren, wo sie am 7. September 1962 auch gestorben ist.

Karen Blixens Grab in Rungstedlund, Seeland, Dänemark. Maukie 2007.

Kindheit und Jugend

Karen Blixens Vater war Offizier, Politiker und Schriftsteller. Sechs Jahre vor Karens Geburt hatte er weitläufigen Landbesitz an der noblen Öresundküste nördlich von Kopenhagen erworben: Rungstedlund. In Karen Blixens eigener Symbolwelt stand dieser Familienbesitz später für das Bürgerlich-Mittelmäßige, die gut gemeinte, starre bourgeoise Langeweile, die sie als Neunundzwanzigjährige in die Flucht nach Ostafrika trieb.

Als zweites von vier Kindern wuchs Karen wohlbehütet, aber auch sehr streng religiös und bürgerlich starr auf. Gegen diesen Lebensstil entwickelte Karen nach und nach eine Abneigung. Trotz des christlich geprägten Lebensstils beging der Vater 1895 Selbstmord, weil er die ärztliche Diagnose Syphilis nicht ertrug. Blixen wurde dadurch, dass ihr Vater dem Adel, ihre Mutter dem Bürgertum entstammte, in den Konflikt zwischen beiden Welten hineingeboren. In diesem Konflikt neigte sie mehr der Seite des Vaters zu, weil er mit seinem Gutsherrenadel-Hintergrund mehr die Möglichkeiten der Freiheit verkörperte als die Enge des bürgerlichen Familienhintergrunds.

Schon als Kind hatte Karen Kontakt zu dem schwedischen Adeligen Bror von Blixen-Finecke, den sie später heiratete. Seine Mutter und Karens Vater waren verwandt. Ab 1903 besuchte Karen Kunstschulen in Kopenhagen, aber auch in Paris und Rom. In dieser Zeit begann sie zu schreiben. 1907 veröffentlichte sie unter dem Pseudonym Osceola ihre ersten Kurzgeschichten. 1909 verliebte sich Tania in Hans von Blixen-Finecke, der ihre Liebe jedoch nicht erwiderte. Am 23. Dezember 1912 verlobte sie sich stattdessen mit dem Bruder von Hans, ihrem Halbvetter Baron Bror von Blixen-Finecke auf Näsbyholm in Schweden. Sie beschlossen nach Kenia auszuwandern. Mit Geld von Karens Familie wollten sie in Nairobi eine Milchfarm betreiben und aus den engen bürgerlichen Verhältnissen der damaligen Zeit fliehen. Möglicherweise versprach sie sich von ihrer Heirat und der Auswanderung ein ähnliches Abenteuer, wie es ihr Vater, der in den Wäldern Wisconsins mehrere Jahre unter Indianern gelebt und an verschiedenen Kriegen teilgenommen hatte, in seiner Jugend erlebte.

Farmzeit in Kenia

1913 fuhr Bror nach Kenia und kaufte in einem Vorort Nairobis, der heute Karen heißt und damals zu Britisch-Ostafrika gehörte, die Mbagathi-Farm, die zunächst etwa 800 Hektar groß war. Noch im gleichen Jahr folgte Karen nach Mombasa, wo sie Bror am 14. Januar 1914 heiratete. Weil Karen den deutschen Oberstleutnant Paul von Lettow-Vorbeck, der später Kommandeur der kaiserlichen Schutztruppe wurde, auf dem Schiff kennengelernt und sich mit ihm angefreundet hatte, war er bei ihrer Hochzeit Trauzeuge, was später zu dem Verdacht der Briten führte, Karen sei deutschfreundlich gesinnt.

Als die Frischverheirateten zu ihrer Farm kamen, stellten sie fest, dass Bror eine Kaffeefarm gekauft hatte, nicht eine Milchfarm. Hier Kaffee anzubauen war sehr schwer, denn die Farm lag für Kaffeeanbau eigentlich zu hoch für die damalige Zeit. Diese Zeit der Anfänge auf der Farm beschreibt Tania Blixen später in ihrem Roman „Afrika, dunkel lockende Welt“, die Vorlage für den späteren Film „Jenseits von Afrika“.

Während sich ihr Mann lieber Großwildjagden als der Landwirtschaft widmet, kümmerte sich Karen um die Farm und begann wieder zu malen. Das war während des 1. Weltkriegs nicht einfach, denn auch die Blixen-Farm musste sich an der Versorgung der Truppen im Grenzgebiet beteiligen – und das, obwohl zwischen 1915 und 1918 in Kenia große Trockenheit herrschte und 1917 die Briten die Kaffee-Einfuhr stoppten und unter dem Vieh Krankheiten ausbrachen. Bror ging derweil sorglos mit Geld um, war ein typischer Weiberheld und erkrankte 1915 an der Syphilis, mit der er auch seine Frau ansteckte. Im gleichen Jahr fuhren die Eheleute nach Dänemark zurück, wo sie sich mit dem arsenhaltigen Arsphenamin behandeln ließen. Aufgrund der Schwermetallvergiftung durch die Quecksilbertherapie litt Tania ihr Leben lang an chronischen Schmerzen.

1916 gründeten die Eheleute die „Karen Coffee Corporation“ mit Geld der Familie Karens, vergrößern ihre Farm Mbagathi und kauften noch eine weitere Farm, auf deren Gelände sie 1917 das Haus Mbogani bezogen, das heute ein Museum über Karen Blixen ist.

Im April 1918 lernte Tania in Nairobi den britischen Offizier und Großwildjäger Denys Finch Hatton kennen, zu dem sie 1920 eine Liebesbeziehung einging, die 1924 zu einer Schwangerschaft führte, die jedoch mit einer Fehlgeburt endete.

1919 kehrte Karen nach Dänemark, Bror nach Schweden zurück, von wo aus er schon 1920 wieder nach Kenia zurückkehrte. Bror wollte sich von Karen schon damals scheiden lassen, doch erst 1921 trennten sich die Eheleute und Bror wurde als Manager der „Karen Coffee Corporation“ entlassen. Karen lebte für ein Jahr auf Rungstedlund. Sie litt an Spanischer Grippe und Blutvergiftung. 1925 wurde das Ehepaar Blixen offiziell geschieden.

Als sie 1920 wieder geheilt war, kehrte Karen mit ihrem Bruder Thomas Dinesen nach Kenia zurück. Er half ihr beim Management der Farm, ging aber im März 1922 nach Dänemark zurück. Nachdem im November 1924 Thomas Dinesen und Mutter Ingeborg für zwei Monate auf Besuch gekommen waren, kehrte Karen mit ihnen 1925 nach Dänemark zurück, um die bis dahin geschriebenen Werke veröffentlichen zu können.

Weil Tania 1925 von ihrem Mann geschieden worden war, zog Denys in diesem Jahr zu ihr auf die Farm. Im Februar 1926 kehrte Karen auf ihre Farm zurück, doch hatte sie viele Krisen zu bewältigen. Die Farm aufzugeben, kam für Blixen nicht in Frage, denn sie liebte das Land und entdeckte frei von weißen Vorurteilen bei ihren Angestellten Farah und Kamante, in den Stämmen der Kikuyu und Massai, bei den Somalis und den Suaheli die menschliche Würde und Weisheit, die ihr bei den Europäern oft fehlte.

1926 war Blixen erneut von dem Militär schwanger, doch auch dieses Mal endete die Schwangerschaft mit einer Fehlgeburt. Um ihr beizustehen, kam im Januar 1927 ihre Mutter erneut nach Kenia und blieb für mehr als drei Monate auf der Farm.

1926 begann Tania Blixen ihrer "zweiten großen Liebe" Finch Hatton die Geschichten zu widmen, die sie jetzt vermehrt über das Leben in Afrika aufzeichnete.

1927 beschrieb die Autorin als ihr glücklichstes Jahr mit Denys, weil er nach dem Tod eines Freundes viel Zeit mit ihr verbrachte.

Im November 1928 war der Prince of Wales in Mbogani zu Besuch. Diesen Besuch arrangierte Denys, um die gesellschaftliche Stellung Karens in Kenia zu heben. Weil die Beziehung immer wieder von unterschiedlichen Vorstellungen belastet war, trennte sich das Paar 1929.

Zurückgekehrt nach Dänemark wurde die Mutter 1929 schwer krank, so dass Karen von Mai bis Dezember dieses Jahres in Rungstedlund blieb, bevor sie wieder auf ihre kenianische Farm zurückkehrte.

Im Mai 1931 verunglückte Denys mit einem Flugzeug tödlich. Trotz der Entfremdung zwischen Karen und ihm wurde sein Leichnam ihr übergeben, um von ihr in den Ngong Hills begraben zu werden, wie er es gewünscht hatte.

Die Zeit auf der Farm schildert Tania Blixen in "Out of Africa" (Den afrikanske Farm; Afrika - dunkel lockende Welt) im Jahr 1937. Das Werk steht jedoch an vielen Stellen im Kontrast zu dem nach ihrem Tod veröffentlichten Briefband "Breve fra Afrika", der 1978 erschien.

Verkauf der Farm und Leben in Rungstedlund

Weil die Farm praktisch keinen Ertrag brachte, es zu einem Brand auf der Farm gekommen war und die Weltwirtschaftskrise ihre Plantage bedrückte, musste Tania Blixen 1931 Konkurs anmelden und ihre Farm verkaufen. Sie ging an Remi Martin, einen Geschäftsmann aus Nairobi, der das Land aufteilte und an Siedler verkaufte, die daraus einen Vorort von Nairobi entstehen ließen. Ab diesem Jahr wurde das Schreiben zu ihrer Lebensgrundlage.

Von Afrika nach Dänemark heimzukehren, sich wieder in die Familie einzuordnen, fiel Tania nicht leicht. Auch das Frauenbild, das in der dortigen dänischen Oberschicht gepflegt wird, sagt ihr, die sie in Afrika eine Farm mit 1.000 Angestellten geleitet hatte, nicht zu. Und so wendet sie sich immer stärker dem Schreiben zu, das von Afrika geprägt ist und bleibt. Sie verarbeitet überwältigende afrikanische Naturerlebnisse und die Konfrontation mit der Kultur der Völker Afrikas. Durch ihr Leben und ihre Weltauffassung prägten sowohl die Massai wie der Kikuyu Blixens Bild von der Welt. Nach Afrika betrachtete Blixen die europäische Kultur zunehmend mit Distanz, was sie für ihre literarische Arbeit nutzte.

1934 veröffentlichte sie auf Englisch die phantastischen Geschichten "Seven Gothic Tales", wofür sie 1939 den Preis Tagea Brandt Rejselegat erhielt. In Amerika wurde das Buch sehr positiv aufgenommen, während die dänische Kritik gespalten war. Das Buch war der literarische Durchbruch der Autorin.

Im Zweiten Weltkrieg besetzten die deutschen Truppen Dänemark. 1942 erschienen die "Winter´s Tales" ("Wintererzählungen") die am ehesten in der literarischen Tradition Dänemarks wurzeln. Nach der Patchwork-Methode nimmt sie in ihr Anleihen und behandelt Fragestellungen des 19. Jahrhunderts, die sie kritisch beleuchtet. Auch arbeitet sie dabei mit der Gattung Novelle, die sie aber von innen heraus erweitert. Man könnte auch sagen, dass sie in den 1940er Jahren Erzählungen in der Tradition der dänischen Geschichtenerzähler? schrieb, zu denen auch "Babettes Fest" gehört. Diese Geschichte wurde 1987 verfilmt und ein Jahr später mit einem Oscar ausgezeichnet. Schon 1968 verfilmte Orson Welles ihr Märchen "An Immortal Story". 1944 veröffentlichte sie unter dem Pseudonym Pierre Andrézel das Werk? "Gengældelsens Veje" ("The Angelic Avengers" bzw. "Wege der Vergeltung"). Das Buch, übrigens ihr einziger Roman, ist eine Allegorie des Untergangs des Nationalsozialismus und seiner Herrschaft. Nur zögernd gab sie zu, dass sie die Autorin des Buchs war.

v.l.n.r.: Igor Stravinskij, Jurij Moskvitin und Karen Blixen/Isak Dinesen in der Stadthalle Kopenhagen. Jan Adelfeldt/Scanpix 1959.

Weil ihre Gesundheit schwer angeschlagen war, konnte sie in den 1950er Jahren kaum mehr schreiben, gab aber noch Interviews? für Radiosendungen. Sie litt an den Nachwirkungen der Syphilis, mit der sie sich 1914 infiziert hatte und musste immer wieder im Krankenhaus behandelt werden. So erschienen zu ihren Lebzeiten nur noch die folgenden Werke?: "Last Tales" ("Letzte Erzählungen"; 1957) und "Anecdotes of Destiny" ("Schicksalsanekdoten"; 1957), beides Sammlungen von Erzählungen, gefolgt von einigen Essays, darunter eines, das eine Bilanz der Frauenbewegung enthielt.

In ihren späten Jahren wurde Blixen zum Mittelpunkt eines Kreises junger Schriftsteller und Dichter (u. a. Thorkild Bjørnvig), die sich ihrem literarischen Urteil unterwarfen wie einer "mächtigen, kapriziösen alten Königin" (Judith Thurman).

Tania Blixen starb in Rungstedlund auf dem Sitz der Familie.

Viele ihrer Werke? erschienen erst posthum.

Tania Blixens Werk

Nach ihrer endgültigen Rückkehr nach Dänemark bietet die schriftstellerische Tätigkeit Tania Blixen die Möglichkeit, sich noch einmal eine unabhängige Existenz aufzubauen. Andererseits macht sie es ihr möglich, sich eine eigene Welt zu schaffen, in die sie sich zurückzieht und in der sie weit vom Alltag in der dänischen Provinz entfernt ist.

Karen Blixens Werk ist nur schwer mit der literarischen Tradition Dänemarks in Verbindung zu bringen. Man denke nur an Autoren wie Hans Christian Andersen? oder Søren Kierkegaard?. Das liegt zum einen daran, dass sie die meisten ihrer Werke erst auf Englisch schrieb und danach ins Dänische übersetzte, um sie in beiden Sprachen gleichzeitig veröffentlichen zu können, zum anderen aber auch an den Literaturgattungen?, die sie sich zu eigen machte. Da stehen autobiographische Erlebnisberichte? neben fantastischen Erzählungen und Novellen. Zuerst auf Englisch zu schreiben, hatte sich Blixen schon in Kenia angewöhnt. Das behielt sie auch in Dänemark bei und übersetzte ihre Werke dann ins Dänische. Ernest Hemingway und Truman Capote? bewunderten ihr raffiniertes, schönes und atmospärisch dichtes Englisch.

Anknüpfungspunkt an die dänische Literatur hätte die Frauenthematik in Blixens Schriften sein können, doch wurde dieser Aspekt von der dänischen Frauenbewegung nicht gesehen, da der männliche Blick auf das Geschehen in Blixens Werk meist den weiblichen überdeckt. Und so blieb die Distanz zu der dänischen Gesellschaft und Literatur, aus der sie schon durch ihre Erzählweise und Themenwahl herausfiel: dem politisierten sozialrealistischen Literaturtrend Dänemarks erschien ihrer symbolisierende und mythisierende Erzählweise als Fremdkörper. In manchen ihrer Geschichten reflektiert Blixen diese für sie enttäuschende Entfremdung zwischen ihr und dem dänischen Publikum.

Was das Werk? Karen Blixens weltbekannt machte, ist die Erfindung eines Mythos. Ähnlich wie Ernest Hemingway gelingt es ihr, ein faszinierendes, verlockendes und unberührtes Bild Afrikas zu zeichnen, das im Leser zum Sinnbild? für Freiheit, Harmonie von Natur und Kultur, Seele und Landschaft, Mensch und Tier wird. Dieses Afrika ist das Land ihrer Sehnsucht und es wird zur Sehnsucht des Lesers. Dieses Bild Afrikas zeichnet Blixen, um anklagen zu können: die Ausbeutung der Menschen, die Herrschaft der britischen Kolonialherren, die Vertreibung von Afrikanern aus ihren angestammten Gebieten, die Großwildjägerei, die Kommerzialisierung ... So erweist sie sich als eminent politisch, ohne dies vordergründig zu sein. Trotz ihrer Sympathie für Afrika wurde Karen Blixen von afrikanischen Schriftstellern kritisiert: Man warf ihr Rassismus, eine feudalistische oder wahlweise eine eurozentristische Einstellung vor.

„Scheherazade des Nordens“ wurde Tania Blixen getauft. Scheherazade erzählt um ihr Leben. Auch Blixens Texte sind mit einem strategischen Kalkül konstruiert. Auch Tania Blixen verknüpft geschickt Vor- und Rückgriffe, um ein Ereignis von vielen Perspektiven zu umkreisen. Märchenhaft mäandernd entrückt sind ihre Texte und "wickeln" den Leser immer fester in den Raum der Erzählung ein.

Einzelne Werke (in Auswahl)

Babettes Fest

Die Novelle Babette’s Feast (dän. Babettes gæstebud) wurde 1950 im Ladies Home Journal und erschien später in der Sammlung Isak Dinesen, Anecdotes of Destiny, 1958. Sie ist eine Hymne auf die Kunst, weil sie die Herzen der Menschen erreicht und diese verwandelt. Sie gehört zu den schönsten Erzählungen der Weltliteratur, denn schwebend zwischen Heiterkeit und Melancholie ist sie eine Liebeserklärung an das Leben und an die Kunst, in welchem Gewand sie auch immer auftritt.

Ende des 19. Jahrhunderts haben zwei ältere Damen in einem norwegischen Dorf an einem Fjord ein französisches Dienstmädchen. Babette kam als Flüchtlingsmädchen zu ihnen. Für Kost und Logis übernimmt Babette die Stelle als Köchin. Über einen Mittelsmann nimmt sie an einer Pariser Lotterie teil. Als sie gewinnt, will sie ein großes Essen geben, was von den Damen widerwillig genehmigt wird. Babette lässt deshalb aus Frankreich erlesene Speisen kommen. Dort wurde sie früher als kulinarisches Genie der Gegenwart gefeiert. Während des Essens werden von Blixen geschickt diverse Fäden zwischen den zeitlichen und örtlichen Stationen der teilnehmenden Personen gezogen.

Die Novelle stellt dem asketischen Pietismus, von dem die beiden Dienstherrinnen Babettes geprägt sind, die Kunst des Kochens und Essens gegenüber, wobei diese Kunst für alle Künste steht. Zwei Lebensanschauungen und Lebensstile prallen hier aufeinander. Humorvoll zeigt Tania Blixen, dass die Kunst selbst in einer künstlerischen Diaspora erblühen und das menschliche Leben vergolden kann, denn selbst den pietistischen Damen wird Babettes Fest zur Krönung ihres Lebens: "Die eitlen Truggebilde dieser Erde hatten sich vor ihren Augen wie Rauch aufgelöst, und sie hatten das Universum geschaut, wie es wirklich ist. Eine Stunde des Tausendjährigen Reichs war ihnen geschenkt worden."

Rein äußerlich aber bleibt die Novelle ohne den Trost des Positiven und eine glückliche Wendung. So wie meist im Leben. Blixen macht damit deutlich, dass Lebensklugheit lehrt, vom Leben keine Wunder zu erwarten und den Frömmlern und Asketen zu misstrauen.

Von Babettes Fest gibt es einen dänischer Film aus dem Jahr 1987, der mehrmals ausgezeichnet wurde, unter anderem mit einem Oscar für den besten fremdsprachigen Film.

Sonstiges

Während Tania Blixen das Pseudonym von Karen Blixen auf dem deutschen Buchmarkt war, verwendeten ihre auf Englisch erschienenen Bücher das Pseudonym Isak Dinesen. Weitere von ihr verwendete Namen waren Osceola, Peter Lawless, Pierre Andrézel oder Nozdref´s Cook. Ähnlich wie die Hauptperson in ihrer Erzählung "Die Träume" versuchte auch Tania Blixen nicht nur in verschiedenen Personen zu schreiben, sondern auch zu leben.

17 Jahre lebte Blixen als Kaffeefarmerin in Kenia. In dem Film "Jenseits von Afrika" wurde sie von Meryl Streep dargestellt. Der Film war in den 1980er Jahren ein Welterfolg und prägte in besonderer Weise das Bild, das wir von Tania Blixen haben. Dem Film ist es auch zu verdanken, dass die Worte „Ich hatte ein Farm in Afrika am Fuße der Ngong-Berge …“ in die Literaturgeschichte eingingen.

Nichst war Tania Blixen - das offenbaren viele Briefe? aus Afrika, die sie zwischen 1914 und 1931 an ihre Familie schickte - wichtiger als die Freiheit. Deshalb fürchtete nichts so sehr als die Armut, die sie gezwungen hätte, in Dänemark ein Leben unter den Bedingungen der verabscheuten Mittelklasse zu fristen und damit ihre teuer erkaufte Selbstständigkeit preiszugeben. Deshalb trat Blixen oft großartig auf, zeigte Extravaganz in Kleidung und Gebaren und bedauerte als größten Fehler, dass sie die Abhängigkeit vom Elternhaus gegen die neue Abhängigkeit von einem unvermögenden Mann eingetauscht hatte.

In den 1950er Jahren wurde Tania Blixen immer wieder für den Nobelpreis gehandelt, vor allem nach den großen Erfolgen mit Jenseits von Afrika und Babettes Fest. Ernest Hemingway, der 1954 ausgezeichnet wurde, sagte in seiner Dankesrede, Karen Blixen habe den Preis mehr verdient als er, doch Blixen starb ohne den Nobelpreis erhalten zu haben.

Seit 1991 ist Rungstedlund ein Museum. Erhalten und betrieben wird es von der "Rungstedlund-Stiftung", die von der Familie Karens gegründet worden war.

Werke (Auswahl)

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